BB vom 20. Februar 2003 - Stumpertenrod

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JensR

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Hallo Astrogemeinde,

folgenden Besuchsbericht möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Viel Spass und clear skies
Jens

Besuchbericht vom 20. Februar 2003

19:35 Uhr

Endlich einer dieser klaren Abende, endlich geht der Mond mal spät auf, endlich habe ich Zeit! Dies habe ich dann gleich ausgenutzt und bin in den Vogelsbergkreis nahe Stumpertenrod gefahren. Dort ist die Sicht weitaus besser als bei meinem Wohnort. Und die Stunde Fahrt ist auch nicht der Rede wert... Erstaunt habe ich festgestellt, dass noch Schnee dort oben liegt, ca. 15-20cm! Die Auffahrt zum Sportplatz habe ich bei der ersten Vorbeifahrt nicht ausmachen können, also rumgedreht und erneut probiert. Es hat sich herausgestellt., dass der Weg komplett zugeschneit war. Da er zudem auch noch abschüssig ist, habe ich meinen Wagen kurzerhand an den Strassenrand gestellt und dass Teleskop ein paar Schritte daneben aufgebaut.

In meiner Vorfreude habe ich eine Liste der Objekte aufgestellt, die ich an diesen Abend abklappern wollte. Diese waren vor allem Galaxien der tief im Süden stehenden Sternbilder.

Der Anfang macht M77 (Gx; Cet). Da ich das Sternbild bisher noch nicht kannte, muste ich mich erstmal zurechtfinden. Minuten später habe ich dann die Stelle lokalisiert und mich mit niedriger Vergrößerung genähert. Nichts! Keline Galaxie im Okular :-( Welche Pleite.

Dann eben weiter mit dem Eridianus. Im Norden soll es ein paar nette Galaxien geben. Aber auch von NGC 1637 (Gx; Eri) keine Spur.

Ein wenig enttäuscht habe ich mich dann von den Galaxien entfernt und M79 (GC; Lep) anvisiert. Da ist er! Endlich ein Treffer! Schön rund seine Form und nicht aufgelöst. Aber vieeeele Sterne zu sehen. En Gewimmel gar.

Da ich mit einem Sternhaufen mehr Glück hatte, bin ich zu M93 (OC; Pup) gewechselt.. Er ist fürwahr leicht zu finden. Ich würde ihn als mittelgrosse Sternansammlung bezeichnen. Ein paar hellere Sterne bilden eine Art "Häckchen", an dem "unten links" eine runde Ansammlung von Sternen klebt.

Jetzt wollte ich mich mit was wunderschönen belohnen: M42(GN;Ori). Das Trapez bei 32fach deutlich getrennt und umgeben von den leuchtenden Gasmassen.. Die Dunkelwolke "Fischmaul" war klar zu erkennen. Dazu erstreckt sich ein langer Gasschweif beidseitig der Kernregion. "Links" läuft der Scheif in eine grosse Fläche schwachleuchtenden Nebels aus. Dieser erinnert mich an einen Engelsflügel. Strukturen konnte ich keine ausmachen. Die beiden E- und F-Komponenten waren leider nicht zu sehen.

M43 (GN;Ori) war ganz deutlich zu erkennen. Er hat eine Art Tropfenform. Der dunkle Übergang zu M42 war ebenfalls sehr deutlich und kontrastreich.

In dem Nebel NGC 1973 (GN;Ori) waren einige hellere Sterne eingebettet. Dieser Nebel war auch eindeutig zu sehen.

Dann M48 (OC;Hya). Deren lose Sternanhäufung bildet ein Dreieck, in der etwas randwärts gelegen eine längliche Ansammlung mehrerer Sterne einen schönen Kontrast bildet.

Langsam halte ich die Dunkeladaption meiner Augen für vollendet. Ich entschliesse mich, wieder den Eridianus anzuvisieren. Diesmal versuche ich mich an den planetarischen Nebel NGC 1535 (PN;Eri), der nach wenig Suche zu sehen ist. Bei 32fach lässt sich der runde Nebel vermuten, bei 89fach ist der Planetarische Nebel klar erkennbar. Strukturen offenbaren sich aber keine.

Das nächste Ziel sollte jetzt die Hydra sein, sie steht aber noch nicht hoch genug. Daher versuche ich die visuelle Helligkeit des Himmels zu ermitteln: 5mag nur. Das ist rekordverdächtig schlecht für dieses Gebiet. Ich gebe spontan dem Schnee die Schuld. Sogar der Waldsaum in ca. 300m Entfernung ist deutlich zu sehen. Von absoluter Finsternis is leider nichts zu sehen.

OK, dann jetzt doch ein paar Galaxien. Ich entscheide mich für M81 (Gx;UMa). Also das Teleskop ausgerichtet. Diese Galaxien stehen weit im Norden und ich kämpfe mit dem "toten Punkt" meiner parallaktischen Montierung. Ein paar Mal musste ich das Teleskop komplett neu ausrichten, dann endlich konnte ich die Galaxie vor mir sehen. Grossflächig, hell und oval fällt mir da nur ein. Ich bin begeistert! Meine Phantasie geht mit mir durch, ich stelle mir die riesigen Entfernungen vor, die Myriaden an Sterneninseln und die Unendlichkeit des Universums.

Direkt daneben im selben Bildfeld des 25mm Okulars schwebt M82 (Gx;UMa) in seiner prägnanten Seitenlage. "Das war doch ein Klacks" dachte ich mir und nun möchte ich endlich auch die Nachbargalaxie NGC 3077 (Gx;UMa) sehen. Also die Sterne auf der Karte eingeprägt und das Teleskop bewegt. Dort ist ein Nebelfleck! Aber was ist das? Die Sternumgebung will einfach nicht zur Karte passen! Also noch mal neu orientiert und dann habe ich NGC 3077 (Gx;UMa) gefunden. Diese Galaxie kam mir rund vor, aber sicher bin ich mir nicht.

Ich werde neugierig, welcher Nebel vorher im Bildfeld schwebte, also noch mal zurückgeschwenkt und die Karte begutachtet: es ist die schwächere Galaxie NGC 2976 (Gx; UMa).

Jetzt werde ich grössenwahnsinnig und nehme mir die nahe Galaxie NGC 2787 (Gx;UMa) vor, die nur eine Helligkeit von 10,9 mag laut Cartes Du Ciel hat. Auch diese konnte ich auf der Haben-Seite verbuchen! Nicht nur das, sie ist auch eindeutig und direkt zu sehen. Mit dieser habe ich nun 5 Galaxien der M81-Gruppe erwicht :-)

Eine Messier-Galaxie, die mir noch fehlt (neben vielen anderen) ist M77 (Gx;Cet). Da der Walfisch noch gut am Himmel stand, wagte ich mich an diese Galaxie. Immer noch habe ich dem Sternbild Probleme. Aber diesmal ging es dann doch besser als am Beobachtungsbeginn. Dort hatte ich mich wohl mit dem Stern vertan, denn diesmal habe ich M77 schnell drin gehabt.

Keinen Erfolg habe ich bei der Nachbargalaxie NGC 1055 (Gx;Cet) gehabt. Ihre Helligkeit von 10,6mag hat nicht gegen der Horizonterhellung ankommen können. Auch indirekt war nichts zu machen. Wobei ich mit dieser Methode noch nicht viel praktische Erfahrung habe.

Danach bin ich zurück zum Großen Bären geschwenkt. Die Galaxie NGC 2841 (Gx;UMa) hat gelockt und stand auch schon eine ganze Weile auf der Abschussliste. Sie war sehr einfach zu finden und hat auch einfache Strukturen offenbart. Der "obere" Bereich der Galaxie war ein bischen heller als der "untere" Das Zentrum wiederum war deutlich hervorgehoben. Ein Stern hat "rechts" die Galaxie begrenzt.

Zu diesen Zeitpunkt stand auch Sextans in annehmbarer Höhe. Also das Teleskop ausgerichtet und NGC 3115 (Gx; Sex) anvisiert. Der Kern war deutlich zu sehen. Ich vermutete schräg auf die Galaxie zu schauen. Der Blick in den Karkoschka hat meine Beobachtungen heute bestätigt.

Die Galaxien NGC 3166 (Gx;Sex) und NGC 3169 (Gx;Sex) hatte ich aufgrund mangelhafter Aufsuchkarten nicht gefunden.

Oberhalb des Sextanten stand der Löwe schon recht hoch. Die südlichen Galaxien wollte ich mir für später aufheben und habe mich dem nordwestlichen NGC 2903/5 (Gx;Leo) zugewand. Diese haben mich verwirrt. Denn dort, wo sie stehen sollten, konnte ich nur eine Galaxie finden. Diese hatte auch keine Strukturen offenbart. Ich habe mir eine unregelmässige Struktur eingeredet, die das Vorhandensein zweier Galaxien erklären könnte. Tags drauf wollte ich mir zu diesen Galaxien ein paar weitere Infos via Internet beschaffen und musste feststellen, dass es sich in der Tat nur um eine Galaxie handelt. Einer der Arme dieser Galaxie wurde vom William Herschel als NGC 2905 deklariert.

Danach folgte eine Schwenk zum Großen Wagen. Denn dort wartete M 108 (Gx; UMa) auf mich. Also Merak anvisiert, das Teleskop ein bischen zur Seite bewegt und schon war ich beim Kastenstern Phad gelandet??? Also noch mal zurück und ein bischen deutlicher das Umfeld von Merak durchmustert und sofort waren M 108 und M97 gleichzeitig im Blickfeld. Wow! M 108 (Gx;UMa) ist eine grosse und langgezogene Galaxie mir deutlichem Zentrum. Sowohl "rechts" am Rand des Zentrums als auch "rechts" am Rand der Galaxienscheibe konnte ich jeweils einen Vordergrundstern ausmachen. Nette Konstellation.

Wenn mich was überrascht hat, dann war es der Eulennebel M97 (PN;UMa). Nach erfolglosen Beobachtungsversuchen in der Vergangenheit konnte ich ihn nun klar im Okluar sehen. Völlig perplex hat mich seine Grösse und die Helligkeit gemacht! Ich meine einen fransigen Rand und eine unrunde (eiernde) Form zu erkennen. Von den Augen der Eule war wie erwartet keine Spur zu sehen.

Die Beobachtungsnacht ging langsam zu Ende, den Mond habe ich jeden Moment erwartet. Ich beschloss mir noch einen kurzen Blick auf die Gasplaneten zu gönnen. Bei der Suche nach Jupiter bin ich über die Krippe (Präsepe;M44;OC;Cnc) gestolpert. Diesen habe ich nicht weiter beachtet sondern für später einmal aufgehoben.

Jupiter offenbarte mir sofort seine beiden dunklen Bänder. Die dunklen Polkappen konnte ich nur erahnen. Europa und Ganymed standen dicht beieinander auf einer Seite, Io und Callisto auf der anderen Seite des Jupiter.

Bei der Suche nach Saturn habe ich noch kurz den Krabbennebel M1 (SR;Tau) angepeilt. Diesmal liessen sich kaum Strukturen entlocken. Die schöne ovale Form war diesmal eher einem Ei gewichen.

Saturn war das letzte Objekt an diesem Abend. Leider konnte ich keinen seiner Monde sehen ??? Ein Blick ins Cartes Du Ciel -Programm zeigt mir gerade, dass die Monde gar nicht in einer Linie zueinander stehen, sondern sich sowohl oberhalb als auch unterhalb des Planeten tummelten. Die Pünktchen dort hatte ich wärend der Beobachtung als Sterne abgetan.



Dannach ist ein schöner Beobachtungsabend zu Ende gegangen. Er hatte einige Enttäuschungen parat, die gesehenen wunderschönen Objekte des Himmels haben aber alles wieder wettgemacht.

Ein paar Erkenntnisse:

-Die Reihenfolge der Beobachtungsliste wurde im Eifer des Gefechts kaum eingehalten.

-Das generelle Erstellen einer Beobachtungsliste ist sehr hilfreich.

-Der Ausruck von Aufsuchkarten (mit Cartes Du Ciel) ist sehr hilfreich.

-Spontane Beobachtungswünsche meinerseits scheuchen dass Teleskop wirr über den Himmel.

-Ich werde mich (hoffentlich) zukünftig mehr mit den Objekten auseinandersetzen und versuchen, sie weiter zu erschliessen.



Meine Instrument:

GSO-Newton 200/800 auf EQ6 und SLP3-Steuerung

9mm (89fach) und 25 (32fach)


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi JensR,

schöner Bericht rund um M81 in UMj.

NGC2787 fehlt mir auch noch. Diese GX ist recht klein und hat eine hohe Flächenhelligkeit, weshalb sie trotz ihrer 10m8 direkt sichtbar ist. Dafür hast du NGC2985 vergessen, die ähnlich wie NGC2976 recht nahe an M81/M82 liegt. NGC3077 ist nicht rund sondern eher oval im Verhältnis 2:1.

So, jetzt habe ich mir auch mit CdC eine Aufsuchkarte für NGC2787 gemacht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Gruß

Lots
 
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