BB24: Als die Erde noch nicht geboren war....

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Deneb

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Hallo zusammen,

es gibt wieder einen neuen Beobachtungsbericht von mir. Allerdings sind darin mit Ausnahme des Haufens NGC 2331 nur sehr schwache Objekte darunter. Deshalb ist der Bericht vielleicht für den ein oder anderen etwas langweilig. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Die Nacht begann zuerst mit einer Galaxienjagd im Sternbild Zwillinge, das ja nicht unbedingt für seinen Galaxienreichtum bekannt ist. Deshalb sind die Objekte darin auch sehr schwach. Dafür haben sie Entfernungen von bis zu 240 Mio. Lichtjahren, was ja auch ein bisschen was für sich hat. Einige davon müssen hart erkämpft werden, aber wenn man sie dann einmal gesehen hat, ist die Freude umso größer.

Weiter geht es dann mit der Quasarjagd. Ich konnte an diesem Abend 6 Objekte beobachten. Die Daten stammen aus der Liste von Wolfgang Steinicke, die bei der Fachgruppe Deep Sky zu finden ist. Nur die Entfernungen musste ich aus der Rotverschiebung neu berechnen, da hier teilweise erhebliche Abweichungen sind. Sowas kann ich auch nur jedem mal empfehlen. Es ist zwar nur ein kleines Sternchen, das man sieht, aber wenn man bedenkt, dass dieses Licht schon ein paar Milliarden Jahre unterwegs ist... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" />

Ich hab auch schon meinen Bericht über den Probemarathon fertig, aber ich trau mich nicht so recht, den hier reinzustellen, da er schon als Word Dokument 16 Seiten hat. Das wird dann ein bisschen sehr lang. In diesem Bericht sind 98 Messierobjekte recht ausführlich beschrieben, zusätzlich sind auch noch die Uhrzeiten angegeben, damit man sich eine Vorstellung über den zeitlichen Ablauf machen kann. Wer den Bericht aber haben möchte, kann aber gerne eine Mail an

deneb-2001@web.de

senden, ich schicke den Bericht dann selbstverständlich zu. Würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere melden würde, damit sich die Arbeit auch gelohnt hat. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Und nun viel Spaß beim Lesen und Nachbeobachten.

Christian

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Beobachtungsbericht Nr. 24 vom 16.02.04


Bedingungen:
Als ich an meinem Stammbeobachtungsplatz in Völkersbach auf 460mNN ankam, war die Luft noch relativ feucht und damit auch die Grenzgröße mit 5m5 nicht sonderlich berauschend. Die Horizontsicht war auch recht schlecht. Die Bedingungen besserten sich aber im Laufe der Nacht immer mehr und schon gegen Mitternacht fand ich mich unter einem dunklen Himmel wieder. Die Grenzgröße erreichte 6m0, auch die Horizontsicht war gut. Es war angenehm windstill und auch die Temperaturen lagen mit 0°C am Abend bis –4°C am Morgen noch im erträglichen Bereich.

Instrument:
203/1200mm Dobson mit 25mm Plössl, 13mm, 8mm und 5mm LVW, OIII- und UHC-Filter


Gemini, die Zwillinge:


Doppelsterne:

Alpha- Gem (1m9, 2m9, 4.0“):
Bei 100x kann man im Gesichtsfeld zwei strahlend helle Sterne erkennen, die beide eine weißlich gelbe Farbe haben. Des weiteren besitzen sie fast die gleiche Helligkeit. Mit im Gesichtsfeld befinden sich zahlreiche schwache Sterne, was das ganze sehr reizvoll macht. Schon bei dieser Vergrößerung kann der Doppelstern recht einfach getrennt werden. Wirklich ein wunderschönes Objekt.
Bewertung:

Kappa- Gem (3m6, 8m1, 7.1“):
Bei 100x sieht man einen tiefgelben, hellen Hauptstern, der von einer sehr lichtschwachen, weißlichen Komponente begleitet wird. Der Helligkeitsunterschied ist sehr groß und dementsprechend auch sehr auffällig. Wegen des großen Abstands stellt der Doppelstern allerdings kein Problem dar. Ein recht einfaches Objekt.
Bewertung:

Delta- Gem (3m5, 8m2, 5.8“):
Bei 100x erkennt man einen einfach zu trennenden Doppelstern, der sich in einem sehr sternreichen Umfeld befindet. Die hellere Komponente leuchtet gelblich, die in geringem Abstand von einem orangefarbenen Sternchen begleitet wird. Der Helligkeitsunterschied ist sehr groß und deshalb sehr auffällig.
Bewertung:


Deep Sky:

NGC 2331 (Gem, Oc, -m-, 18’):
Bei 50x erkennt man an der gesuchten Position einen größeren, locker konzentrierten offenen Sternhaufen, dessen Konzentration zur Mitte hin zunimmt. Aufgrund der nur lockeren Konzentration hebt sich der Haufen nicht so sonderlich gut von der Umgebung ab. Die vielen Sterne haben zwar alle unterschiedliche Helligkeiten, jedoch ist die Helligkeitsstreuung nicht so groß. Insgesamt sind ca. 20 Mitglieder erkennbar. Der Haufen erscheint leicht oval und ist ca. 1.5:1 elongiert. Die Form ist unregelmäßig und ist nicht näher definierbar. Am östlichen Rand erkennt man eine sehr kleine Verdichtung, die sehr stark konzentriert ist und aus mehreren Sternen besteht. Sie kann bei 150x in einen unregelmäßigen Ring aus 5 Sternchen, in dessen Innerem sich anscheinend noch schwache Sterne befinden.
Bewertung:

NGC 2415 (Gem, Gx, 12m7, 1.1’):
Bei 100x ist eine kleine, aber recht helle Galaxie zu erkennen, die eine hohe Flächenhelligkeit besitzt und damit auch mit direktem Sehen sehr einfach zu erkennen ist. Sie befindet sich in einer Reihe mit mehreren hellen Sternen. Die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin mäßig zu und in der Mitte blitzt manchmal ein stellarer Kern auf, ansonsten ist das Zentrum flächig. Die Galaxie hat eine rundliche Form und klar definierte Ränder.
Bewertung:

NGC 2389 (Gem, Gx, 13m3, 2.0’):
Diese 174 Mio. Lichtjahren entferne Galaxie wird von einem Dreieck aus Sternen eingerahmt, die gut zur Orientierung dienen können. Sie erscheint bei 100x als lichtschwacher, diffuser Lichtfleck, der nur mit indirektem Sehen zu erkennen ist. Die Galaxie muss hart erkämpft werden und stellt ein schwieriges Objekt dar. Sie hat eine rundliche Form und die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin leicht zu. Das Zentrum erscheint flächig. Ansonsten erscheint die Galaxie recht strukturlos.
Bewertung:

UGC 3829 (Gem, Gx, 13m5, 1.3’):
Diese Galaxie erscheint bei 100x wieder recht lichtschwach. Sie befindet sich neben einer Gruppe von Sternen. Die Galaxie muss wieder hart erkämpft werden und erscheint erst nach mehrminütigem indirektem Hinsehen. Man kann sie ca. 40% der Zeit halten. Direkt neben der Galaxie befindet sich ein schwaches Sternchen. Die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin leicht bis mäßig zu. Des weiteren erscheint sie leicht oval und ist max. 1.5:1 elongiert. Ein sehr schwieriges Objekt.
Bewertung:

IC 2199 (Gem, Gx, 13m5, 1.1’):
Die Galaxie ist mit 207 Millionen Lichtjahren recht weit von uns entfernt. Aufgrund dieser Entfernung erscheint sie bei 100x auch nur als sehr schwacher Lichtfleck, der mit indirektem Sehen jedoch noch gut zu halten ist. Das Umfeld ist sehr sternreich, was einen schönen Anblick ergibt. Außerdem ist noch ein sehr heller 9 mag Stern zu erkennen, was einen schönen Kontrast ergibt. Die Galaxie wird von einem unregelmäßigen Viereck aus Sternen eingerahmt. Mit indirektem Sehen erscheint die Galaxie eher länglich und ist 2-2.5:1 elongiert. Die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin leicht zu, das Zentrum erscheint flächig.
Bewertung:

NGC 2435 (Gem, Gx, 13m3, 2.1’):
Hier hat man zur Abwechslung mal ein recht helles Objekt vor sich, das bei 100x auch mit direktem Sehen gut zu halten ist. Die Galaxie befindet sich neben einem fast rechtwinkligen Dreieck aus hellen Sternen. Sie erscheint oval und ist ca. 2:1 elongiert. Die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin leicht zu und im Zentrum ist ein hellerer stellarer Kern zu sehen. Neben der Galaxie befindet sich noch ein schwacher Vordergrundstern.
Bewertung:

UGC 3995 (Gem, Gx, 13m4, 1.7’):
Bei 100x erkennt man mit indirektem Sehen einen schwachen, diffusen Lichtfleck, der gut zu halten ist. Die 208 Mio. Lichtjahre entfernte Galaxie befindet sich neben einem helleren Stern, der mit zwei weiteren hellen Sternen ein nahezu gleichseitiges Dreieck bildet. Irgendwie schaut die Galaxie wie ein kleines Wölkchen aus. Sie erscheint rundlich und ist 1.5:1 elongiert. Die Helligkeit der Koma nimmt zur Mitte hin nur leicht zu. Im Zentrum blitzt manchmal ein schwacher, stellarer Kern auf. Die Ränder laufen diffus nach außen hin aus.
Bewertung:

UGC 4132 (Gem, Gx, 13m3, 1.9’):
Diese Galaxie hält mit 236 Mio. Lichtjahren den Entfernungsrekord der heutigen Nacht. Bei 100x kann man wieder einen sehr lichtschwachen Lichtfleck erkennen, der hart erkämpft werden muss. Sie befindet sich in einer Reihe mit drei schwachen 13mag Sternchen. Die Galaxie ist mit indirektem Sehen ca. 30% der Zeit zu halten. Von der Kantenlage ist gar nichts zu sehen, denn die Galaxie erscheint leicht oval. Wahrscheinlich liegts an der Helligkeit. Die Helligkeit der Koma nimmt leicht bis mäßig zur Mitte hin zu und im Zentrum blitzt manchmal ein schwacher, stellarer Kern auf.
Bewertung:


Die Quasarjagd:


Gefundene Objekte:

HS 0624+6907 (Cam, QSO, 14m1, 3.70 Mrd. Lichtjahre):
Nachdem ich erst einmal eine Weile das Sternbild Giraffe suchen musste, hatte ich dann auch noch Probleme mit der Orientierung. Doch nach 5 Minuten war ich endlich an der richtigen Position angekommen. Schon bei 100x konnte ich mit indirektem Sehen ein schwaches Sternchen erkennen. Bei 150x war das ganze dann überhaupt kein Problem mehr, der Quasar war sogar mit direktem Sehen gut zu halten. Ein sehr einfaches Objekt.
Bewertung:

S5 0716+71 (Cam, QSO, 14m0, 3.17 Mrd. Lichtjahre):
Wieder ein sehr einfaches Objekt, das bei 150x sogar mit direktem Sehen einfach zu erkennen war. Es scheint, als ob sich der Quasar zur Zeit im Maximum befinden würde. Deshalb ist jetzt eine gute Zeit, um ihn zu beobachten. Die Suche und die Identifizierung waren kein Problem, da sich im Gesichtsfeld viele Sterne befinden.
Bewertung:

PKS 0754+100 (Cnc, QSO, 14m7, 5.33 Mrd. Lichtjahre):
Dieser Quasar ist recht lichtschwach und war erst nach mehrminütigem, indirektem Sehen erkennbar. Er kann nur ca. 20% der Zeit gehalten werden, dann aber sicher. Ein sehr schönes Gefühl, so weit in die Vergangenheit geblickt zu haben. Aufgrund der geschätzten Helligkeit befindet sich der Quasar im Minimum.
Bewertung:

OJ+287 (Cnc, QSO, 14m8, 3.22 Mrd. Lichtjahre):
Die Position ist schnell gefunden, aber die Identifizierung ist nicht einfach, da kaum helle Sterne zu Verfügung stehen. Erst mit indirektem Sehen schält sich der Quasar aus dem Hintergrund heraus. Ein 1.4’ entfernter Stern mit 14m6 erleichtert das ganze ein bisschen, auch wenn Verwechslungsgefahr besteht. Wieder ein schwieriges Objekt.
Bewertung:

PG 1211+143 (Com, QSO, 14m2, 1.06Mrd. Lichtjahre):
Bei 150x ist der Quasar die ganze Zeit mit indirektem Sehen zu halten. Er stellt also kein besonderes Problem dar. Sogar mit direktem Sehen ist er zu machen, dann allerdings nur für 50% der Zeit. Wieder ein recht einfaches Objekt.
Bewertung:

HE 1029-1401 (Hya, QSO, 13m5, 1.07 Mrd. Lichtjahre):
Ein sehr einfaches Objekt, das auch mit direktem Sehen sehr gut zu halten ist und auch bei 100x überhaupt kein Problem darstellt. Auch das Auffinden und das Identifizieren ist kein Problem, da sich der Quasar in einer Reihe mit zwei helleren 12-13mag Sternchen befindet.
Bewertung:


Nicht gefundene Objekte:

· ON 231
· PKS 0735+17

Beide Objekte habe ich sogar mit 240x gesucht, aber auch nach mehrminütigem, indirektem Sehen war nichts zu holen. Da heißt es jetzt dranbleiben. Vielleicht werden sie bald mal wieder heller, so dass sie einer Beobachtung zugänglich werden.
 
Hi Deneb,

ein sehr schöner Beobachtungsbericht und sicherlich alles andere als langweilig. Glückwunsch vor allem zur erfolgreichen Sichtung von PKS0754+100, an dem werde ich mich heute Nacht auch mal versuchen (ebenfalls mit 200/1200 Newton). Einfach faszinierend ein Objekt zu beobachten, das seine Photonen emíttierte, als sich die Kohlenstoffatome in unseren Körpern noch innerhalb eines vergehenden Sternes befanden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" /> .

Gruß,

Mathias
 
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