MartinSchoenball
Aktives Mitglied
Hallo
Die nun fast schon vergangenen hochsommerlichen Tage brachten auch einige klare Nächte mit sich, die ich ausgiebig nutzten konnte!
Die erste nutzbare Nacht wie die vom Donnerstag auf Freitag. Beobachtet wurde wie immer mit meinem 10" GSO Dobson.
In dieser beobachtete ich die Galaxiengruppe um NGC 5056. Es handelt sich um eine unscheinbare Gruppe von ca. 10-15 Galaxie, die bei einer Radialgeschwindigkeit von 5000 km/s zum zu näheren Bereich des Coma-Leo Superhaufens (Vrad ~ 7000 km/s) zählen. Auf Fotos oder Sternkarten fallen sie ähnlich wenig auf, wie spektroskopisch entdeckte offene Sternhaufen. Die Haufenzugehörigkeit ergibt sich nur aus der ähnlichen Radialgeschwindigkeit. Zudem ist diese Gruppe recht groß (ca. 20°) und locker verteilt. Das Feld ist daher durch ebensoviele Vorder- und Hintergrund-Galaxien "kontaminiert", wie es Gruppengalaxien gibt. Diese habe ich auf Zeitgründen aber bei der Beobachtung außen vor gelassen.
Sehen konnte ich 9 von 11 versuchten Galaxien: NGC 5056, NGC 5057, NGC 5065, NGC 5074, UGC8317, UGC 8397, PGC 46196, PGC 46538, PGC 46582. Nicht gesehen bzw. nur sehr unsicher gesehen habe ich UGC 8392 bzw. PGC 46284.
Zum Abschluß (die Nächte sind verdammt kurz geworden und werden zum Teil auch noch durch Mondaufgang verkürzt...) widmete ich mich dem Galaxienpaar IC 983/2 unweit von Arktur. Bei IC 983 handelt es sich um eine riesige Spiralgalaxie mit geringer Flächenhelligkeit und einem extrem dominanten Kern. Bei einer Entfernung von 250 MLj ergibt sich mit den 5' scheinbaren Durchmesser ein Durchmesser der Scheibe von 360 000 Lichtjahren! Vermutlich ist der Durchmesser aber etwas zu groß angegeben, dennoch handelt es sich um ein riesiges Teil!
Die Beobachtung ist nicht ganz so einfach: zunächst ist nur der recht schwache Kern zu sehen. Bei 274x erscheint er sehr klein, fast stellar. Bei 91x werden dann die sehr schwachen und großen Randbereiche sichtbar. Sie reichen bis etwa auf halbe Strecke zu SAO 100889.
Bei der Beobachtung in der nächsten Nacht erschien mir der Kern stellar. Da muß ich bei etwas weniger Wind und gutem Seeing nochmal nachsehen.
IC 982 ist dann eher unspektakulär als kleines Fuzel zu sehen. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ic0983.jpg
Gibt es Amateur-Fotos dieses Paares?
Für die Nacht zum Freitag hatte sich Matthias Juchert zu Besuch mit seinem kleinen 4" Reisedob angemeldet.
Anfangs nur von Zirren geschockt fanden wir dann um 23 Uhr 30 einen wolkenfreien und passabel dunklen Himmel vor. Unser erstes Ziel war die Superthin Galaxy NGC 5529 im Bootes. Sie war überraschend einfach und schön dünn zu sehen. Die Elongation schätze ich auf 8:1!
Als nächstes kam NGC 4214 an die Reihe, eine irreguläre Galaxie in den Jagdhunden. Hier ließ sich mit UHC Filter ein kleiner Knoten im Süden herausblinken. Auch sonst bot die Galaxie so einiges: Nach N und O gehen hellere Arme vom NO-SW länglichen Zentralgebiet weg. Die hellste Stelle mit stellarer Spitze liegt etwas Richtung W verschoben, am Rand des hellen Zentralgebietes. Die Galaxie ist von einem runden Halo umgeben Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4214.jpg
Das letzte Ziel war schließlich NGC 5248, eine kräftige Spirale im Bootes. Ich konnte hier nichts besonderes feststellen. Matthias gelang dagegen eine Sichtung der Spiralarme!
Für die Nacht zum Sonntag hatten wir und NGC 4449 vorgenommen, eine Galaxie, die wir bisher nur jeder mit seinem Einsteigerröhrchen beobachtet hatten.
Bei der Beobachtung und Zeichnung fühlte ich mich nach etwas Einsehzeit fast schon überfordert. Überall waren kontrastschwache Details wahrzunehmen aber schwierig zu fassen. Ich war schon fast verzweifelt als ich den Bleistift in der Hand hatte und ich das Objekt nun zeichnen sollte.
Die Beobachtung lautet nun: sehr helle Galaxie, elongiert NO-SW, senkrecht zum Hauptkörper ist ein ovales Gebiet im NO mit einer Helligkeitsspitze nach Osten verschoben. Weiter östlich befindet sich ein kleiner Knoten. Die östliche Hälfte des Hauptkörpers ist die hellere. Im Westen ist ein größerer Knoten leicht abgesetzt. Nach Norden geht ein schwacher Arm weg. Die gesamte Galaxie ist von einem schwachen Halo umgeben, der die Galaxie um 50% vergrößert. Mit UHC Filter lassen sich kein Knoten herausblinken. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4449.jpg
Während Matthias sich nun diesem und dem nächsten Objekt (NGC 4618) widmete, nutzte ich die Zeit an seinem 4" Reisedob und besuchte den Cirrusnebel. Da ich mir eine Zeichnung dieses Teil mit 10" schon seit Jahren vorgenommen habe, mich aber noch nicht herantraue, vage ich es nun mit 4". Hier sind die Details noch einigermaßen überschaubar. Beobachtet habe ich übrigens mit dem engen Baader [OIII] Filter. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_cirrus.jpg
Nun war ich schließlich mit NGC 4619 (=Arp 75) an der Reihe. Diese Galaxie hatte sich Matthias herausgesucht, der sie auch nur vom Hörensagen kannte. Mir war sie völlig unbekannt und er weigerte sich auch strikt mir irgendetwas über dieses Objekt zu verraten. Umsomehr war ich dann beim Anblick der Galaxie verwundert. Sie sieht aus wie eine zusammengekringelte Kaulquappe, dicker Hauptteil kaum heller zur Mitte, entgegen dem Uhrzeigersinn windet sich von Osten ein erst breiter dann spitz zulaufender Arm weg. Im Süden ist abgesetzt vom Arm ein Knoten. Die gesamte Galaxie ist von einem runden, ziemlich schwachen Halo umgeben.
Der naheliegenden NGC 4625, die auf Fotos ein ähnliches Aussehen hat, konnte ich keine Details entlocken, habe da aber (sträflicherweise) auch nicht so intensiv hingeschaut.
Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4618.jpg
Dann ging wieder der Mond auf, schleunigst packten wir ein und fuhren nach Hause, damit ich noch halbwegs genügend Schlaf bekommen konnte um 6h auf dem Rad verbringen zu können.
Gruß
Martin
Die nun fast schon vergangenen hochsommerlichen Tage brachten auch einige klare Nächte mit sich, die ich ausgiebig nutzten konnte!
Die erste nutzbare Nacht wie die vom Donnerstag auf Freitag. Beobachtet wurde wie immer mit meinem 10" GSO Dobson.
In dieser beobachtete ich die Galaxiengruppe um NGC 5056. Es handelt sich um eine unscheinbare Gruppe von ca. 10-15 Galaxie, die bei einer Radialgeschwindigkeit von 5000 km/s zum zu näheren Bereich des Coma-Leo Superhaufens (Vrad ~ 7000 km/s) zählen. Auf Fotos oder Sternkarten fallen sie ähnlich wenig auf, wie spektroskopisch entdeckte offene Sternhaufen. Die Haufenzugehörigkeit ergibt sich nur aus der ähnlichen Radialgeschwindigkeit. Zudem ist diese Gruppe recht groß (ca. 20°) und locker verteilt. Das Feld ist daher durch ebensoviele Vorder- und Hintergrund-Galaxien "kontaminiert", wie es Gruppengalaxien gibt. Diese habe ich auf Zeitgründen aber bei der Beobachtung außen vor gelassen.
Sehen konnte ich 9 von 11 versuchten Galaxien: NGC 5056, NGC 5057, NGC 5065, NGC 5074, UGC8317, UGC 8397, PGC 46196, PGC 46538, PGC 46582. Nicht gesehen bzw. nur sehr unsicher gesehen habe ich UGC 8392 bzw. PGC 46284.
Zum Abschluß (die Nächte sind verdammt kurz geworden und werden zum Teil auch noch durch Mondaufgang verkürzt...) widmete ich mich dem Galaxienpaar IC 983/2 unweit von Arktur. Bei IC 983 handelt es sich um eine riesige Spiralgalaxie mit geringer Flächenhelligkeit und einem extrem dominanten Kern. Bei einer Entfernung von 250 MLj ergibt sich mit den 5' scheinbaren Durchmesser ein Durchmesser der Scheibe von 360 000 Lichtjahren! Vermutlich ist der Durchmesser aber etwas zu groß angegeben, dennoch handelt es sich um ein riesiges Teil!
Die Beobachtung ist nicht ganz so einfach: zunächst ist nur der recht schwache Kern zu sehen. Bei 274x erscheint er sehr klein, fast stellar. Bei 91x werden dann die sehr schwachen und großen Randbereiche sichtbar. Sie reichen bis etwa auf halbe Strecke zu SAO 100889.
Bei der Beobachtung in der nächsten Nacht erschien mir der Kern stellar. Da muß ich bei etwas weniger Wind und gutem Seeing nochmal nachsehen.
IC 982 ist dann eher unspektakulär als kleines Fuzel zu sehen. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ic0983.jpg
Gibt es Amateur-Fotos dieses Paares?
Für die Nacht zum Freitag hatte sich Matthias Juchert zu Besuch mit seinem kleinen 4" Reisedob angemeldet.
Anfangs nur von Zirren geschockt fanden wir dann um 23 Uhr 30 einen wolkenfreien und passabel dunklen Himmel vor. Unser erstes Ziel war die Superthin Galaxy NGC 5529 im Bootes. Sie war überraschend einfach und schön dünn zu sehen. Die Elongation schätze ich auf 8:1!
Als nächstes kam NGC 4214 an die Reihe, eine irreguläre Galaxie in den Jagdhunden. Hier ließ sich mit UHC Filter ein kleiner Knoten im Süden herausblinken. Auch sonst bot die Galaxie so einiges: Nach N und O gehen hellere Arme vom NO-SW länglichen Zentralgebiet weg. Die hellste Stelle mit stellarer Spitze liegt etwas Richtung W verschoben, am Rand des hellen Zentralgebietes. Die Galaxie ist von einem runden Halo umgeben Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4214.jpg
Das letzte Ziel war schließlich NGC 5248, eine kräftige Spirale im Bootes. Ich konnte hier nichts besonderes feststellen. Matthias gelang dagegen eine Sichtung der Spiralarme!
Für die Nacht zum Sonntag hatten wir und NGC 4449 vorgenommen, eine Galaxie, die wir bisher nur jeder mit seinem Einsteigerröhrchen beobachtet hatten.
Bei der Beobachtung und Zeichnung fühlte ich mich nach etwas Einsehzeit fast schon überfordert. Überall waren kontrastschwache Details wahrzunehmen aber schwierig zu fassen. Ich war schon fast verzweifelt als ich den Bleistift in der Hand hatte und ich das Objekt nun zeichnen sollte.
Die Beobachtung lautet nun: sehr helle Galaxie, elongiert NO-SW, senkrecht zum Hauptkörper ist ein ovales Gebiet im NO mit einer Helligkeitsspitze nach Osten verschoben. Weiter östlich befindet sich ein kleiner Knoten. Die östliche Hälfte des Hauptkörpers ist die hellere. Im Westen ist ein größerer Knoten leicht abgesetzt. Nach Norden geht ein schwacher Arm weg. Die gesamte Galaxie ist von einem schwachen Halo umgeben, der die Galaxie um 50% vergrößert. Mit UHC Filter lassen sich kein Knoten herausblinken. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4449.jpg
Während Matthias sich nun diesem und dem nächsten Objekt (NGC 4618) widmete, nutzte ich die Zeit an seinem 4" Reisedob und besuchte den Cirrusnebel. Da ich mir eine Zeichnung dieses Teil mit 10" schon seit Jahren vorgenommen habe, mich aber noch nicht herantraue, vage ich es nun mit 4". Hier sind die Details noch einigermaßen überschaubar. Beobachtet habe ich übrigens mit dem engen Baader [OIII] Filter. Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_cirrus.jpg
Nun war ich schließlich mit NGC 4619 (=Arp 75) an der Reihe. Diese Galaxie hatte sich Matthias herausgesucht, der sie auch nur vom Hörensagen kannte. Mir war sie völlig unbekannt und er weigerte sich auch strikt mir irgendetwas über dieses Objekt zu verraten. Umsomehr war ich dann beim Anblick der Galaxie verwundert. Sie sieht aus wie eine zusammengekringelte Kaulquappe, dicker Hauptteil kaum heller zur Mitte, entgegen dem Uhrzeigersinn windet sich von Osten ein erst breiter dann spitz zulaufender Arm weg. Im Süden ist abgesetzt vom Arm ein Knoten. Die gesamte Galaxie ist von einem runden, ziemlich schwachen Halo umgeben.
Der naheliegenden NGC 4625, die auf Fotos ein ähnliches Aussehen hat, konnte ich keine Details entlocken, habe da aber (sträflicherweise) auch nicht so intensiv hingeschaut.
Zeichnung:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc4618.jpg
Dann ging wieder der Mond auf, schleunigst packten wir ein und fuhren nach Hause, damit ich noch halbwegs genügend Schlaf bekommen konnte um 6h auf dem Rad verbringen zu können.
Gruß
Martin