Beobachtungsbericht vom 14 auf 15. Juli

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Berberich

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Beobachtung am 14. auf den 15. Juli 2007

Zeit: 22:30 MESZ bis 04:00 MESZ
Beobachtungsort: Siegfried-Berberich-Sternwarte, Gerchsheim 49.8 / 09.57 Ost (nahe Würzburg)
Höhe: 356 m über N.N.
Instrumente: Galaxy Dobson 12“ f5 und Miyauchi Fernglas 20x77
Grenzgrö¦e: mag 6,2
Wind: 0

Allgemeine Bedingungen:
Die wohl klarste Nacht seit Monaten. Wolkenlos, keine Zirren. Die Milchstraße komplett sichtbar mit allen Teilungen bis 10 Grad zum Horizont. Sehr gute Durchsicht und Transparenz.
Soweit zu den heutigen Bedingungen.

Wir wollten uns die Galaobjekte im Süden anschauen. Beim Durchmustern mit dem Miyauchi konnten wir das Glas hinhalten, wohin wir wollten - immer war irgendein Objekt im Bild!
M17 zeigte sich schon im Miyauchi als verwaschener, länglicher Nebelfleck.
M11, Scutum: dicht, rund, aufgelöst bis ins Zentrum. Sehr schön der Vordergrundstern, leuchtend wie ein Brillant umgeben von Diamantsplittern. Vergrößerung: 170x mit Meade UWA 14mm.
M17: im UHC-Filter bei 107-facher Vergrößerung klar und deutlich, wie ausgeschnitten. Strukturen im Nebel sichtbar. Okular: Meade UWA 8,8 mm.
Weiter ging die Reise zu M8, auch hier deutliche Strukturen, 14 mm und 8,8mm UWA mit UHC.
Nahezu alle erreichbaren Objekte wurden unter verschiedenen Vergrößerungen beobachtet. Jedes erwies sich als einzigartig und lohnenswert, daher möchte ich nicht auf alle separat eingehen, die meisten von Euch werden sie kennen.

Gegen 1:30 nahmen wir uns die Pflichtobjekte vor.

M13 zuerst im Miyauchi: 20x: er erschien als doch recht größer, nicht strukturierter Nebelfleck vor samtschwarzem Hintergrund. Die Nacht war erstaunlich gut zu nutzen, trotz der mangelnden Dunkelheit des Sommerhimmels.
Nun nahmen wir uns die verschiedensten Vergrößerungen im 12“ Dobson vor. Wir wollten auch die vorhandenen Okulare, die ja allesamt für unser 12“ SC angeschafft wurden und auf f10 korrigiert sind, im 12“ f5 Newton testen (alle Okulare: Meade, Serie 4000, angeschafft 1986).
Meade SWA 40mm: sehr gute Mittenschärfe, leichter Abfall schon nach ca. 60%, starker Abfall ab 75% des Gesichtsfeldes. Das hatten wir auch so erwartet, es ist unser "Monitorokular“. Am 8“ f6 Galaxy funktioniert es bis fast zum Rand, hier machen sich die Schwierigkeiten bei einer f5 Optik stark bemerkbar.
Meade SWA 32mm: ein ähnliches Bild wie im 40mm, aber zum Rand hin schärfer, Abfall bei 85%.
Meade SP 26mm: fast randscharf, das hatten wir an sich nicht erwartet, Abfall erst ab 85% (geschätzt).
Meade UWA 14mm: knackescharf bis zum Rand trotz Muschelbruch im Barlow-Teil.
Meade UWA 8,8mm: ideal am M13. Formatfüllend, scharf bis zum Rand, kein Abfall und kein Schärfeverlust sichtbar. Hier wollte keiner sein Auge vom Okular nehmen, M13 war aufgelöst bis ins Zentrum, klar deffinierbare Sternfarben, APO-ähnliche Abbildung, die einfach nur schön ist. Die Worte fehlen einem...
Zum Vergleich nahmen wir noch die GSO Okulare, die im Lieferumfang des Teleskops mit dabei sind:
GSO Plössel 32mm: ein durchaus brauchbares und recht scharfes Okular, leider mit Röhrenblick.
GSO Plössel 9 mm: brauchbar, aber nicht sehr sinnvoll. Die Schärfe kommt logischerweise mit den hochwertigen Okularen nicht mit, ist aber akzeptabel. Der Tunnelblick stört hier schon sehr, wenn man Okulare mit 82 Grad scheinbarem Gesichtsfeld gewohnt ist.
Bei 170-fach fand jeder M13 am schönsten. Zwar hatten wir auch das UWA 4,7mm mal testweise eingesteckt, aber ein enger Ausschnitt des M13`s ohne Übergänge zum weiten Himmel war einfach zu viel, auch wenn Schärfe und Brillanz passten. Auch wird hier, trotz 82 Grad scheinbarem Gesichtsfeld, das Nachführen zur Arbeit. Und wir wollten ja entspannt schauen.

Nun rüber zu M57, dem Ringnebel. Hier konnten die UWA`s 8,8 und 4,7mm ihre Stärken ausspielen. Im UHC heute ein prachtvoller Anblick, mit 4,7mm konnte Ansatzweise der Zentralstern erkannt werden, wenn auch nicht so wie im 20 Zöller.

Schwenk rüber zu M27, eingestellt im 32er SWA, dann gleich mit 8,8mm. Sehr schön die Hantelform zu sehen, auch ohne Filter. Mit UHC dann die volle Bandbreite mit Ohren und der gesamten charakteristischen Form. Mal wieder ein Erlebnis für sich...

Doch dann kam die Dröhnung, Cirrus:

Ehrlich, besser hatten wir ihn bislang nur in Martins 20“ ICS gesehen, aber der spielt in einer anderen Liga. Im 32 mm Meade SWA ein Gedicht. Formatfüllend und im UHC-Filter wie ausgestanzt. Andeutungen der Nebelfetzen schon bei 47 facher Vergrößerung. Nun setzten wir gleich das 8,8 UWA ein. Man konnte den SN-Überrest nun regelrecht abfahren und sich die Strukturen und Filamente etappenweise anschauen. Klar und präzise jedes Teil des Bogens vor einem mit Sternen übersäten samtschwarzen Grund.
Für die Beobachtung alleine des Cirrusnebels nahmen wir uns 40 Minuten Zeit. Zeit, bei der sich jede Sekunde des erstaunten Schauens gelohnt hat.

Und ganz am Ende? - Endlich! Im Miyauchi konnte ich, ohne Filter, zum allerersten male NGC-700 visuell unter unseren Bedingungen sehen. Klar und deutlich trennte er sich vom Himmelshintergrund. Auch mit unbewaffnetem Auge war er deutlich zu sehen, ansatzweise auch der Pelikannebel, wenn auch nicht ganz in seiner typischen Form.

Zufrieden und glücklich packten wir die Geräte wieder in die Sternwarte, wo unser Meade 12“ LX-200 heute seinen Ruhetag einlegen konnte.

Auch mal schön, ohne Gäste und ohne Elektronik sich in trauter Zweisamkeit ganz dem gestirnten Himmel widmen zu können.

Es lohnt, sich nicht alles anschauen zu wollen, sondern sich auf wenige Objekte zu konzentrieren. Ganz ohne Hektik sich jedes einzelne Objekt minutenlang anzuschauen und dabei immer wieder neues für sich zu entdecken. - Und mir als eingefleischtem Parallaktiker mit Montierung, Notebook, Maus und Kabelsalat tat diese "Naturkost“ mal wieder richtig gut.

Vor einem halben Jahr hatte ich noch Skrupel vor dem Dobson-Schubsen und glaubte, nichts zu finden. Mit Stoyans Deep-Sky-Reisef¤hrer mit Telrad-Kreisen um die Objekte macht das Suchen Spaß. Man sucht nicht nur, man findet auch. Und schneller, als ich je gedacht habe.

Winfried Berberich
Lucia Berberich

Siegfried-Berberich-Sternwarte, Gerchsheim
Besuche und Führungen jederzeit nach Anmeldung möglich


 
Hallo Winfried,

schöner Bericht, da kommt Neid bei mir auf ;) M11 gefällt mir auch sehr gut, überhaupt haben es mir Sternhaufen, ganz gleich welche Form, angetan.
Aber ich bin mit meinem 8" auch mehr als zufrieden und werd mich heute wieder ans Beobachten machen.
Hoffentlich ist das Seeing besser, aber bei der Hitze wohl kaum :(
 
Hi Stefan,

ich darf ausruhen, hier zieht ein kräftiges Gewitter auf.
Viel Glück heute Nacht

Gruß
Winfried
 
Wow, Winfried, was für ein Bericht,

da hast du ja traumhafte Bedingungen gehabt.
Fein, dass du auch auf die einzelnen Okulare und ihre Abbildung am selben Objekt eingegangen bist, ein Referenzobjekt sozusagen.
1986, wenn du die UWA-Serie schon so lange hast und stets zufrieden damit bist, müssen die auch wirklich was herhalten.
Du hast den Zentralstern also auch gesehen, dafür habe ich vorerst ziemlich lange gebraucht, aber wenn man weiß worauf man achten muss und die Bedingungen (Seeing, Transparenz) stimmen, ist es auch unter meinen diesen (Bedingungen) wiederholt zu schaffen.
Auf den Cirrus werde ich auch mal ein Auge werfen, allerdings wenn ich mich mal in dünklere Gefilde begebe und vielleicht einen Fokal-Reducer habe.

Der Deep-Sky Reisefüherer ist gut, aber ich bevorzuge zur Beobachtung den Deeep-Sky Reiseatlas, da dieser laminiert und somit gegenüber Tau nicht so empfindlich ist.

Du hast vollkommen Recht, es lohnt sich wirklich nur eine Handvoll Objekte herauszusuchen und diese dafür ausführlich zu beobachten, der Anblick brennt sich dann förmlich ins Gedächtnis ein.

Schöne Grüße
Daniel Martins
 
Hallo Winfried,
echt ein guter Bericht! Mit NGC7000 hatte ich leider nicht ganz so viel Glück, aber das wird nächstes Mal schon klappen. War schon etwas zu hell Sonntag morgens bei mir. Aber die Cirren im Schwan, einfach nur unbeschreiblich, wirklich wahr.

CS Stefan
 
Hallo Daniel, hallo Stefan,

Danke für Eure Antworten. Ja, ich muß sagen, nach dem ganzen Regen der vergangenen Wochen war der Himmel staubfrei gefegt. Den Cirrus hatte ich nur im Hochgebirge änlich gut gesehen.

Aber andere haben ja auch von der Nacht der Nächte berichtet. Ist schon ganz schön schwierig, wenn man die Cassiopeia sucht und vor gleich hellen Sternen kaum findet!

Übrigens, Daniel, ich habe den Meade Fucalreducer für f6,3. Wenn Du ihn magst, sag, was Du in Geldes geneigt bist, rüberzureichen... Ist neu, habe ihn nur einmal benutzt. War beim Teleskopkauf damals dabei (2004).

Zu NGC-7000: das war eben reines Glück. So gegen 2:30 wollte ich aufhören. Hatte schon aufgeräumt, die Geräte waren in der Sternwarte. Hatte zuvor schon mit UHC und dem 40mm SWA probiert. - Nix zu sehen.
Da komme ich aus der Warte raus, schaue hoch und da war er. Sehr hell und klar definiert. Nur der Pelikan versteckte sich, war nur ansatzweise zu sehen. Das Miyauchi stand noch und wieder war ne halbe stunde rum...

Nochmal zu Daniel:
ich betone die Meade Serie 4000 deshalb so oft, da ich weiß, daß sie in gewissen Kreisen belächelt werden. Zugegeben, sie sind "schweineteuer" für das, was sie leisten. Zumindest das 40er und das 32er. Aber am Meade sind sie ausgezeichnet, nur eben nicht bei f5. Anders (habe ich ja auch geschrieben) das UWA 14mm und UWA 8,8mm. Die halten auch mit jedem anderen Spitzenobjektiv mit. Waren aber auch entsprechend teuer. Daher gebe ich auch keines her. Niemals. Wie die 5000er Serie ist, habe ich noch nicht getestet. Muß sie mir mal bei Martin borgen. Das 30mm kannst Du gut als Gegengewicht verwenden, ist nochmal 1/2 x so dick wie das 31er Nagler...

Soweit meine Rückantwort, ich werde mich mal um das Essen kümmern, Lucia sitzt noch im Büro an den Texten.

Gruß
Winfried
 
Hallo Winfried,

Danke für das Angebot, wenn ich ein Meade SC System hätte würde ich gerne darauf eingehen, aber ich habe ein ARC.
Besagter Focalreducer ist auf die Meade SC Optiken abgestimmt, nicht aber auf die ARCs.
Besser geeignet ist dieser: Astro Physics 0.75 Reducer
Komisch, wurde im Prinzip für Refraktoren entworfen, macht aber ein sehr gutes Bild. Impressionen und Kommentare hierzu finden sich ausreichend auf cloudynights sowie der RCX400 und LX200R Yahoo Gruppe.
Wenn diese Umstände nicht wären hätte ich schon längst einen von Meade. :cool:

Schöne Grüße
Daniel Martins




 
Zitat von Berberich:
Ist schon ganz schön schwierig, wenn man die Cassiopeia sucht und vor gleich hellen Sternen kaum findet!

...da kann ich dir nur beipflichten, sehr viel "Streulicht" in der Gegend... aber in der Nacht nicht nur da. Der ganze himmel war irgendwie total unnatürlich mit Sternen übersäht. Der August und der September lassen grüßen...

Und was Albireo betrifft stimm ich dir auch zu, hab ja schon meine Meinung geschrieben dazu.

CS und immer 6m5 oder besser ;) ,

Stefan
 
Hallo Stefan,

Danke für die Albireo-Bestätigung.
Und gleich noch eines drauf:
Epsilon Cygni, der Doppel-Doppel: auch wenn ich noch nichts darüber gefunden habe, aber es kommt uns vor, daß der untere, senkrechte Part seit rund 10 Jahren seine Distanz verringert hat und schwieriger wird als zuvor. Kannst Du darüber was sagen?

Gruß
Winfried
 
Hallo Winfried,

ähäm, da muss ich leider passen. So lange beobachte ich ja noch nicht. Vor zehn Jahren träumte ich noch von einem eigenen Teleskop. Damals beschränkte sich mein Interesse leider nur aufs Lesen, Teleskope waren für mich damals "unerschwingliche Zauberdinger". Meinen Dobs hab ich jetzt seit 2005, davor hab ich nur einen Lidl-Refri, ne Russentonne und ein 20*70 Bino von meinem Opa gehabt und war eher der Mond und Planetenspechtler bzw der "surfer im Sternenmeer der Milchstraße". Ein Astro-Kollege von mir hatte auch einen 6" Newton und einen 4" Refri die ich dann auch für tiefere Blicke nutzte. Richtig los gings bei mir aber mim Dobs.

Gruß Stefan
 
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