Beobachtungsunterschiede bei verschiedenen Fernglasgroessen

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hanst

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Hallo,

da ich nun schon seit einiger Zeit mit der Idee herumspiele
mir ein groesseres Fernglas fuer astronomische Zwecke
(Sterne, Planeten, Nebel, ...) zuzulegen kommt bei mir immer
wieder die Frage auf, was denn prinzipiell mehr gesehen
werden kann, wenn man von Fernglaesern gleicher Qualitaet
ausgeht, am besten noch vom gleichen Hersteller.

Ich besitze schon ein Leica 8x32 und bin sehr zufrieden
damit. Was kann man denn nun MEHR sehen bei einem Leica
10x40 oder 10x50? Kann man das vielleicht in Sternhelligkeiten
oder Detailerkennungen bei Planetenbeobachtungen
ausdruecken?

Um noch einen Vergleich mit bestimmten Glaesern zu erhalten,
was darf ich denn z.B. von einem Fujinon 10x70 im Vergleich
zu einem Leica/Zeiss 10x50 erwarten?

Oder sind die Unterschiede zu meinem jetzigen 8x32 zu einem
10x50 oder auch 10x70 (in der gleichen Qualitaetsklasse
wie mein Leica 8x32) nicht bedeutend genug um eine
Investition in solche Glaeser zu rechtfertigen?


 
Re: Beobachtungsunterschiede bei verschiedenen Fer

Hallo hanst,

Es gibt einen einführenden Artikel über die Grenzgrössen verschiedener Ferngläser:
http://www.cloudynights.com/articles/star_counts.htm

Die Werte sollten als Anhaltspunkt aufgefasst werden - eine genaue theoretische Beschreibung der Grenzgrössen gibt es gar nicht. Details an Planetenoberflächen kann man bei Ferngläsern eher vergessen - ausser, man geht in Richtung Doppelfernrohr mit 30 oder mehr Vergrösserung.

Gruss,
Holger
 
Hallo Hanst,

bei Leica kann ich Dir leider nicht weiterhelfen und bei Fujinon, aber die Vergrößerung der Objektive bringt
bei etwa vergleichbarer Qualität des Fernglases schon deutlich mehr Objekte. Gegen dein 8x30 müßte
ein 10x50 bereits wesentlich mehr Messier-Objekte (Kugelsternhaufen, Nebel und andere mehr oder weniger
flächige, dunkle Objekte wie z.B. Lagunennebel, Omeganebel, evtl. bei dunkelstem Himmel sogar Rosettenebel,
M33-Galaxie, Nordamerikanebel) zeigen. Wenn man dann weitergeht, gibt es 2 Richtungen:
einmal bei größter Austrittspupille (7mm) auf 10x70 bzw. 11x80 oder bei kleinerer Austrittspupille auf 20x60-20x80.
Ein viel gelobter Kompromiß ist das Fujinon 16x70 mit höchster optischer Qualität und AP4 - leider ebenso wie die
20x60-20x80 Gläser hauptsächlich für Stativbetrieb. Damit sieht man schon ganz toll (wegen der höheren
Vergrößerung) einige"planetarische" Nebel und Galaxien (natürlich immer noch lange nicht so gut wie im
4 1/2" Newton, also der wäre sicher als nächstes die bessere Anschaffung), aber man kann halt noch
ohne große Schlepperei und Auf/Abbauarbeiten schnell mal zwischen den Wolken durch spechteln und in der
Milchstraße spazieren gehen. Außerdem sind die Gesichtsfelder immer noch deutlich größer als im Teleskop.
Mit "Universal-Gläsern" wie Zeiss und Leica (eigentlich Jagdgläser) ist zwar da auch viel zu sehen, aber noch
besser sind halt spezielle Astrogläser wie Fujinon mit 70-80mm Öffnung.

Für Planeten kannst Du alle Ferngläser vergessen, da brauchst Du ein Telekop, wenn Du sie nicht nur finden,
sondern auch Details sehen willst.


Das alles ist leider auch sehr sehr abhängig von Deinem Standort: wenn Du keinen "guten" Himmel hast
(mindestens alle 4 Kastensterne des kleinen Wagens = 5) lohnen sich große Austrittspupillen nicht -
so wie jetzt gerade auch von der tollen "kindgerechten" Mondfinsternis 21:00 abends halt auch mit dem
besten Glas nix zu sehen wäre, weil alles zu ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Gruß
 
Hallo hanst,

> kommt bei mir immer wieder die Frage auf, was denn prinzipiell mehr gesehen werden kann

die Frage läßt sich ganz einfach beantworten. Im Vergleich zum 8x32 zeigt das 10x40 flächige Objekte etwas größer und etwas heller, das 10x50 zeigt sie genauso groß wie das 10x40, nur noch etwas heller. Soweit die prinzipielle Antwort auf eine prinzipielle Frage <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

In der Praxis sollte man ein paar Dinge berücksichtigen. Zum einen: unter welchen Bedingungen wird beobachtet? Zum zweiten: was wird beobachtet? Ich fange gleich mal mit dem ersten Punkt an.

Beobachtungsbedingungen

Beobachte ich vorwiegend im heimischen Garten inmitten einer Stadt, dann habe ich mit erheblicher Himmelsaufhellung zu kämpfen. In dem Fall ist es sinnvoll, eine moderate Austrittspupille zu wählen (ca. 3-4mm, z.B. 8x32, 10x40, ...). So kann man den Himmelshintergrund etwas abdunkeln und einen vernünftgen Kontrast erzielen. Wenn die Bedingungen besser werden (weniger Himmelsaufhellung), dann kann ich auch größere Austrittspupillen mit Gewinn nutzen. Ein 10x70 zeigt einem im Hochgebirge einzigartige Anblicke der Milchstraße. Schaue ich mit diesem Fernglas am Rand einer Stadt, dann fehlt einfach der nötige Kontrast und der visuelle Eindruck ist nicht annähernd so beeindruckend. In dem Fall wäre ein 10x50 wohl die bessere Wahl.

Beobachtungsobjekte

Planeten kann man mit normalen Ferngläsern vergessen. Man sieht allenfalls die Venus als Sichel, Jupiter als Scheibchen ohne Details mit seinen vier Monden und Saturn als kleine Murmel mit Henkel. Beim Mond zählt natürlich die Vergrößerung. Ein 15x50 zeigt hier deutlich mehr wie ein 8x32, das ist trivial.

Im Bereich der Deep-Sky Beobachtung muß man zwischen flächigen Objekten (Gasnebel, Galaxien) und Sternen oder Sternhaufen unterscheiden. Geht es um die Wahrnehmung schwächster Sterne, dann zählt bei gängigen Ferngläsern in erster Linie die Vergrößerung. Höhere Vergrößerungen bei gleicher Öffnung ergeben einen dunkleren Himmelshintergrund und schwächere Sterne können einfacher ausgemacht werden. Die stellare Grenzgröße kann man nicht so einfach berechnen. Um schwächste Sterne am Limit einer gegebenen Öffnung zu beobachten, braucht man eine höhere Vergrößerung als bei normalen Ferngläsern üblich. Mit den gängigen Formeln aus der Teleskopoptik sollte man daher vorsichtig sein. Bei ausgedehnten, lichtschwachen Objekten (z.B. Gasnebel) sieht die Sache anders aus. Hier brauche ich einen optimalen Kontrast zwischen Objekt und Himmelshintergrund, um diese lichtschwachen Objekte beobachten zu können. Der optimale Kontrast hängt aber von den Beobachtungsbedingungen und der Helligkeit und Ausdehnung der Objekte ab. Unter einem Alpenhimmel kann ich mit einem 10x70 den Nordamerikanebel in voller Schönheit bewundern. Versuche ich das in Stadtnähe, dann leidet der Kontrast und von voller Schönheit kann keine Rede sein.

Nun zurück zur Ausgangsfrage. Was ein größeres Fernglas konkret bringt, kann man nur beantworten, wenn man sich über die angesprochenen Randbedingungen im klaren ist. Das 10x70 bringt dann richtig Punkte, wenn ich einen wirklich dunklen Nachthimmel habe. Habe ich diese Bedingungen nicht, dann ist ein 10x50 aus meiner Sicht die bessere Wahl, weil es einfach den satteren Kontrast mit dunklerem Himmelshintergrund liefert. Sind die Beobachtungsbedingungen noch übler, dann ist ein 10x40 keine schlechte Idee. Bei der Auswahl eines größeren Fernglases würde ich mich zuerst nach den Sichtbedingungen richten. Ist ein dunkler Himmel gegeben, dann würde ich mir ein Fernglas mit 6 oder 7mm Austrittspupille suchen (z.B. das Fujinon 10x70). Dieses Glas zeigt dann schwache Gasnebel und andere ausgedehnte Deep-Sky Objekte deutlicher und die Zahl der beobachtbaren Objekte wächst. Im anderen Extrem mit erheblich aufgehelltem Nachthimmel in Stadtnähe ist die Beobachtung lichtschwacher, ausgedehnter Deep-Sky Objekte ohnehin nicht die beste Idee. In dem Fall würde ich mehr Wert auf eine höhere Vergrößerung bei moderater Austrittspupille legen. Ein 10x50, 15x60 oder 16x70 bringt hier ein relativ kontrastreiches Bild mit abgedunkeltem Himmelshintergrund und stellare Objekte oder Sternhaufen lassen sich damit sehr gut beobachten. Auch hier ist ein deutlicher Gewinn im Vergleich zum 8x32 gegeben. Für eine deutliche Steigerung in der Zahl der potentiellen Beobachtungsobjekte sollte sich der Sprung aufs neue Fernglas auch lohnen. Mit einem 10x70 für dunklen Himmel und einem 10x50 oder 15x60 für weniger dunklen Himmel ist das gegeben. Ein 10x40 ist im Vergleich zum 8x32 nun nicht gerade der Renner ...

Frank.
 
Hallo,

Ferngläser mit 30 mm Öffnung finde ich für die Astronomie etwas dunkel, als Übersichtsfernglas mit großem Blickwinkel jedoch sehr praktisch.

Je größer die Öffnung desto heller werden die Sterne, es ist schon ein AHA-Effekt, wenn man offene Sternhaufen oder die Milchstraße mit 30 mm und dann z.B. mit 63 mm betrachtet, im 30 mm Fernglas kann man zwar die meisten Sterne auch sehen (die Unterschiede finde ich da gar nicht so groß) aber im größeren Glas funkeln sie richtig hell, das sieht einfach wesentlich besser aus. Auch Nebel, Kugelsternhaufen usw. sind deutlich heller und auffälliger. Daher finde ich ein Fernglas mit 30 mm Öffnung etwas dunkel.

Eine höhere Vergrößerung bringt dann noch mal einiges mehr, siehe folgenden Beitrag. Grenzgröße bei Ferngläser
Allerdings benötigt man bei höheren Vergrößerungen ein Stativ (oder Bildstabilisierung). Mit meinem 20 € teueren 20x60 Tento kann ich einwandfrei den Ring vom Saturn sehen, und sehe nahe am Jupiter stehende Monde, die im Zeiss und Optolyth nicht zu erkennen sind, auch freihändig. Es ist zwar qualitativ bei weitem nicht mit einem Leica vergleichbar, aber in Grenzgröße und Detailerkennbarkeit bei Sternhaufen, Mond usw. z.B. einem Leica 10x50 oder 9x63 Optolyth überlegen.

Richtig ist auch, dass der Beobachtungsort eine große Rolle spielt. Ein 10x70 wäre in Stadtnähe auf jeden Fall die falsche Investition. Ein 10x50 ist nach meiner Meinung ein guter Kompromiss für alle Beobachtungsorte und meist freihändige Beobachtung.

Am besten bei Bekannten oder vielleicht guten Händlern ein größeres Fernglas ausleihen und sich selbst ein "Bild" davon machen.

Gruß Holger
 
Hallo,

Vielen Dank fuer die vielen und sehr informativen Antworten.
Ich denke ich kann nun recht gut abschaetzen, was mich
beim Kauf eines groesseren Fernglases erwartet.

Leider wohne ich in einer Stadt (nicht gross aber immerhin
eine Stadt) und ich denke da sind meine Beobachtungs-
bedingungen nicht allzu gut, ein 10x70 waere dann wohl
unnoetig/ungeeignet? Andererseits haette man mit einem
10x70 ein schoen portables Astroinstrument, das man
einfach mitnehmen kann und mit dem man doch schon ordentlich
was sehen kann. Ich will ja auch nicht gleich in 2 Glaeser
investieren :-)

Ich werde da noch ein bisschen ueberlegen. Was fuer mich
besonders schwierig abzuschaetzen ist, inwiefern
die qualitativen Unterschiede die zwischen einem 100,
400 oder 1000 Euro Glas genannt werden fuer mich persoenlich
von Entscheidung sind. Bin ich mit einem 100 Euro TS
Glas zufrieden, oder brauche ich ein Optolyth oder gleich
ein Zeiss/Leica. Leider gibt es in der Naehe keinen
Haendler, bei dem man dies testen kann.


Gruss, Hans
 
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