Bilder kalibrieren ("image calibration" in PI)

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martinvoelkel

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Hallo zusammen,

ich habe mal folgende Frage zum Kalibrieren von Bildern in PI, auf die ich aktuell keine Antwort weiß.
Ausgangsbasis sind Bilder einer gekühlten Farb-CMOS (Lights, Darks, Flats, BIAS) in ausreichender Anzahl:

Man integriert zunächst die BIAS, danach die Darks.
Danach werden die Flats mithilfe des Masterbias und des Masterdarks kalibriert, es wird also das thermische und das Ausleserauschen entfernt.
„Masterbias“ muss daher angekreuzt werden, das Häkchen bei „Calibrate“ sollte dort nicht gesetzt werden (Frage: Was bewirkt dieses Häkchen?) „MasterDark“ muss ebenfalls ausgewählt sein. Um das in den Darks enthaltene BIAS-Signal nicht doppelt zu subtrahieren, muss es durch Ankreuzen von „calibrate“ unter „MasterDark“ schon vorher entfernt werden. „Optimize“ gleicht - soviel ich weiß- die Darks, welche ja länger belichtet wurden als die Flats, rechnerisch den Flats an.

Zum Schluss werden die Lights kalibriert: BIAS (ohne „calibrate“), „MasterDark“ mit „Calibrate“ und „Optimize“ und schliesslich „MasterFlat“ ebenfalls ohne „calibrate“, da aus dem Masterflat ja eben schon das thermische und das Ausleserauschen entfernt wurde.


So habe ich den Workflow von Warren Keller übernommen. Andere verwenden gar keine Darks, kreuzen aber "calibrate" bei BIAS an. Was genau bewirkt der Knopf "calibrate"? Mache ich was falsch oder gibt es einfach viele Wege zum Ziel?
 
Hallo Martin,

Die Option 'Calibrate' im Segment 'Master Bias' ist ausschließlich für eine Overscan-Kalibrierung gedacht. Das ist in dem 'mouse over'-Text auch so erläutert.

Wichtig ist, dass weder die einzelnen Dark frames noch das MasterDark prä-kalibriert werden. Eine Kalibrierung des MasterDark (falls sie erforderlich ist) erfolgt erst im Kalibrierungsschritt.

Egal ob Du Flat frames oder Light frames kalibrieren willst, zuerst solltest Du Dir darüber klar werden, ob die 'Optimize'-Option verwendet werden soll oder nicht. Es gibt nur 2 sinnvolle Kombinationen:

1) Ohne Dark Frame Optimierung
Segment 'Master Bias' nicht checken
Segment 'Master Dark' checken
im Segment 'Master Dark': 'Calibrate' und 'Optimize' nicht checken

2) Mit Dark Frame Optimierung
Segment 'Master Bias' checken
Segment 'Master Dark' checken
im Segment 'Master Dark': 'Calibrate' und 'Optimize' checken

Ich habe das Ganze in zusammenhängender Form hier dargestellt (ist aber auf Englisch): https://pixinsight.com/forum/index.php?topic=11968.0

Bitte lies Dir das doch mal durch. Falls dann noch Fragen bestehen, beantworte ich sie gerne.

Bernd
 
Hallo Bernd!

Was hab ich ein Glück, dass ich gleich wieder an einen Profi geraten bin!
Herzlichen Dank für die schnelle Hilfe. Ich kann Dein Tutorial leider erst die nächsten Tage durcharbeiten - freue mich aber schon darauf. Der erste Eindruck: Perfekt. Da versteht einer sein Handwerk!
Schön zu sehen, wie sich manch einer Mühe gibt zu helfen!
Wenn Fragen auftauchen, so melde ich mich.
Und nun: Einen klaren Himmel!
 
Hallo Bernd,

eine Frage noch: Heißt "Mit Dark Frame Optimierung" also, dass zum Kalibrieren der Flats die DarkFlats (Belichtungszeit wie Flats) verwendet werden und "Ohne....Optimierung", dass stattdessen die Darks (Belichtungszeit wie Lights) zum Einsatz kommen?
Die Lights werden bei mir üblicherweise mit 60 Sekunden belichtet, Flats mit ca. 2/100 Sekunden.

Freue mich auf Deine Antwort!
 
eine Frage noch: Heißt "Mit Dark Frame Optimierung" also, dass zum Kalibrieren der Flats die DarkFlats (Belichtungszeit wie Flats) verwendet werden und "Ohne....Optimierung", dass stattdessen die Darks (Belichtungszeit wie Lights) zum Einsatz kommen?

In meinem Beitrag oben sind die Angaben zur Kalibrierung der Flats nicht vollständig, ich wollte mit dem Schema nur darstellen, welche Kombinationen beim Setzen der Häkchen grundsätzlich sinnvoll sind - eben nur diese beiden oben aufgeführten Kombinationen.

Bei der Kalibrierung der Flats ist die erste Frage: will ich das zu den Lights gehörige MasterDark verwenden? In diesem Fall (A) muss das MasterDark skaliert werden (in PI: Dark Frame Optimierung muss angewendet werden), also Kombination 2. Häufig wird PI aber dann die Warnung ausgeben (sinngemäß): "Keine Korrelation zwischen target frames und MasterDark.". Dann subtrahiert PI nur das MasterBias von den Flats. In Deinem Fall wäre ein k0 von (ungefähr) 0,02 s / 60 s = 0,0003 zu erwarten, und da käme sicherlich diese Warnung.

(B) Wenn für die Kalibrierung der Flats eigene Darks aufgenommen werden (mit der gleichen Belichtungszeit wie bei den Flats), sogenannte Flat-Darks, braucht man nicht skalieren (in PI: keine Anwendung von Dark Frame Otimierung), also Kombination 1. Anstelle des MasterDark muss dann natürlich das MasterFlat-Dark verwendet werden.

(C) In vielen Fällen kann man die Flats einfach mit dem MasterBias kalibrieren.

Wann ist welche Version der Flat-Kalibrierung vorteilhaft?
Am besten mal mit den eigenen Daten ausprobieren.

(A) scheint mir am wenigsten sinnvoll. Ich würde erwarten, dass PI in den allermeisten Fällen die oben angegebene Warnung erzeugen wird.

(B) ist sinnvoll, wenn man lange Belichtungszeiten für die Flat-Aufnahmen verwendet (z. B. bei Himmels-Flats oder wenn Schmalbandfilter eingesetzt werden) oder wenn die Kamera starke thermisches Rauschen aufweist oder wenn die Kamera ein Problem mit "Verstärkerglühen" hat.

(C) ist sinnvoll, wenn [entweder kurze Belichtungszeiten für die Flat-Aufnahmen verwendet werden oder die Kamera extrem rauscharm ist] UND die Kamera kein Problem mit "Verstärkerglühen" hat.
Die Klammer [] ist als logische Klammer aufzufassen.

Gruß, Bernd
 
Hallo Bernd!
Es freut mich ungemein, wie schnell und engagiert Du meine Fragen beantwortest.
Sehr präzise und verständlich - Herzlichen Dank dafür!
Man könnte ob Deiner Fachkompetenz grad meinen, Du hättest beruflich mit PI zu tun. ..
 
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