Bino aus Pluto/s bauen?

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Merope

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Hallo,
auf einer Homepage über 114mm Newtons habe ich etwas über ein Selbstbaubino bestehend aus zwei Bresser Pluto/s gelesen. Leider klappt der Link zu den Bildern nicht (war wohl auf dem ITV2001 zu sehen). Kennt jemand das Ding? Oder gibt es andere Bilder davon? Was kann man von so einem Plutobino erwarten?
Gibt es Bauanleitungen zu solchen Bino-Newtons?
Viele Grüße und schon mal Danke

Christian
 
Hallo Christian,
das könnte meine Konstruktion gewesen sein. Hatte sie 2001 auf dem ITV dabei und es wurde viel fotografiert. würde mich mal interessieren auf welcher homepage du das gefunden hast.
Zum Gerät:
Ich habe damals 2 Bresser Pluto günstig bekommen und sie zu einem Bino in einer "Halterung" zusammengebaut. Das Paralellstellen ist nicht ganz einfach, die Überlegung war, erst die beiden Teleskope zu kollimieren und dann die beiden Geräte optisch so verstellen zu können um für die Augen ein akzeptables Bild zu erreichen. Das Problem war ausserdem, dass bei meinen Plutos, die Fangspiegel mit 28 mm eigentlich zu klein geraten sind und nicht das Nutzen des gesamten Spiegels zugelassen haben. Deshalb habe ich die Tuben künstlich verlängert und statt der Okularauszüge 2 Zenitspiegel installiert. Der Augenabstand war somit nur durch herrausziehen der Steckhülsen einstellbar, was sich in der Praxis als schwierig erwies. Ich konnte in einigen Nächten mit dem "Prototyp" beobachten, unter anderem auch direkt neben einem Miyauchi 20x100.
Die Sternabbildung im Randbereich war beim Miyauchi deutlich besser, ist aber auch bei einem F4,5 Spiegel keine Überraschung. Je nach Okular lag die Vergrößerung bei mir zwischen 12,5 - fach und 40 - fach. Die besten Ergebnisse gab es bei 20 - facher Vergrößerung mit 24,5 mm SWA Okularen von Meade (5,7 mm AP bei 3,25 Grad Gesichtsfeld). Helles, klares Bild, mit UHC - Filtern großflächige Deep - Sky - Objekte (Nordamerika - Nebel, California - Nebel, Helix - Nebel) besser als im 12,5" Newton. Mit UHC - Filtern hatte das Miyauchi im direkten Vergleich keine Chance mehr.
Nach diesen vielversprechenden Versuchen habe ich die Optiken in neue Tuben eingebaut, mit verschiedenen Möglichkeiten von Verstellungen des Augenabstandes experimentiert usw. um letztendlich festzustellen, dass mein Prototyp von 2001 dem Optimum schon ziemlich nahe war.
momentan liegt alles zerlegt rum, habe mich erstmal auf die Fertigstellung meines 12,5" Gitterrohr - Dobsons (binogeeignet) konzentriert und diesen endlich fertig gestellt. Werde die Urspungsidee aber bei Gelegenheit wieder aufgreifen und optimieren.

Wenn du noch Fragen hast kannst du dich direkt unter starshooter@t-online bei mir melden. Bilder müsste ich noch irgendwo in Papierform haben, da auf die Digitalfotografie erst 2002 umgestiegen bin.

Viele Grüße
Thomas
 
Hallo Thomas,
danke für Deine lange und interessante Antwort. Die Homepage, die ich meine ist: http://www.angelfire.com/trek/newton114mm/Zubeh_r_neu.html.
WOher bekommt man einen optischen Tubus des alten PLuto (mit 28mm FS)? Bei ebay gibt es das z.Zt. nicht. Ich hatte mir als Konstruktion überlegt zwei Tuben ohne Okularauszüge zu nehmen und dann ein altes Fernglas (ohne Objektive) für die Einstellung des richtigen Augenabstands zu nehmen.
Danke nochmal!
Gruß

Christian
 
Hallo Christian,

gute Idee mit dem Fernglas. 3 Dinge sind leider zu beachten:

1) wegen der Bildorientierung mußt Du bei Beobachtung im Zenit sozusagen gen Boden reinschauen (sonst hast Du re/li unterschiedlich), so wie "normal" am Newton geht nicht. Daher brauchst Du doch auf jeden Fall erstmal "Zenitspiegel" in den OAZs oder an deren Stelle...

2) Glasweg beachten, könnte sehr gut sein, daß Du per FG (ohne Objektive) sowohl Wesentliches des Hauptspiegels nicht nutzt und noch einen größeren FS brauchst. Dann hättest Du hinterher vielleicht ein 80-450-Bino mit jeweils 40 Prozent zentraler Obstruktion. Da mal die Grenzgröße überschlagen, und was es kostet. Was kostet ein (obstruktionsloses, viel leistungsfähigeres und viel kleineres und leichteres) 20x80?

3) mögliche Beschneidung im Prismensystem des FGs beachten. Würde noch weniger effektive Öffnungsnutzung des Hauptspiegels und damit noch krasseres Ausmaß der Obstruktion, die ja gleich bleibt, bedeuten. Dummerweise braucht es vielleicht sogar 2"-Zenitspiegel für die erste Umlenkung nach oben, auch nicht sehr niederpreisig.

Irgendwas ist immer... Sorry, dennoch: vielleicht macht es Sinn mit größeren Primarys und optimiertem Design. Glasweg und Weg allgemein gilt es an visuellen Newtons immer zu sparen. Und weil Du außen noch den Umlenkspiegel brauchst, baus so kurz wie nur eben nötig (kein FG) und nimm lieber lange Newtons (f/8 oder mehr), durch die Bino-Angelegenheit hast Du sowieso leider Obstruktionsgewinn... Anderer Gedanke: um wenigstens irgendwie gegenüber Linsengeräten Licht zu gewinnen: alle Spiegel so hochreflektiv wie nur eben geht. Doof, daß es insgesamt 6 sind und das nicht billig ist. Das alles an Aufwand, um dann in einem "transmissionsreichen" Fernglas-Body noch allerhand an nicht astronomisch optimierten Prismen zu verlieren. All die Fehler der Flächen multiplizieren sich. Der FG-Body ist ja für geringe Vergrößerung gedacht, hier führt er sicher auch noch Farbfehler ein zusätzlich zu seinen relativ ungenauen Flächen, die man bei Normaleinsatz 8x nicht bemerkt, hier hingegen durchaus. Zudem steht man noch bescheidenst fürs Seeing, sozusagen "exklusives" Beobachter-Seeing pur. Linsen-Binos haben da schon sehr sehr viele Vorteile... Die coolste Lösung war mal ein Monsterbino eines Japaners, der mit jeweils 2 Spiegeln zu den Okularen konstruiert hat. Volle Super-APO-Öffnung, keine Obstruktion, kaum Verluste durch hochwertigst vergütete und hochpräzise Flächen. Alle Vergrößerungsbereiche kompromisslos binokular. Ein Traum. Deine Ideen sind momentan leider eher im stark suboptimalen Bereich, was die Möglichkeiten angeht. Da bingt wohl das Ausgangsgerät monokular schon mehr als die hoch-obstruktive "Lösung" mit vielen vielen Verlusten (im FG ja auch noch). Womöglich ist schon ein sehr günstiger Bino-Ansatz mit Barlow, damit Du am kurzen Newton Schärfe bekommst wesentlich leistungsfähiger. Zwar weniger als "das halbe Licht" gegenüber monokular, aber wieviel Verluste hast Du bei Deiner Lösung - allein durch die Obstruktion? Vor allem, wenn man noch bedenkt, daß Öffnung bei Dobsons kaum kostet und Du das damit locker mehr als ausgleichen kannst und auch noch mehr Auflösung mitnimmst. Rechne mal, was 2 Plutos plus größere FS plus 2 Zenitspiegel plus Fernglas (ohne Objektive) kosten gegenüber Paket: 8"-f/6 von der Stange, Binoansatz mit Ausgleichslinse (=Barlow), Verlängerungshülse (dann 2 Vergrößerungen) und sagen wir einem paketzusatzverbilligtem Okupaar Super-20. Mit Änderungen bzgl. Hauptspiegelposition, FS-Position und flacherem OAZ geht da dann auch was wesentlich erträglicheres in Sachen Bino ohne Barlow (dann 60x auch und nicht nur vielleicht 130x und 220x mit 20ern).

Vielleicht habe ich Dich mit unliebsamen Fakten etwas geschockt, aber rechne doch selbst mal mit Newt...

Dennoch erfolgreiche Bino-Lösung, klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht

Matthias.
 
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