Bruchstück eines Meteoriten?

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M_Hamilton

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Hallo!

Ein Freund hat mir von einer recht unglaublichen Geschichte erzählt. Er hat vor 7-8 Jahren an seinem Wohnort in Bayern irgendwann im Sommer aus seinem Fenster einen Meteor beobachtet, der gegen einen Baum vor seinem Fenster geflogen und dort unter Funkenschlag in den Ästen zerbrochen ist(!). Als er am Morgen unter diesem Baum nachgesehen hat, hat er einige steinige Bruchstücke gefunden. Hier ist ein Bild:

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/64367204/Bruchstueck.jpg

Das Material wirkt steinig und ist sehr porös und bröckelig. Ich dachte deshalb, dass es wegen der Porosität sicher kein Meteorit sein kann, aber ich habe gelesen, dass es einige Chondriten gibt, die porös sind. Könnte es ein Teil Weltraumschrott oder sogar ein Meteorit sein? Oder ist es einfach nur ein gewöhnlicher Stein?

Ich würde mich freuen, falls ihr dazu Ideen habt.

Viele Grüße
Mark
 
Hallo Mark,

der Astrophysiker Dieter Heinlein aus Augsburg kann Dir
hierzu Auskünfte geben.
D.Heinlein ist auch der Leiter der Luftüberwachung bezüglich Meteoriten in Deutschland.

Gruß
wspeer
 
Hallo wspeer,

danke für deinen Hinweis! Ein Test mit einem alten Lautsprechermagneten (ca. 4cm Durchmesser, 1.5cm Dicke) zeigt übrigens, dass die Bruchstücke schwach magnetisch sind, allerdings an der Wahrnehmungsgrenze. Leider sind mit Haushaltsmitteln keine genaueren Experimente möglich.

Bei Tageslicht besehen, zeigt sich, dass die Bruchstücke dunkelgrau bis schwarz, aber steinig und daher sehr wahrscheinlich nicht einfach Kohle sind.

Wie groß ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Meteor (falls es wirklich einer war) vor dem eigenen Wohnzimmerfenster gegen einen Baum schlägt? Geringer als ein 6er im Lotto...?

Viele Grüße
Mark
 
Hallo!

Noch ein kurzer Nachtrag: Dieter Heinlein hat bereits geantwortet. Wir überlegen, ob wir die Bruchstücke analysieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um einen Meteoriten handelt, ist erfahrungsgemäß sehr gering.

Viele Grüße
Mark
 
Hallo Mark,

eine seriöse "Ferndiagnose" ist natürlich nicht möglich - aber blasiges Material, das sehr schwach auf Magnete reagiert, könnte Schlacke aus mittelalterlichen Rennöfen sein (frühe Form von Eisenverhüttung). Das wäre in Bayern gar nicht so selten.

In Bayern sind im Zeitraum 1768 bis 2012(bei sehr großzüger Auslegung der Landesgrenzen) lediglich 8 Meteoriten gefunden worden, 2014 kam ein weiterer in Dachau dazu. Sehr wahrscheinlich ist es also nicht... aber nicht unmöglich.

Bin gespannt, was rauskommt. Halte uns doch bitte auf dem Laufenden :-)

Viele Grüße, W.
 
Zitat von M_Hamilton:
Ein Freund hat mir von einer recht unglaublichen Geschichte erzählt. Er hat vor 7-8 Jahren an seinem Wohnort in Bayern irgendwann im Sommer aus seinem Fenster einen Meteor beobachtet, der gegen einen Baum vor seinem Fenster geflogen und dort unter Funkenschlag in den Ästen zerbrochen ist(!). Als er am Morgen unter diesem Baum nachgesehen hat, hat er einige steinige Bruchstücke gefunden.
Hmm, was mich bei der Schilderung stutzig macht, ist der Umstand, dass Dein Freund das Objekt angeblich auf den Baum zufliegen sah. Nach der Abbremsung in der unteren Atmosphäre hat so ein Meteor noch eine typische Endgeschwindigkeit von 2 bis 4 km/s. Das ist immerhin etwa das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit. Mit anderen Worten: da sieht man nichts fliegen! In dem Moment, wo das Objekt sichtbar wird, ist es auch schon eingeschlagen.

Wenn man also die angebliche Beobachtung eines Anflugs als nachträgliche Mutmaßung zur Erklärung des Einschlagereignisses beiseite schiebt, dann stellt sich die Frage, ob es nicht eine andere Deutung für den Funkenschlag im Baum und das verkohlte Material am Boden gibt. Wie waren denn die Wetterbedingungen? Wäre es denkbar, dass Dein Freund einen Blitzeinschlag beobachtet hat?

Etwas seltsam ist auch, diese Geschichte mehr als sieben Jahre hinter dem Berg zu halten, anstatt gleich damit herauszukommen - das tut der Glaubwürdigkeit und Aufklärung keinen guten Dienst.

 
Moin Peter!

> Nach der Abbremsung in der unteren Atmosphäre hat so ein Meteor immerhin noch eine typische Endgeschwindigkeit von 2 bis 4 km/s.

Nein. So kleine Meteoriten werden schon in mehreren Kilometern Höhe bis auf die normale Fallgeschwindigkeit abgebramst (Hemmungspunkt). Sie fliegen dann im freien Parabelfall unter Berücksichtigung des Luftwiderstands weiter. Auftreffgeschwindigkeiten liegen dann AFAIR um 250-300 km/h. Da schlägt dann auch nichts Funken in einem Baum.

2-4 km/s wären die 2-4fache Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. So schnell ist ein so kleiner Meteorit vor dem Auftreffen auf der Erde garantiert nicht mehr unterwegs. (Der würde sonst den Baum durchschlagen wie eine Railgun.)

Das Material sieht mir wenig nach Meteorit aus. Bedauerlich ist wirklich die lange Zeitspanne zwischen Fund und Meldung. In der Zwischenzeit geht viel vom Ursprungsmaterial verloren (Korrosion, Zersetzung, Ausgasung), daß der wissenschaftliche Wert eines potentiellen Meteoriten extrem leidet.
 
Hallo Peter und Micha,

ich habe heute nochmal mit meinem Bekannten gesprochen. Das Ereignis liegt leider noch weiter zurück, vermutlich 1999. Deshalb kann sich mein Freund auch nicht mehr perfekt an die Situation erinnern. Er meint, dass er die Sternschnuppe gar nicht bis zum Baum verfolgen konnte, sondern zuerst war da die "verglühende" Sternschnuppe und kurze Zeit später das Auftreffen eines Gegenstandes auf den Baum.

Was immer es auch ist, wir lassen es analysieren, dann wissen wir Bescheid. Alles andere ist Spekulation. Ich unterrichte euch über das Ergebnis.

Mein Freund hat diese Bruchstücke nicht ernst genommen, da sie nicht wie ein Meteorit aussehen (keine "Verglasung"). Er hat sie trotzdem in einer Filmdose aufgehoben und mir gestern gezeigt. Nicht alle von uns sind Naturwissenschaftler, die den (möglichen) wissenschaftlichen Nutzen unmittelbar und als Jugendlicher einschätzen können.

Viele Grüße
Mark
 
Moin Mark!

Wir hatten hier vor Jahren schon einmal so ein ähnliches Thema. Dabei kam die Rede auf den Salzwedel-Meteoriten, der kurz vor der Wende in den 80ern fiel. Die Fallumstände sind damals beobachtet worden - auch dieser kleine Einzelmeteorit fiel in einen Baum und wurde aufgesammelt. Der Finder hat über die Umstände hier im Forum später sogar noch berichtet.

Übrigens: Auf Meteoros.de ist Thomas Grau Mitglied. Er fand ein Bruchstück des Neuschwanstein-Meteoriten und vor kurzem einige Krümel in Dänemark, die sich als seltener Metorit herausstellten. Grau hätte man natürlich auch mal anmorsen können, immerhin ist er professioneller Meteoritenjäger, soweit ich weiß.

Meteoriten-Portal: http://www.meteorite.de/
 
Zitat von winnie:
So kleine Meteoriten werden schon in mehreren Kilometern Höhe bis auf die normale Fallgeschwindigkeit abgebramst (Hemmungspunkt). Sie fliegen dann im freien Parabelfall unter Berücksichtigung des Luftwiderstands weiter. Auftreffgeschwindigkeiten liegen dann AFAIR um 250-300 km/h. Da schlägt dann auch nichts Funken in einem Baum. 2-4 km/s wären die 2-4fache Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. So schnell ist ein so kleiner Meteorit vor dem Auftreffen auf der Erde garantiert nicht mehr unterwegs. (Der würde sonst den Baum durchschlagen wie eine Railgun.)
Micha, Du hast mal wieder recht! Mit freundlichen Grüßen, Peter

Bei der Endgeschwindigkeit am Boden kommt es in der Tat sehr auf die Größe des Meteoriten an. 2 bis 4 km/s wäre nur bei sehr großen Brocken von über 10 t möglich, und das wäre dann nicht so glimpflich abgelaufen. Aber war es überhaupt ein Meteor? Ich tippe da eher auf einen Bltzeinschlag.

How fast are meteorites traveling when they reach the ground?

> Due to atmospheric drag, most meteorites, ranging from a few kilograms up to about 8 tons (7,000 kg), will lose all of their cosmic velocity while still several miles up. At that point, called the retardation point, the meteorite begins to accelerate again, under the influence of the Earth’s gravity, at the familiar 9.8 meters per second squared. The meteorite then quickly reaches its terminal velocity of 200 to 400 miles per hour (90 to 180 meters per second). The terminal velocity occurs at the point where the acceleration due to gravity is exactly offset by the deceleration due to atmospheric drag.

> Meteoroids of more than about 10 tons (9,000 kg) will retain a portion of their original speed, or cosmic velocity, all the way to the surface. A 10-ton meteroid entering the Earth’s atmosphere perpendicular to the surface will retain about 6% of its cosmic velocity on arrival at the surface. For example, if the meteoroid started at 25 miles per second (40 km/s) it would (if it survived its atmospheric passage intact) arrive at the surface still moving at 1.5 miles per second (2.4 km/s), packing (after considerable mass loss due to ablation) some 13 gigajoules of kinetic energy.

 
Hallo Micha und Peter,

danke für die Hinweise zu möglicherweise ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit. Ich werde mir das im Internet noch genauer anschauen. An Thomas Grau habe ich über ERFM schon eine e-mail geschrieben, er hat noch nicht geantwortet. Danke auch für die Details zur Fallgeschwindigkeit. Es ist schwer vorstellbar, wie es bei recht niedrigen Geschwindigkeiten zu dem Funkenschlag kommen kann - müssen wir mal sehen. Ich schicke die Bruchstücke in den nächsten Tagen zur Analyse.

Viele Grüße
Mark
 
Moin Peter!

Weißt du, ich habe einige Bücher zu Meteoriten im Regal stehen, unter anderem das Buch von Jürgen Rendtel ("Sternschnuppen"), der ja nun wirklich der Fachmann ist. Siehe auch die entsprechende VdS-Fachgruppe.
 
Hallo!

Dieter Heinlein hat die Bruchstücke, die mein Bekannter gefunden hat, untersucht. Das Ergebnis ist, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um einen Meteoriten handelt. Es könnten Bruchstücke von verwittertem Straßenasphalt sein.

Das ist natürlich etwas schade. Mir war anfangs nicht klar, dass Meteoritenfunde so selten sind, wie Wolfgang geschrieben hat. Etwas seltsam ist die Geschichte, dass in der Nacht, kurz nach der Leuchterscheinung am Himmel, ein Gegenstand gegen den Baum geprallt ist und am Morgen diese Steine da lagen. Was genau passiert ist, lässt sich wohl nicht mehr rekonstruieren.

Sorry jedenfalls für den falschen Alarm. Ich dachte, dass es insbesondere wegen der "Fallgeschichte" eine gewisse Wahrscheinlichkeit gab, dass es ein Meteorit ist.

Viele Grüße
Mark
 
Vielleicht hat jemand mit seinem Muscle Car einen Burnout gemacht und der glühende Asphalt wurde vom Hinterreifen direkt in den Baum geschleudert :-)

Grüsse Jochen
 
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