Cassegrain oder Schmidt Cassegrain?

Marco74

Neues Mitglied
Hallo in die Runde,

ich möchte gerne wieder visuell beobachten und spiele mit dem Gedanken mir ein Cassegrain zuzulegen. Ich schwanke zwischen dem normalen Cassegrain und dem SC. Gibt es hier im Forum Erfahrungen im direkten Vergleich zu den beiden Optiken? Erfahrungen auch in Kombination mit Bino? Ich dachte an einen 5" oder 6", das würde mir reichen und wäre gut im Handling für mich.

Danke schon einmal im Voraus für Antworten

Gruß Marco
 
Hi,

irgendwie hat sich ja noch niemand erbarmt, dir mal zu antworten, daher mal eine kurze Einschätzung meinerseits:

Klassisches Cassegrain:

Vorteile:
-hoher Kontrast
-gute Schärfe im Bildzentrum
-kein Farbfehler
-wenig Refkexionen, daher gut für die Beobachtung heller Objekte
-relativ justierstabil

Nachteile:
-starke Koma am Bildfeldrand (da keine optische Korrektur)
-kleines Gesichtsfeld, also nicht optimal für großflächige Objekte

Schmidt-Cassegrain:

Vorteile:
-Gute Allround-Abbildung, da sphärische Abberration durch die Schnidtplatte korrigiert wird
-relativ gute Randschärfe und -abbildung (jedoch nicht Fehlerfrei, es wird ein Reducer/Korrektor benötigt)
-Kein Farbfehler

Nachteile:
-geringerer Kontrast
-ggf. Streuungseffekte an der Schmidtplatte (z.B. bei Feuchte) machen Heizer und/oder Taukappe sinnvoll (teuer)
-mehr optische Flächen bedeutet ggf. mehr Justierbedarf
-ggf. Spiegelshifting

Meine Meinung: Ich weiß nicht, wo du erfahrungstechnisch stehst, gehe jetzt aber einfach mal von einem Anfänger/ Wiedereinsteiger aus. Ich würde dir zu einem Refraktor oder Newton raten und zwar aus folgenden Gründen:

-die von dir gewählten Optiken haben ein relativ kleines Gesichtsfeld (große Brennweite) und sind damit nicht so vielseitig einsetzbar.
-Ein kleines Gesichtsfeld erschwert das Auffinden von Objekten. Das kann insbesondere am Anfang für Frust sorgen und du wirfst vielleich schnell wieder hin, was schade wäre
-das Bild ist dunkler
-solltest du Anfänger sein und fotographische Ambitionen haben, so wirst du mit einem Cassegrain oder einem SC am Anfang keinen Spaß haben und einen weiten Weg gehen müssen, bis die Erfolgserlebnisse sich einstellen.

Denk auch dran, dass ein Cassegrain oder SC gut montiert sein müssen. Bei der großen Brennweite wackelt es im
Bild gewaltig, wenn man das nicht ordentlich montiert. Und da geht dann der Vorteil der kompakten Bauweise letztlich auch flöten, da du definitiv eine gute, stabile Montierung brauchst.

Mein absoluter Anfängertipp ist daher ein 80/400er bzw. 102/500er Achromat (plus ein guter Zwnitspiegel und zwei oder drei XCel-Okulare) und ein 10x50 Fernglas. Ich werde wirklich nie vergessen, wie ich nach vielen erfolglosen Nächten mit einem bekannten Goto-System mit dem simplen 10x50-Fernglas erstmals M13, das Pärchen M81/82 und diverse andere Objekte gefunden habe. Fürs höhere Vergrößern habe ich dann bei der Binobeobchtung immer den Achro dabei. Nach einigen erfolglosen Gehversuchen in meiner Jugend war das meine optimale Startkombi. Sie ist flexibel, transportabel und es stellen sich schnell Beobachtungserfolge. Alternativ: der gute alte 8-Zoll-Newton als Dobson plus ein Fernglas 10x50.

Soll es unbedingt eines der beiden Systeme werden, dann nimm fürs visuelle das SC. Da würde ich dann zum C5 oder C6 greifen. Wenn es leicht sein soll: C5 plus Skywatcher Pronto. Ich benutze diese Kombi als Reise- und Quick&Dirty-Setup. Da benutze ich visuell aber auch immer einen Korrektor, die Randverzerrung nervt mich sonst. Eine Taukappe ist aber als Streulichtschutz und Tauschutz für die Schmidtplatte Pflicht.

Ich hoffe, das hilft ein wenig.

Viele Grüße und CS,

Marc
 
Hallo Marc,

vielen Dank für Deine sehr ausführliche Antwort und den Tips, das hilft mir sehr. Ich bin Wiedereinsteiger, aber über den klassischen Cassegrain habe ich bis jetzt sehr wenig Feedback finden können. Die Kombi C5 und Pronto kann ich mir vorstellen, aber so wie ich das jetzt gelesen habe braucht man da mehr Erfahrung.

Wahrscheinlich gehe ich erst mal auf einen Fraunhofer oder Halb-Apo auf AZ.

Danke, Grüße und CS
Marco
 
Was auch noch eine Eehr gute Alternative ist, wenn es unbedingt ein Refraktor sein soll:

Der 80/560er APO,sowohl in der günstigen Version mot FPL51 als auch in der SD-Version mit FPL53 sehr zu empfehlen. Fürs rein visuelle reicht jeweils das Duplet.

Tolle Weitfeldgeräte, sehr handlich, im Netz günstig als Gebrauchtware zu bekommen und qualitativ so wertig,dass man auch mit Barlow arbeiten und an Mond und Planeten einiges rausholen kann.

Ein Fernglas würde ich mir aber auf jeden Fall besorgen, das lohnt sich!

Viele Grüße und CS,

Marc
 
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