Hallo,
das "1Q" ist ein Qualitätslabel, was in der DDR an hochwertige Produkte verliehen wurde. Bei Carl Zeiss Jena findet sich das Label auf allen möglichen Produkten, u.a. halt Ferngläser oder Mikroskope. Es ist sicher nicht richtig, daß die mit "1Q" gelabelten Optiken nur in den Export gingen. Ferngläser oder Mikroskope mit dem tollen Label gab es auch in der DDR zu kaufen.
Was die Unterschiede zwischen Ferngläsern mit und ohne "1Q" betrifft, so kann ich nichts belastbares aussagen. Bei den vielen CZJ Ferngläsern die ich den letzten 20 Jahren in den Fingern hatte, sind mir bei "einheimischen" Gläsern auch hin und wieder regelrechte Montagsgläser begegnet. Die hatten allerdings kein "1Q" eingeprägt und wurden wohl mit Bedacht nur in der DDR verkauft. Solche Kandidaten gab es z.B. bei der Notarem Reihe, wo die Justierung auf Bildmitte zwar in Ordnung war, die Austrittspupillen aber einen unsymmetrischen Eindruck machten. Schaute man sich den Schärfeabfall zum Rand genauer an, so war der ebenfalls unsymmetrisch. Bei Porrogläsern habe ich sowas allerdings nie erlebt. Dafür finden sich bei Porrogläsern ab und an Exemplare, die winzige Lufteinschlüsse in den Objektiven zeigen oder wo die Vergütung der Prismen nicht alle Flächen bis zum Rand erreichte. Das ist alles beim Durchsehen nicht von belang, ich kann mir aber gut vorstellen, daß solche Exemplare die DDR nicht in Richtung westen verließen.
Trotzdem würde ich meine Auswahl auf ebay nun nicht auf "1Q" Gläser beschränken. Die Ferngläser ohne "1Q" waren in aller Regel zum Durchgucken genauso geeignet wie ihre Brüder mit Label. Darüberhinaus kann ein "1Q" Fernglas beim Vorbesitzer genauso oder auch schlimmer gelitten haben wie sein Genosse aus der DDR. Signifikante Unterschiede zwischen "1Q" und ohne Label gab es aus meiner Sicht nicht. Es war auch nicht so, daß der liebe DDR Bürger den Ausschuß zu kaufen bekam und der Bundesbürger nur das feinste vom feinen.
Noch was zur Jenoptem Serie. Mir ist bis heute nicht klar, was der Unterschied zwischen Jenoptem und dem Rest der Classic Gläser (also Deltrintem, Dekarem und Binoctem) ist. Einem älteren CZJ Prospekt in englischer Sprache ist zu entnehmen, daß die Jenoptem Gläser vom Typ 8x30, 7x50 und 10x50 mit der gleichen Liebe zum Detail gefertigt wurden wie Deltrintem u.s.w., dabei aber aufgrund moderner Fertigungsverfahren zu einem vergleichsweise günstigen Preis angeboten werden können. Was immer das auch bedeuten mag <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ... Möglicherweise hat man bei der Produktion der Gehäuse was geändert, ich weiß es nicht. In der DDR war Rationalisierung was hoch angesehenes und es würde mich nicht wundern, wenn an der Jenoptem Serie auch was rationalisiert wurde. Die Entwickler in Jena, die aus der alten Serie von L und Nf Mikroskopen die bei weitem nicht so schmuck aussehende neue Laboval Serie schufen, bekamen für ihren Beitrag zur Rationalisierung der Fertigung den Nationalpreis <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Aber das hat mit Ferngläsern nix mehr zu tun ...
Wenn ich ganz sicher gehen will, daß ich ein sehr gutes 8x30 bekomme, dann würde ich sehen, daß ich ein Deltrintem mit MC Vergütung und möglichst großer Seriennummer (5 Mill. aufwärts) ergattern kann. Wenn dann noch ein "1Q" auf dem Deckel prangt, dann ist das zumindest kein Fehler. Mit dem Jenoptem machst Du bestimmt auch nichts falsch. Es sei denn, Du fragst Dich dann über Jahre, was die Brüder nun wirklich rationalisiert haben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...
Frank.