CZJ Ferngläser

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einser00

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Ich habe vor, mir ein 8x30 Deltrintem bei ebay zu ersteigern. Oft wird dort mit dem Hinweis "1 Q" geworben. Angeblich sei das die "höchste Qualitätsstufe", nur "für den Westen" produziert. Bei den ebay-Angeboten findet man neben Jenoptem multicoated allerdings fast nur solche 1 Q-Gläser.

Wer weiß da etwas. Herr Schäfer, können Sie mir Informationen zukommen lassen (Ihr Beitrag auf Ihrer Homepage über die 7x50/10x50/15x50-Gläser ist das Einzige, was Google zu diesem Thema hergibt - Danke dafür)

Einser00
 
Hallo,
Die CZJ Gläser mit und ohne 1Q unterscheiden sich überhaupt nicht. Es ist vielmehr so, dass man mit einem Jenoptem, das nie 1Q gelabelt ist, zumindest die beste Vergütung bekommt. Beim Deltrintem ist eine durchgängige mc Vergütung seltener (liegt daran, dass die Jenoptem Bezeichnung erst sehr spät eingeführt wurde).
Ich würde also vor allem darauf achten eine Zeiss Jena Fernglas mit mc Vergütung zu kaufen. Diese ist zumindest für den nächtlichen Einsatz wohl einen Tick besser. Tagsüber können aber auch die alten , blau vergüteten CZJ Ferngläser sehr gut mithalten!
Gruss
Sebo
 
Hallo,

das "1Q" ist ein Qualitätslabel, was in der DDR an hochwertige Produkte verliehen wurde. Bei Carl Zeiss Jena findet sich das Label auf allen möglichen Produkten, u.a. halt Ferngläser oder Mikroskope. Es ist sicher nicht richtig, daß die mit "1Q" gelabelten Optiken nur in den Export gingen. Ferngläser oder Mikroskope mit dem tollen Label gab es auch in der DDR zu kaufen.

Was die Unterschiede zwischen Ferngläsern mit und ohne "1Q" betrifft, so kann ich nichts belastbares aussagen. Bei den vielen CZJ Ferngläsern die ich den letzten 20 Jahren in den Fingern hatte, sind mir bei "einheimischen" Gläsern auch hin und wieder regelrechte Montagsgläser begegnet. Die hatten allerdings kein "1Q" eingeprägt und wurden wohl mit Bedacht nur in der DDR verkauft. Solche Kandidaten gab es z.B. bei der Notarem Reihe, wo die Justierung auf Bildmitte zwar in Ordnung war, die Austrittspupillen aber einen unsymmetrischen Eindruck machten. Schaute man sich den Schärfeabfall zum Rand genauer an, so war der ebenfalls unsymmetrisch. Bei Porrogläsern habe ich sowas allerdings nie erlebt. Dafür finden sich bei Porrogläsern ab und an Exemplare, die winzige Lufteinschlüsse in den Objektiven zeigen oder wo die Vergütung der Prismen nicht alle Flächen bis zum Rand erreichte. Das ist alles beim Durchsehen nicht von belang, ich kann mir aber gut vorstellen, daß solche Exemplare die DDR nicht in Richtung westen verließen.

Trotzdem würde ich meine Auswahl auf ebay nun nicht auf "1Q" Gläser beschränken. Die Ferngläser ohne "1Q" waren in aller Regel zum Durchgucken genauso geeignet wie ihre Brüder mit Label. Darüberhinaus kann ein "1Q" Fernglas beim Vorbesitzer genauso oder auch schlimmer gelitten haben wie sein Genosse aus der DDR. Signifikante Unterschiede zwischen "1Q" und ohne Label gab es aus meiner Sicht nicht. Es war auch nicht so, daß der liebe DDR Bürger den Ausschuß zu kaufen bekam und der Bundesbürger nur das feinste vom feinen.

Noch was zur Jenoptem Serie. Mir ist bis heute nicht klar, was der Unterschied zwischen Jenoptem und dem Rest der Classic Gläser (also Deltrintem, Dekarem und Binoctem) ist. Einem älteren CZJ Prospekt in englischer Sprache ist zu entnehmen, daß die Jenoptem Gläser vom Typ 8x30, 7x50 und 10x50 mit der gleichen Liebe zum Detail gefertigt wurden wie Deltrintem u.s.w., dabei aber aufgrund moderner Fertigungsverfahren zu einem vergleichsweise günstigen Preis angeboten werden können. Was immer das auch bedeuten mag <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ... Möglicherweise hat man bei der Produktion der Gehäuse was geändert, ich weiß es nicht. In der DDR war Rationalisierung was hoch angesehenes und es würde mich nicht wundern, wenn an der Jenoptem Serie auch was rationalisiert wurde. Die Entwickler in Jena, die aus der alten Serie von L und Nf Mikroskopen die bei weitem nicht so schmuck aussehende neue Laboval Serie schufen, bekamen für ihren Beitrag zur Rationalisierung der Fertigung den Nationalpreis <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Aber das hat mit Ferngläsern nix mehr zu tun ...

Wenn ich ganz sicher gehen will, daß ich ein sehr gutes 8x30 bekomme, dann würde ich sehen, daß ich ein Deltrintem mit MC Vergütung und möglichst großer Seriennummer (5 Mill. aufwärts) ergattern kann. Wenn dann noch ein "1Q" auf dem Deckel prangt, dann ist das zumindest kein Fehler. Mit dem Jenoptem machst Du bestimmt auch nichts falsch. Es sei denn, Du fragst Dich dann über Jahre, was die Brüder nun wirklich rationalisiert haben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Danke für die erschöpfende Antwort. Ich habe gewußt, daß ich mich an den richtigen wende.

Letzte Frage: Kennt jemand das Sehfeld des 8x30 Deltrintem?
Ich habe habe irgendwo was von fast 9 Grad und 155 m gelesen, kann das aber beim besten Willen nicht glauben.
 
> Kennt jemand das Sehfeld des 8x30 Deltrintem?

Beim Deltrintem sind es 150m/1000m bzw. 8,5 Grad. Das war schon in den 30-er Jahren so und hat sich bis zum Ende von Zeiss in Jena nicht geändert - zumindest in den technischen Daten der Prospekte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Hallo Einser00,

Ich schaetze, dass mein Jenoptem 8x30 etwa 8 Grad Sehfeld hat, vielleicht minimal mehr.

Was die Beschriftung der CZJ Modelle betrifft, hatte ich mal bei Docter bzgl. des Jenoptem 7x50W nachgefragt. Herr Albrecht Koehler schrieb mir die folgenden Zeilen:

Zitat:

Der 7x50 wurde wie auch der 10x50 und der 8x30 bis weit in die 90er Jahre
gefertigt. Die Geräte wurden nach dem 2. Weltkrieg gerechnet und in
traditionellem Design etwa ab Ende der 40er Jahren gebaut. Über die Jahre
wurden ständig konstruktive Veränderungen insbesondere des mechanischen
Aufbaus vorgenommen, um rationeller zu fertigen. Trotzdem sind viele Teile
auch in sehr alten Geräten noch gegen aktuelle austauschbar. Der 10x50
unterscheidet sich nur durch das Okular vom 7x50. Etwa ab 1978 wurden alle
Klassikmodelle mit Mehrschichtvergütung ausgestattet. Das Modell 7x50 wurde
regional unter sehr unterschiedlichen Markennamen vertrieben, zum Beispiel
Jenoptem in der BRD und Carl Zeiss Jena in der DDR aber an sich ohne
technische Unterschiede. Es wurden nur andere Deckel verwendet. Die Vielfalt
auch aus der Kombination von linkem und rechten Deckel ist enorm. Der
Gerätename ist ebenfalls unterschiedlich. Die Endung -em bedeutet
Mitteltriebsmodell, Endung -is weist auf Einzelokulareinstellung hin und -mo
steht für ein monokulares Gerät. Ob nach 7x50 zusätzlich ein W stand oder
nicht hat keinen Einfluß auf die Leistung der Optik, sie war in jedem Fall
identisch. Das scheinbare Sehfeld betrug etwa 50 Grad und genügt damit nicht
der Forderung nach einem Weitwinkelmodell. Die Beschriftung resultierte
vielmehr aus den Vorgaben des Importeurs.

Ende Zitat


Insbesondere der letzte Satz ist interessant. Offenbar konnte sich der Importeur draufschreiben lassen, was er wollte. Das heisst, dass spezielle Label wie 'W' fuer Weitwinkel oder '1Q' moeglicherweise auch aus Gruenden des Marketings draufkamen.

Gruss,
Holger
 
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