holger_merlitz
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Hallo Gemeinde,
Vor kurzem gab es im Thread 'Docter 10x50 Nobilem' eine teilweise hitzige Diskussion über die (Nicht-)Existenz systembedingter Nachteile der Dachkant-Konstruktion im Vergleich zum Porro. Ich zitiere Joachim Schmolke:
Zitat:
Nimm eine Blatt einer Tageszeitung, befestige es auf einem Brett und stelle das Brett in ungefähr 15m Entfernung auf. Nun betrachte (aufgelegt) die Punkte eines Ö, Ä oder I. Wenn Du sehr gute Augen hast, wirst auch Du unschwer erkennen können, daß die Punkte im Porroglas schärfer und kontrastreicher erscheinen.
Zitat Ende
Da ich in diesen Tagen einen Vergleichstest des Nobilem mit dem Leica Ultravid 10x50 und dem Fujinon FMTR-SX durchführe, habe ich mich auch mal an dem oben beschriebenen Test versucht. Um es kurz zu machen: Ich habe einen Effekt gesehen, der Joachim's Beobachtung im wesentlichen bestätigt. Dies war mein Versuchsaufbau:
Die Testseite steht auf
http://de.geocities.com/holger_merlitz/Test
und heisst 'schmolke.pdf'. Diese habe ich mit einem hochauflösenden Laserdrucker ausgedruckt. Dabei werden die Buchstaben wegen des Graphit-Toners schön schwarz, anders als bei manchen Tintenstrahldruckern. Diese Testseite habe ich so aufgestellt, dass sie von der Sonne angeleuchtet wurde. Aus etwa 20m Entfernung habe ich sie dann mit den drei Testkandidaten betrachtet. Dabei habe ich ein Stativ benutzt.
Was ich gesehen habe:
Im Leica Ultravid waren die Buchstaben nicht ganz so schwarz wie im Nobilem oder Fujinon, eher dunkelgrau. Im Nobilem erschienen sie ein wenig schwarzer. Dieser Effekt war nicht zu sehen, als das Blatt Papier nicht angestrahlt wurde, weil eine Wolke die Sonne verdeckte. Ich habe auch keine Unterschiede in der Auflösung gesehen - was immer das Nobilem noch an ö-Punkten auflösen konnte, habe ich auch im Leica gesehen.
Soweit die Beobachtung. Wie man diesen Unterschied erklären könnte, ist noch eine ganz andere Frage. Meine These beruht auf einer zweiten Beobachtung: Wird in der Nacht eine sehr helle punktförmige Lichtquelle (z.B. Flutlicht in 400m Entfernung) mit dem Leica beobachtet, dann sieht man ein Lichtkreuz. Genauer gesagt: Ist die Lichtquelle im Zentrum des Sehfeldes, dann sieht man durch den einen Tubus einen Strahl, der von 11 Uhr durch das Zentrum geht, und durch den anderen Tubus einen, der von 1 Uhr durch das Zentrum geht, und mit beiden Augen erkennt man dann zwei sich kreuzende Balken. Um das zu sehen, muss die Lichtquelle aber intensiv sein - am Halbmond ist mir der Effekt jedenfalls nicht aufgefallen. Wenn man das Leica mit den Okularen nach unten auf eine beleuchtete Mattscheibe stellt (wie man sie zum Betrachten von Negativen oder Dias benutzt), dann sieht man die Dachkante als einen schnurgeraden, hauchfeinen Kratzer. Das Licht, das durch das Objektiv eintritt, 'sieht' diese Kante auch und wird daran gebeugt. Dies könnte die Ursache für den Lichtbalken sein. Zurück zum Versuch: Das weisse, hell erleuchtete Papier besteht im Prinzip ja aus unzähligen kleinen Lichtquellen, deren jede einen solchen Balken erzeugt und zum Streulicht beiträgt - weniger intensiv als im Falle des Flutlichtes - aber in der Summe stark genug, um den Kontrast der feinen schwarzen Buchstaben ein wenig zu verringern.
Diese Erklärung hat allerdings einen Haken: Auch das Nobilem zeigt bei sehr intensiven Lichtquellen Reflexe, zwar nicht die beschriebenen Balken, aber Sekundär- (Geister-)bilder, und die sollten ja ebenfalls zu einer Kontrastminderung führen. Ich will daher nicht behaupten, die Beobachtung bis jetzt voll und ganz verstanden zu haben.
Bevor jetzt eine grosse Verkaufsaktion der Dachkantgläser eingeleitet wird: Ich gehe nicht davon aus, dass der beobachtete Effekt der 'dunkelgrauen Buchstaben' bzw. der Lichtbalken zu einer Leistungsminderung in einer realitätsnahen Anwendung führt. Ersterer tritt ja nur in extremen Kontrastsituationen auf, wo es auf ein paar % weniger Kontrast gar nicht ankommt, und letzterer Effekt braucht Lichtquellen, die heller sind als der Mond, und tritt daher in astronomischen Anwendungen nicht störend in Erscheinung.
Viele Grüsse,
Holger
Vor kurzem gab es im Thread 'Docter 10x50 Nobilem' eine teilweise hitzige Diskussion über die (Nicht-)Existenz systembedingter Nachteile der Dachkant-Konstruktion im Vergleich zum Porro. Ich zitiere Joachim Schmolke:
Zitat:
Nimm eine Blatt einer Tageszeitung, befestige es auf einem Brett und stelle das Brett in ungefähr 15m Entfernung auf. Nun betrachte (aufgelegt) die Punkte eines Ö, Ä oder I. Wenn Du sehr gute Augen hast, wirst auch Du unschwer erkennen können, daß die Punkte im Porroglas schärfer und kontrastreicher erscheinen.
Zitat Ende
Da ich in diesen Tagen einen Vergleichstest des Nobilem mit dem Leica Ultravid 10x50 und dem Fujinon FMTR-SX durchführe, habe ich mich auch mal an dem oben beschriebenen Test versucht. Um es kurz zu machen: Ich habe einen Effekt gesehen, der Joachim's Beobachtung im wesentlichen bestätigt. Dies war mein Versuchsaufbau:
Die Testseite steht auf
http://de.geocities.com/holger_merlitz/Test
und heisst 'schmolke.pdf'. Diese habe ich mit einem hochauflösenden Laserdrucker ausgedruckt. Dabei werden die Buchstaben wegen des Graphit-Toners schön schwarz, anders als bei manchen Tintenstrahldruckern. Diese Testseite habe ich so aufgestellt, dass sie von der Sonne angeleuchtet wurde. Aus etwa 20m Entfernung habe ich sie dann mit den drei Testkandidaten betrachtet. Dabei habe ich ein Stativ benutzt.
Was ich gesehen habe:
Im Leica Ultravid waren die Buchstaben nicht ganz so schwarz wie im Nobilem oder Fujinon, eher dunkelgrau. Im Nobilem erschienen sie ein wenig schwarzer. Dieser Effekt war nicht zu sehen, als das Blatt Papier nicht angestrahlt wurde, weil eine Wolke die Sonne verdeckte. Ich habe auch keine Unterschiede in der Auflösung gesehen - was immer das Nobilem noch an ö-Punkten auflösen konnte, habe ich auch im Leica gesehen.
Soweit die Beobachtung. Wie man diesen Unterschied erklären könnte, ist noch eine ganz andere Frage. Meine These beruht auf einer zweiten Beobachtung: Wird in der Nacht eine sehr helle punktförmige Lichtquelle (z.B. Flutlicht in 400m Entfernung) mit dem Leica beobachtet, dann sieht man ein Lichtkreuz. Genauer gesagt: Ist die Lichtquelle im Zentrum des Sehfeldes, dann sieht man durch den einen Tubus einen Strahl, der von 11 Uhr durch das Zentrum geht, und durch den anderen Tubus einen, der von 1 Uhr durch das Zentrum geht, und mit beiden Augen erkennt man dann zwei sich kreuzende Balken. Um das zu sehen, muss die Lichtquelle aber intensiv sein - am Halbmond ist mir der Effekt jedenfalls nicht aufgefallen. Wenn man das Leica mit den Okularen nach unten auf eine beleuchtete Mattscheibe stellt (wie man sie zum Betrachten von Negativen oder Dias benutzt), dann sieht man die Dachkante als einen schnurgeraden, hauchfeinen Kratzer. Das Licht, das durch das Objektiv eintritt, 'sieht' diese Kante auch und wird daran gebeugt. Dies könnte die Ursache für den Lichtbalken sein. Zurück zum Versuch: Das weisse, hell erleuchtete Papier besteht im Prinzip ja aus unzähligen kleinen Lichtquellen, deren jede einen solchen Balken erzeugt und zum Streulicht beiträgt - weniger intensiv als im Falle des Flutlichtes - aber in der Summe stark genug, um den Kontrast der feinen schwarzen Buchstaben ein wenig zu verringern.
Diese Erklärung hat allerdings einen Haken: Auch das Nobilem zeigt bei sehr intensiven Lichtquellen Reflexe, zwar nicht die beschriebenen Balken, aber Sekundär- (Geister-)bilder, und die sollten ja ebenfalls zu einer Kontrastminderung führen. Ich will daher nicht behaupten, die Beobachtung bis jetzt voll und ganz verstanden zu haben.
Bevor jetzt eine grosse Verkaufsaktion der Dachkantgläser eingeleitet wird: Ich gehe nicht davon aus, dass der beobachtete Effekt der 'dunkelgrauen Buchstaben' bzw. der Lichtbalken zu einer Leistungsminderung in einer realitätsnahen Anwendung führt. Ersterer tritt ja nur in extremen Kontrastsituationen auf, wo es auf ein paar % weniger Kontrast gar nicht ankommt, und letzterer Effekt braucht Lichtquellen, die heller sind als der Mond, und tritt daher in astronomischen Anwendungen nicht störend in Erscheinung.
Viele Grüsse,
Holger