Deep Sky BB aus südlichem Ruhrbebiet (VMC200L)

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

DanielM

Aktives Mitglied
Beobachtungsbericht vom 23.3.2003
Beobachtungszeit: 22:00 - 1:30
Beobachtungsort: südliches Ruhrgebiet, Südbalkon
Instrument: Vixen VMC200L

Seit einigen Tagen hatte ich mich auf das Wochenende gefreut, denn die Wetterfrösche hatten das große Hochdruckgebiet angekündigt. Aus verschiedenen Gründen wollte diesmal keine lange Fahrt auf mich nehmen, sondern wieder mal vom heimischen Balkon aus beobachten.

Die Bedingungen sind hierbei (mal ganz abgesehen von der Lage am Rande des Ruhrgebietes) alles andere als optimal. Unser Balkon hat zu beiden Seiten und darüber wieder Balkone, so dass der überschaubare Himmelsausschnitt vergleichsweise bescheiden ist. Vom dem hoch im Süden stehenden Leo kann ich nur den unteren Teil noch mit dem Teleskop erreichen. Gleichzeitig stören Straßenlaternen u.a. Lichtquellen von unten, so dass eine völlige Dunkeladaption nicht möglich ist (für das nächste Mal will ich mir ein schwarzes Laken besorgen und über mich und das Ende des Teleskops hängen).

Das Teleskop hatte ich bereits um 20 Uhr offen auf den Balkon gestellt. Nachdem ich Jupiter zwar gut sah, wenn ich mich über das Balkongeländer hing, war er leider schon kurz nach 22 Uhr nicht mehr vom Balkon aus mit dem Teleskop zu erreichen - Mist!. Also ließ ich meiner Laune nach Deep Sky freien Lauf, warum eigentlich nicht? Man kann doch mal gucken was so geht. Sucher ordentlich ausgerichtet, kurz am Himmel orientiert, Deep Sky Reiseführer und Rotlicht zur Hand und schon konnte es losgehen:

1. M65/M66 und NGC3128 (Leo)

Mittels Sucher (es zeigte sich wieder, dass der 8x50 Sucher mit aufrechtem und seitenrichtigem Bild eigentlich eher ein Finder ist!) peile ich die Lage gemäß Aufsuchkarte an. 55mm Plössl (2 Zoll) ins VMC und schon stehen die Galaxien im Gesichtsfeld. M66 scheint ein bisschen heller und gibt mit den dicht daneben stehenden etwas "helleren" Sternen ein schöneres Bild ab. Im 16mm Okular (122x) ist der Anblick am schönsten, mehr ist nicht herauszuholen. M66 hat einen deutlich helleren, länglichen Kern mit Halo. M65 ist im Zentrum leicht heller, ansonsten ist keine Struktur erkennbar. NGC3128 ist direkt zu sehen, zeigt aber keinerlei Details.

2. M95, M96, M105, NGC 3384
M105 und NGC 3384 erscheinen fast gleich hell uns zeigen den im Deep Sky Reiseführer beschriebenen stellaren Kern. Der Anblick der beiden Galaxien im Gesichtsfeld erinnert an ein Auto, dass im dichten Nebel auf einen zufährt. M96 ist deutlich, aber ohne jede Details. M95 ist nur bei indirektem Sehen oder beim leichten Drehen an den Achsen zu sehen - an der Grenze.

3. M53 (Coma)

Diesen Kugelsternhaufen beobachte ich zum ersten Mal. Er ist im Sucher leicht auszumachen. Im VMC erscheint er sehr Kompakt. Erst bei 122x zeigt sich leichtes zu erahnendes Gesprenkel. Erst bei 217x (9mm LV) funkeln erste Sterne sowohl im Rand als auch im Zentralbereich (indirektes Sehen hilft hier weiter). Insgesamt ist der Eindruck verglichen mit den großen Kugelhaufen des Nordhimmels enttäuschend.

4. M3 (Canes Venatici)

Die Entschädigung für M53. M3 ist mein Bienenschwarm. Bei 217x wimmelt es von Einzelsternen und die z.T. auch im Zentrum vor einer nebligen Fläche stehen. Dadurch entsteht ein sehr räumlicher Eindruck: Traumhaft. Eine Steigerung der Vergrößerung auf 279x ergibt keinen weiteren Gewinn.

5. M104 (Virgo)

Da die Sicht von meinem Balkon (wie beschrieben) eingeschränkt ist, wage ich mich zunächst nicht an den Virgohaufen ran, sondern drehe auf den viel südlicher stehenden Sombrero Nebel. Bereits im Sucher ist er auszumachen. Ein Blick durch's VMC überrascht mich (wie jedes Mal bei M104). Die Galaxie ist zwar sehr hell, aber auch relativ klein. Erst bei Steigerung der Vergrößerung auf 217x sieht man ganz deutlich das südliche Staubband, dass das Glimmen der Galaxie nach Süden hin scharf begrenzt. Soviel zum Thema: Deep Sky = niedrige Vergrößerungen. Die Kernregion ist deutlich heller und dichter, die Sombreroform ist zu sehen.

6. Virgohaufen

Hier muss ich gestehen, dass ich den Virgohaufen zwar schon mehrfach abgegrast habe, aber noch nie mit System und zumeist habe ich einfach bestaunt und wusste im Grunde nicht, was ich da sah (ich wusste nur, dass es schön war). Nun, jetzt könntet Ihr einwenden, das Ruhrgebiet ist nicht der beste Platz um mit der Galaxienjagd anzufangen! Stimmt wohl, aber ich wollte doch mal sehen, was so geht.

Mit Hilfe des Deep Sky Reiseführers suche ich "das große T" und stelle es im Sucher ein. Dann beginne ich mittels der Aufsuchkarten die Galaxien in der Nähe des "T" zu finden. Auf diese Weise finde ich M99 und M100, allerdings beide schwach und ohne Details: Ein erster Erfolg! Dennoch halte ich mich einige Zeit bei den beiden auf. Es wird langsam kälter hier auf dem Balkon. Die weitere Suche gestaltet sich in der Tat schwierig. Ich sehe viele "Fleckchen" aber komme ein bisschen durcheinander. Nach einiger Zeit gebe ich auf, aber mit dem festen Willen, das Projekt an einem dunkleren Standort erneut anzugehen.

Zum Ausklang des Abends suche ich erneut den Einstieg in den Virgohaufen über Epsilon Virgo. Bei 122x arbeite drehe ich das VMC langsam durch den Haufen. Es ist verblüffend zu sehen, dass selbst hier im Ruhrgebiet fast kein Gesichtsfeld ohne Galaxienfleckchen auftritt. Einmal habe ich 4 (eventuell sogar 5) Galaxien im Okular! Nach einiger Zeit bleibe ich an einer Galaxie hängen, die sehr hell (verglichen mit den meisten anderen) erscheint und bei längerem Betrachten sogar leichte Struktur zeigt (unterschiedlich helle Zonen). Leider konnte ich sie nicht identifizieren. Sie steht unmittelbar neben einem verhältnismäßig hellem Stern (8 oder 9m) der wiederum mit zwei weiteren Sternen ein nahezu gleichseitiges Dreieck bildet (das Dreieck zeigt also auf die Galaxie). Einige Bogenminuten entfernt (westlich) steht eine weitere schwächere Galaxie bei der ich meine, eine Kantenlage zu erkennen...

Wie dem auch sei, es war ein schöner Abend auf dem Balkon und ich bin froh, mich schnell aufwärmen zu können.

Viele Grüsse und sternklare Nächte
Daniel Muthmann

Bei Anregungen oder Rückfragen einfach mailen:
daniel@muthmann-online.de
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben