Deep Sky im Schützen und in M31...

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Deneb
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Deneb

Aktives Mitglied
Hallo zusammen!!

Hier folgt mit ein bisschen Verspätung mein BB vom Sonntag, der im Rheintal wieder mal eine schöne und klare Nacht brachte.

Dieses Mal hab ich mich an die H400-Objekte im Schützen gewagt und zum krönenden Abschluß noch 4 Kugelsternhaufen in der Andromedagalaxie besucht. Auch 2 Quasare konnte ich erobern, womit die Gesamtzahl nun auf 8 gesehene Quasare ansteigt. Jetzt hab ich nur noch 20 Quasare vor mir... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal auf Entdeckungsjagd in den Schützen zu begeben, weil dort viele wunderschöne Objekte warten. Man darf sich einfach nicht von der tiefen Stellung abschrecken lassen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viel Spaß beim Lesen...

Christian

=======================================================================================

Beobachtungsbericht vom 06.07.03



Bedingungen:
Heute war es schön klar, der Nordamerikanebel war schön zu sehen, wie auch die Milchstrasse im Schützen und auch die Horizontsicht war gut und nicht zu diesig. Allerdings war die Nacht feucht. Die Grenzgröße lag bei geschätzten 5m8, im Zenit vielleicht ein bisschen besser. Auch das Seeing war in Ordnung. Alles in allem gute Bedingungen.

Instrument:
203/1200mm Dobson mit 25, 12.5 und 9mm Plössl Okularen



Sagittarius:

NGC 6569 (Sgr, Gc, 8m7, 5.8’):
Bei 50x ist nordöstlich eines hellen Sterns ein matter, diffuser Lichtfleck zu erkennen, der mit indirekter Sicht sehr gut zu sehen ist. Der Haufen besitzt ein leicht bis mäßig aufgehelltes Zentrum. Bei 140x wirken die Randbezirke unregelmäßig. Außerdem scheint der Hintergrund leicht körnig zu sein. Der Haufen hat eine geringe Flächenhelligkeit.

NGC 6624 (Sgr, Gc, 7m9, 5.9’):
Bei 50x sieht man einen kleinen, aber hellen diffusen Lichtfleck, dessen Helligkeit zur Mitte hin stark zunimmt und der ein fast stellares Zentrum zu besitzen scheint. Er bildet mit 2 Sternen ein Dreieck und besitzt eine enorm hohe Flächenhelligkeit. Bei 140x ist der Kugelsternhaufencharakter sehr schön zu erkennen. Auch jetzt ist wieder ein sehr helles, fast stellares Zentrum zu sehen. Trotz der kleinen Ausdehnung erscheinen die Randbezirke leicht unregelmäßig, aber es ist kein körniger Hintergrund auszumachen.

NGC 6522 (Sgr, Gc, 8m3, 5.6’):
Bei 50x ist ein kleiner, diffuser und heller Lichtball erkennbar, dessen Helligkeit zur Mitte hin mäßig bis stark zunimmt. Der Haufen besitzt eine sehr hohe Flächenhelligkeit, weshalb man ihn auch mit direktem Sehen sehr schön erkennen kann. Bei 140x ist der Kugelsternhaufencharakter sehr schön zu erkennen. Man kann die schwächeren Randbezirke sehr schön vom hellen Zentrum unterscheiden. Auch hier ist der Hintergrund nur neblig.

NGC 6528 (Sgr, Gc, 9m5, 3.7’):
Bei 50x ist ein sehr lichtschwacher und kleiner, diffuser Lichtfleck auszumachen, der am besten mit indirekter Sicht zu sehen ist, aber auch direkt ist er noch gut zu halten. Viel kleiner und schwächer als sein Nachbarhaufen NGC 6522, der auch im Gesichtsfeld zu erkennen ist. Bei 140x ist er besser zu sehen. Seine Helligkeit nimmt leicht und kontinuierlich zur Mitte hin zu. Auffällig ist auch die kleine Ausdehnung.

NGC 6540 (Sgr, Oc, -m-, 0.8’):
Die Besonderheit bei diesem Objekt liegt in der sehr kleinen Ausdehnung. Bei 50x ist lediglich ein sehr schwacher, kleiner und runder Lichtfleck erkennbar, der ziemlich homogen erscheint und nur mit indirektem Sehen gut auszumachen ist. Bei 140x ist er auch direkt schön zu sehen. Der Haufen bildet mit mehren Sternen ein Bogen. Der Hintergrund erscheint leicht körnig und es blitzen ca. 3-4 Sterne hervor. Nun erscheint der Haufen auch zur Mitte hin leicht heller. Ein sehr interessantes Objekt.

NGC 6520 (Sgr, Oc, -m-, 6.2’):
Bei 50x sieht man einen hellen, körnigen Nebelfleck, der sich um zwei helle Sterne gruppiert. Schon jetzt bietet der Haufen einen sehr schönen Anblick. Besonders der Kontrast zu einem sehr hellen Vordergrundstern ist sehr schön. Bei 100x kann man den Haufen schon in viele Einzelsterne auflösen, allerdings ist immer noch ein leicht körniger Hintergrund zu sehen. Der Haufen besitzt eine unregelmäßige, längliche Form. Bei 140x ist der Haufen nun schön aufgelöst, allerdings verschwindet auch hier nicht das körnige Hintergrundleuchten. Insgesamt sind 4 helle und ca. 10-15 schwache Haufensterne erkennbar. Er ist schön konzentriert und hebt sich deswegen sehr gut vom Umfeld ab. Auch die Ränder sind klar definiert.

NGC 6553 (Sgr, Gc, 8m0, 8.1’):
Bei 50x erkennt man einen hellen, diffusen, großen und runden Lichtfleck, der zur Mitte hin stetig und mäßig heller wird. Der Haufen bildet mit 2 Sternen ein Dreieck. Bei 140x erkennt man einen unregelmäßig geformten Lichtfleck, der eine relativ homogene Helligkeitsverteilung besitzt. Nun wird er auch nur noch leicht heller. Der Hintergrund bleibt auch jetzt noch neblig. Direkt nördlich befindet sich ein schwacher Stern.
NGC 6544 (Sgr, Gc, 8m0, 8.9’):
Bei 50x erkennt man einen hellen, diffusen Lichtfleck, der zur Mitte hin leicht bis mäßig heller wird. Der Haufen liegt in einer Gruppe von schwachen Sternen. Er besitzt eine hohe Flächenhelligkeit. Bei 140x wird die Form unregelmäßig, was insbesondere die Randbezirke betrifft .Der Hintergrund macht einen leicht körnigen Eindruck und manchmal blitzen einzelne Sterne heraus.

NGC 6638 (Sgr, Gc, 9m0, 5.0’):
Bei 50x sieht man einen kleinen, diffusen Lichtfleck, dessen Helligkeit zur Mitte mäßig zunimmt. Der Haufen besitzt eine hohe Flächenhelligkeit und ist deswegen auch bei 140x sehr schön zu erkennen. Er befindet sich nordöstlich eines helleren Sterns. Auch hier bleibt es beim nebligen Hintergrund. Die Randbezirke erscheinen leicht unregelmäßig.

NGC 6642 (Sgr, Gc, 9m3, 4.5’):
Bei 50x ist ein kleiner, aber sehr heller Lichtfleck zu erkennen, dessen Helligkeit zur Mitte hin stark zunimmt. Der Haufen besitzt eine sehr hohe Flächenhelligkeit und befindet sich in einem Sternendreieck, das aus helleren Sternen gebildet wird. Auch bei 140x ist der Haufen noch sehr klein. Nun ist ein fast sternförmiges Zentrum. Die Randbezirke erscheinen leicht unregelmäßig mit dunkleren Stellen. Eine Auflösung ist nicht möglich.

NGC 6629 (Sgr, Pn, 11m6, 16“):
Bei 50x erkennt man nördlich eines helleren Sterns einen kleinen und hellen Lichtfleck, der wie ein unscharfer Stern aussieht. Der Nebel besitzt eine hohe Flächenhelligkeit. Bei 140x wird die Natur des Objekts sehr deutlich, da nun eindeutig eine flächige Ausdehnung zu sehen ist. Der Nebel sieht oval aus und ist ca. 2:1 elongiert. Die Helligkeit nimmt zur Mitte hin stark zu, was evtl. auf einen Zentralstern schließen lässt. Wegen der sehr kleinen Ausdehnung sind keine weiteren Details erkennbar, auch nicht die Farbe.

NGC 6583 (Sgr, Oc, -m-, 5.8’):
Bei 50x erkennt man einen sehr schwachen, diffusen Lichtfleck, der zur Mitte hin leicht heller wird. Bei 140x ist der Haufen besser zu sehen. Man erkennt einen unregelmäßig geformten Haufen mit einem körnigen Hintergrund. 5-10 Sterne treten aus dem Nebel heraus und kann somit wenigsten teilweise aufgelöst werden. Der Haufen besitzt eine geringe Flächenhelligkeit und erscheint leicht länglich, ca. 2:1 elongiert. Man erkennt außerdem eine mäßige Konzentration.

NGC 6568 (Sgr, Oc, -m-, 13’):
Bei 50x erkennt man einen großen, mäßig konzentrierten Sternhaufen, der reich an Sternen ist und sich gut vom Umfeld abhebt. Die Haufensterne sind allesamt sehr lichtschwach, aus denen 2-3 helle hervorstechen. Ansonsten haben sie alle mehr oder weniger die gleiche Helligkeit. Man kann ca. 25 Sterne erkennen, die von einem Ring aus ca. 30 Sternen umschlossen sind. Der Ring gehört allerdings nicht zu Haufen. In der Nähe befindet sich ein sehr heller, orangefarbener Stern.

M20 (Sgr, Neb, 6m3, 23’):
Bei 50x erkennt man den Nebel, in den ein heller Doppelstern eingebettet ist. Der Nebel erscheint hell und hat auslaufende Ränder. Mit indirektem Sehen erkennt man 2 Staubbänder, die den Nebel durchziehen. Einen Sternhaufen im Nebel konnte ich jedoch nicht ausmachen. Auch der schwache Reflektionsnebel ist als schwacher Schimmer zu sehen. Der schönste Anblick ergibt sich bei 50x.

NGC 6440 (Sgr, Gc, 9m0, 5.4’):
Bei 50x ist ein schwaches, rundes und kleines, diffuses Nebelfleckchen erkennbar, dessen Helligkeit zur Mitte hin mäßig bis stark zunimmt. Der Kugelsternhaufen bildet mit 2 weiteren Sternen ein Dreieck. Auch bei 140x ändert sich das Bild nicht wesentlich. Man sieht lediglich einen diffusen Lichtfleck, der bei dieser Vergrößerung jedoch besser zu erkennen ist.

NGC 6445 (Sgr, Pn, 13m2, 33“):
Bei 50x sieht man einen schwachen, diffusen Lichtfleck, der westlich eines hellen Sternes befindet. Man erkennt außerdem noch eine leichte Helligkeitszunahme zur Mitte hin. Bei 140x ist eine ovale, ca. 2:1 elongierte Scheibe zu erkennen, deren Helligkeit gleichmäßig zur Mitte hin zunimmt. Einen Zentralstern kann man nicht ausmachen.

NGC 6645 (Sgr, Oc, -m-, 10’):
Schon bei 50x sieht man einen großen, offenen Sternhaufen, in dem ein heller Doppelstern auszumachen ist. Man sieht schon jetzt sehr viele Haufenmitglieder, so ca. 20-25. Der Hintergrund erscheint jedoch immer noch leicht körnig. Bei 140x ist der Haufen wunderbar aufgelöst und man sieht ca. 40-50 Mitglieder. Irgendwie hat der Haufen die Form einer „Kindergartensonne“ mit einem dunklen Zentrum, in dem keine Sterne zu erkennen sind. Er ist mäßig konzentriert und hebt sich sehr gut vom Umfeld ab. Ein sehr schönes Objekt.

NGC 6818 (Sgr, Pn, 9m9, 20“):
Bei 50x sieht man einen hellen, ovalen und diffusen Lichtfleck, der eine sehr hohe Flächenhelligkeit hat. Der Nebel bildet mit 2 Sternen ein Dreieck. Bei 140x erkennt man einen sehr hellen, leicht ovalen Ring, der ca. 1.5:1 elongiert ist und eine leicht türkis-grünliche Farbe hat. Auch wieder ein sehr schönes Objekt.


Kugelsternhaufen in M31:

M31-G1 (And, Gc, 13m7, 6“):
Bei 50x war der Haufen nur indirekt zu sehen, und das auch nicht immer. Allerdings war er bei 140x kein Problem und konnte sogar direkt beobachtet werden. Wieder habe ich eine flächige Ausdehnung gesehen, bin mir aber nicht sicher, ob ich den Haufen flächig gesehen habe, oder die Kombination von 2 Sternen + Haufen.

M31-G76 (And, Gc, 14m2, 3.6“):
Der Haufen war erst bei 140x zu erkennen und das auch nur mit indirektem Sehen und das auch für kurze Augenblicke. Meiner Meinung nach der schwierigste Kugelsternhaufen in M31. Direkt daneben steht noch ein Sternchen mit der gleichen Helligkeit, das man leicht mit dem Haufen verwechseln kann. Komischerweise ist dieses Sternchen viel besser als der Kugelsternhaufen zu sehen.

M31-G78 (And, Gc, 14m3, 3.2“):
Auch dieser Haufen ist wieder nur bei 140x und indirektem Sehen zu erkennen, allerdings ist er einfacher wie M31-G76. Vielleicht liegt das an der etwas geringeren Größe. Man kann ihn länger halten, aber auch nicht die ganze Zeit über.

M31-G280 (And, Gc, 14m2, 2.7“):
Eigentlich dachte ich, dass dieser Kugelsternhaufen der schwierigste werden würde, da er sehr nahe bei dem Kern von M31 steht. Doch da hatte ich mich getäuscht, denn er war nach Mayall II am einfachsten zu halten. Wiederum nur mit indirektem Sehen, aber für eine längere Zeit und sicher.


Quasare:

RX J23273-1524 (Peg, QSO, 12m6):
Bei 140x war der Quasar aufgrund seiner Helligkeit sehr schön zu erkennen. Er besitzt eine hohe Helligkeit, weshalb er zu den leichten Quasaren zählt. Die beiden Nachbarsterne konnte ich nicht ausmachen, da meine Augen doch schon sehr müde waren.

Mark 509 (Aqr, QSO, 13m1):
Dieser Quasar war bei 140x nicht zu übersehen, da er wirklich eine sehr hohe Helligkeit hat. Mir kommt es so vor, als ob er heller wie die Katalogangabe ist. Ein lohnendes Objekt in 600 Mio. Lichtjahren Entfernung.


Weiterhin gesehene Objekte:

NGC 7009:
Ein sehr heller planetarischer Nebel, der eine ovale Form hat und auf beiden Seiten schwache Striche aus dem Nebel herausragen.

M22:
Ein wunderschöner, wenn nicht sogar der schönste Kugelsternhaufen am nördlichen Sternenhimmel. Bei 140x ist das komplette Gesichtsfeld mit Sternen gefüllt und der Haufen kann bis in das Zentrum hinein aufgelöst werden.
 
Hi Christian,

deine M 31 Beobachtungen sind ein Knaller :-) Hier noch ein paar Haufen heller als 15te Größenklasse - wenn du magst kannste ja mal draufhalten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

G 72 14.93mag v
G 205 14.83mag v
G 213 14.70mag v
G 272 14.79mag v

Dann gibt es da noch zwei Offene Sternhaufen ... C 202 und C 203 welche auch mit deinem Scope sichtbar sein sollten.


Die Positionen findest du hier http://nedwww.ipac.caltech.edu/level5/ANDROMEDA_Atlas/frames.html


Happy hunting, Jens
 
Hi Christian,

du hast ja wieder ordentlich zugeschlagen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Im Sagittarius da kann man ganze Nächte verbringen. Ich hab
mir die Region vorletztes und letztes Jahr intensiv gegönnt,
und es gibt immer noch reichlich Objekte die mir fehlen.
Vorallem stellare Pn aus dem PK-Katalog, die man aber nur
sinnvoll mit Schmalband- oder OIII-Filter herausarbeiten
kann. Zudem steht die Region für das Berliner Umland nicht
besonders hoch. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Für die Globulars kannst du Dir ja mal den folgenden Thread anschaun. Ich hatte mir genau die
selben Globulars im 8" angeschaut, und fand den G76 auch
sehr schwierig. Leider konnte ich damals G78 nicht finden,
da meine Karte genau an der wichtigen Stelle zu Ende war. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />
Wie hast du die Dinger nun gefunden - den Atlas ausgedruckt?

Clear Skies
Matthias
---
www.Serifone.de
 
Hallo Matthias,

zuerst hab ich mir unter http://www.angelfire.com/id/jsredshift/gcm31.htm mal die 4 hellsten Kugelsternhaufen aus der Beobachtungsliste rausgesucht und mir die Koordinaten notiert. Dann hab ich mir aus dem DSS die Bilder dazu besorgt und mit Hilfe des obigen Berichts geschaut, welches denn nun der Kugelsternhaufen ist. Danach hab ich die Koordinaten in Guide 7.0 eingegeben, die Karten bis 15mag ausgedruckt und mithilfe der DSS-Bilder die Kugelsternhaufen eingezeichnet, da diese in Guide nicht enthalten sind. Und so hab ich jezt wunderschöne Karten für die 4 hellsten Kugelsternhaufen in M31.

Ich muss wirklich sagen, dass die Jagd nach ihnen sehr spannend war und ich meinen 8 Zöller wirklich an seine Grenzen gebracht habe. Aber das ist für mich gerade das Faszienierende an dem Ganzen. Allerdings muss ich das nochmal versuchen, wenn M31 höher wie 37° über dem Horizont steht. Dann wird es hoffentlich ein bisschen einfacher.

 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben