Der Binotest am Saturn

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aths

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Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 18.12.2003, ca. 23:40 - 0:25 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor: 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm (jeweils 2x) und Kasai 6 mm orthoskopisch. 90° Vixen Zenitprisma. Baader 60° Binokular-Ansatz. Glaswegkorrektor 1,7x.

Bedingungen: Ziemlich kalte Nacht. Kaum Wolken.

Besonderheiten: Bino-Test am Planeten, vorzeitiger Abbruch wegen Kälte.

Beim Aufbau auf dem kleinen Hügel verzichtete ich diesmal darauf, die Ablageplatte ins Stativ einzuhängen, und legte sie links neben das Gerät, um die Ablagefläche nutzen zu können. Die Höhe des Stativs war ein kleines Problem, da sowohl M42 als auch Saturn auf dem Programm standen. Saturn war eher in Zenitnähe, M42 stand schon recht niedlich. Ich versuchte, ein Mittelmaß zu finden.

Naja, bei M42 war der Einblick dann doch unangenehm hoch, ich musste den Rücken wirklich gerade machen und mich anstrengen, ins 60°-Bino reinsehen zu können. Irgendwie gab es Probleme mit dem Bild beim linken Auge. Schwer zu beschreiben, wie es wirkte: Ein wenig, als sähe man dort durch Milchglas. Mit etwas gutem Willen waren die beiden Bilder bei 63x zu überlagern. Der Eindruck war etwas flauer, als gewohnt. Die Gründe sind wohl im Glasweg zu suchen: 2 Linsen im Korrektor, dann das Bino, und dann je 5 Linsen im Okular, und überhaupt — mit nur 4" dann noch auf Deep-Sky zu gehen... vermutlich trug aber auch der recht niedrige Stand vom großen Orionnebel sein Teil dazu bei. Das Trapezium und die drei Sterne im anderen Flügel waren natürlich gut zu sehen. Bei indirekter Beobachtung waren die "Arme" einwandfrei zu erkennen. Der Nebel sprengte dann das Gesichtsfeld und beeindruckte trotz vergleichsweise geringem Kontrast.

Das Rohr wurde dann zum Saturn geschwenkt. Mit dem Auffinden des Ringplaneten gab es einige Probleme, denn die Einblicksposition war jetzt sehr niedrig, den Sucher hätte man nur mit größten Verrenkungen nutzen bekönnen. Außerdem war der gar nicht mehr justiert. Bei M42 ging das mit der Rohrpeilung noch recht fix, beim Saturn fuhr ich mit den Drehknöpfen an der GP-Montierung einfach die angepeilte Gegend ab, bis sich das gewünschte Objekt im Okular durch schiere Helligkeit verriet.

Schon bei 63x war es nicht drin, die Bilder überlagert zu bekommen. Aber der eigentliche Test sollte ja bei 174x erfolgen. Die Bedingungen waren suboptimal: Ich war ziemlich müde, zum Aufbau des Teleskops musste ich mich echt aufraffen, aber da zu befürchten war, dass der fast freie Himmel ein kurzer Segen wäre, überwand ich mich dann ja doch. (Das war auch richtig so, die nächsten Nächte glänzten wieder durch komplette Bewölkung. Fieserweise klarte der Himmel tagsüber immer stellenweise auf, um so falsche Hoffnungen auf mögliche weitere Beobachtungsnächte zu wecken.)

Bei 174x war es nun erst recht nicht drin, nur einen Saturn zu sehen. Ich versuchte es mit Schielen, aber in die andere Richtung zu schielen (dass die Bilder noch weiter auseinander driften) war entspannter. Ein Test, den Saturn einfach an den Gesichtsfeldrand zu schieben, dass er halb verschwindet, brachte dann auch den Grund für die Schwierigkeiten ans Tageslicht: Die beiden Gesichtsfelder sind zueinander etwas verkippt. Hm. Dabei ist das Bino doch gerade erst von Baader kollimiert worden, und der Mond machte bei174x gar keine Probleme (was vor der Bino-Justage nicht der Fall war.) Ich versuchte, die Okulare etwas zu lockern, zu drehen, zu kippen. Immer wieder testete ich aus, inwieweit der Gesichtsfeldrand überein stimmt. Damit war ich den Großteil der nächtlichen Sitzung beschäftigt. Eine komplette Gleichheit herzustellen gelang jedenfalls nicht.

Erst mitten im Abbau kam die Idee, die Okulare doch einfach mal zu tauschen. Doch auf einen erneuten Aufbau hatte ich keine Lust, trotz recht warmer Kleidung war mir kalt, woran die fehlenden Handschuhe wohl eine große Rolle spielten. Die Kälte zwang überhaupt erst zum Abbruch.

Tja, die Hoffnung, den Saturn vernünftig im Bino zu sehen, hatte sich also nicht erfüllt. Hier muss unbedingt neu getestet werden, und zwar unter besseren Bedingungen. Also ohne Müdigkeit, und mit längeren Tests die Okulare betreffend, und jene auch mal vertauschen. Es kann aber auch sein, dass das Bino weiterhin eine leichte Dejustage aufweist, oder ich für binokulares Sehen bei hohen Vergrößerungen auf winzige Abweichungen empfindlich reagiere. Der Mond bietet sehr viel Fläche, wo sich das Auge "festhalten" kann, und macht damit die Sache leicht. Bei Test am Mond, einige Tage zuvor, bemerkte ich auch einen wesentlichen Unterschied zum monokularen Sehen: Wenn man beide Augen einsetzt, fühlt man sich, als würde man vor dem Objekt schweben. Obwohl bei den nur 50° umfassenden Gesichtfeldern der Rand beim Okular zu sehen ist, stellt sich so etwas wie ein Spacewalk-Effekt ein. Das war bei einäugiger Betrachtung nicht mal im Ansatz zu spüren.

Das Gefühl am Ende der recht kurzen Sitzung war gemischt: Enttäuscht über den fehlgeschlagenen Test, aber noch nicht mutlos, da noch Hoffnung besteht. Zudem war ich sauer, vorzeitig abzubrechen müssen, aber froh, wieder im Warmen zu sein. Das Leben des Hobby-Astronomen ist offensichtlich ein ständiges Auf und Ab.
 
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