Der Frustbeitag vom Neuling

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Hallo Ulrich,

natürlich sind die Sterne erst einmal nur helle Punkte am Himmel, da beißt die Maus keinen Faden ab!

Kurzer Hinweis, vergiss bitte ganz schnell die Fotografie mit einem 8" SC mit 2m Brennweite! Wenn überhaupt, schnall erst einmal deine EOS mit einem normalen Objektiv auf den Rücken der orangenen Tonne...

Neben "Welcher Stern ist das?" gibt es 2 weitere Werke, die ich pers. jedem an´s Herz legen kann. Den Deep Sky Reiseführer von R. Stoyan gibt dir einen saisonalen Überblick, was du am besten mit welchem Gerät beobachten kannst und liefert dir anhand von Zeichnungen! auch einen guten Eindruck, was DU in deinem Teleskop zu erwarten hast (keine Farbe, diffuse Flecken, ...), so siehst du auch ganz schnell, was mit deinem Teleskop wirklich möglich ist und was mehr oder minder Werbung ist/war.
Dazu als Ergänzung den Deep Sky Reiseatlas von Feiler/Noack, der dir die entsprechenden Aufsuchkarten zu den im Reiseführer besprochenen (und vielen vielen anderen) Objekten liefert.

Weg von Terrasse/Balkon Nackenhaare und Spektiv...

Also wenn man schon einen eigenen Garten hat, kann ich es gut verstehen, dass man auch dort beobachten will und nicht noch Meilenweit das Equipment durch die Gegend tossen will, aber wenn durch Haus/Baum/usw. die Hälfte des Himmels verdeckt wird und die andere Hälft im Lichtsumpf untergeht, hat man außer Aufgeben eigentlich keine andere Wahl als sich einen anderen Beobachtungsplatz zu suchen. Eibn Spektiv ist dazu bestens geeignet, denn es ist klein und leicht und gibt dem inneren Schweinehund nicht so viel Futter wie ein 8" SC. Um sich am Himmel zurechtfinden zu lernen ist das Spektiv ebenfalls bestens geeignet, allerdings sind Frühjahr/Sommer (neben Mond/Planeten) geprägt von Galaxien und Sternhaufen und die Vielzahl dieser Objekte verlangen nach einem größeren Instrument als einem Spektiv.

Wenn du jetzt am kommenden WE mal nachts keine Wolken hast, kannst du dir entweder dein Spektiv schnappen und mal eine Reise durch die verschiedenen Sternbilder machen. Dabei wirst du auch an h- und chi-Persei hängen bleiben. 2 Offene Sternhaufen, die gerade bei geringer Vergrößerung einen faszinierenden Anblick liefern (Juwelen des Nachthimmels). Falls du lieber mit dem "Großen" rangehen willst, nimm einfach mal einen der großen und hellen Kugelsternhaufen in den Fokus (Messier 3 oder 13) und fang an dich langsam in der Vergrößerung vorzuarbeiten, das gleiche gilt auch für M57, einfach mal mit dem Weitwinkel anfangen und langsam aber sicher "ins Bild vorarbeiten"...

Auch wenn es abgedroschen klingt, Geduld ist die Tugend der Könige und in der Astronomie unabdingbar!
 
Zitat von pinball:
Moin, Moin,


Ich stelle jedoch fest, das ich die Faszination die ich z.B. in Günters und Thomas Beiträgen finde noch (?) nicht teile.... auch wenn das Licht Millionen Jahre zu uns unterwegs war... sind es trotzdem nur helle Punkte am Himmel. - Pardon...

Den schärfsten Thrill bisher verspürte ich bei dem Anblick genau eines solchen bläulichen Pünktchens. Es war der Quasar 3C273 im Sternbild Jungfrau. Ein Blick in einen Höllenschlund - zweieinhalb Milliarden Lichtjahre entfernt. Sicher, da war auch der befriedigte Jagdinstinkt, denn das Ding ist nicht einfach zu finden, wenn man nur einen Dobson schubst. Aber das Bewusstsein im Hinterkopf, was man da sieht - und die Exklusivität des Sehenkönnens und der Ahnung, was das eigentlich ist - das treibt an!

Aber nur mit der Ruhe, das braucht Zeit, bis sich sowas setzt und entwickelt. Schau Dir "Welcher Stern ist das" mal in Ruhe an, auch die etwas theoretischeren Teile. Wenn Du das alles verstanden hast und Dich dann auch noch am Himmel der jeweiligen Jahreszeiten orientieren kannst - glaub mir, dann giltst Du in Deinem Bekanntenkreis als der Champion.

Grüße,

Klaus

 
Genau,

das Selbst-finden macht für mich auch einen Großteil des Spaßes aus. Außerdem lege ich mich bei Temperaturen über 10 °C auch gern auf eine Decke auf der Wiese und schaue mit den Augen oder einem Fernglas, was sich da oben so tut. Standardziele anlaufen, nach Doppelsternen oder (roten) Kohlenstoffsternen schauen, Satelliten verfolgen und auf Sternschnuppen hoffen. :)

Derweil kann das Teleskop ordentlich auskühlen. Zuvor drucke ich mir daheim Karten in verschiedenen Detailstufen von der Region aus, in der ich diesmal meine neuen Ziele suche.

Welches Instrument hattest Du bei der Begutachtung von 3C273?

Gruß, Günther.
 
Zitat von Etamin:
Welches Instrument hattest Du bei der Begutachtung von 3C273?

Hallo Günther,

das war der 10" f/5 Newton von Sankt Martin Birkmaier. Der reicht dafür dicke. Der Quasar ist ja an sich nicht schwer zu sehen, nicht schwerer als ein Stern der 13. Größe, man muss ihn nur finden und im Feld richtig identifizieren.

Grüße,

Klaus
 
Moin,
Noch mal danke für die Mut machenden Worte. Ich warte jetzt erst mal bis das Buch da ist, und das Pfingstwochenende ist leider schon verplant. Frauchen hat Klassentreffen auf Langeoog.... und das Wetter scheint den Spechtlern auch nicht so gut gesonnen zu sein.
Ich wünsche allen schöne Pfingsttage.
LG Ulrich
 
Hallo Ulrich,

Langeoog, hört sich doch prima an! Pack nen kleinen Feldstecher ein, der Sonntag soll recht ordentlich werden... Und wenn es dunkel wird, schnappst du dir deine Frau, ne Kanne Grog und den Feldstecher und hockst dich mit ihr an den Strand, Blickrichtung Süden (welche Frau sagt schon nein zu einem abendlichen Strandspaziergang). So ab 22:15 seht ihr dann den Saturn im Südosten so langsam aus dem Meer aufsteigen, im Westen steht der Jupiter nur ein paar Grad vom Mond entfernt und noch weiter im Westen geht die Venus schon so langsam unter. Wenn du einen Feldstecher dabei hast (und damit deine Frau nicht nervst), der Grog für eine ruhige Hand und wohlige Wärem gesorgt hat, kannst du/könnt ihr ja mal versuchen neben den gleißend hellen Planeten ihre jeweiligen Monde zu finden. Und wenn ihr dabei zufälliger Weise gefallen an der Ruhe und Zweisamkeit finden solltet und nach den Planeten/Mond nicht mehr wisst, was ihr tun sollt, kann man während eines netten Gespächs (je nach Groglevel) auch mal schauen ob man das ein oder andere Sternbild wiederfindet. Der Orientierung am Himmel schadet das mit Sicherheit nicht!

Viel Spass dabei!
 
Klar,

für's Erste könntet Ihr Sternbilder identifizieren. Vielleicht hat auch Deine Frau Spaß daran. Wenn Ihr den Schwan gefunden habt, dann schaut Euch den "Kopf" an. Albireo ist auch im Fernglas schon ein schönes Pärchen aus einem blauen und einem gelben Stern. Daneben in der Leier gibt es "links" neben Wega einen Doppelstern, den manche schon mit bloßem Auge als solchen erkennen können. Mit dem Fernglas sieht man dann auf jeden Fall zwei und mit einem Teleskop sogar 4. Den Augenprüfer im großen Wagen kann man auch mit bloßem Auge erkennen (Alkor bei Mizar). Mit einem Teleskop sieht man, dass Mizar ein Doppelstern ist (und mit einem deutlich größeren Teleskop, dass alle drei Sterne selbst Doppelsterne sind). Das Alkor-Pärchen wurde aber erst 2009 identifiziert.

Ansonsten bieten sich offene und Kugelsternhaufen an, so im Fuhrmann und im Herkules. Diese Sternbilder findet man auch mit etwas Phantasie und einer Himmelskarte.

Gruß, Günther.
 
Zitat von pinball:
Ich stelle jedoch fest, das ich die Faszination die ich z.B. in Günters und Thomas Beiträgen finde noch (?) nicht teile.... auch wenn das Licht Millionen Jahre zu uns unterwegs war... sind es trotzdem nur helle Punkte am Himmel.
Das könnte ja auch daran liegen, dass du keinen "guten" Himmel hast. Manchmal strahlen die Sterne so trüb, dass meine Lust zum Beobachten nahe Null geht. Manchmal ist der Himmel aber auch so gut, dass man vor lauter Sternengewimmel die Sternbilder kaum ausmachen kann. Auch die Leuchtkraft der Sterne ist dann viel größer.

Außerdem: Wenn du auf dunklem Feld beobachtest, und deine Augen sich etwas an die Dunkelheit adaptieren dann wirkt der Himmel gleich viel eindrucksvoller. Schön ist auch der Anblick der Milchstraße bei dunklem Himmel. Übrigens: Anfang bis Mitte Juni (um Mitternacht) ist die Zeit des Skorpions. Das ist ein Sternbild das mich als Jugendlicher fast "umgehauen" hat.

Thomas

P.S. Vllt. hilft auch das Lernen der Sternbilder die Faszination zu wecken. Wenn man Strukturen erkennen und wiedererkennen kann dann erscheint der Himmel vllt. nicht mehr nur als Haufen von Lichtpunkten.
 
Zitat von Sodiac:
(welche Frau sagt schon nein zu einem abendlichen Strandspaziergang)
Das erinnert mich an ein berühmtes Liebesduett in Verdis Oper "Otello". Da schauen sich Othello und Desdemona den Sternenhimmel an

OTHELLO
Einen Kuss!
Und noch einen Kuss!
(erhebt sich und betrachtet den Himmel)
Die leuchtenden Plejaden versinken schon im Meer!

DESDEMONA
Spät ist die Nacht.

OTHELLO
Komm ... Venus erstrahlt!

 
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