Der Hattrick...

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MP_Cap

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Hallo alle zusammen!

Das Wetter dieses Wochenende ist das beste für DeepSky, was man sich nur vorstellen kann: Klare, mondlose Nächte und eine sehr klare Luft. In zwei Nächten habe ich es geschafft (fast) alles zu beobachten, was der Karkoschka zu dieser Jahres- und Tageszeit bietet. Ein Beobachtungsbericht findet ihr hier

In Anlehnung an diese Nächte konnte ich gestern einen Dritten aufsetzen und ging dabei in ziemlich entfernte Winkel des Universums:

Ich ging einfach Seite für Seite im Karkoschka durch, hab dann einen Kontrollblick gemacht: Ist dieses Sternbild gerade frei und nicht von Bäumen oder ähnlichem verdeckt? Wenn nein, gings ans Eingemachte.
Bedingungen: Klare, relativ ruhige Luft, fst 5-5.5 mag


And, Cas und Per waren gerade hinter Bäumen. Schade. Also Auriga: Ahhh, sehr schön, das liegt frei.
M36 - M38 - sehr schön, schon mit freiem Auge als neblige Stelle sichtbar, dann wunderbar aufgelöst im Hauptrohr im 32mm Plössl
NGC 1931 - Leicht milchige Sterngruppe, bei höherer Vergrößerung dann der Gasnebel
NGC 2281 - auch eine schöne Sterngruppe, einfach zu finden auf halber Strecke zwischen beta Aur und Castor

Weiter in Ursa Major und Umgebung:
NGC 2841 - heller, punktförmiger Kern mit Halo, ziemlich gleichmäßig
NGC 2683 in Lynx - auch einfach zu finden, die Sterngruppe in der Nähe ist mit dem bloßen Auge als Nebel sichtbar, die Galaxie selber ist ziemlich hell mit Kern und schöner Kantenlage, schwache Ausläufer bei indirektem Sehen
NGC 2403 - wunderbare Galaxie, zwar einiges Suchen nötig, man wird aber dafür mit einer schönen Sterneninsel entlohnt, zentraler Kern in ovalem Scheibchen, leider Spirale nur sehr fein im Ansatz gesehen, 2 helle Punkte (Sterne?) einfach sichtbar in der Scheibe
M81, M82 und Umgebung - immer wieder schön anzuschauen die Bode'schen Nebel, M82 gefällt mir bald besser, weil detailreicher, Begleitgalaxien NGC 3077 und NGC 2976 als kleine helle Lichtflecke sichtbar
M108 und M97 nochmal - dank des relativ dunklen Himmels sehr schön strukturiert
M101, M40, M109 den Tag davor schon gehabt, also weiter zu Canes Venatici:
Am Vortag schon viel entdeckt, in Ergänzung
NGC 4449 - auf der Starhopping-Strecke zu M106 liegend, nicht besonders hell und detailreich, schwacher Kern
M106 - relativ großes Scheibchen, heller Kern mit Halo, der im Kreis herum ab und zu etwas dunkler erschien --> Ansätze der Spiralarme?
NGC 4244 - auffällige Kantenlage, aber sonst ohne Details

Herkules:
Erst später in der Nacht, aber jetzt schon vorgeholt:
M13 - zur Auflockerung zwischendurch
M92 - kleiner und kompakter als M13, Kern etwas oval

Bei Abenddämmerung zur Aufwärmung:
M44 und M67 nochmal - Eindrücke vom anderen Forum bestätigt

Bei Dunkelheit Hydra komplett sichtbar:
M48 - schöner offener Sternhaufen, ähnlich NGC 2281, nur sternreicher
NGC 3115 - Die Spindelgalaxie, verträgt aufgrund der großen Flächenhelligkeit hohe Vergrößerungen, punktförmiger Kern, Form erst ab ca. 80x eindeutig
NGC 3242 - Jupiters Geist, ein blaugrüner, milchiger Fleck südlich von µ Hya, veträgt hohe Vergrößerungen, aber wegen geringer Höhe und dazu Lage in Streulichtglocke keine weiteren Details
U Hya - einer der rötlichsten Sterne am Himmel, schon im Sucher eindeutig identifiziert

Löwe: In Ergänzung zu gestern
NGC 2903 - einfach zu finden, ovaler Halo

Gestrige Objekte des Comahaufens nochmal abgegrast, etwas später dann noch
M5 - wow, sehr groß und auch komplett auflösbar, ein Traum!



Nun kam ich zu den entfernteren Objekten des Atlas und dem Schmuckstück des Abends...
Begonnen hatte ich mit NGC 5746, der entferntesten Galaxie des Katalogs mit schöner Kantenlage und 109 Virginis im Bild. Beiläufig lies ich meinen Blick nach Süden wandern. Die Luft war sehr klar. Und obwohl im Süden eine Streulichtglocke eines Sägewerkes hängt, waren das Sternbild Corvus und die letzten Sterne von Hydra einfach mit dem freien Suge zu erkennen. Mittels Fernglas gelang mir sogar die Sichtung von iota und theta Centauri. Also begab ich mich an das Objekt, welches ich mir für diesen Abend eigentlich vorgenommen hatte: Der Virgohaufen.

Blauäugig ging ich mit dem Rohr einfach von Coma Berenices aus nach Süden. Erst tat sich nichts im Okular, doch dann war mit einem Mal der Teufel los: Plötzlich waren da jede Menge Galaxiekerne, mehr, als im Karkoschka verzeichnet waren. Weitaus mehr. Egal in welche Richtung man auch das Rohr bewegte, nicht einmal konnte man eine Galaxie außerhalb des Gesichtsfeldes positionieren, ohne das dabei eine neue sichtbar wurde! Natürlich verlor ich komplett die Orientierung, kein heller Stern war in der Nähe, der als Aufsuchhilfe gedient hätte. Nach einiger Zeit wildem Suchens entdeckte ich schließlich eine markante Sternenkette mit 2 Galaxien. Kontrollblick in den Karkoschka: Aha, ich bin also gerade in dem Feld um M98-M99.
Von da an war der Rest ein Kinderspiel:
Eine weit entfernte Galaxie an der anderen, Makarian's Galaxiekette von M86-88, Virgo A, NGC 4216, NGC 4762... nur um einige zu nennen. 60 Mill. Jahre altes Licht passierte mein Okular dort. Dazwischen noch einige Hintergrundgalaxien, die vielleicht noch älteres Licht aussenden. Eine echt überdimensionale Vorstellung dieser Entfernung.
Beim Durchstöbern des Karkoschka's fiel mir dann noch ein Objekt auf, das den Rahmen des Virgohaufens vollkommen sprengte. Einer der eher selteneren Vertreter unseres Himmels in enormer Entfernung und mit enormer Helligkeit. Jedoch sollte der Weg dorthin nicht einfach werden. Aber war ich so weit gekommen....

Also los gings. Von M59 ging ich mit dem Blickfeld nach Süden zu einer markanten Sternenkette aus 3 Sternen. Kontrollblick im Karkoschka. Von dieser Kette aus hoppte ich - einen weiteren Stern streifend - zu NGC 4526 und M49, der hellsten Galaxie des Virgohaufens. NGC 4526 lag prägnant zwischen zwei 8mag Sternen. Kontrollblick im Karkoschka: Gut, ich bin noch richtig. Zwischen M49 und NGC 4526 lag ein heller Stern. Den im Bildfeld eingestellt und etwa die selbe Strecke wie von der Kette zu M49 abgeschwenkt: Ziel war M61 mit einem 6mag Stern etwas weiter südlich. Kontrolle mit dem Karkoschka.
OK, jetzt wurde es schwierig. Ich musste im rechten Winkel von der Strecke M61-Stern nach Westen fahren zu einer markanten Sternformation mit der Form ähnlich wie Cepheus, nur kleiner. Sie musste einen..... OH NEIIIIN <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> VERIRRT! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" /> Verzweifelt versuchte ich den 6mag Stern wieder zu finden, doch vergebens. Hier gab es kaum markante Formationen oder Punkte, an denen man sich orientieren konnte. Hilflos suchte ich am Himmel herum. Im Bildfeld gab es nichts außer ein paar schwachen Sternen. Wie soll ich mich da.... MOMENT! Was ist das? Das kommt mir doch bekannt vor... NA KLAR, DIE KETTE!! Ich hatte sie wiedergefunden! Puh, um ein Haar hätte ich ganz von vorne anfangen müssen. Also das selbe nochmal bis zum 6mag Stern. Diesmal wollte ich aber nichts dem Zufall überlassen. Mit dem Sucher stellte ich fest, dass dieser Stern auch mit dem bloßen Auge sichtbar ist. Er sollte mir bei erneutem Verlust der Übersicht als Aufsuchhilfe dienen. Schließlich war ich nur noch 1° vom Objekt der Begierde entfernt..
Also gaaaanz langsam nach Westen fahren. Ein paar dunklerere Sterne kreuzten das Gesichtsfeld, bis plötzlich die Sternkonstellation des "kleinen Cepheus" sichtbar wurde. 5-maliger Kontrollblick zwischen Okular und Karkoschka. Ist das zweifelsohne die Konstellation, wie sie abgebildet ist? Ja, sie war es. Und somit hatte ich es gefunden, das Objekt in ungeheurer Entfernung mit extremen Alter:

Den Quasar 3C 273

Die Arbeit hatte sich gelohnt. Da war er, dieser 3 Mrd. Jahre alte Galaxiekern aus dem damals noch sehr jungen Universum. Als ich damals den Karkoschka das erste mal in der Hand hielt und von diesem Objekt las, dachte ich niemals daran dieses 13mag-Objekt zu Gesicht zu bekommen. Der ein oder andere mag jetzt lachen, aber für mich ist das etwas Besondres. Allein die Vorstellung dort ein Objekt im Okular zu haben, dessen Licht fast so alt ist wie die Erde ist für mich wie ein Fan, der vor seinem Star stehen darf. Dieses Gefühl der Überwältigung, das für mich ein Teil meiner Begeisterung zur Astronomie ausmacht.
Der Quasar selber war etwas heller als die beiden Sterne direkt neben ihm. Jeder Besitzer eines kleineren Fernrohres sei an dieser Stelle ermutigt, sich ebenfalls an solchen Objekten zu versuchen. Hat meine Erfahrung doch gezeigt, das selbst solche relativ schweren Objekte durchaus im Bereich des Möglichen liegen und der Quasar viel leichter zu sehen ist als z.B. die ein oder andere Galaxie oder der Planet Pluto soweit ich weis.
Ich dachte früher nur mit einer teuren Ausrüstung und größten Instrumenten sowas sehen zu können. Zumal ich praktisch im DeepSky-Bereich mit meinem 8" noch nicht viel Erfahrung habe.
Versucht es auch mal, es gibt einem eine enorme Bestätigung und erweitert den Erfahrungsbereich! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />


Soviel erstmal von meiner Seite. Hoffe, ihr hattet ebenfalls solche erfolgreichen Nächte und wünsche euch ne schöne Woche. Ich für meinen Teil werd mal das Wetter in anderen Landen erkunden, bin nämlich die kommende Woche auf Studienfahrt in England.

CS Martin
 
Hi Martin
Du warst aber auch recht fleißig, 3 Nächte am Stück da gibt es reichlich zu dokumentieren, vor-und nachbereiten.
War ja selber die letzten 4 Nächte draußen, darf gar nicht dran denken welche Schreiberei das mit dem 10" geworden wäre. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Du hast den Quasar gesehen Glückwunsch das ist mir bis jetzt noch nicht geglückt und wird wohl bis nächstes Jahr warten müssen.
Die Schleierwolken sind auch hier, nach wochenlanger Abstinenz würde ich vielleicht aufbauen, so aber freue ich mich auf mein Bett. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Mit dem Dokumentieren deiner Beobachtungen bist du ja auf einen guten Weg, habe beim mir selbst feststellen können, seit dem ich meine Beobachtungen aufschreibe, das Hobby extrem davon profitiert hat.
Schöne Reise und
CS Udo S
 
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