norbert
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Beobachtungsbericht zum Sonntag, 11. Mai 2003, 23.00 – 23.45 Uhr MESZ
Ort: Wildon (Südsteiermark)
Geräte: 8“ f/6 Dobson „TAL 3“, TS-Zoom Okular (vorwiegend bei 7,4mm), Antares 2xBarlow
Seeing: eher mäßig, geschätzte 3
Objekte: 11 (!!) Rillen im Sumpf der Seuchen (Palus Epidemiarum)
Zur Beschreibung: alle Richtungsangaben so, wie es im Newton-Teleskop erscheint, also „am Kopf stehend“.
Der Mond strahlt vom Himmel, ein Blick in den Kalender – 10. Tag seit Neumond – und den Kosmos Mondführer geschnappt! (Der Rükl kommt bei mir immer erst nach der Beobachtung dran, um meine Beobachtungen zu kontrollieren und die Formationen benennen zu können). Ich wählte eine Region, die ich noch niemals beobachtet hatte (sonst nahm ich mir am 10. Tag meist die Regenbogenbocht und Umgebung vor): den Sumpf der Seuchen. Eines vorweg: Das ist vielleicht die atemberaubendste Region, die der Mond überhaupt bietet! Zuerst zu den
Hippalus-Rillen: einfach und gut sichtbar; 3 parallele, nach links unten gebogene Rillen, die etwa gleich breit sind und auch gleichen Abstand voneinander haben und so aussehen, als hätte eine seehr, sehr große Katze hier einmal ordentlich mit einem Kreisschwung über den Mond gekratzt!. Sie beginnen bereits im Gebirge rechts unterhalb von Campanus, wo vor allem die oberste und die unterste Rille geradezu talartige Furchen im Gebirge hinterlassen, und reichen hinunter bis zum fragmentarischen Krater Agatharchides.
Auf der obersten Rillewaren einfach und gut die beiden hellen Kleinkrater Campanus A (11 km, direkt unterhalb von Campanus und mit diesem durch einen Grat verbunden) und Agatharchides A (16 km) zu sehen, dazwischen ein (flacher?) Berg, den ich zuerst für einen Dom gehalten hatte.
Die mittlere Rille scheint wirklich erst nach dem Gebirge zu beginnen und berührt den oberen Rand des „Halbkraters“ Hippalus, führt dann recht nahe an Agatharchides A vorbei, geht dann stärker nach unten und mündet in ein halbkreisförmiges Becken (N Agatharchides), das etwa bei „11 Uhr“ am gleichnamigen Krater liegt.
Die unterste Rille war aber am interessantesten: sie beginnt im Gebirge geradezu mit einem Tal, geht dann durch den Halbkrater Hippalus durch, durchbricht den Ringwall und reicht in einem Bogen hinunter bis zu einer Gebirgsgruppe rechts von Agatharchides. Im Krater Hippalus, an dessen „offener Seite“, führt die Rille sehr dicht über einem Kleinkrater vorbei. Unterhalb der Rille ist der Boden des Kraters recht glatt, überhalb dagegen merkwürdigerweise sehr unruhig! Ich würde wirklich gerne einmal wissen, was es mit diesen Mondrillen eigentlich auf sich hat ...
Besonders fielen mir in dieser Gegend ausserdem die drei sehr markanten, ineinander liegenden, gekrümmten Meeresrücken im Meer der Feuchtigkeit (Mare Humorum) auf, die annähernd Kreisbögen mit gemeinsamem Mittelpunkt darstellen!
Oberhalb der Hippalus-Rillen glaubte ich, ebenfalls etwas Rillenartiges zu sehen, das in den Kraterwall von Companus hineinragte, größer und breiter als die Rillen unten. Auch diese Formation beginnt bereits im Gebirge rechts, allerdings ohne eine so klare „Talfurche“ wie bei den Rillen unten. Allerdings: weder Mondführer nach Rükl bestätigten meine Sichtung (!?)
Eine „Nach-und-Nach-Erscheinung“ hatte ich ein Stückchen weiter oben, rund um den Krater Ramsden, als ich das Rillensystem suchte, das in dessen Nähe sein sollte. Zuerst sah ich nichts (blödes Gewaber), dann fiel mir in einem ruhigeren Moment eine Rille auf, die bei etwa „10 Uhr“ vom Krater ausging und nach oben strebte, und zwar links von einem Kleinkrater, bei bei etwa 11 Uhr über Ramsden steht. Knapp rechts von einem Berg, der ein gutes Stück links dieses Kleinkraters liegt, machte diese Rille einen deutlichen Knick nach oben in Richtung eines Kleinkraters (=Elger, wie mich Rükl dann lehrte) in den Bergen rechts vom Krater Capuanus (übrigens ein unglaubliches Gerät, dieser große Krater mit seinen drei parallelen „Fingern“, die nach rechts unten streben). Etwas später (und mit ca. 300facher Vergrößerung) bemerkte ich, dass bei diesem Knick auch eine weitere, eher kurze Rille nach links unten (nach ca. 7 Uhr) vom Berg wegstrebt – das ganze sah aus wie ein kopfstehendes Y. Wieder ohne Barlow, war diese Formation dann auch bei 160x gut sichtbar. Ausserdem entdeckte ich jetzt auch rechts des Kleinkraters über Ramsden eine fast senkrecht nach oben strebende Rille, die deutlich schwächer war als die links.
Dann kam eine völlig unerwartete Entdeckung: Unterhalb von Ramsden, zu den Bergen hin, fand ich ebenfalls Rillen, drei an der Zahl, die deutlich(!) den Buchstaben N formen – hurra, irgendwie bin ich am Mond verewigt, zumindest mit dem Anfangsbuchstaben meines Namens ...
Nun bemühte ich mich, auch noch die Hesiod-Rille zu entdecken, was sich – zumindest bei diesen Bedingungen – als recht mühsam herausstellte. Schließlich konnte ich sie doch identifizieren: Sie verläuft fast pfeilgerade vom „untersten Finger“ des Capuanus nach links, berührt den S-Ausläufer des Walls des Merkator, durchquert kurz darauf eine Art Mini-Ringgebirge oberhalb eines Kleinkraters und reicht bis ins Randgebirge des Sumpfs der Seuchen; weiter konnte ich die Rille leider nicht mehr verfolgen. Kurz vor dem Gebirge fiel mir aber ein Kleinkrater auf, der auf der Rille „sitzt“.
Schließlich fand ich auch noch die Merkator-Rille, besser gesagt, nur den Teil, der zwischen den beiden Kratern Merkator/Campanus links unten hervorkommt und bis zu einem einzelnen Berg in der Nähe reicht. Kurz vor diesem Berg konnte ich einen Kleinstkrater auf der Rille gerade noch ausmachen (vom DEM wüßte ich gern die Abmessungen, da habe ich was ordentlich kleines gesehen).
Als ich zum Schluß dieses Besobachtungsabends noch einmal den gefingerten Krater Capuanus unter die Lupe nahm, konnte ich auf seinem Grund einen Dom entdecken, auf halbem Weg zwischen der Kratermitte und einem Krater auf dem Ringwall (A), etwa bei 11 Uhr.
Wieder im Haus, zufrieden und begeistert von dieser beeindruckenden Beobachtungsnacht, fiel mir beim Durchblättern des Rükl auf, was ich in diesem Gebiet alles nicht gesehen habe (etwa den Kleinkrater Marth (7km) mit einem doppelten konzentrischen Kraterwall, die Agatharchides-Rille, weitere Dome im „Fingerkrater“, weitere Ramsden-Rillen, den weiteren Verlauf der Hesiod-Rille und der Merkator-Rille, ...): diese faszinierende Region kommt beim nächsten Mal wieder dran, und ich kann sie nur heiß empfehlen! He! Welcher Deep-Sky-Fan wagt noch, auf unseren guten Mond zu schimpfen?
Ort: Wildon (Südsteiermark)
Geräte: 8“ f/6 Dobson „TAL 3“, TS-Zoom Okular (vorwiegend bei 7,4mm), Antares 2xBarlow
Seeing: eher mäßig, geschätzte 3
Objekte: 11 (!!) Rillen im Sumpf der Seuchen (Palus Epidemiarum)
Zur Beschreibung: alle Richtungsangaben so, wie es im Newton-Teleskop erscheint, also „am Kopf stehend“.
Der Mond strahlt vom Himmel, ein Blick in den Kalender – 10. Tag seit Neumond – und den Kosmos Mondführer geschnappt! (Der Rükl kommt bei mir immer erst nach der Beobachtung dran, um meine Beobachtungen zu kontrollieren und die Formationen benennen zu können). Ich wählte eine Region, die ich noch niemals beobachtet hatte (sonst nahm ich mir am 10. Tag meist die Regenbogenbocht und Umgebung vor): den Sumpf der Seuchen. Eines vorweg: Das ist vielleicht die atemberaubendste Region, die der Mond überhaupt bietet! Zuerst zu den
Hippalus-Rillen: einfach und gut sichtbar; 3 parallele, nach links unten gebogene Rillen, die etwa gleich breit sind und auch gleichen Abstand voneinander haben und so aussehen, als hätte eine seehr, sehr große Katze hier einmal ordentlich mit einem Kreisschwung über den Mond gekratzt!. Sie beginnen bereits im Gebirge rechts unterhalb von Campanus, wo vor allem die oberste und die unterste Rille geradezu talartige Furchen im Gebirge hinterlassen, und reichen hinunter bis zum fragmentarischen Krater Agatharchides.
Auf der obersten Rillewaren einfach und gut die beiden hellen Kleinkrater Campanus A (11 km, direkt unterhalb von Campanus und mit diesem durch einen Grat verbunden) und Agatharchides A (16 km) zu sehen, dazwischen ein (flacher?) Berg, den ich zuerst für einen Dom gehalten hatte.
Die mittlere Rille scheint wirklich erst nach dem Gebirge zu beginnen und berührt den oberen Rand des „Halbkraters“ Hippalus, führt dann recht nahe an Agatharchides A vorbei, geht dann stärker nach unten und mündet in ein halbkreisförmiges Becken (N Agatharchides), das etwa bei „11 Uhr“ am gleichnamigen Krater liegt.
Die unterste Rille war aber am interessantesten: sie beginnt im Gebirge geradezu mit einem Tal, geht dann durch den Halbkrater Hippalus durch, durchbricht den Ringwall und reicht in einem Bogen hinunter bis zu einer Gebirgsgruppe rechts von Agatharchides. Im Krater Hippalus, an dessen „offener Seite“, führt die Rille sehr dicht über einem Kleinkrater vorbei. Unterhalb der Rille ist der Boden des Kraters recht glatt, überhalb dagegen merkwürdigerweise sehr unruhig! Ich würde wirklich gerne einmal wissen, was es mit diesen Mondrillen eigentlich auf sich hat ...
Besonders fielen mir in dieser Gegend ausserdem die drei sehr markanten, ineinander liegenden, gekrümmten Meeresrücken im Meer der Feuchtigkeit (Mare Humorum) auf, die annähernd Kreisbögen mit gemeinsamem Mittelpunkt darstellen!
Oberhalb der Hippalus-Rillen glaubte ich, ebenfalls etwas Rillenartiges zu sehen, das in den Kraterwall von Companus hineinragte, größer und breiter als die Rillen unten. Auch diese Formation beginnt bereits im Gebirge rechts, allerdings ohne eine so klare „Talfurche“ wie bei den Rillen unten. Allerdings: weder Mondführer nach Rükl bestätigten meine Sichtung (!?)
Eine „Nach-und-Nach-Erscheinung“ hatte ich ein Stückchen weiter oben, rund um den Krater Ramsden, als ich das Rillensystem suchte, das in dessen Nähe sein sollte. Zuerst sah ich nichts (blödes Gewaber), dann fiel mir in einem ruhigeren Moment eine Rille auf, die bei etwa „10 Uhr“ vom Krater ausging und nach oben strebte, und zwar links von einem Kleinkrater, bei bei etwa 11 Uhr über Ramsden steht. Knapp rechts von einem Berg, der ein gutes Stück links dieses Kleinkraters liegt, machte diese Rille einen deutlichen Knick nach oben in Richtung eines Kleinkraters (=Elger, wie mich Rükl dann lehrte) in den Bergen rechts vom Krater Capuanus (übrigens ein unglaubliches Gerät, dieser große Krater mit seinen drei parallelen „Fingern“, die nach rechts unten streben). Etwas später (und mit ca. 300facher Vergrößerung) bemerkte ich, dass bei diesem Knick auch eine weitere, eher kurze Rille nach links unten (nach ca. 7 Uhr) vom Berg wegstrebt – das ganze sah aus wie ein kopfstehendes Y. Wieder ohne Barlow, war diese Formation dann auch bei 160x gut sichtbar. Ausserdem entdeckte ich jetzt auch rechts des Kleinkraters über Ramsden eine fast senkrecht nach oben strebende Rille, die deutlich schwächer war als die links.
Dann kam eine völlig unerwartete Entdeckung: Unterhalb von Ramsden, zu den Bergen hin, fand ich ebenfalls Rillen, drei an der Zahl, die deutlich(!) den Buchstaben N formen – hurra, irgendwie bin ich am Mond verewigt, zumindest mit dem Anfangsbuchstaben meines Namens ...
Nun bemühte ich mich, auch noch die Hesiod-Rille zu entdecken, was sich – zumindest bei diesen Bedingungen – als recht mühsam herausstellte. Schließlich konnte ich sie doch identifizieren: Sie verläuft fast pfeilgerade vom „untersten Finger“ des Capuanus nach links, berührt den S-Ausläufer des Walls des Merkator, durchquert kurz darauf eine Art Mini-Ringgebirge oberhalb eines Kleinkraters und reicht bis ins Randgebirge des Sumpfs der Seuchen; weiter konnte ich die Rille leider nicht mehr verfolgen. Kurz vor dem Gebirge fiel mir aber ein Kleinkrater auf, der auf der Rille „sitzt“.
Schließlich fand ich auch noch die Merkator-Rille, besser gesagt, nur den Teil, der zwischen den beiden Kratern Merkator/Campanus links unten hervorkommt und bis zu einem einzelnen Berg in der Nähe reicht. Kurz vor diesem Berg konnte ich einen Kleinstkrater auf der Rille gerade noch ausmachen (vom DEM wüßte ich gern die Abmessungen, da habe ich was ordentlich kleines gesehen).
Als ich zum Schluß dieses Besobachtungsabends noch einmal den gefingerten Krater Capuanus unter die Lupe nahm, konnte ich auf seinem Grund einen Dom entdecken, auf halbem Weg zwischen der Kratermitte und einem Krater auf dem Ringwall (A), etwa bei 11 Uhr.
Wieder im Haus, zufrieden und begeistert von dieser beeindruckenden Beobachtungsnacht, fiel mir beim Durchblättern des Rükl auf, was ich in diesem Gebiet alles nicht gesehen habe (etwa den Kleinkrater Marth (7km) mit einem doppelten konzentrischen Kraterwall, die Agatharchides-Rille, weitere Dome im „Fingerkrater“, weitere Ramsden-Rillen, den weiteren Verlauf der Hesiod-Rille und der Merkator-Rille, ...): diese faszinierende Region kommt beim nächsten Mal wieder dran, und ich kann sie nur heiß empfehlen! He! Welcher Deep-Sky-Fan wagt noch, auf unseren guten Mond zu schimpfen?