Digitaler Umbau einer analogen Astro-Kamera?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Ursus corpulentus

Aktives Mitglied
Liebe Altglasaugen,

momentan wird hier eine alte analoge Astro-Platten-Kamera angeboten. Ich hatte schon eine Nachricht an den Verkäufer angefangen, wie die Chancen stünden, noch funktionsfähige Platten zu bekommen aber bereits beim Nachdenken über deren Entwicklung im klassischen Foto-Bad habe ich die Mail wieder gelöscht.
Es ist höchstwahrscheinlich sogar für mich hoffnungslos.

Als reine Deko ist sie mir mit aktuell rund 400 Euro deutlich zu teuer. Weil "ZEISS" draufsteht, wahrscheinlich. Aber sie hat in ihrer jetzigen Form praktisch keinen Nutzwert, es sei denn, man könnte aus dem Objektiv was Schönes basteln. Was aber wahrscheinlich auch nicht so einfach ist bei der extrem kurzen Brennweite (?? - schätze ich).

ABER: könnte man das Teil nicht - und jetzt kommt es! - RUDIMENTÄR digital irgendwie umbauen? KEINE High-End-Spielereien, sondern so, dass sie, vielleicht in Echtzeit wie eine Video-Kamera ein Standbild auf einen (in dem Fall alten) Bildschirm im Inneren meiner Museums-Sternwarte produziert? Als Volksbelustigung für die Besucher.

Hat jemand von Euch eine praktikable (!) Idee diesbezüglich?


Danke & Grüße,
Ursus
 
Hallo Ursus, hier mal ein paar Ansichten der Kamera, insbesondere die Ansichten von der Rückseite in Bild#8:
Ich vermute es handelt sich bei der Aufnahmeplatte um das Graflock-Interface für 9x12 Planfilmkassetten. Es sollte eigentlich mit relativ wenig Aufwand möglich sein, statt der Filmplatte eine Digitalkamera, die auf einer Metallplatte montiert ist, anzusetzen. Ich sehe nur das Problem, dass Du mit der angesetzten Digitalkamera einen sehr, sehr viel kleineren Ausschnitt des ursprünglichen Bildfeldes bekommst, für den kleinen Chip ist die Brennweite 250mm natürlich schon deutlich im Telebereich, wogegen das 250er Tessar für das 9x12 (cm) Format wohl ehr schöne Sternfeldaufnahmen bescherte...
Aber im Prinzip sollte die Digitalkamera auch ein Bild, wenn auch einen sehr kleinen Ausschnitt, liefern...

Viele Grüße Kay
 
Hallo Ursus,

wenn Du die Kamera auf den Mond oder helle Sterne richtest, sehen die Leute das ggf. sehr gut auf der Mattscheibe. Ganz ohne Computer, echte Low-Tech...! :cool:

Verwendung heute: Wie lange brauchst Du mit einer Astro-CMOS-Kamera, um einen Stern von 13 mag abzubilden? 200 ms?
Mit ORWO NP 27 (400 ASA) brauchst Du mit dieser Kamera ca 1 Stunde. Ich habe es ausprobiert, vor langer Zeit. ;-)

Das dieses Tessar 9 mal 12 cm mit 5µm-Scheibchen ausleuchtet, glaube ich eher nicht, aber da sollen Optikdesigner was dazu sagen. Diese Objektive waren gezielt auf die beabsichtigte Bildgüte gerechnet. Und die Filmkörner waren deutlich größer. Insofern wäre das Geld für einen 18.000 x 24.000-Sensor á 5µm für diese Kamera vielleicht nicht optimal investiert...? o_O
Ich habe tatsächlich noch obigen s/w Planfilm 9 x 12 cm im Tiefkühler, auch die nötige Chemie. Aber das ist normaler Negativfilm, keine Astroplatten. Die Agfa / ORWO Astro Spezial hatten einen Schwarzschildexponenten nahe 1, die Fotoemulsionen deutlich weniger. Daher hat man mit den Astro-Platten geringe Helligkeiten besser auf die Platte bekommen als auf Fotomaterial.

[Exkurs Schwarzschildexponent: Siehe den knappen Beitrag Schwarzschild-Exponent – Wikipedia sowie:
Der S.E. bewirkt, dass geringe Lichtintensitäten den Film unterproportional schwärzen als höhere. Ein halb so heller Stern braucht also mehr als die doppelte Belichtungszeit. Das ist auch einer der Gründe, warum man mit Farbfilm keine farbrichtigen Astrofotos hinbekam: Die drei Farbschichten im Film hatten unterschiedliche S.E. Bei hellem Licht vollkommen egal, aber bei langen Belichtungen werden die Farben komplett falsch.
Astro-Emulsionen aller Hersteller hatten einen besonders großen S.E., also nahe 1. Fotoemulsionen haben bei sehr schwachem Licht einen S.E. weit unter 1.]

Schon das Fokussieren der Kamera ist ein Geduldsspiel: Die Mattscheibe gibt nur einen groben Anhalt. Man braucht Probeaufnahmen: Hellen Stern einstellen, mit offener Blende kurz belichten (Deckel ab und sofort wieder drauf), Fokus minimal verstellen (die Kamera hat eine gute Skala), Teleskop etwas verstellen, nächste Belichtung. Und so weiter. So belichtest du dir Probebilder als eine Reihe von Bildern dieses Sterns auf eine Fotoplatte und stellst danach den besten Fokus-Wert ein - in der Hoffnung, dass die Aufnahme mit 1 Stunde Belichtungszeit dann auch wirklich scharf ist.
Glasplatten gibt es schon lange nicht mehr. Man kann Planfilm im Filmhalter anstatt der Platte verwenden, aber bei längerer Belichtung müsste man die Kassette beheizen, damit der Film plan liegen bleibt. Sonst liegt der Film nur in den ersten 30 Minuten plan und dann ploppt er hoch, so wie die glaslos gerahmten Urlaubsdias anno dunnemals.

Ich habe auch so eine Kamera und habe sie noch nie verwendet...! Eine Schande, wenn auch irgendwie verständlich, gell?

CS, Niko
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Kollegen,

vielen Dank für Eure Antworten! Jetzt bin ich wenigstens so weit, die ganze Sache auf sich beruhen zu lassen.

Es ging mir im Grunde genommen um eine zumindest rudimentär verwendbare Deko für mein Musem, die sich angesichts des technischen Aufwandes (und des aktuell aufgerufenen Preises für die Kamera) momentan aber ganz klar erledigt hat.

Schade, denn das war sicher mal ein ernstzunehmendes "Sahne"-Teil, nachdem sich viele richtige Astronomen sicher die Finger geleckt haben. Aber so geht es mit alten Dingen, selbst wenn sie einst in der High-End-Ecke angesiedelt waren.

Trotzdem vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, mir zu antworten.

Schönen Abend Euch allen,
Urs
 
Hi Ursus,
das war sicher mal ein ernstzunehmendes "Sahne"-Teil, nachdem sich viele richtige Astronomen sicher die Finger geleckt haben
nee, das war "nur" eine kleine Amateurkamera; direkt für die Montierung Zeiss Ib (Mark II) gedacht. Kein High-Tech, nicht mal für DDR-Verhältnisse... :D
DDR-Zeiss-Astro-Hightech fing vielleicht mit dem 90cm-Teleskop in Großschwabhausen (Teleskope und Instrumente) an.

CS, Niko
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben