Doppelsterne im Herkules - die Zweite

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Uwe65

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Hallo zusammen,

bei mäßigem Himmel (Cirren, Wohngebiet mit Streulicht) kommt immer fix der 70/420 Apo v. TecnoSky an die frische Luft. Apos sind prima für Doppelsterne?

Backward 5
Dieser Asterismus steht südwestlich von Zeta Her. Zu sehen ist eine s-förmige Linie aus schwachen, feinen Sternen, an deren Enden hellere Sterne stehen. Der hellste ist HD149890 (7m1) und erscheint gelb-orange. Die schwachen Mitglieder liegen alle im Bereich von 10mX.
Eher unauffällig im kl. Gerät, Größe ca. 20’ x 10‘.

Rho Her / STT 329
Ein toller Doppelstern, dessen beiden Komponenten weiß erscheinen. Abstand 4,1“, daher werden etw. höhere Vergrößerungen (48x / 89x) zur Trennung nötig, die dann aber leicht ist, da die Komponenten mit 4m6 und 5m5 ähnlich hell sind.
Rho Her bildet mit zwei weiteren Stern ein schönes, spitzes Dreieck. Bei der Prüfung des Feldes fällt auf, das ein weiterer Stern in diesem Dreieck doppelt ist. Er stellt sich als STT 329 heraus (6m35; 9m88; Dist. 33“) Aufgrund der Distanz kann die B-Komponente im kleinen Apo sicher erkannt werden, allerdings nur mittels indirektem Sehen. Farbnuancen w/-. Lt. Spektalklassen (G5 / F0) haben wir gelbe Sterne vor uns und wieder mal einen „Feldfund“ durchs optische Weitfeld. Das entwickelt sich langsam zur astronomischen Sondengängerei mittels Weitfeldbeobachtung.

Kappa (7) Her
Auch hier ein lohnendes Objekt ganz am anderen Ende des Herkules, an der Grenze zum Sternbild Serpens Caput. Mit eine Distanz von 27“ und Helligkeiten von 5m0 und 6m2 gut zu trennen, Farbeindruck w/g.
Gemeinsam mit 8 Her bildet der Doppelstern einen tollen Anblick in einem meist vernachlässigtem Feld.

g (30) Her
Eine Quelle für potentielle Ziele ist an diesem Abend der „Sternatlas f. vis. Beobachter“ v. Peter Vizi, der auch veränderliche Sterne mit Helligkeitsvergleichkarten zeigt. Allerdings sind diese so weitläufig, dass sie über das GF des 70er Apo hinausgehen. Somit verzichte ich auf eine Schätzung, da mir die Routine dazu fehlt und an diesem Abend auch die Geduld.
Den Stern kann man bequem von Sigma Her aufsuchen, im Feld fällt er als deutlich oranger Stern auf, im „Vizi“ wird er mit hellrot bezeichnet (Spektralklasse M6 – Roter Riesenstern). Angegebene Helligkeitsvarianz von 4m6-6m0. Er war erkennbar dunkler als Sigma Her, der 4m3 hat.
Auf jeden Fall lohnend, wenn man farbige Sterne mag.

STF 2063
Etwas nördlich findet sich Struve 2063, der sich mir mit einem Farbeindruck von wb/or zeigt und ab 30x gut getrennt werden kann. Skysafari und stelledoppie.it weisen allerdings die Farbe weiß aus.

Mehrfach habe ich gelesen, dass die Beobachtung der Farbnuancen sowohl von Beobachter zu Beobachter variiert, aber auch von techn. Gegebenheiten abhängen kann. In das Thema muss ich nochmal tiefer einsteigen. Vielleicht hat ja jemand Tipps, Hinweise oder Literatur- oder www-Verweise?!

Viele Grüße
Uwe
 
Der Artikel hier macht ein paar Andeutungen zum sog. "Kontrast" bzgl. Farben bei Doppelsternen:

Meine Erfahrung ist zudem, dass die vielbeschworenen "wunderbaren blaue Sterne" als solche schlicht nicht zu sehen sind. Ich zumindest sehe nur immer weiss, "ziemlich/sehr usw. weiss" in meinen Notizen ist dann bestenfalls ein Hinweis, dass es ins bläuliche gehen könnte gem. der OBAFGKM Abstufung.

Das Blau erscheint nur in seltenen Fällen, vielleicht 5 (hellere) Paare habe ich so schon ausdrücklich festgehalten, wenn ein oranger/roter Counterpart gegenübersteht. Würde meine, dann greift besagter "Kontrast" und lässt tatsächlich ein leichtes Blau auch visuell erscheinen. Albireo das augenfälligste Beispiel.

Spätestens ab ca. 9m ist mit meinem 110/660 Refraktor auch nichts mehr an Farbe zu erkennen bzw. klar einzustufen.

Bei Fotos wäre ich ohnehin skeptisch, öfters sind die Farben überbetont, wohl eine Frage der Verarbeitung, entspricht jedenfalls oft kaum dem visuellen Eindruck.

Gruss

EDIT: was ich mich schon gefragt habe ist, ob die visuelle! Farberkennenung möglicherweise besser werden könnte wenn ein Triplet anstatt ein Doublet eingesetzt wird. Hab so meine Zweifel, aber man weiss ja nie.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo CHnutschi,
das mit der "Blau-Weiß-Erkennung" habe ich genauso, auch gelb-weiß variiert bei mir oftmals. Das der Farbeindruck bei versch. Öffnungen oder Vergrößerungen am selben Stern variiert habe ich auch bemerkt.

Fotos sind für die visuelle Beobachtung keine Referenzgröße.

Danke für den link. Die Effekte mit Primär-, Sekundär- und Komplementärfarben muss ich noch verinnerlichen, aber das ist es, was ich zur Vertiefung meinte.

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo Uwe, was CHnutschi zum Nicht-Sehen von Blau verdeutlicht schön die grossen Unterschiede von Beobachter zu Beobachter. Ich sehe z.B. blau recht deutlich, sowohl an Einzelsternen als auch komplementär bei den Doppelsternen. Ich benutze blaue Sterne ähnlich gerne zur Orientierung im Sternfeld wie rote Sterne. Christian Busch erzählte seinerseits neulich, dass er ein eigenes visuelles Beobachtungsprojekt "besonders blaue Sterne" hat.

Andererseits beobachtete ich neulich Izar (Eps Boo) zusammen mit einer Astrofreundin; ich sah den Begleiter kräftig taubenblau, sie sah keine Farbe. Faszinierend!

Gruß, Christopher
 
Hallo Uwe,

das, was CHnuschti und Christopher geschildert haben, ist auch meine Erfahrung. Jeder Beobachter hat eine andere Wahrnehmung. Zusätzlich beeinflusst die Optik. Meine Morpheuse zeigen z.B. alle Sterne in einem wärmeren Ton als das XW.
Ich persönlich habe zudem keine starke Farbwahrnehmung und erkenne Farbe nur bei den sehr deutlichen Kandidaten.

ich sah den Begleiter kräftig taubenblau
Dabei ist er eigentlich weiß. Mir geht es aber bei Izar auch so, dass der Begleiter bläulich aussieht. Der Kontrast zum gelben Hauptstern verfälscht offenbar zusätzlich die Wahrnehmung.

Entscheidend ist, wie ich finde, die Freude am ästhetischen Eindruck. Unabhäng davon, wie die Farbe wirklich ist bzw. was andere sehen.

CS, Sebastian
 
Hallo Uwe,

das Thema Farbwahrnehmung und mögliche Steigerungsfähigkeit mit technischer Ausrüstung ist mir auch unergründlich, obwohl oder gerade weil ich in diesem Bereich die größte Astrobefriedigung daraus ziehe.

Das Kontraste zu anderen Farben sich gegenseitig beeinflussen in der Wahrnehmung ist klar.

Bei roten Farben ist allgemein mein Eindruck, daß mit steigender Öffnung die Färbungen intensiver werden. Ok, soweit so gut. Je größer, desto roter. Zusätzlich profitiert man von einem klaren, dunklen Himmel.

Gelb gewinnt teils auch mit steigender Öffnung an Intensität, jedoch merke ich hier, daß ein klarer dunkler Himmel der Farbe am meisten Schub gibt, vor jedem Öffnungssprung nach oben.

Jedoch ist es mit Blau wie verhext. Diese Farbe (ich bin da leider eh nicht sehr empfindlich) sehe ich am deutlichsten in meinem kleinen 6x30 Fernglas. Jede andere Öffnung liefert bisher einen weniger deutlichen Farbeindruck. Teilweise gucke ich durch richtige Kaliber und bin enttäuscht. Ich weiß nicht was der Faktor bei mir für diese unterscheidliche Wahrnehmung ist. Vielleicht die AP?
Besonders schade ist es natürlich mit "blauen Nebeln" um die Plejaden, welche ich somit mit größeren Vergrößerungen (da wo es eigentlich erst losgehen sollte) nicht sehe und mich mit kleinem Fernglas bei 6x begnügen muß.

Chromatische Grüße

Johannes
 
ich sah den Begleiter kräftig taubenblau, sie sah keine Farbe. Faszinierend!
Entscheidend ist, wie ich finde, die Freude am ästhetischen Eindruck. Unabhäng davon, wie die Farbe wirklich ist bzw. was andere sehen.
@Christopher: Die variierende Wahrnehmung finde ich auch immer wieder spannend und...
...@Sebastian: Deinen Satz kann ich genauso unterschreiben! Auch das macht den Spaß an der Sache aus.

Besonders schade ist es natürlich mit "blauen Nebeln" um die Plejaden
da könnte es hilfreich sein, wenn Du mit dem c-mos Blaufilter von Baader arbeitest, auch wenn der für den fotografischen Einsatz ist. Wenn man etwas Geduld hat, hilft er bei Reflexionsnebeln, s. meine Skizze:
M45_mit cmos.JPG
- aber da ist Christopher Spezialist !! Ich bin mal so frei...: Blaufilter

Bei Reflexionsnebel fragt man sich oft, habe ich nur die Wahrnehmung eines Halos um den Stern (was nun bei helleren Sternen fast immer der Fall ist) oder sehe ich tatsächlich den gesuchten Reflexionsnebel? In dem Fall hilft der Vergleich mit Nachbarsternen, zeigen die auch Halos, dann ist es nur die individuelle Wahrnehmung (oder Cirren oder Tau ?), hat aber nur ein Stern (oder wenige) einen schimmernden Kranz und andere nicht, dann hast du den Nebel gesehen. Das kann genauso eine spannende, visuelle challenge sein, wie enge Doppelsterne trennen.
...und während die Astrofotografen Daten bearbeiten müssen, könne die visuellen Beobachter wandern oder Kaffee trinken und SuW lesen. (Achtung: launige Randnotiz)

Viele Grüße und Danke für Euren input.
Uwe
 
Hallo Uwe,

danke für den Schwenk in Richtung blaue Reflexionsnebel. Ich sehe freilich keine Farbe bei Reflexionsnebel, weder mit dem CMOS Blaufilter noch ungefiltert, dafür ist zu wenig Licht vorhanden (aber vielleicht gibt es ungefilterte farbige Sichtungen der Pleiaden-Nebel?). Dass Du den Ost-West verlaufenden Nebelstrich nördlich von Alcyone erwischt hast finde ich recht beachtlich - wie war der Himmel, welche Öffnung und AP?

Beste Grüße, Christopher
 
Ost-West verlaufenden Nebelstrich nördlich von Alcyone erwischt hast finde ich recht beachtlich
Beobachtet habe ich mit meinem 90/600 Apo (Photoline v. TS) und einem 14mm ES 82° Okular (=43x). Damit erreiche ich ein GF von annährend 2°. Die AP enspricht dann 2,1mm. Das zweite Okular ist ein E-lux von Celestron (25mm Plössl = 24x), das GF ist damit nur unwesentlich größer, aber die AP steigt auf 3,75mm an. Letzteres ist sicher kein berühmtes Okular (in einem der Foren hat jemand das gleiche Okular für 10 € angeboten). An meinen Apos macht es aber eine gute Figur und ist weiterhin in guter Gesellschaft mit meinen lange genutzten Hyperions, die mitterlweile durch die ES Okulare ergänzt wurden.

Zur Himmelsqualität habe ich nachlässigerweise keine Notizen gemacht, die Skizze beruht auf 2 Beobachtungen v. 20. und 21.01.23. Die Sterne hatte ich vorgezeichnet, um mich konkret auf die Nebelanteile konzentrieren zu können. Den von Dir benannten Nebelstrich habe ich allerdings nur am ersten Abend ausmachen können, ich meine an diesem Abend noch mehr Details bemerkt zu haben, aber da ich mich nicht zw. "Wunsch und sicherem Erkennen" entscheiden konnte habe ich nur die Details skizziert, die ich sicher erkannte und Deine hier geäußerte Überraschung ist mir bei der Beobachtung ebenfalls widerfahren.

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo zusammen,

bei mäßigem Himmel (Cirren, Wohngebiet mit Streulicht) kommt immer fix der 70/420 Apo v. TecnoSky an die frische Luft. Apos sind prima für Doppelsterne?
Sehr schöne Zusammenfassung! Das motiviert mich, immer wieder einmal ein paar Doppelsterne zwischenzuschieben, auch wenn ich irgendwie kein toller Farbseher bin...

CS,
Stefan
 
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