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Man soll es ja nicht tun. Beobachten auf dem Balkon. Es ist verpönt. Zurecht?
Eigentlich für Justageübungen und -tests im Zimmer aufgebaut, war der Himmel gnädig und blieb wolkenlos. Ganze 1,50 m trennen das Teleskop vom Sternenhimmel. SÜDBLICKBALKON! Welch ein Segen.
Also den 12er Gitterrohr rausgestellt, Lüfter an, eine Stunde im Internet rumgehackt und dann raus zum Jupiter. Herrlich, praktisch Null Stress mit irgendwo hinfahren, rumschleppen oder mit klammen Pfoten wieder abbauen. Einfach aufhören mit gucken, und ins Bett legen. Ein Traum.
Selbstverständlich geht das praktisch nur bei Mond und Planeten, aber immerhin:
Der Transit von Jo stand bevor. Gerade rechtzeitig mit dem Auge ans Okular sehe ich nur noch einen kaum noch wahrnehmbaren Rand zwischen Jupiter und Jo. Das brilliante Pünktchen verschwindet gleich vor der Jupiteroberfläche und wird ein fahler weißer Fleck. Dachte ich. Nix da - über mehrere Minuten blieb Jo plastisch als helles brilliantes Sternchen vor der Jupiterscheibe. Wun-der-schön.
Ich bin zwar nicht eben seit gestern dabei, Jupiter zu beobachten, aber so schön habe ich das noch nie gesehen. Bisher war ich immer mit 4" unterwegs und just in den Augenblicken von Verfinsterungen u.ä. beschlugen mir die Okulare oder was anderes hat nicht gestimmt - z. B. dass ich bei 260fach den Burschen verstellt und so fix nicht wiedergefunden hab. Oder seeing war Mist. Fast wie mit den totalen Mondfinsternissen. Meine letzte schöne ohne Wolken ist locker 10 Jahre her und war nur 3 min beobachtbar...das nur am Rande.
Bei 230fach mit 7er Nagler im 12"er ließ ich das Ensemble entspannt durchs Sehfeld laufen, was im Gegensatz zum 4"er per ähnlicher Vergrößerung deutlich länger dauerte bilde ich mir ein. Seeing war zwar vorhanden, aber nicht sonderlich störend. Etwas übermütig von dem ruhigen Bild habe ich dann das 2,5er Nagler reingestopft. Über das Resultat hülle ich mal das Tuch des Schweigens. Also besser zurück zum 7er und 12er Oku. Ich hatte aber das Scope auch schon mal im Garten unten stehen, da war das Seeing sogar schlechter als auf dem Balkon! Ich stand diesen Spätsommer schon bei Null Wind auf 3000m Höhe und hab Jupiter angeschaut. Das Bild vom Balkon war sooo viel schlechter nicht!! Obwohl ich heize und die Balkontür von außen nicht ganz verschließbar durch die Ritze warme Luft blasen dürfte.
Der Clou: der Balkon hat natürlich ein Geländer und ich lehnte wie eine olle Oma da drauf, als würde ich das Geschehen auf der Straße verfolgen - nur das ich durchs Teleskop geschaut hab. Dass Astronomie so entspannend sein kann! Sonst schlepp ich das ganze Gerümpel immer aufm Rücken quer durch Bahn und Landschaft, und aktuell die Wohltat eines Südbalkons. Der Balkon fürs Sonnensystem. Bei Hunger- geh ich rein, bei Kälte - geh ich rein - grad doofes seeing - geh ich rein. Es kann sooo einfach sein.
Wenn das nur auch für DeepSky ginge...
Eine halbe Stunde später folgte der Schatten von Jo seiner selbst. Da war ich etwas zu spät am Okular. Die Jupiterscheibe war schon etwas angefressen. Trotzdem war die Bewegung wunderbar zu beobachten von dem kohlrabenschwarzen Schatten. Die Bedingungen hatten sich nochmals gebessert. Besonders die Farben vom Jupiter kamen besonders warm und dennoch klar in zarten schöne Orange-Hellstbraun-Tönen herüber. Von Jo selbst war aber nicht mehr viel zu sehen - er ist nun doch tatsächlich kontrasttechnisch fast verschwunden gewesen.
Durchgänge und Verfinsterungen von Monden Jupiters ein alter Hut?
Vielleicht. Aber mich hat die Beobachtung so begeistert, dass ich mal davon berichten und alle Faultiere ermutigen wollte, für so vermeintlich alltägliche Ereignisse mal das Teleskop aufzubauen.
Und wenn es nur - auf dem Balkon ist.
Gute Nacht,
Norman
Eigentlich für Justageübungen und -tests im Zimmer aufgebaut, war der Himmel gnädig und blieb wolkenlos. Ganze 1,50 m trennen das Teleskop vom Sternenhimmel. SÜDBLICKBALKON! Welch ein Segen.
Also den 12er Gitterrohr rausgestellt, Lüfter an, eine Stunde im Internet rumgehackt und dann raus zum Jupiter. Herrlich, praktisch Null Stress mit irgendwo hinfahren, rumschleppen oder mit klammen Pfoten wieder abbauen. Einfach aufhören mit gucken, und ins Bett legen. Ein Traum.
Selbstverständlich geht das praktisch nur bei Mond und Planeten, aber immerhin:
Der Transit von Jo stand bevor. Gerade rechtzeitig mit dem Auge ans Okular sehe ich nur noch einen kaum noch wahrnehmbaren Rand zwischen Jupiter und Jo. Das brilliante Pünktchen verschwindet gleich vor der Jupiteroberfläche und wird ein fahler weißer Fleck. Dachte ich. Nix da - über mehrere Minuten blieb Jo plastisch als helles brilliantes Sternchen vor der Jupiterscheibe. Wun-der-schön.
Ich bin zwar nicht eben seit gestern dabei, Jupiter zu beobachten, aber so schön habe ich das noch nie gesehen. Bisher war ich immer mit 4" unterwegs und just in den Augenblicken von Verfinsterungen u.ä. beschlugen mir die Okulare oder was anderes hat nicht gestimmt - z. B. dass ich bei 260fach den Burschen verstellt und so fix nicht wiedergefunden hab. Oder seeing war Mist. Fast wie mit den totalen Mondfinsternissen. Meine letzte schöne ohne Wolken ist locker 10 Jahre her und war nur 3 min beobachtbar...das nur am Rande.
Bei 230fach mit 7er Nagler im 12"er ließ ich das Ensemble entspannt durchs Sehfeld laufen, was im Gegensatz zum 4"er per ähnlicher Vergrößerung deutlich länger dauerte bilde ich mir ein. Seeing war zwar vorhanden, aber nicht sonderlich störend. Etwas übermütig von dem ruhigen Bild habe ich dann das 2,5er Nagler reingestopft. Über das Resultat hülle ich mal das Tuch des Schweigens. Also besser zurück zum 7er und 12er Oku. Ich hatte aber das Scope auch schon mal im Garten unten stehen, da war das Seeing sogar schlechter als auf dem Balkon! Ich stand diesen Spätsommer schon bei Null Wind auf 3000m Höhe und hab Jupiter angeschaut. Das Bild vom Balkon war sooo viel schlechter nicht!! Obwohl ich heize und die Balkontür von außen nicht ganz verschließbar durch die Ritze warme Luft blasen dürfte.
Der Clou: der Balkon hat natürlich ein Geländer und ich lehnte wie eine olle Oma da drauf, als würde ich das Geschehen auf der Straße verfolgen - nur das ich durchs Teleskop geschaut hab. Dass Astronomie so entspannend sein kann! Sonst schlepp ich das ganze Gerümpel immer aufm Rücken quer durch Bahn und Landschaft, und aktuell die Wohltat eines Südbalkons. Der Balkon fürs Sonnensystem. Bei Hunger- geh ich rein, bei Kälte - geh ich rein - grad doofes seeing - geh ich rein. Es kann sooo einfach sein.
Wenn das nur auch für DeepSky ginge...
Eine halbe Stunde später folgte der Schatten von Jo seiner selbst. Da war ich etwas zu spät am Okular. Die Jupiterscheibe war schon etwas angefressen. Trotzdem war die Bewegung wunderbar zu beobachten von dem kohlrabenschwarzen Schatten. Die Bedingungen hatten sich nochmals gebessert. Besonders die Farben vom Jupiter kamen besonders warm und dennoch klar in zarten schöne Orange-Hellstbraun-Tönen herüber. Von Jo selbst war aber nicht mehr viel zu sehen - er ist nun doch tatsächlich kontrasttechnisch fast verschwunden gewesen.
Durchgänge und Verfinsterungen von Monden Jupiters ein alter Hut?
Vielleicht. Aber mich hat die Beobachtung so begeistert, dass ich mal davon berichten und alle Faultiere ermutigen wollte, für so vermeintlich alltägliche Ereignisse mal das Teleskop aufzubauen.
Und wenn es nur - auf dem Balkon ist.
Gute Nacht,
Norman