Ein Anfänger -Einparken per Spiegel

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Henning81

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Kurz vor Mitternacht machte ich mich, noch von der vorherigen Nacht mit grenzwertiger Kühle und Feuchtigkeit gezeichnet, besser vorbereitet mit extra Klamotten und heissem Tee in den Garten auf. Ähnlich akribisch hatte ich mir ein Oktett an Messierobjekten rausgekramt, von denen ich einige schon beobachtet hatte, die ich aber nun nochmal in meiner offiziellen Sammelliste abhaken wollte. Dazu kamen noch zwei, drei spannende Extras mit für meine Fähigkeiten herausfordernder Schwierigkeit.
Selbst von aussen betrachtet hingen die Lichtschutzplanen wie ein dunkler Würfel auf der Wiese, im Nordwesten der Lichtstreif der Sonne unter dem Horizont, der mich Richtung Osten wandernd die ganze Nacht begleiten sollte. Milchstrasse war noch nicht richtig knackig.
In aller Ruhe wurde also Teleskop und Zubehör auf die Plattform gebracht und alles schön zurechtgerückt.

Dann ging es los, ich schaute kurz Richtung Bootes und vergewisserte mich, dass Komet Johnson auch dort, wo und wie vermutet, anzutreffen war.

An die Arbeit.
Meine Vorgehensweise sah vor, per Fernglas Suchersterne auszukundschaften und wenn möglich gleich zu den Objekten zu gelangen, immer mithilfe von Sternkarten. Zeit, eine fundierte Suchmethode einzuüben.
Zielregion Großer Wagen, begann ich bei Megrez und versuchte mich an Winnecke 4, oder Messier 40, einem Doppelstern. Erst im Teleskop erschienen die zwei etwa gleichhellen Sternchen und wie beim Blinking Nebula schien immer derjenige einen Halo zu bekommen, den ich gerade nicht ansah. An/Aus, Hin und Her. Lags an der Transparenz oder am Okular?
Über Alkor und Mizar zog mein Blick durch den Sucher, wobei ich an Mizar bemerkte, wie ausserordentlich gut das Seeing war. Die Sterne liessen sich hochvergrössert als feinste Punktlichtquellen sauber trennen, da hätte noch ein Kleinwagen zwischen parken können.
Hin zu Alkaid, etwas zurück und dann hoch, fand ich nach kurzer Zeit eine schemenhafte Galaxie, Messier 101, die Feuerradgalaxie. Mehr war nicht zu sehen, trotz einiger dort verbrachter Zeit. Einmal zu einem anderen Zeitpunkt hatte ich Spiralarme ausmachen können, heute war es noch zu hell dafür. Die Galaxie ist wirklich sehr schwach zu sehen.
Runter zu Messier 51, der Strudelglaxie, ebenso ein Wiederholungsbesuch. Ich fand sie bereits sicher im Fernglas und gönnte mir hier den Anblick für ein paar Minuten, Spiralrichtung erahnbar.
Neuland oder Neuraum von jetzt an. Logisch vorgehend ging es von den Sternkarten unterstützt weiter hinunter á la ein Stern, Doppelstern, noch ein Stern hin zu M63, der Sonnenblumengalaxie. Sie ist sehr hübsch, weil klein, relativ kompakt, aber fein gezeichnet. Mit einer feinsten Dreifachsterngruppe an der einen Seite und einem etwas helleren Stern auf der anderen.
Der folgende Sprung brachte mich zu Messier 94, einer Galaxie, die wir ziemlich steil von oben, oder von unten, sehen.
Die bewährte Methode kam zur Anwendung. Hin zum hellen Stern Chor Caroli, dann zu Chara. Etwas zurück zur Mitte, von dort hinauf und bald fand ich M94. Leider habe ich das Bild, das sich mir bot, vergessen. Dieses Abfahren vieler Objekte dient mir auch hauptsächlich dazu, mir überhaupt erstmal einen Überblick zu erarbeiten. Es wird den einzelnen Objekten nicht gerecht, die gebührende Aufmerksamkeit muss ich jedem Objekt dann später zukommen lassen.

Stern Phecda, die Ecke links unten am Kasten, wies mir den Weg zu Messier 109. Ich fand die bisher kleinste Galaxie der heutigen Nacht auch, war aber mit den umliegenden Sternmustern nicht zufrieden. Also suchte ich ein wenig hin und her und fand eine Art Zwilling dazu in geringer Entfernung. Welche war nun die richtige? Ich verbrachte ehrgeizige Minuten damit, meine Detailkarten mit dem sich mir bietenden Bild in Einklang zu bringen, mehrmals dachte ich zu wissen, welche der beiden M109 ist. Ich muss aber gestehen, dass ich sie letztlich als gesehen gekennzeichnet habe, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin. Man muss auch mal zufrieden sein.

Weiter ging es zu Merak, der rechten, unteren Ecke des Wagenkastens. Ein Stern weiter grob Richtung Phecda und dann nocheinmal die gleiche Distanz, und vor mir schwebte Messier 108 im Raum, länglich und ziemlich gewaltig, helle und dunkle Regionen erschienen und verblassten, insgesamt erschien mir die Galaxie nicht sehr homogen, ungefähr vergleichbar mit der Zigarrengalaxie, wo ich auch immer den Eindruck habe, dass sie kein richtiges Zentrum hat.
Zu meinem letzten Messierobjekt hier im Großen Wagen gings direkt per Teleskop. Der Eulennebel, Messier 97, war unverkennbar. Sehr schön, rund, ein winziger Stern an seiner Seite, erschien er mir ähnlich flackernd wie M 108, vielleicht kann ich beim indirekten Sehen einfach das Auge nicht still genug halten.

Durchhalten, gleich gehts ab.

Wie erwähnt, hatte ich mir eine Herausforderung gestellt.
Was sollte es weniger sein als die Supernova 2017eaw in NGC6946.
Das fing damit an, dass ich das Sternbild Cepheus in der mittlerweile überkochenden Milchsupppe suchen musste. Da verstrich locker eine Viertelstunde, bis mir klar wurde, dass ich das ganze Sternbild falsch interpretiert hatte! Wie soll ich da eine Supernova finden, ein Körnchen in einer schwachen Galaxie mittendrin im Sandstrand des Himmels?
Das tat ich folgendermaßen: Ich hatte mir Bilder angesehen und eine Skizze gemacht. Die Galaxie ist eingerahmt zwischen einem Dreisterneasterismus und einem Doppelstern. Doppelsternseitig gibt es bereits in der Galaxiefläche gelegen zwei kleine Doppelsterne, einer der beiden besteht zur Hälfte aus einer Supernova. Sie stehen ganz, ganz grob rechtwinklig zueinander, ähnlich epsilon Lyra. Wäre es der Buchstabe T, dann würde die Supernova das untere Ende markieren.
Der Buchstabe wäre ziemlich kursiv.
Eindeutig gefunden, kein Zweifel hier. Das allerdings überhaupt erst, nachdem ich Stern Alderamin und eta Ceph gefunden hatte. Ganz grob gepfuscht und dann ganz fein gezeigt, wo das Teleskop die Staubkörner hat. Ach, und NGC 6939, einen offenen Sternhaufen nebendran, habe ich natürlich vor lauter Sternen und Aufregung auch nicht gesehen.

Zum Beruhigen fuhr ich dann noch einmal den schönen Hantelnebel an und sah einiges mehr an Details, dann versuchte ich meine müden Augen an NGC 6765, ohne Filter nicht zu machen. Reine Theorie, denn ich habe noch nie durch einen UHC- oder OIII-Filter geschaut.

Mittlerweile war die ISS ich glaube dreimal über mir gewesen, weit heller als sonst, viel heller als Jupiter und eher weiss leuchtend, ich verkniff mir irgendwelche Experimente in Richtung Verfolgung per Teleskop und genoss den puren Anblick.

Jupiter hatte ich nicht einmal eines Fernglasblickes gewürdigt, aber Saturn war nun hoch genug im Süden, so dass ich mir endlich mal die cassinische Teilung einbilden konnte, recht weit draussen im Ring und nur blickweise, fast so, als ob sich ein dunkler Ringabschnitt geisterhaft kurz öffnen würde. Mein Blick kippte dann auch um und ich sah, dass Saturn verkehrtherum im Okular hing.

Das wars, 03:30Uhr, eine super Nacht, die Milchstrasse war mittlerweile im zunehmend hellen Himmel verschwunden.
Zeit, ins Bett zu gehen, krähte der Hahn irgendwo im Dorf.

Danke fürs Lesen und hoffentlich Mitfiebern.

Henning
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ja ich gratuliere zu solch einer fleissigen Nacht Henning! Man spürt bei Dir, dass Du ein echter Visueller bist, der keine Details auslässt und die vor allem die Wegbeschreibungen sind ja sehr geordnet bei Dir. Welche Sternkarten benutzt Du, dass Du sofort auch die Namen dieser vielen Sterne weißt? Nicht alle Sternkarten benennen alle Sterne. Ich muss da immer noch extra Material herauskramen um später nachzuschauen, wo ich überhaupt rumgerührt habe am Himmel. Sogar Asterismen erwähnst du....da lässt es sich als Leser gut nachvollziehen und vereinfacht die Spurensuche.

Also hast Du nun eine Plattform auf Deiner Wiese. Schön. Meine gut eingeordnete Säule, die leider nicht fest in Beton verankert ist, musste neulich wegen eines Badmintonspieles weichen, öhem......sie wurde in irgend eine Ecke des Gartens wie ein Spaten abgestellt............nun ist da ein Netz fixiert.....habe gestern dann von einer anderen Ecke des GArtens versucht zu beobachten....war ne Katastrophe...ich bin sowas von verärgert...

Gruss von Anette
 
Hallo Anette,

ich habe mich gefragt, ob sich jemand die Mühe macht, meine Wege am Himmel nachzuvollziehen.
Auf Deine Frage bezüglich des verwendeten Materials:
Ich nutze The Sky Atlas von Michael Vlasov, alte Version mit weniger Objekten zwecks Übersichtlichkeit. Habe ich mir ausgedruckt. Ebenso die Messier Objects List von astronomylogs. Ferner habe ich auch einen DeepSky Reiseführer und nutze Stellarium.
Die Supernova war ein Experiment, ich wusste vorher nicht, ob ich die überhaupt hoch genug vergrößern kann. Es gibt ja ein paar Fotos mittlerweile, auf denen sie mit Umfeld gezeigt wird. Das habe ich mir abgezeichnet und dann gesucht.

Ja, und meine Plattform ist ein Segen. Da hast Du zu beigetragen (Douglasie statt Beton).
Wer spielt denn nachts Federball(und das nenne ich jetzt mit voller Absicht so!)?

Gruss,

Henning
 
The Sky Atlas von Michael Vlasov ? ..... benennt der dort alle Sterne? Wenn das der Fall ist, amazon ich mir den rein. Stellarium benennt ja auch nur sehr wenige Sterne.
Ich hab den "Der große Kosmos Himmelsführer" von Ian Ridpath/Wil Tirion.

Mir geht es hauptsächlich darum, dass ich die Anweisungen meiner Goto-Steuerung für die Alignmentsterne befolgen kann. Grosser Gott, die kann man ja nicht alle auswendig kennen! Ganze Listen von Möglichkeiten werden da angeboten und ich verheddere mich da dann oft gewaltig und mein Alignment dauert viel zu lange. Hab mir schon eigene Karten gemalt und beschriftet, doch manchmal zeigt der dann andere Listen und ich fange wieder von Vorne an! Dann hab ich mir mit Notizklebestreifen meine Sternkarte vollgeklebt und sehe fast nix mehr...schrecklich.
Aber ok, welche Sternkarte sollte soviel Platz haben, nun alle Sterne zu beschriften?

Kannst Du mal ein Foto von Deiner Plattform reinstellen?

Ach, meine Leute spielen im Sommer gern Abends ..nicht bei Mondschein...Badminton und leider steht da auch genau meine Teleskopsäule, weil ich vor lauter Bäume sonst nirgends den Polaris sehen kann, den brauch ich ja zum Einpolen, jedesmal...und der Blick auf die Ekliptik ist von dort aus auch am optimalsten. Es ist auch schon ein Fussball gegen die Säule geknallt, da ist man als Astro dem Infarkt nahe, ich sags Dir! Ich hoffe, wenn ich mal 90 bin oder sowas, endlich ein Kuppelgebäude zu bekommen.....

Gruss von Anette
 
Hallo Anette,

Alle Sterne benennt er nicht, aber schon sehr viele. Den kannst Du nur herunterladen und ausdrucken von Deepskywatch.com .
Bei mir stecken die um die 80 Seiten in Klarsichthüllen, letztens haben sich die Kartenblätter betaut schon etwas gewellt, irgendwelche Tipps dazu, ausser die alle zu laminieren?

Von Goto habe ich keine Ahnung. Es scheint aber im Endeffekt mehr Können (und Anfangskapital) zu erfordern als die Aufsuchmethode, die ich gerade anwende.

Mit dem Bearbeiten und einstellen von Fotos tue ich mich schwer.
Douglasie Riffelbohle, 2m x 2m, um die Mitte herum drei 50mm Löcher, durch die mein Dobson mit nun etwas längeren Beinchen auf tief eingegrabenen Kalksandsteinen ruht. Da wackelt nichts. Aussen herum zur Zeit (und nur nachts!) noch hässliche PE-Planen Richtung Strassenlampen, zum Wald hin offen.

Zum Thema Mitmenschen, ich musste meine Plattform als Mehrzweckterasse anlegen, ausdrücklich auch zum Sonnenbaden oder als Zeltplattform, wenns bewölkt ist.
Mal sehen, wann ich die erste Sonnencreme am Okular habe, die ich dann dankbar und nachsichtig abwischen werde.

Gruss,

Henning

 
Hi Henning,

laminieren! Hab mir auch einige Karten aus dem Netz runtergeladen und ausgedruckt, dann sofort laminiert, die halten ewig. In Folie werden die tatsächlich feucht. Ich hab mir dann auf der Rückseite der Sternkarten einige kopierte Messiers, die von Handgezeichnet am 10" Dobson gemacht wurden aufgeklegt, passend zum jeweiligen Himmelsausschnitt. Die waren von

www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/zeichnungen.php

oder von http://freenet-homepage.de/stefan-schoenig/ngczeichnungen.htm

da hat man gleich den visuellen Eindruck, der einen erwarten kann und ist nicht enttäuscht, wenn keine Hubble-Show stattfindet. Ich zeige vor jeder Beobachtung auch Erstlingen diese Zeichnungen. Das ernüchtert und hilft ungemein.

Ich beneide Dich um solch eine Plattform. Mach noch Stangen drum und zuziehbare schwarze Schlaufenvorhänge....dann hast es zappenduster da drinne.

Clear Skies ...ne...das hilft auch nicht immer...heute wolkenlos, aber es kommt freuchlabile Luft rein, ein bissel Waschküche da oben heute trotz blauen Himmels.
 
Hi,

Es ist wie immer:
Richtig machen. Also ein Laminiergerät kaufen etc.
Ich werde die Karten wohl vorerst zudecken oder noch besser,
kommt mir doch gerade eine Idee, werde ich mir eine zweite Ebene in meinen noch zu bauenden Tisch einbauen.
Da kommen die dann rein.

Der freenet-link funktioniert leider nicht(mehr). Wie macht der/die Schoenball das mit 10 Zoll? Da vergleiche ich mich besser mal garnicht, sonst werde ich nur unglücklich (Nicht das Zeichnen, sondern das Beobachten).

Zur Plattform. Der optische Impakt auf unserer Streuobstwiese soll so gering wie möglich sein, deswegen musste ich versprechen, allen Sichtschutz bis auf bodengleiche Bodenhülsen abbauen zu können. Das stellt mich vor Herausforderungen: Lichtschutz, Windstabilität, Schimmel- und Feuchtefest, leicht, abbaubar und das schnell (unkompliziert).
Ich denke über Schattiernetz nach, nur dicht genug muss es sein.

Dann einen schönen Abend, ohne Blick durchs Okular.

Henning
 
Hi Henning,

"kommt mir doch gerade eine Idee, werde ich mir eine zweite Ebene in meinen noch zu bauenden Tisch einbauen.
Da kommen die dann rein".

Genau diese Idee hatte der Amerikaner Leslie C. Peltier 1934 auch mit dem Tisch, hat dann die Karten unter Glas gelegt mit Rotlichtbeleuchtung.

Ich schick Dir mal ne Zeichnung von seiner selbstgebastelten STernwarte, die er auf Vaters Kuhacker platziert hatte. ABer hab schon gelesen, dass da kein optischer Impakt bei Dir stattfinden soll....man könnte sie ja Grün anstreichen mit Apfelblütenmuster drauf?

Gruss von Anette
 

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Ha!

Das Teil innen sieht aus wie mein Binosessel, bei dem ich auch schon über ein Zelt/Poncho gegen Tau/Licht nachgedacht habe. Klasse mit dem Lenk/Drehrad. Ich flintstone den Sessel bzw. hangel mich mit den Händen weiter, wenn die Beine in der Luft hängen.

Ich befürchte, Apfelblüten würden die Präsenz solch einer Box nicht abschwächen.

Beim Tisch überlege ich auch, ob ich den nicht an der Rockerbox anbringen kann und zwar ÜBER dem Teleskop. Es gibt ja da einen Bereich, wo es niemals hinschwenkt: Das Viertel über dem Hauptspiegel. Ich nehme die Karte ja nur zum orientieren raus, da darf es ja etwas wackeln.
Einzige Anforderung: Aufschrift in Leuchtbuchstaben "KEINEN TEE ABSTELLEN".

Sehr nett recherchiert!

Gruss,

Henning
Gestern Mare Crisium sowie Krater und Rima Petavius unter Mückenmarter



 
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