Ein Spät-Frühlingsnachtstraum

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ThN

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Beobachtungszeitraum 23:00-2:30
Ort: Bayerwalddorf, Innenhof.
Geräte: 10" GSO Dobson f/5, Nikon Action EX 10x50
Sternführer: Karkoschka, Star-Guide

War das gestern eine Nacht, oder etwa nicht? ;) Dabei fing der Abend nicht so verheißungsvoll mit trübem, verschleierten Himmel an. Dann zog aber gegen 20:00 ein Wind auf und es wurde merklich kühler, der Himmel klarte auf. Leider gab es diemal keinen Mond und keine Planeten (Saturn steht jetzt schon verdammt tief), um die Zeit bis zur Dunkelheit gemütlich beobachtend auf der Terrase zu verbringen. Nur Arkturus war in der einsetzenden Dunkelheit kräftig leuchtend zu erkennen.

Also ging es heute erst so ab 23:00 los. Der Himmel verhieß aber nichts Gutes. Ist es schon wieder so weit mit den weißen Nächten?? Außerdem herrschte ein grottenschlechtes Seeing. Kinderliedschreiber hätten ihre helle Freude gehabt bei den "funkelnden Sternen". Von meinem Beobachtungsstuhl habe ich eine schöne Aussicht nach Süden und Südwesten. Im Osten ragen Bäume hoch auf und zwischen Westen und Norden geht gar nichts. Dafür ist der Platz aber sehr bequem und man hält es stundenlang aus.

Als Programm standen gemäß den Sichtbedingungen zuerst die Sternbilder Bootes, Libra, (Virgo), dann Serpens, Ophiuchus, ein bisserl Scorpio und später Hercules und Lyra auf dem Programm.

Im Fernglas schaue ich mir Alpha Libra an - ein schöner blau / weißer Doppelstern. Im Teleskop kommt er nicht besser. "Dank" Seeings sind die beiden nämlich recht aufgeblasen. Spaßeshalber probiere ich ein paar Doppelsterne: Eine ganz traurige Angelegenheit - aber Pi Bootis kann ich trennen. Beim Umherfahren mit dem Fernglas fällt mir ein schönes Sternenmuster auf: Zwischen den Sternen 15 und 31 Bootis (etwas unterhalb der Linie) stehen drei Sterne zw. der 5. und 6. Größe eng bei einander in einer Reihe. Mit bloßem Auge wirken die etwas nebelig. Nicht fehlen darf natürlich M5. Der Himmel ist aber noch sehr grau und ich kann den Zielstern 5 Serpentis (5.1m) in der Suppe nicht recht ausmachen. Ich ziele stattdessen mit den Sternen Lambda und Alpha Serpentis, fahre (im Übersichtsokular beobachtend) bis zum Stern 10 und dann weiter rechts. Dort bildet M5 mit dem Stern 5 ein schönes Paar. Ich versuche hoch zu vergrößern, aber mit dem 4mm Okular geht's zu schwierig (das Seeing!) im 9mm kommt er ganz gut raus - ich habe ihn aber schon besser gesehen.

Der Karkoschka macht mich auf die Galaxie NGC 5746, unweit von M5, aufmerksam. Bei Galaxien bin ich noch mächtig am Lernen. Aber heute habe ich ein richtiges Aha-Erlebnis. Der Zielstern 109 Virginis ist leicht gefunden, auch ein Stern der Größe 8.6m gleich daneben und mir fällt tatsächlich ein ganz lang gezogenes Nebelchen auf, "edge on", dass sich in Richtung Stern erstreckt. Mhhm - vielleicht war das mein bisher spannendstes Galaxien-Erlebnis. Obwohl, eine Galaxienjagd mit Fernglas in den Jagdhunden und großen Bären war ähnlich spannend - aber ganz anders...

Weiter geht's, diesmal mit dem Fernglas umherwandernd im Kopf der Schlange. Ich erkenne ein schönes Sternenmuster - kann aber meine Aufzeichnung auf dem Voicerekoreder nicht mit der Sternkarte in Übereinstimmung bringen. Mist! Vielleicht finde ich es heute wieder. Da blendet mich plötzlich im Augenwinkel ein helles Licht. Es ist ein -6m Iridium Flare direkt unter Arkturus. Das muss dann gemäß heavens-above um 0:35 gewesen sein. Übrigens (aber nur am Rande): Satelliten und Sternschnuppen sausen bzw. zischen häufig "durchs Okular".

Jetzt sind die Kugelsternhaufen im Schlangenträger (Ophiuchus), dem "13. Tierkreiszeichen", dran. Ich konzentriere mich auf die weiter südlich stehenden: M107 und M9. Die kommen nur schwammig rüber, M107 nur sehr schwach. Im Starguide ist noch ein fett eingezeichneter Kugelsternhaufen, NGC 6356 gleich neben an. Eine sehr positive Überraschung: sehr klein, aber kompakt - gut zu erkennen, allerdings nicht auflösbar. Ich versuche auch den Kugelsternh. NGC 6342, den kann ich aber nicht ausmachen - er steht auch nur etwa 18° über dem Horizont.

Vor lauter "Arbeit" habe ich den Skorpion vergessen, der schon vor einiger Zeit hinter dem Haus auftauchte - jetzt versteckt er sich auch schon hinter einem Baum. Ich konnte zuvor M80 als kleinen kompakten Kugelsternhaufen beobachten. Der prächtige M4 ist jetzt leider verschwunden.

Jetzt ist es bestimmt schon gegen 1:30 und mir fällt auf, wie prächtig der Himmel geworden ist: Richtig dunkel - geht doch! ;) Und das Funkeln hat auch stark nachgelassen. Mit dem Fernglas streife ich durch die Milchstraße im westlichen Teil der Schlange. Der offene Sternhaufen NGC 6633 ist wirklich ein prachtvoller Anblick im Fernglas, einer der schönsten Sternhaufen finde ich, auch wegen der interessanten Umgebung. IC 4756 ist ebenfalls sehr schön - im Teleskop aber nicht so.

Eigentlich ist es schon zu spät. Aber ich kann nicht aufhören: Der Wildentenhaufen M11. Schon im Fernglas sehr auffällig, aber klein - inm Teleskop ein richtiges Juwel mit dem hellen Stern mitten drin. M13 ganz vergessen! Diesmal sehr hoch am Himmel stehend und mit dem 6mm Okular voll aufgelöst, Okular-füllend. Interessant die "Sternenstraßen", Sternenausläufer in verschiedenen Richtungen.

Zum Abschluss ein richtiges Sommer-Highlight: M57, der Ringnebel in der Leier. Vor ein paar Jahren, als ich das Dobson gerade hatte, machte der mir Schwierigkeiten. Heute kann ich's gar nicht verstehen. Er steht wunderschön im Übersichtsokular, als winziger Rauchring zwischen den Sternen Beta und Gamma. Natürlich wird er hoch vergrößert. Er wirkt eckig, geisterhaft.

Der Himmel ist immer noch richtig dunkel - aber jetzt, 2:30, siegt die Vernunft: Tubusdeckel rauf und ab in's Bett. ;)

Thomas
 
Hallo Thomas, Deinen Bericht habe ich richtig genossen, eine erbauliche Lektüre für bedecktem Himmel. Habe mir mal gleich NGC6633 und Wildentenhaufen notiert, die müssen bei mir das nächste mal unbedingt wieder ins Oku, hab ich glatt vergessen. Der Wildentenhaufen hat mich letztes Jahr auch sehr beglückt, einfach wundervoll.
Aber GXen bekomme ich bei 4,5mag nie und nimmer rein.

Wie herrlich dunkel muss Dein Himmel sein?
Grüssle von der ebenfalls 10²GSO Dobsonierin Anette
 
Hallo Anette,
ja ein dunkler Himmel ist durch nichts zu ersetzen. Etwas abgedroschen, aber wahr. ;) Ich finde diesen Augenblick toll, wenn der Himmel gerade dunkel genug geworden ist, dass man gaaanz tief hineinblicken kann. Innerhalb weniger Minuten passiert das, so kommt's mir vor. Plötzlich sieht man einen ganzen Teppich feinster Strukturen, wo vorher noch nichts war. Wenn dann auch noch das Seeing stimmt und alle Sterne wie feine Punkte wirken - das ist dann nicht mehr zu toppen.

Thomas

P.S. Interessieren dich auch Sternenmuster? Der Kleiderbügel ist ja ein schönes Beispiel und ist jetzt kaum zu übersehen. Auf meinen Beobachtungen suche ich immer nach "neuen" Mustern.

 
Zitat von ThN:
Weiter geht's, diesmal mit dem Fernglas umherwandernd im Kopf der Schlange. Ich erkenne ein schönes Sternenmuster - kann aber meine Aufzeichnung auf dem Voicerekoreder nicht mit der Sternkarte in Übereinstimmung bringen. Mist! Vielleicht finde ich es heute wieder.

Nachtrag: Ja, wiedergefunden! Und zwar im Ophiuchus, bei den Sternen Epsilon und Delta:

Link zur Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/2dly-6.jpg

Gestern noch ein weiteres bemerkenswertes Muster gefunden, im Hercules in der Nähe von Alpha (Ras Algheti) - ein ganzer Sternendrachen:

Link zur Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/2dly-7.jpg

Jetzt müsste man nur noch Namen finden. ;)
 
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