Eine sehr ergiebige Beobachtungsnacht - endlich mal wieder

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Ehemaliges Mitglied

Hallo ihr,

letzte Nacht war es hier klar und dunkel - zumindest, was den Mond betraf. Ich hatte überlegt, vielleicht mal wieder zum Beobachten rauszufahren. Aber dann entschied ich mich doch für den Balkon. Gegen 22.30 Uhr baute ich meine "Balkonsternwarte" (Verdunklung mit Decken) auf und holte mein 80/400 Teleskop nach draußen. Also, ich kann euch sagen: Seitdem ich diesen Häkel-Sucher daran habe, mag ich es total gern. Auch, wenn es bei manchen Objekten immer noch eine Weile dauert, bis ich sie gefunden habe, finde ich jetzt mit diesem Teleskop im Gegensatz zu früher überhaupt etwas.

Zuerst wollte ich mir M 3 anschauen. Ich suchte und suchte und suchte... Ich glaub, er war schon hinter meinen Verdunklungsdecken versunken. Macht nix. Den probier ich ein andermal.

Dann hab ich nach M 81 und M 82 gesucht. Mit Hilfe der Sternkarte hab ich die beiden dann auch gefunden. M 81 war größer und klarer als M 82. Aber beide konnte ich (im 25 mm Okular) sehen. Ich zeichnete sie. Nachts mit Bleistift auf weißem Papier. Und heute nochmal mit weißem Stift auf schwarzem Papier. Die Zeichnung gefällt mir recht gut:

Messier 81 und Messier 82.jpg


Nach diesem Erfolg wollte ich nachschauen, wie der Ringnebel in der Leier denn in diesem Teleskop aussehen würde. Aber der stand so sehr zenitig, dass ich das Vorhaben auf einen anderen Zeitpunkt verschob.

Zwischendurch hatte ich schon immer wieder die Milchstraße betrachtet, die sich in einem deutlich sichtbaren Bogen über mir aufspannte. Im Vergleich zu dem, was ich damals im Juni von ihr hatte sehen können, war das ein großer Unterschied. Von der Kassiopeia bis zum Adler konnte ich sie deutlich und strukturiert erkennen. Also, es gab deutliche helle Bereiche, die am Rand um im Bereich Schwan und Adler auch in der Mitte einen erkennbar unregelmäßigen Rand hatten. Dunkle Einbuchtungen, helle Ausbuchtungen und so. Und ich meine, dass ich im Bereich Schild diese Schild-Sternwolke sehen konnte. Einen größeren rundlichen aufgehellten Bereich.

Ich wollte die Milchstraße zeichnen und begann mit dem Sternbild Schwan. Es war total interessant, mal so ein altbekanntes Sternbild zu zeichnen. So, wie man es mit bloßen Augen sehen kann. Erstaunlich, wieviele kleine Sternchen da auf einmal zum Vorschein kommen. Auf der Zeichnung muss ich nun schon genau hinschauen, um das Sternbild überhaupt noch zu erkennen. Aber das kann auch an meinen Zeichenkünsten liegen... ;)

Als ich den Schwan einigermaßen für fertig erklärt hatte, merkte ich, dass ich die Milchstraße nicht mehr so genau erkennen konnte. Das Rotlicht hat mich doch ein wenig geblendet. Deshalb und auch, weil ich genug vom Kopf nach oben verrenken hatte, verschob ich das Weiterzeichnen der Milchstraße auf ein anderes Mal.

Mit dem Teleskop suchte ich im 25 mm Okular am Schild-Himmel etwas herum, um Cleopatras Auge und die kleine Sagittariuswolke zu finden. Aber ich fand nur M 11 und den Angelhaken. Bei dem konnte ich jedoch auch die kleinen Sternchen des Hakens gut erkennen. Vielleicht waren die Dinge, die ich eigentlich hatte finden wollen, schon zu tief unter den Hang gegenüber gesunken gewesen.

Eine Weile schaute ich abwechselnd mit dem Teleskop, dem 10 x 50 Fernglas und auch ganz "ohne" in der Milchstraße herum. Die Zeit verging und allmählich ging es auf 2 Uhr zu. Frisch wurde es auch. Also Zeit zum Aufhören. Eigentlich. Wenn da nicht die Tatsache gewesen wäre, dass mein alter Freund Jupiter hinter dem Haus bereits aufgegangen sein musste...

Ich räumte den Balkon auf, baute meine "Sternwarte" wieder ab - und anstatt den Weg in Richtung Bett einzuschlagen, schulterte ich meinen Klapphocker, nahm das Teleskop über die andere Schulter und ging nach unten in die dunkle Ecke hinterm Haus, wo ich einen guten Blick in die Jupiter-Ecke hatte. Nur ganz kurz, um Jupiter gute Nacht zu sagen. In Hausschuhen.

Drunten angekommen, war ich vom Blick zur Milchstraße erst mal hin und weg. Ich glaub, von dort unten konnte ich sie noch deutlicher erkennen als vom Balkon aus. Ganz deutlich zog sie sich hell mitten über den Himmel. Vom Adler über den Schwan und sogar ganz eindeutig durch die Kassiopeia bis zum Perseus. Wunderwunderschön, kann ich euch sagen. Ich suchte ein wenig nach dieser ominösen Lacerta-Wolke, die es zwischen Kassiopeia und Schwan geben sollte. Da war schon ein auffällig heller Bereich. Aber, ob das die Lacerta-Wolke war, weiß ich nicht. Ich hab nach der Eidechse gesucht. Aber so genau wusste ich nicht mehr, wo sie sein sollte und wie sie aussah. Und Sternkarte hatte ich keine mit hinuntergenommen. Ich wollte ja nur schnell Jupiter grüßen. Naja, das Thema Milchstraße wird mich noch länger beschäftigen.

Als ich mich endlich von der Milchstraße losreißen konnte, widmete ich mich meinem speziellen Freund. Was soll ich euch sagen? Es war so schön, ihn wiederzusehen. Seine beiden auffälligen Bänder konnte ich mal klarer und mal verschwommener erkennen. Der rote Fleck war nicht da. Aber ich denke, ich hätte ihn vielleicht bemerkt - im 6 mm Okular. Jupiters Monde standen brav in einer Reihe. Einer, der dem Planeten am nächsten stand, war nur ein ganz kleines Stückchen von seinem Rand entfernt. Ich schaute ihm eine Weile zu, um herauszufinden, ob er sich gerade auf Jupiter zu bewegte oder von ihm weg. Nun, sicher bin ich mir nicht. Aber ich glaub, der Abstand zum Planeten wurde ein klein wenig größer. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein.

Eine ganze Weile beobachtete ich Jupiter und erinnerte mich an die Zeit, als ihr mir so engagiert dabei geholfen habt, den roten Fleck zu sehen. Auch gestern Nacht wäre ich gern noch länger bei Jupiter verweilt, um mich besser in ihn einzusehen. Aber ich wollte ja eigentlich nur mal kurz gute Nacht sagen. Als ich meinen Blick von Jupiter lösen konnte, suchte ich am Himmel nach Saturn. Sofort fand ich einen möglichen Kandidaten. Um nachzuprüfen, ob ich richtig lag, richtete ich das Teleskop auf ihn. Volltreffer. Auch Saturn sah sehr hübsch aus. Und ich hatte den Eindruck, dass seine Ringebene erkennbar weniger geöffnet war als ich das vom letzten Jahr in Erinnerung hatte. Seine Ringe werden ja gerade schmaler. Dass man das jetzt schon merklich erkennen konnte, erstaunte mich.

Eigentlich wäre es schon längst Zeit fürs Zusammenpacken gewesen. Aber dort ein Stück links von Jupiter lachten die Plejaden herunter. Die musste ich auch noch schnell anschauen. Ich steckte wieder das 25 mm Okular in das Teleskop, peilte mit meinem Häkelsucher dorthin - und hatte die Plejaden im Blickfeld. War das schön! Sie leuchteten und strahlten. Und sie passten komplett ins Okular. Mir kam der Gedanke, dass der ein oder andere Plejadenstern ein Doppelstern war. Zumindest glaub ich das, nachgelesen hab ich das jetzt nicht. Ich war schon drauf und dran, wieder ein kleineres Okular einsetzten zu wollen, aber in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde zwang ich mich, es bleiben zu lassen und dieses Vorhaben zu vertagen (vernachten??).

Da die Plejaden wie ein helles Wölkchen am Himmel standen, kam mir der Gedanke an die Andromedagalaxie. Ist doch logisch, oder? Ich suchte die Andromedakette am Himmel und fand auch schnell den Bereich, an dem die Galaxie sich befindet. Aber so wirklich erkennen konnte ich von ihr mit bloßen Augen nichts. Was macht Astronomin in so einem Falle? Sie verwirft den Gedanken ans Zusammenpacken, steckt wieder das 25 mm Okular ins Teleskop und findet auch schnell die gewünschte Galaxie. Wunderschön stand sie am Himmel. Und groß. Ich versuchte noch, ihre beiden kleineren Begleitgalaxien zu finden. Aber das wurde nichts.

Als ich meinen abschließenden Blick zum Himmel warf, sah ich unterhalb der Plejaden einen rötlichen Stern. Zuerst dachte ich an Beteigeuze. Aber die war noch tief unterm Horizont. Es muss Aldebaran gewesen sein. Aber trotzdem war es ein schöner Gedanke zu wissen, dass nur noch ein Stücken tiefer unter dem Horizont Orion bereits wieder im Anmarsch war.

Ich ließ noch einmal den Blick über die Hausdächer im Osten schweifen - und stutzte. Der Himmel war im Vergleich zum Zenit und dem Westhimmel deutlich aufgehellt. Konnte das denn sein? Dämmerte es schon? Nie und nimmer. Erstens hatten wir schon August und nicht mehr Juni. Und zweitens war es höchstens halb drei oder drei. Da dämmerte es noch nicht. Nicht so hell. Aber was war dann dort los? Mit einem etwas flauen Gefühl im Magen stand ich auf, um trotz allem jetzt endlich Feierabend zu machen. Und dann sah ich den Urheber der Himmelsaufhellung: den Mond! Mit dem hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Er hatte eine schöne schmale abnehmende Sichel und mir kam der Gedanke, dass ich diesen Mondzustand noch nicht oft beobachtet hatte. Fast hätte ich mich noch einmal ans Teleskop gesetzt, um mir das alles genauer anzuschauen. Aber es war definitiv schon lange Zeit fürs Bett. Also ging ich nun wirklich wieder nach Hause. Um ca. halb vier Uhr machte ich das Licht aus und schlummerte mit vielen schönen Eindrücken im Kopf ein.

Ach ja, ein paar Sternschnuppen hatten diesen gelungenen Beobachtungsabend noch abgerundet.

Ich wünsch euch allen ebenfalls so schöne Beobachtungserlebnisse und klaren Himmel.

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine ! Das mit Saturn nehme ich übrigens genauso wahr. Also ob die Ringebene im Vergleich zum letzten Jahr sehr viel stärker gekippt ist als im Jahr davor. Vielleicht nimmt man das schmaler werden jetzt plötzlich intensiver wahr ? Muss wohl am Winkel liegen … Aber genau jetzt empfinde ich die Ringöffnung am ästhetischsten. Mal wieder ein total schöner Bericht von Dir !

Liebe Grüße
Sascha
 
Hallo Sabine,
ach Dein Bericht ist astroherzerfrischend! Und Lob auf Deine Motivation! Dass Du da noch mal runter bist vom Balkon und alles wieder aufgebaut hast ...Ich war vorgestern und gestern Nacht auch nur bis 24h Draussen, mir ging es genauso wie Dir bei der Hochdruckwetterlage - endlich mal .... als Jupiter hoch im Osten über die Hausdächer stieg, war ich sehr erfreut doch hundemüde, obwohl alles aufgebaut und eingeordnet war ... aber mir klappten die Augen von alleine zu ... und da eigentlich fängt der fleissige Astronom ja erst richtig an. Jetzt verstehe ich, was Feierabendastronomie ist .... an Dir sollte ich mir ein Beispiel nehmen.
Deine Zeichnung ist auch gelungen. Diese beiden Galaxien hatte ich gestern ganz vergessen.
Liebe Grüsse und heute solls ja nochmals klar bleiben - also clear Skies von Anette
 
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