Empfehlung Brennweite Einstieg Astrofotografie

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Leucomelas

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Hallo liebe Astrogemeinde,

ich überlege künftig in die Astrofotografie einzusteigen. Zu diesem Zweck habe ich mich mich hier schon einige Zeit eingelesen.

Ich denke die wichtigsten Dinge sind mir bereits klar. Als Montierung werde ich wohl die 14 oder 20 kg Nutzlast-Klasse wählen. Mit meiner DSLR bringe ich bereits die Brennweite 50 und 100mm mit.

Ich hänge nun ein wenig an der Entscheidung zur Anschaffung des richtigen Teleskops bzw. der richtigen Brennweite.

Interessant finde ich vor allem offene Sternhaufen und Nebelgebiete. Ich denke also, dass eine Brennweite zwischen 300 und 600 das richtige wäre. Ich habe mir bereits einige Himmelsausschnitte mit den diversen Tools angesehen.

Wie ist denn eure Erfahrung in diesem Brennweiten Bereich. Habt ihr einen Tipp mit welcher man in der Praxis viele Objekte erschlagen kann?

Vorstellen könnte ich mir:

Apo 80/350 mm korrigiert (1300€)
Apo 70/470 mm korrigiert (700€)
Newton 150/600 mm und 450 mm mit Reducer (1400€)

Der kleine Apo ist durch den geringen Anschaffungspreis natürlich interresant. Andereseits bekomme ich mit dem Newton mehr Flexibilität.

Habt ihr einen Tipp für mich? Welche Brennweite ist im Breich von 300-600 die sinnvollste? Oder benötigt man auf Dauer sowieso mehrere Optionen?

Vielen Dank für eure Hilfe.

Grüße Andy

 
Hallo Andy,
zum Einstieg mit einer DSLR würde ich ein F5 6“ oder 8“ Newton empfehlen. Die sind vergleichsweise günstig und bieten für den Einstieg absolut ausreichende Leistung. Vorsicht bitte bei Newtons mit Lichtstärke < F5. Die sind nicht so ganz einfach zu justieren.

Ich habe selbst mit einem 150/750 Newton angefangen. Damit kriegst Du die meisten Objekte wie Nebel, Sternhaufen und Galaxien erstmal ordentlich hin. Insbesondere wenn Du eine DSLR verwendest, da diese schon eine sehr ordentliche Chipgröße haben.

Besorge Dir noch einen Komakorrektor - z.B. den von GPU - und noch eine Guiding-Kamera. Damit hast Du ein wirklich schönes Setup. Ach ja, und bitte nimm einen Newton, der für Astrofotografie optimiert ist, Die haben größere Fangspiegel.

An einen APO als erstes Teleskop für die Astrofotografie würde ich nur denken, wenn Gewicht und Größe sehr wichtig sind - und wenn Geld nicht der limitierende Faktor ist. Ansonsten gibst Du hierfür deutlich mehr Geld aus.

VG
Wolfgang
 
Hallo Andy

um ein Gefühl dafür zu bekommen, was du auf den Chip/Aufnahme bekommst, kannst du dir in diversen Planetariumprogrammen wie Card du Ciel/Starcard den CCD Rahmen deiner Kamera einblenden lassen.
Ich nutze Guide dafür und bereite damit meine Aufnahmen vor.
Auf allen Fälle ist 400-600mm Brennweite eine gute Wahl.

Wenn du eine tragfähige Montierung hast oder anschaffst,
denke an die Nachführung, die meist ohne Guiding kaum länger als 1-2 Minuten frei läuft (je nachdem was für ein Exemplar du erwischst). Oder eine extra optimierte Montierung dir zulegst, die vielleicht 3-5 Minuten exakt nachführt?

Wenn du dir z.B. ein APO von 72mm Öffnung anschaffst brauchst du mehr Zeit für die Belichtung als mit 100mm Öffnung. Das macht aber nichts, wenn du entsprechend viele mit kleiner Öffnung machst und überlagerst.
Ein exakte Nachführung ist aber immer das A und O einer guten Aufnahme.

Gruß
Dieter

 
Zitat von dieter21:
Wenn du dir z.B. ein APO von 72mm Öffnung anschaffst brauchst du mehr Zeit für die Belichtung als mit 100mm ÖffnunG.

Falsch ;)

Die Blende (Brennweite durch Öffnung) isses, und die Sensibilität des Sensors, nicht die Öffnung...


Gruß
Ernie
 
Hallo Andy,

eine Montierung der 20kg Nutzlastklasse ist für Deine Optikwahl

Apo 80/350 mm korrigiert (1300€)
Apo 70/470 mm korrigiert (700€)
Newton 150/600 mm und 450 mm mit Reducer (1400€)

sehr stabil, Du bist Dir dessen bewusst? Möchtest Du für zukünftige Brennweitenverlängerungen gerüstet sein? Wenn nicht, dann hast Du möglicherweise mehr zu tragen als Dir recht ist. Wenn doch, dann denkst Du durchaus vorausschauend :)
Es wäre schade, Du benutzt eine einmal angeschaffte schwere Montierung nicht mehr, da zu schwer.

Praktischere Ratschläge findest Du möglicherweise in Deiner Nähe

Bischbrunn
Würzburg
Weikersheim
Schweinfurt

CS

Markus
 
Hallo Andy,

an deiner Stelle würde ich mit einem "klassischen" 80/480 ED APO ins Rennen gehen. 80/350 ist mit f/4.4 schon sehr sportlich für die Optik und das ganze dann bis in die Ecken eines DSLR-Sensors gut zu korrigieren halte ich bei dem Preis für gewagt... das gilt auch für den Newton, der mit f/4 schon einiges an Kollimationsgenauigkeit verlangt und bei 450mm mit f/3 für einen Einsteiger vermutlich schon zu viel ist. Der 70/470 wäre das genaue Gegenteil davon, aufgrund des entspannteren Öffnungsverhältnisses mit Sicherheit gut korrigierbar, aber halt auch im Vergleich recht langsam (fast f/6.7).
Daher würde ich den o.g. 80/480 ED APO wählen, wenn das Teil einmal ordentlich justiert ist und du den richtigen Abstand von Flattener zu Kamerasensor gefunden hast, bekommst du feine Sterne bis in die Ecken, bei noch moderatem Öffnungsverhältnis.

Was die Montierung betrifft, hat mein Vorschreiber Markus mit Sicherheit recht damit, dass sie schwer sind, daher unbedingt mal "in echt" anschauen und begrabbeln, grundsätzlich lautet meine Empfehlung: "Eine Montierung kann niemals zu stabil sein, nur zu schwer zum schleppen!".

Vielleicht findest du auch auf meiner Website im Einsteiger-Guide oder dem Artikel zu Teleskopwahl noch die ein oder andere Information.
 
Hallo Zusammen,

danke für eure Rückmeldungen. Ich habe in der Zwischenzeit weiter gestöbert und bin zum Entschluss gekommen, dass ein 80er Apo für den Anfang das richtige ist.

Perspektifisch könnte ich mir zur Erhöhung der Brennweite ein 8" RC oder SC vorstellen. Es gab ja von euch bedenken bezüglich der Überdimensionierung der Monti. Würdet ihr unter diesen Umständen mehr zur 14 oder 20 kg Monti greifen? Größere Teleskope werde ich mir auf absehbare Zeit nicht anschaffen...

Grüße Andy
 
Hallo Andy,

es gibt - wie so häufig - auch bei der Montierung ein Für und Wider...

Ich hab´s ja schon geschrieben, zu stabil kann eine Montierung nicht sein, das Geld, was du jetzt für eine "großzügig" ausgelegte Montierung der 20kg-Klasse ausgibst, musst du nicht mehr in die Hand nehmen, wenn doch mal ein 8" oder 10"-Teleskop ins Haus kommt, andersherum wäre es extrem schade, wenn du dein Geraffel in der Stube lässt, weil es dir eventuell zu schwer ist und dir damit halt die ein oder andere Nacht "flöten geht".

Aus diesem Grund, kann ich dir nur noch mal dringend empfehlen, fahr mal zu einem Teleskoptreffen, Volkssternwarte, Teleskopladen, usw. ... und schau dir die Montierungen mal "in echt" an. Vor 5 Jahren war eine EQ5 für mich ziemlich nah an einer Sternwartenmontierung dran, heute würde ich sie als leichtes mobiles Setup titulieren und auch eine AZ-EQ6 ist immer noch gut mobil, es ist halt alles eine Frage der Brille, die man auf hat.
 
Hallo Andy,

woe Sodiac schrieb, es ist alles eine Frage der Brille ...

Ich würde Dir zu einer EQ5 oder etwas ähnlichen raten, die ist definitiv noch transportabel, wenn das ein Kriterium für Dich ist. Bei der Einschätzung betreffend die EQ6-Klasse unterschreibe ich mobil nur, wenn Du mit dem Kombi an den Aufstellort kannst, ausladen und aufbauen, oder die Wege kurz sind. Das Zeugs wiegt schon was und im Feld schleppen wollte ich das nicht (mehr).

Bist Du da flexibel und das Budget läßt es zu, geht's zur EQ6, wobei die Bezeichnung die Klasse meint, nicht unbedingt eine bestimmte Marke oder ein Modell.

Kleiner, EQ3- würde für Dein beabsichtigtes Teleskop wohl auch reichen, wäre dann ein Reisesetup das wirklich überall mit kann, aber nach oben bei der Ausrüstung geht es dann nicht mehr viel. Dafür kann es auch als eine Art "Nobel-Tracker" fotografisch dienen, eben mit 2-achsiger Nachführung.

Auf jeden Fall ist der Tip mit dem Teleskoptreffen gut, dann hast Du das Zeug schonmal gesehen und weist um was es geht. Die Anschaffung der Montierung ist auf jeden Fall ein zentraler Punkt, da sich damit ein guter Teil dessen entscheidet, was über Erfolg oder Misserfolg Deiner Aktivitäten entscheidet.

CS
Jörg

 
Hallo Andy,

aus eigener Erfahrung kann ich einen kleinen Triplet Apo 80/480 mit FLP53 nur wärmsten empfehlen. So ein Gerät ist an Vielseitigkeit kaum zu überbieten.

Die Qualität ist für unter 1000,-€ gut und auf einschlägigen Seiten genug bestätigt.
Wolfgang Rohr zeigt auf seiner Seite was der Kleine so leisten kann.

Er ist visuell und fotografisch sehr gut verwendbar.

Visuell, in Verbindung mit einem Baader Zoom 8-24 mm inkl. Barlow, hast Du von 20x bis 135x ein weites Beobachtungsspektrum mit einer kompakten Konfiguration (+2“ Zenitspiegel!). Offene Sternfelder, Doppelsterne bis 2‘‘, etwas Deep-Sky, da immerhin noch f6, die Sonne mit einem geeigneten Schutz z.B. Herschel-Prisma einfach super, natürlich der Mond sehr gut und auch mal ein schneller Blick zu den Planeten, Kometen ...

Fotografisch taugt er auch etwas und hat keine Farbsäume und eine gute Sternabbildung. Tommy Nawratil hat eine gute Vergleichsübersicht erstellt.
Das Feld hat ca. 1° 46‘ x 2° 39‘. Andromeda kommt gut unter. Was man damit so anstellen kann, findest Du auf Astrobin.
Einen Komakorrektor kann man gleich verwenden oder kauft ihn halt später nach.
Auch am Tage ist das Teil als Teleobjektiv gut verwendbar.

Nicht zuletzt lob ich mir die Vielfalt im Einsatz. Ich verwende den APO natürlich auf einer parallaktischen Montierung. Für den schnellen Einsatz oder auf Reisen geht es auch hervorragend auf einem Fotostativ. Da ich noch ein TAL150P besitze, habe ich weiterhin über ein Adapter eine Giro-Mini drauf gesetzt. Auch in dieser azimutalen Konfiguration ist das Gerät schnell mal im Einsatz (Auskühlung beachten).

Dieses Gerät habe ich oft in den Händen. Ein gutes Gerät zeichnet sich auch dadurch aus, dass man es oft verwendet.

CS
 
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