growers
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
Es wird ja immer darauf hingewiesen, dass man nicht teures Equipment braucht, um gute Astroaufnahmen zu machen und teures Equipment nicht automatisch zu guten Bildern führt. Das ist zwar prinzipiell richtig, ABER gutes Equipment kann Einsteigern in die Astrofotografie enorm helfen.
Hier mal kurz meine Story. Vorhanden waren ein GSO 100mm/f5 Newton auf einer EQ8. Jetzt sollte es mit Fotografie losgehen. Als erstes werden jetzt einige sagen, dass eine 1000mm Optik nun nicht gerade etwas für Einsteiger ist. Kann ich soweit nachvollziehen, aber es ging ja erstmal darum, zu schauen, wie weit ich mit dem bestehenden Equipment komme.
Um mir aber dein Einstieg etwas einfacher zu machen, hab ich noch auf ASIAir gesetzt, das war bisher eine sehr gute Entscheidung.
Hier nun meine Erkenntnisse:
Das alles mit ASIAir zu laufen zu bekommen war wirklich einfach. Das hat den Einstieg definitiv vereinfacht. Für ein geplantes Remote-Setup werde ich demnächst mal noch einen PC mit NINA fertigmachen, aber erstmal gilt es noch etwas Erfahrung sammeln.
Größter Schwachpunkt war nicht das 1000mm Newton, sondern die alte DSLR: meine knapp 15-jährige Canon 5D MKII. Das fing erstmal damit an, dass mit eingestellter Spiegelvorauslösung nur jedes zweite Bild gespeichert wurde. Kann ein ASIAir-Bug sein, aber es war schon mal nervig. Der nächste Nerv-Faktor war, dass der Datentransfer von der Kamera zur ASIAir nicht besonders schnell ist, was z.B. bei Previews und besonders beim Fokussieren auch etwas frustrierend sein kann. Weiterhin ist das Rauschen bei den aktuellen Temperaturen massiv. Da ist es wirklich schwer in den Previews außer ein paar Sternen irgendwas zu erkennen. Ich vermute mal, dass das auch der Grund war, warum das Fokussieren mit ASIAir eher ein Glückspiel (mit vielen Nieten) war. Diese Autofokus-Probleme führten dann dazu, dass das Ding in der Nacht gerne mal abbrach und der Fokus dann komplett deneben lag und die Aufnahmen einfach nur noch entsorgt werden konnten.
Vorgestern ist dann die bestellte Astrokamera gekommen. Man mag sich bei den ZWO-Sachen darüber beschweren, dass die teurer sind als Konkurrenzprodukte und ASIAir auch ein geschlossenes System ist. Allerdings: Das ganz ist durchdacht. Bei Kamera und Filterrad waren sämtliche Sachen dabei, die man braucht, um alles anzuschließen. Gerade für mich als Foto-Anfänger war das extrem hilfreich, da ich halt nicht nach der Lieferung noch merke, dass mir jetzt z.B. gerade der M48-Adapter fehlt.
Die Dokumentation bei ZWO ist nicht ganz so toll. Nicht, weil die generell schlecht wären sondern weil die Sachen wild auf deren Webseite verteilt sind. Manche Sachen stehen im Handbuch, andere Dings in irgendwelchen sonstigen Dokumenten auf der Website und manche Sachen sogar in der Produktbeschreibung. Weiß man mal, was genau man sucht, findet Google die Sachen auch meist ;-)
Letztendlich habe ich das Ding dann drangehängt, grob fokussiert und letzte Nacht mal 5h (60x5 min) HII-Daten vom Fischkopfnebel gesammelt. Die automatische Umschaltung auf OIII hat auch funktioniert, nur war da dann die Nacht vorbei
Heute morgen zusammengestackt und Autostretch in SIRIL und es sieht so aus. Nichts weiter gemacht, keine Darks oder irgendwas.
Für einen Einsteiger wie mich ist das erstmal ein "WOW"-Erlebnis, was ich mit der Canon nicht hatte.
Klar, die Canon war nicht modifiziert und damit wäre eine HII-Region wohl kein gutes Objekt gewesen. Aber selbst meine Andromeda-Fotos sahen im Vergleich zu dieser Aufnahme brutal schlecht aus (trotz Darks).
Ich will jetzt nicht behaupten, dass das jetzt schon an irgendwelche Sachen von Leuten mit Jahren Erfahrung rankommt. Allerdings bin ich selbst erstaunt, was nach zwei Wochen schon möglich ist
Das ist alles noch nicht perfekt. Wenn man reinzoomt, sieht man noch, dass die Sterne auf der rechten Seite außen nicht ganz rund sind - vermutlich noch ein Kollimationsproblem was natürlich bei den kleinen 3.8um Pixeln schneller auffällt.
Dann geht es demnächst mal los mit der Einarbeitung in die Bildbearbeitung. Da hab ich ja auch noch viel zu lernen.
Mein persönliches Fazit: Gerade von einer alten DSLR würde ich Anfängern abraten - speziell wenn sie im Sommer starten. Das kann für sehr viel Frustration sorgen. Ich beziehe mich ganz bewusst nicht auf neuere Modelle. Bei den Sensoren hat sich natürlich in den letzten 15 Jahren so einiges getan. Allerdings vermute ich dennoch, dass der Unterschied durch die Kühlung - gerade im Sommer - doch weiterhin einen ordentlichen Unterschied macht.
Eine vorhandene langbrennweitige Optik muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Wenn das Guiding einigermaßen stabil läuft (ich bin im Moment bei 0.7" RMS), sollte man das ruhig mal probieren. Klar bekommt man die großen Nebel damit nicht aufs Bild, aber für ein erstes "AHA"-Erlebnis geht das schon. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das auf einem Mount, der belastungstechnisch an der Grenze ist, auch für viel Frust sorgen kann. Da muss mal halt mal ausprobieren, wie stabil das ganze läuft.
Bei mir ist jetzt klar, dass noch ein kleiner APO dazukommen soll. Mit dem erwarte ich dann allerdings keine größeren Probleme, sondern es dürfte eher etwas einfacher werden, ein brauchbares Foto hinzubekommen.
Natürlich ist die Investition in eine Astrokamera nicht ohne und man sollte sich schon überlegen, ob man das wirklich soweit treiben will. Gerade als Einsteiger ist natürlich das Risiko da, dass man nach einer Weile merkt "das ist nichts für mich". Insofern kann ich gute verstehen, wenn man die Investition am Anfang scheut. Das hier ist nur ein persönlicher Erfahrungsbericht, der nicht unbedingt für andere Leute direkt übertragen werden kann.
Viele Grüsse,
Daniel
Es wird ja immer darauf hingewiesen, dass man nicht teures Equipment braucht, um gute Astroaufnahmen zu machen und teures Equipment nicht automatisch zu guten Bildern führt. Das ist zwar prinzipiell richtig, ABER gutes Equipment kann Einsteigern in die Astrofotografie enorm helfen.
Hier mal kurz meine Story. Vorhanden waren ein GSO 100mm/f5 Newton auf einer EQ8. Jetzt sollte es mit Fotografie losgehen. Als erstes werden jetzt einige sagen, dass eine 1000mm Optik nun nicht gerade etwas für Einsteiger ist. Kann ich soweit nachvollziehen, aber es ging ja erstmal darum, zu schauen, wie weit ich mit dem bestehenden Equipment komme.
Um mir aber dein Einstieg etwas einfacher zu machen, hab ich noch auf ASIAir gesetzt, das war bisher eine sehr gute Entscheidung.
Hier nun meine Erkenntnisse:
Das alles mit ASIAir zu laufen zu bekommen war wirklich einfach. Das hat den Einstieg definitiv vereinfacht. Für ein geplantes Remote-Setup werde ich demnächst mal noch einen PC mit NINA fertigmachen, aber erstmal gilt es noch etwas Erfahrung sammeln.
Größter Schwachpunkt war nicht das 1000mm Newton, sondern die alte DSLR: meine knapp 15-jährige Canon 5D MKII. Das fing erstmal damit an, dass mit eingestellter Spiegelvorauslösung nur jedes zweite Bild gespeichert wurde. Kann ein ASIAir-Bug sein, aber es war schon mal nervig. Der nächste Nerv-Faktor war, dass der Datentransfer von der Kamera zur ASIAir nicht besonders schnell ist, was z.B. bei Previews und besonders beim Fokussieren auch etwas frustrierend sein kann. Weiterhin ist das Rauschen bei den aktuellen Temperaturen massiv. Da ist es wirklich schwer in den Previews außer ein paar Sternen irgendwas zu erkennen. Ich vermute mal, dass das auch der Grund war, warum das Fokussieren mit ASIAir eher ein Glückspiel (mit vielen Nieten) war. Diese Autofokus-Probleme führten dann dazu, dass das Ding in der Nacht gerne mal abbrach und der Fokus dann komplett deneben lag und die Aufnahmen einfach nur noch entsorgt werden konnten.
Vorgestern ist dann die bestellte Astrokamera gekommen. Man mag sich bei den ZWO-Sachen darüber beschweren, dass die teurer sind als Konkurrenzprodukte und ASIAir auch ein geschlossenes System ist. Allerdings: Das ganz ist durchdacht. Bei Kamera und Filterrad waren sämtliche Sachen dabei, die man braucht, um alles anzuschließen. Gerade für mich als Foto-Anfänger war das extrem hilfreich, da ich halt nicht nach der Lieferung noch merke, dass mir jetzt z.B. gerade der M48-Adapter fehlt.
Die Dokumentation bei ZWO ist nicht ganz so toll. Nicht, weil die generell schlecht wären sondern weil die Sachen wild auf deren Webseite verteilt sind. Manche Sachen stehen im Handbuch, andere Dings in irgendwelchen sonstigen Dokumenten auf der Website und manche Sachen sogar in der Produktbeschreibung. Weiß man mal, was genau man sucht, findet Google die Sachen auch meist ;-)
Letztendlich habe ich das Ding dann drangehängt, grob fokussiert und letzte Nacht mal 5h (60x5 min) HII-Daten vom Fischkopfnebel gesammelt. Die automatische Umschaltung auf OIII hat auch funktioniert, nur war da dann die Nacht vorbei
Heute morgen zusammengestackt und Autostretch in SIRIL und es sieht so aus. Nichts weiter gemacht, keine Darks oder irgendwas.
Für einen Einsteiger wie mich ist das erstmal ein "WOW"-Erlebnis, was ich mit der Canon nicht hatte.
Klar, die Canon war nicht modifiziert und damit wäre eine HII-Region wohl kein gutes Objekt gewesen. Aber selbst meine Andromeda-Fotos sahen im Vergleich zu dieser Aufnahme brutal schlecht aus (trotz Darks).
Ich will jetzt nicht behaupten, dass das jetzt schon an irgendwelche Sachen von Leuten mit Jahren Erfahrung rankommt. Allerdings bin ich selbst erstaunt, was nach zwei Wochen schon möglich ist
Dann geht es demnächst mal los mit der Einarbeitung in die Bildbearbeitung. Da hab ich ja auch noch viel zu lernen.
Mein persönliches Fazit: Gerade von einer alten DSLR würde ich Anfängern abraten - speziell wenn sie im Sommer starten. Das kann für sehr viel Frustration sorgen. Ich beziehe mich ganz bewusst nicht auf neuere Modelle. Bei den Sensoren hat sich natürlich in den letzten 15 Jahren so einiges getan. Allerdings vermute ich dennoch, dass der Unterschied durch die Kühlung - gerade im Sommer - doch weiterhin einen ordentlichen Unterschied macht.
Eine vorhandene langbrennweitige Optik muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Wenn das Guiding einigermaßen stabil läuft (ich bin im Moment bei 0.7" RMS), sollte man das ruhig mal probieren. Klar bekommt man die großen Nebel damit nicht aufs Bild, aber für ein erstes "AHA"-Erlebnis geht das schon. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das auf einem Mount, der belastungstechnisch an der Grenze ist, auch für viel Frust sorgen kann. Da muss mal halt mal ausprobieren, wie stabil das ganze läuft.
Bei mir ist jetzt klar, dass noch ein kleiner APO dazukommen soll. Mit dem erwarte ich dann allerdings keine größeren Probleme, sondern es dürfte eher etwas einfacher werden, ein brauchbares Foto hinzubekommen.
Natürlich ist die Investition in eine Astrokamera nicht ohne und man sollte sich schon überlegen, ob man das wirklich soweit treiben will. Gerade als Einsteiger ist natürlich das Risiko da, dass man nach einer Weile merkt "das ist nichts für mich". Insofern kann ich gute verstehen, wenn man die Investition am Anfang scheut. Das hier ist nur ein persönlicher Erfahrungsbericht, der nicht unbedingt für andere Leute direkt übertragen werden kann.
Viele Grüsse,
Daniel