Erfahrungebericht Großfernglas TS 10x60 LE

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Ehemaliger Benutzer (7840)

Liebe Sternfreunde,

heute wurde mein Fernglas TS 8x60 LE geliefert und sofort einem ersten Test unterzogen.

1. Verarbeitung und Haptik

Das Fernglas ist komplett gummiarmiert und hat einen gut dimensionierten Fokussierring. Die Vergütung ist an den Objektiven grün und auf den Okularen violett. Die Verarbeitung ist für den Preis gut, auch wenn man sieht, dass es kein High-End-Gerät ist. Die optischen Tuben sind innen geriffelt, jedoch erkennt man beim Blick durch das Objektiv an der Innenwand Reflexionen.

Die Staubdeckel sind labil, und der Deckel, der beide Okulare abdeckt, fällt leicht ab. Das habe ich auch schon bei anderen Gläsern dieser Preisklasse erlebt.

Das Glas liegt mit 1,1 Kg exzellent in der Hand. Die Fokussierung ist gut konzipiert. Das Scharfstellen geht nicht zu leicht und nicht zu schwer. Es ist problemlos möglich, den exakten Schärfepunkt zu finden. Für terrestrische Beobachtungen ist ein Gebrauch aus der Hand absolut möglich. Es verwackelt weniger stark als mein altes, 750 Gramm schweres 10x50er.

Die Gummiaugenmuscheln lassen sich leicht umstülpen, könnten für meinen Geschmack jedoch noch etwas weicher sein.

2. Einblickverhalten

Mit 19,9 Millimeter hat das Fernglas einen großen Augenabstand. Der Einblick ist jedoch etwas unruhig: Blickt man nicht exakt zentral in die Okulare, zeigt sich deutliches Kidney-Beaning. Ob dieses hier stark oder schwach ausfällt, kann ich nicht beurteilen, da mir Vergleiche mit anderen Okularen mit ähnlichem Augenabstand fehlen.

Für Beobachtungen mit Brille müssen die Augenmuscheln umgestülpt werden. Mit Brille war nochmals eine deutliche Steigerung der Bildschärfe erkennbar. Auch mit Brille ist das gesamte Gesichtsfeld zu überblicken, wenn die Augenmuscheln umgeklappt sind.

3. Erdbeobachtungen

Bereits bei einem ersten Probeblick auf das Mauerwerk des Nachbarhauses erkannte ich die sehr gute Feldschärfe. Es zeigt sich ein helles, scharfes und kontrastreiches Bild am Mauerwerk und an Baumwipfeln. Je nach Motiv hat man einen sehr plastischen 3D-Effekt. Störende Reflexe waren nicht wahrnehmbar.

Bezüglich Farbfehler konnte ich auch an hellen Objekten keinen klassischen Blausaum feststellen. Bei weißen Holzrahmen zeigte sich jedoch ein leichter, rötlicher (!) Farbsaum an der rechten Seite vertikaler Rahmenteile. Auf den linken seiten war ein wesentlich schwächerer, bläulicher Saum zu erkennen. Diesen Farbfehler kannte ich bisher nur vom Kit-Objektiv meiner DSLR. (Frage an die Optik-Profis: Handelt es sich hierbei um einen Farbquerfehler?) Der Farbsaum stört jedoch die praktische Beobachtung nicht.

Der Blick in den neutralen Taghimmel ließ ein gleichmäßig helles Bild mit einem minimalen Helligkeitsabfall am äußersten Rand erkennen. Ich musste die Augen regelrecht verdrehen, um den Effekt wahrzunehmen.

Der ertse Test war bestanden. Für Erd- und Naturbeobachtungen ist das Fernglas absolut empfehlenswert.

4. Dämmerung und Nacht

Auch bei fortgeschrittener Dämmerung ist das Bild sehr hell ung sehr gut scharfzustellen. Es zeigten sich jedoch schwache Reflexe einer Laterne, die etwa im 90 Grad-Winkel zur Beobachtungsrichtung (Hauswand im Gegenlicht) stand. Der Reflex war schwach und mit dem in einer schlecht entspiegelten Brille zu vergleichen, wenn sich schräg hinter einem eine Lampe befindet.

Bei Dunkelheit betrachtete ich eine ca. 15 Meter entfernte Laterne schräg unter mir. Zentriert zeigte sich nur ein winziger, grünlicher Reflex. Er befand sich so weit am Gesichtsfeldrand, dass ich das Auge etwas verdrehen musste, um ihn zu sehen. Bei entspanntem Blick durch das Fernglas war der Reflex nicht sichtbar.

Nun umkreiste ich die Latrene mit dem Fernglas, wobei ich den Leuchtkörper stets knapp außerhalb des Gesichtsfeldes hielt. Hier zeigte sich an einigen Positionen eine reflexartige Aufhellung des Bildes.

5. Astronomie

Entgegen der Faustregel bei Neuanschaffungen, dass man pro Zentimeter Öffnung einen Wolkentag zu erwarten hat, war der Himmel heute für kurze Zeit klar. Also Stativ auf den Balkon und Action.

Zuerst beobachtete ich freihändig die Plejaden und den Orionnebel. Zu meinem Erstaunen war aus Berlin heraus gegen 22 Uhr der Bereich um das Trapez im indirekten Sehen leicht nebelig zu erkennen. Auch wenn das Fernglas terrestrisch ohne Weiteres freihändig genutzt werden kann, machen sich bei Sternbeobachtungen leichteste Wackler deutlich bemerkbar, so dass man sich wenigstens abstützen sollte, wenn kein Stativ voehanden ist.

Mit Stativ beobachtete ich dann die Plejaden. Wow! noch nie habe ich den ganzen Haufen in einem Gesichtsfeld aus Berlin heraus mit so vielen Einzelsternen gesehen. Die Öffnung macht halt eine Menge aus... Gut 20 Grad über dem Horizont, war das Seeing so grottenschlecht, dass die Plejadensterne trotz nur zehnfacher Vergrößerung etwas flimmerten. Dennoch waren die Sterne schön scharf, und ich konnte mindestens zwei Begleiter von Alkyone erkennen.

Danach ging es zu Kapella. Zentriert, war das Seeing hier besser, aber immer noch etwas bemerkbar. Kapella war scharf, und die Umgebungssterne, die das Gesichtsfeld ausfüllten, waren zwar schwach, aber sehr scharf abgebildet. In dieser etwas unbequemen Einblickposition in Richtung zenitnaher Kapella machte sich das oben beschriebene Kidney-Beaning auch bei Dunkelheit etwas deutlicher bemerkbar. Ich schwenkte Kapella von der Mitte zu den Gesichtsfeldrändern. Erst fast am äußeren Gesichtsfeldrand war der Stern deutlich deformiert.

Mein Fazit nach dem 1. Tag mit dem Fernglas:

Man erhält ein gutes Fernglas mit sehr guter Feldschärfe und Kontrast, großem Gesichtsfeld und angenehmem Augenabstand. Etwas negativ fiel mir eigentlich nur der unruhige Einblick auf. Es ist ein gelungenes Allround-Fernglas mit leichten Schwächen und einem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hqllo Christian,

hab Deinen Beitrag mit Interesse gelesen, weil ich auch
den Kauf eines Großfernglases erwogen (und dann getätigt)
habe; dabei hatte ich auch die LE-Serie ins Auge gefasst.
Bei mir wurde es dann das "TS Optics 20 x 80 TRIPLET",
welches gestern geliefert wurde. Zum Ausprobieren kam
ich noch nicht - der Himmel ließ nächtliche Beobachtungen
nicht zu (ich komme auch aus Berlin).


Gruß

Jürgen
 
Hallo Christian,

schön, dass du mit deinem neuen Glas zufrieden bist!
So soll es sein.

Ich schiebe mal vorweg, dass ich das Glas nicht kenne.
Aber mal ehrlich: AP 6 aus Berlin heraus??? Das halte ich ja für sehr, sehr sportlich. Würdest du in den Alpen wohnen, ok, aber so nutzt du die Leistung doch niemals aus. Im Gegenteil. Ich könnte mir eher vorstellen, dass Details absaufen, da du keinen richtig dunklen Hintergrund haben wirst.


Grüße
Alex
 
Ein schöner Bericht.

Dennoch würde ich 60mm Öffnung nicht als Grossfernglas bezeichnen, was ich übrigens auch mit meinen 70mm Gläsern nicht machen würde.

Grossferngläser fangen meiner Meinung nach bei 80mm an, alles darunter sind Ferngläser.

Grüsse Jochen
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Rückmeldungen.

@ Jürgen:

Gestern hatte ich auch nur ein kurzes Zeitfenster von gut 45 Minuten um 22 Uhr herum. Ich bin schon auf einen Bericht über das 20x80er gespannt.

@ Alex:

Dass Details absaufen, konnte ich noch nicht beobachten, im Gegenteil. Noch nie habe ich auf meinem Balkon so viele Plejadensterne auf einmal gesehen, noch dazu so tief am Himmel. Ich habe den Eindruck, dass zumindest im Fernglasbereich der Gewinn durch die größere Öffnung stärker ist, als der Verlust durch die größere AP. So dass unterm Strich ein Detailgewinn herauskommt.

Unabhängig davon plane ich auch, das Glas unter sehr dunklem Himmel zu nutzen. ;-)

@ Jochen:

Das sehe ich eigentlich genauso, wobei solche Grenzen relativ sind. Ich habe die Bezeichnung von der dem Fernglas beiliegenden Kollimationsanleitung übernommen, damit man anhand der Überschrift deutlich erkennt, wovon die Rede ist.

VG Christian
 
Hallo Christian,

der Bericht wird folgen, aber...
Ich werde das Glas zurücksenden, weil die optische
Qualität nicht hinnehmbar ist. Ich warte dann auf
eine Rückmeldung des Händler und abhängig davon
werde ich ein weiteres Gerät ordern oder die Finger
davon lassen.
Erst wenn das geklärt ist, schreibe ich einen
"Bericht".


Gruß

Jürgen
 
Hallo Christian,

kleine Frage: Welche Daten hat dein Fernglas denn - 10x60 (wie im Titel) oder 8x60 wie im Text? :-)

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Alex,

Natürlich heißt es 10x60. Ich bitte die Admins, den Tippfehler zu korrigieren. Danke.

VG Christian
 
Hi!

Okay, danke:-)

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Christian,

fein dass das Glas Dir passt und in Ordnung ist, denn in dieser Preisklasse muss man immer mal mit Fehlern rechnen, die z.B. am schlechten Zusammenbau und/oder Fertigungsmängeln einzelner Komponenten liegen. endkontrolle liegt beim Kunden.
Im Thread ist ja schon eine diesbezügliche Meldung vorhanden.

Ansonsten ist die große AP unter Deinen Bedingungen zu Hause sicher nicht optimal, aber Deine bereits gemachte Erfahrung, dass die größere Öfnung das kompensieren kann, ja dass sogar gegenüber keinerer Öffnung mit "angepasster" AP ein Plus bleibt, kann ich bestätigen.
Bei Sternen und Sternhaufen ist das auch ein wenig unkritischer als bei "Nebeln".
Freu Dich drauf, wenn du damit erst mal unter dunklem Himmel stehst.

Ansonsten kann man unter allen Bedingungen mal an die
Anschaffung von 1 1/4" Newbelfiltern denken. Bei zwei von meinen Gläsern passen die in die Gummiaugenmuschel oberhalb der Okulare und das TS Teil sieht aus der Ferne auch aus als ob das eventuell passen könnte!? ?)
Das funktioniert in dem Fall mit CLS oder sehr breiten UHC-Filtern nach meiner Erfahrung besser als mit härteren Filtern oder sogar OIII und es funktioniert sogar mit nur einem Filter vor einem Auge.
Der Zentralkomputer zwischen den Ohren macht ein passendes Bild draus, die Wirkung an Nebeln ist ordentlich, ohne allzuviele Sterne zu "fressen". :cool:

Viel Spaß,
Gruß
*entfernt*
 
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Hallo Günther,

vielen Dank für das Feedback und den interessanten Tipp. Ich werde mich mal umhören, ob in meinem Sternfreundeskreis entsprechende Filter vorhanden sind. Solche Improvisationen möchte ich auf jeden Fall vor dem Kauf testen, ob das in meinem Fall auch funktioniert.

Filterbeobachtung ist für mich allerdings weniger relevant. In dem Fall wäre die Wahl wohl auf den 80/400er gefallen, wenn ich viel mit Filtern zu arbeiten geplant hätte.

VG Christian
 
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Versehentlicher Doppelpost, daher Inhalt gelöscht.
 
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Hallo Christian,

jou ist schon klar, probiere es bei Gelegenheit aus.

Solche 1 1/4" Filter (nur wenn sie passen) als UHC-E oder CLS (City-Light), auch Noname-Produkte fallen einem manchmal für ganz kleines Geld auf Messen oder im Biete-Board "vor die Füße", dann kann man zuschlagen.
Bei mir ist das Fernglas die einzige sinnvolle Verwendung für den alten Stronomik CLS, sonst habe ich nur noch 2" Adaptionen und am Fernrohr ist CLS für mich unsinnig.
Am Fernglas kommt er manchmal echt gut, daher gebe ich das mal so weiter.
So ein Filter muss nur plan aufliegen, oft klemmt das Gummi der Augenmuschel ihn schon genügend, sodass er Position hält. Sowie so ein Filter kippt funktioniert er nicht mehr richtig und bei "schnellen" Öffnungsverhältnissen (Ferngläser sind "schnell", also stumpfen Strahlenkegeln, bemerkt man ein Nachlassen der Wirkung am Rand.
Das ist aber wie mit der Randunschärfe auch, man schaut am Fernlas meistens zentriert und bewegt das Glas. In die Ecken schielt man seltener.

Guß
*entfernt*
 
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