H_Kay
Aktives Mitglied
Hallo Astrogemeinde,
Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mir ein Zeiss Victory 10x56 und ein Zeiss Diascope 85 zu kaufen.
Heute konnte ich bei teilweise richtig guten Bedingungen beide Geräte mal testen. Und da ich ja vorher euch gefragt habt, was eure Erfahrungen mit Spektiv und Teleskop sind, möchte ich jetzt meine Erfahrungen kund tun
Zu den Bedingungen: Heute, ab 20:30Uhr. In der Nähe des Thüringer Waldes. Milchstraße war deutlich zu sehen und auch deren Teilung im Adler/Schwan. Nach Süden und Norden hin horizontnahe Aufhellung... Gegen Ende Tau.
Zu meinen Erfahrungen:
Das Fernglas ist gummiert, fässt sich also bei Kälte noch angenehm an und wird nicht so schnell nass durch den Tau. Es ist nicht wirklich leicht, so dass man auf Dauer die Arme oder das Fernglas irgendwo auflegen sollte, wenn man nur damit beobachten möchte. Das Gesichtsfeld finde ich recht groß und es lassen sich Objekte bis Größenklasse 9 noch finden.
Es hat mir besonders Spaß gemacht, mit dem Fernglas auf Streifzug im Süden zu gehen und in der Nähe des Schützen auf die Jagd nach "nebulösen Objekten" zu gehen. Dort wird man wirklich schnell fündig. Auch sonst sind ausgedehnte Objekte schnell zu finden. Ich war überrascht, wie schnell ich M81 und M82 gefunden habe, obwohl ich nur eine Sternkarte auf dem Handy dabei hatte und noch nie gut im Starhopping war.
Die Andromedagalxie zeigte sich wirklich riesig und hell. Ich hatte zum Vergleich ein einfaches 10x50-Fernglas (noname) von meinen Eltern dabei. Das war zwar viel leichter, aber so dunkel, dass ich es gleich wieder weg gelegt habe
Das Spektiv hatte ich auf ein Stativ mit Kugelkopf montiert. Fässt man es nicht an, wackelt es nicht... Das war schon mal ein Punkt, den man bei Gelegenheit verbessern sollte. Ein guter Videoneiger wäre hier wohl angebrachter. Zumal das Spektiv ein Metallgehäuse hat und es schnell kalt an den Fingern wird, wenn man versucht es auf ein Objekt auszurichten.
Ich habe das Zeiss Zoom-Okular verwendet, welches an dem Spektiv eine Vergrößerung von 20x bis 70x haben sollte.
Meist habe ich interessante Objekte mit dem Fernglas gefunden und danach mit dem Spektiv aufgesucht. Durch das deutlich kleinere Gesichtsfeld (gefühlt ca. 1/3 gegenüber dem Fernglas) bei der Minimalvergrößerung von 20x war das schon deutlich schwieriger als mit dem Fernglas. Meist musste ich mir den Starhopping-Weg durchs Fernglas nochmal genau anschauen
In der Regel zeigten sich die selben Objekte wie mit dem Fernglas, aber doch einen Deut heller. Die längliche Form von M81 war deutlich zu erkennen, im Schütze habe ich noch ein bis zwei Objekte mehr gefunden, als mit dem Fernglas. Den Ringnebel in der Leier konnte ich nur dank der höheren Vergrößerung im Spektiv finden. Im Fernglas war er nicht zu sehen (vielleicht hab ich auch zu viel gezittert). Den Zoom konnte ich hier bis ca. zur Hälfte ausnutzen und konnte auch einen helleren Randbereich und die leichte Eiform des Nebels erkennen.
Alles in Allem machen beide Instrumente Spaß und ich bereue den Kauf nicht. Mit dem Spektiv kann man im Ernstfall die dunkleren Objekte finden, dafür ist man aber auf ein Stativ mit gutem Stativkopf angewiesen. Weiterhin ist das engere Gesichtsfeld durch die hohe Mindestvergrößerung vielleicht eine Einschränkung bei der Objektsuche (je nach Erfahrung des Beobachters). Durch den Schrägeinblick ist das Anvisieren von Ausgangspunkten (helle Sterne) teilweise schwierig, da man mit dem Auge am Okular nicht über den Tubus peilen kann. Das ist aber ertragbar. Das Spektiv ist in Summe also eher ein schönes, kleines Teleskop.
Das Fernglas hingegen ist deutlich flexibler und einfacher zu benutzen. Das Anpeilen von Sternen ist deutlich einfacher. Meist hat man die gewünschte Stelle des Himmels schon nach dem Ansetzen des Glases im Blickfeld. Dafür ist die geringe Vergrößerung hinderlich bei der Suche nach kleinen Objekten. Und das Gewicht sorgt mit der Zeit für zittrige Arme
Zur Qualität der Geräte kann ich nur sagen, dass mir nichts negatives aufgefallen ist. Ich habe aber keine expliziten Untersuchungen angestellt.
Vielleicht hilft dieser Beitrag dem ein oder anderen bei der Entscheidung zwischen Spektiv oder Fernglas.
CS,
Hardy
Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mir ein Zeiss Victory 10x56 und ein Zeiss Diascope 85 zu kaufen.
Heute konnte ich bei teilweise richtig guten Bedingungen beide Geräte mal testen. Und da ich ja vorher euch gefragt habt, was eure Erfahrungen mit Spektiv und Teleskop sind, möchte ich jetzt meine Erfahrungen kund tun
Zu den Bedingungen: Heute, ab 20:30Uhr. In der Nähe des Thüringer Waldes. Milchstraße war deutlich zu sehen und auch deren Teilung im Adler/Schwan. Nach Süden und Norden hin horizontnahe Aufhellung... Gegen Ende Tau.
Zu meinen Erfahrungen:
Das Fernglas ist gummiert, fässt sich also bei Kälte noch angenehm an und wird nicht so schnell nass durch den Tau. Es ist nicht wirklich leicht, so dass man auf Dauer die Arme oder das Fernglas irgendwo auflegen sollte, wenn man nur damit beobachten möchte. Das Gesichtsfeld finde ich recht groß und es lassen sich Objekte bis Größenklasse 9 noch finden.
Es hat mir besonders Spaß gemacht, mit dem Fernglas auf Streifzug im Süden zu gehen und in der Nähe des Schützen auf die Jagd nach "nebulösen Objekten" zu gehen. Dort wird man wirklich schnell fündig. Auch sonst sind ausgedehnte Objekte schnell zu finden. Ich war überrascht, wie schnell ich M81 und M82 gefunden habe, obwohl ich nur eine Sternkarte auf dem Handy dabei hatte und noch nie gut im Starhopping war.
Die Andromedagalxie zeigte sich wirklich riesig und hell. Ich hatte zum Vergleich ein einfaches 10x50-Fernglas (noname) von meinen Eltern dabei. Das war zwar viel leichter, aber so dunkel, dass ich es gleich wieder weg gelegt habe
Das Spektiv hatte ich auf ein Stativ mit Kugelkopf montiert. Fässt man es nicht an, wackelt es nicht... Das war schon mal ein Punkt, den man bei Gelegenheit verbessern sollte. Ein guter Videoneiger wäre hier wohl angebrachter. Zumal das Spektiv ein Metallgehäuse hat und es schnell kalt an den Fingern wird, wenn man versucht es auf ein Objekt auszurichten.
Ich habe das Zeiss Zoom-Okular verwendet, welches an dem Spektiv eine Vergrößerung von 20x bis 70x haben sollte.
Meist habe ich interessante Objekte mit dem Fernglas gefunden und danach mit dem Spektiv aufgesucht. Durch das deutlich kleinere Gesichtsfeld (gefühlt ca. 1/3 gegenüber dem Fernglas) bei der Minimalvergrößerung von 20x war das schon deutlich schwieriger als mit dem Fernglas. Meist musste ich mir den Starhopping-Weg durchs Fernglas nochmal genau anschauen
In der Regel zeigten sich die selben Objekte wie mit dem Fernglas, aber doch einen Deut heller. Die längliche Form von M81 war deutlich zu erkennen, im Schütze habe ich noch ein bis zwei Objekte mehr gefunden, als mit dem Fernglas. Den Ringnebel in der Leier konnte ich nur dank der höheren Vergrößerung im Spektiv finden. Im Fernglas war er nicht zu sehen (vielleicht hab ich auch zu viel gezittert). Den Zoom konnte ich hier bis ca. zur Hälfte ausnutzen und konnte auch einen helleren Randbereich und die leichte Eiform des Nebels erkennen.
Alles in Allem machen beide Instrumente Spaß und ich bereue den Kauf nicht. Mit dem Spektiv kann man im Ernstfall die dunkleren Objekte finden, dafür ist man aber auf ein Stativ mit gutem Stativkopf angewiesen. Weiterhin ist das engere Gesichtsfeld durch die hohe Mindestvergrößerung vielleicht eine Einschränkung bei der Objektsuche (je nach Erfahrung des Beobachters). Durch den Schrägeinblick ist das Anvisieren von Ausgangspunkten (helle Sterne) teilweise schwierig, da man mit dem Auge am Okular nicht über den Tubus peilen kann. Das ist aber ertragbar. Das Spektiv ist in Summe also eher ein schönes, kleines Teleskop.
Das Fernglas hingegen ist deutlich flexibler und einfacher zu benutzen. Das Anpeilen von Sternen ist deutlich einfacher. Meist hat man die gewünschte Stelle des Himmels schon nach dem Ansetzen des Glases im Blickfeld. Dafür ist die geringe Vergrößerung hinderlich bei der Suche nach kleinen Objekten. Und das Gewicht sorgt mit der Zeit für zittrige Arme
Zur Qualität der Geräte kann ich nur sagen, dass mir nichts negatives aufgefallen ist. Ich habe aber keine expliziten Untersuchungen angestellt.
Vielleicht hilft dieser Beitrag dem ein oder anderen bei der Entscheidung zwischen Spektiv oder Fernglas.
CS,
Hardy