Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglich)

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Ollie
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Ollie

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Hallo,

bin neu hier und weiß nicht ob es in Ordnung ist, wenn ich keine Frage stelle sondern einfach nur meine Eindrücke zu einem Einsteigerteleskop äußere (die hab ich nämlich vor dem Kauf nicht genau finden können). Also:

GSO 90/1000mm Refraktor Teleskop Erfahrungsbericht:
Nach einigen teleskoplosen Jahren habe ich mich wieder dazu entschieden, ein Teleskop zu kaufen. Nun, ganz teleskoplos bin ich nicht gewesen, ich hatte immer noch so ein 76mm Newton mit billigen Okularen und einer miesen Montierung. Aber ab und an schaute ich da durch und erkannte Saturn und Jupiter und in mir arbeitete es.
Ich war schon im letzten Jahr fast soweit gewesen mir ein richtiges Teleskop zuzulegen. Mein C8 auf der SP-DX Montierung hatte ich verkauft und das Bett was ich mir für den Gegenwert gekauft hatte, nutzte ich wenigstens in fast jeder Nacht. Aber irgendwo vermisste ich die Optik und die Möglichkeiten, die mir solch ein ausgewachsenes Gerät geboten hatte. In den letzten Jahren hatte es einfach keinen Sinn gemacht, das C8 war - bedingt durch seine Konstruktion - einfach nicht schnell genug - mal so - aufbaubar. Wenn es denn mal aufgestellt war, dauerte die Auskühlzeit meist sehr lange. Oft war mir nicht klar, ob die schlechte Sicht durch schlechte Sicht oder durch ein nicht abgestimmtes Teleskop entstanden war. Also überlegte ich: welches sollte mein nächstes möglichst schnell zu nutzendes, gutes Teleskop sein? Zuerst war ich dabei ein 8" oder gar 10" Dobson auszuwählen, aber nach ausführlicher Recherche und Erinnerung an meine eigenen Erfahrungen wußte ich, dass ich in den schlechten Lichtverhältnissen mit großen Öffnungen eher vom Seeing abhängig war, als mit kleineren Teleskopen. So war es zumindest mit meinem C8. Oft kam ich nicht dazu es sinnvoll zu nutzen, weil es einfach nicht zu einer guten Sicht kam. Mal abgesehen von dieser verdammten Schmittplatte, die ständig zutaute oder zufror. Soweit ich wusste hatte man mit Refraktoren die beste Bildqualität auf die Öffnung, aber auch die Kosten waren verhältnismäßig hoch. Newton-Dobsons waren einfach günstiger. Im Internet fand ich mehrere Händler und der Markt wurde wohl überschwemmt mit chinesischen Produkten mit teilweise seltsamer Qualität. Wenn ich mir die Bilder der Teleskope anschaute, so kamen mir die Mediamarkt, oder Kaufhaus-Plastikteile in den Sinn. Das schreckte mich wieder etwas ab. Aber günstig waren diese Dinger schon. Bei Teleskop-Service fiel mir auf, dass dieser Händler einen 90/900 Refraktor mit einer einfachen Montierung aus chinesischer Herkunft sehr anpries. Ich war kurz davor zu bestellen, als ich einen - eher versteckten, vielleicht war hier die Gewinnspanne geringer, was weiß denn ich - taiwanesischen GSO Refraktor mit einem Meter Brennweite und einer stabileren Montierung und auch noch einem 2" Auszug entdeckte. Ich recherchierte nochmals im Netz über etwaige Erfahrungsberichte und erkannte, dass man mit diesem Teleskop wohl gute Erfahrungen gemacht hatte und wenn es nicht reichte, so konnte man das Teleskop immer noch später als Leitrohr für größere Teleskope verwenden. Auch konnte ich den Refraktor mit einem sogenannten Ronchi-Test bestellen, was ich auch tat, um zumindest einigermaßen sicherzugehen, dass ich ein ausreichend gutes Produkt gekauft hätte. Also bestellte ich den GSO Refraktor.
Die Qualität des Tests besagte, dass ich wohl ein sehr gutes Exemplar erstiegen hatte, aber das sollte der Einsatz am Himmel später noch beweisen. Die Montierung war eine SkyView-Montierung, angeblich vergleichbar mit einer Vixen GP-Montierung, was ich aber von der Materialqualität nicht bestätigen kann, denn mein erster Vixen 114/900 Newton hatte genau so eine. Die Schrauben und Klemmungen erschienen eher fragwürdig und zerbrechlich, aber vor Ort reicht diese Montierung zumindest für visuelle Beobachtungen aus. Manuelle Nachführung und Okularjustage erzeugen kurze Verwacklungen im System, die allerdings in weniger als einer Sekunde ausschwingen. Dennoch enttäuscht mich das etwas, auch wenn ich nicht mehr erwartet habe und wohl auch erwarten konnte. Denn immerhin hat mich das gesamte System mit einem Satz sogenannter Super Plössl Okulare - von diesem Schnäppchenkoffer habe ich abgesehen, da der Inhalt sich zum einen mit den mitgelieferten Okularen überschneidet und zum anderen meiner Ansicht nach für mich und dieses Teleskop nicht sinnvoll gewesen wäre - etwa 500 Euro gekostet. Wenn ich mir überlege, dass ich vor etwa zehn Jahren für das 114er Newton 700 Euro mit nur einem Okular bezahlte, so ist der Preiskampf auf dem Markt schon ein Vorteil für den Amateur. Sollte ich mit dem Gerät also in Zukunft nicht mehr zufrieden sein, so werde ich eben Geld in eine bessere Montierung, möglichst mit Teilkreisen oder Computersteuerung verwenden. Diese kann gerne auch ein Vielfaches des Refraktors kosten, weiss ich doch nun aus eigener Erfahrung, dass man als Basis ein gutes Gerät fürs Leben kauft und wenn etwas fehlt, so kauft man dazu. Nur schlechte oder unpraktikable Geräte verkauft man wieder. Eben so wie mein C8, was ich dennoch etwas vermisse. Zurück zur Praktikabilität: obwohl die Montierung enttäuschend wirkt, so fällt doch auf, dass die Nutzung des Gerätes besser ist als die der GP-Montierung - zumindest meine damals - . Die Wellen laufen - nach einer kurzen Losbrechung - sehr geschmeidig. Die Teilkreise kann man - genauso wie bei der GP - nur andeutungsweise als Orientierung verwenden.
Erstes Beobachtungsobjekt in einer Nacht mit mittelmäßigem, aber nicht ganz schlechtem Seeing ist der Saturn und danach der Jupiter. Ich hatte diese kurz zuvor in besagtem 76mm Billigreflektor beobachtet und dies hatte mich "scharf" gemacht. Das Ergebnis im GSO war dann doch so, wie ich es erwartet hatte. Bei langer Beobachtung konnte man durch das Seeing hindurch eine scharfe Abbildung des Planeten erkennen. Ab und an "leuchtete" die Cassiniteilung auf und eine handvoll Monde umlagerten ihn. Der Planet warf einen Schatten auf seine Ringe und dennoch war das Seeing nicht so gut, um einen richtigen "Whow"-Effekt zu erzeugen. Dazu war weder ich gut genug adaptiert, da es hier im Großraum Stuttgart eine ganz furchtbare Lichtverschmutzung hat und in direkter Nachbarschaft Straßenlaternen, Fensterbeleuchtungen und vorbeifahrende Autos eine Adaption nicht zulassen, noch reichten die Sichtverhältnisse dazu aus. Ich kann mir aber vorstellen, dass an dunkler Stelle und gut adaptiert hier noch einiges möglich ist. Für meine Balkonbeobachtungen ist das Ergebnis aber so wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Für die erste Nacht am GSO ziemlich gute Bilder. Der Jupiter, um dies noch zu vervollständigen, zeigte - im Vergleich zu meinen bisherigen Teleskopen - sofort zwei dunkle, wellige Streifenfelder mit schwarzen Punktflächen und den vier größte Monden. Nur im 4mm (250x, Super-Plössl-Okular, wie alle von TS) erscheinte das Bild - ab und zu - etwas "körnig", aber es war auf jeden Fall nutzbar.
Vorteilhaft war die schnelle Nutzbarkeit des Gerätes, kein Tubusseeing oder irgendwelche Wartezeiten wegen der Abkühlung des Gerätes. Auf jeden Fall waren die Objekte kurz nach dem Aufbau auch Schlierenfrei - bis aufs Seeing - zu beobachten. Auch machte ein größeres Gerät für mich keinen Sinn, weil ich - bedingt durch die Lichtverschmutzung - sowieso keine lichtschwachen Objekte anpeilen und somit finden konnte. Dafür benötigte ich dann eine Goto-Steuerung, aber das war ja nicht die Lösung der Aufgabenstellung. Noch ein großer Vorteil eines Teleskopes mit geradliniger Durchsicht ist, dass man im Sitzen bequem beobachten kann. Ganz schlimm fand ich die Durchsicht durch das 114mm Newton damals. Das Stativ war etwas kurz und so musste ich ständig gebückt schauen. Oder, falls sehr hoch im Zenit, sehr verrenkt.
Während meiner weiteren Beobachtungen gab es eine Nacht, bei dem mir die gute optische Qualität des Refraktors auffiel. Bei Übervergrößerung wurden Sternabbildungen als kleine Scheibchen mit einem kreisrunden und scharf abgebildeten Beugungsring dargestellt. Die Vergrößerung machte also keinen Sinn, dennoch war die Abbildung sehr schön und "ruhig". Bei einer anderen Beobachtung wurde mir der Einfluß des Seeings auf das Bild mal wieder vorgeführt. Tatsächlich sind die Abende (zumindest nun im Sommer, im Winter habe ich das Teleskop noch nicht verwendet) mit wirklich guter Sicht selten. Aber, während ich an manchen Abenden eigentlich nur den Jupiter im Blickfeld habe und nur auf diesen einen Bruchteil der Sekunde warte, in der ein perfektes Bild erscheint, meistens bleibt es beim Warten. Da die Lichtverhältnisse hier mangelhaft und sehr störend sind, gebe ich dann, nach etwa 1-2 Stunden Beobachtung auf. Aber dieses eine Mal gab es diesen berühmten Augenblick: ein wirklicher Augenschlag und Jupiter erschien nicht nur als weisse Scheibe mit grauen Bändern und weiteren aber nicht klar auszumachenden Strukturen in seiner Atmosphäre, sondern als gestochen scharfes Planetenbild mit Wellenstrukturen, verschiedensten Graustufen und Wolkenbändern. Ich war begeistert. Nun wußte ich, ich hatte ein gutes Teleskop. Ich werde mich nicht gegen die größeren Newtonteleskope aussprechen, auch wenn mich eine Art Refraktorvirus gefangen hat, denn meine Erfahrungen mit Teleskopen reicht nicht aus, um hier irgendwie Partei zu ergreifen. Fakt ist, dass der Refraktor ein besseres Bild hat, als der Vixen 114er Newton und erst Recht als das C8. Wobei ich damals nichts von Justierung der genauen Art gewußt habe und demnach eine Wertung nur subjektiv sein kann. Oh wie sehr ich bereue mein C8 - nicht unerheblich wegen der Montierung - verkauft zu haben ;-)

 
Hi Olli,
danke für Deinen ausführlichen Bericht. Offenbar hast Du ein gutes Teil erwischt.

Dazu noch einige Fragen:

Welche Länge hat die Taukappe? Kann man sie vom Tubus lösen oder sitzt sie so fest, daß das nicht geht?

Konntest Du den Justagezustand des Refraktors überprüfen? Hat das Objektiv eine justierbare Fassung?

Wie sieht das Beugungsbild intra u. extrafokal aus, schön gleichmäßig?

Wie stark macht sich der Farbfehler bemerkbar?

Ich frage deshalb so genau, weil mich der GSO-Refraktor auch interessiert.

Mit freundlichen Grüßen
Shorty
 
Re: Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglic

Hi Ollie,

schöner Bericht. Aber eine Frage: Du musst ja nicht petzen, aber wer behauptet denn, daß die Skyview mit einer GP vergleichbar sei? Schon bei den GP-Clones stellt man zu oft fest, daß diese mit dem Original nicht mithalten (Lagerpassung und daher Spiel und Kippeln). Die Skyview ist nun eindeutig eine ganze Montierungsklasse unterhalb der GP.
Also, tät mich interessieren, wer auf die Weise "berät".

Clear Skies
Sven
 
Re: Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglic

Hallo,

Tja, also wahrscheinlich eine recht freie Interpretation meinerseits. Ich zitiere mal: "Die Sky View besticht durch ein beachtliches Preis - Leistungsverhalten. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig und vergleichbaren Produkten aus den USA oder aus Japan durchaus ebenbürtig.

Die Sky View ist in Sachen Nachführgenauigkeit und Stabilität vergleichbaren Montierungen aus China durchaus überlegen. Die Verstellung erfolgt besonders genau und feinfühlig."(TS-Homepage), Ich habe allerdings mein Auge nicht auf das Wort "vergleichbar" gelegt. Da die GP wohl auch nicht vergleichbar ist, kann man die SV nicht mit der GP vergleichen? Aber welche Montierung dieser Klasse käme aus Japan und wäre vergleichbar??

 
Hm, Länge so ca. 10cm. Im Winter noch nicht ausprobiert. Sitzt meiner Ansicht nach Fest. Justierbar meiner Ansicht nach auch nicht (kenn ich mich nicht aus).

Ich habe -wie geschrieben -; einen Test machen lassen. Ansonsten nur am Stern (wie auch geschrieben), intra- und extrafokal meiner Ansicht nach identisch und gleichmässig. Der Farbfehler macht sich (bei Mond z.B.) für mich nicht bemerkbar, wobei ich ein TS-SP 25mm habe, dass Farbe ins Spiel bringt (im Vergleich zu den anderen). Ich bin dabei mir einen 2 Zoll Spiegel zu besorgen (oder doch -Prisma?) und werde das dann nochmals prüfen können.

Der GSO ist sicherlich ein Refraktor der sehr gut ist. Hat viele Vorteile. Aber ich untersuche ja schon das ideale Teleskop (rein bezogen auf die theoretischen Faktoren der Optik, siehe anderer Thread). Und so wies aussieht muss ich den noch erfinden ;-)

Ich glaube für den Preis gibts als Refraktor nichts besseres. (Duck)

 
Kommentare und Differenzierung

Hallo Ollie,

willkommen im Forum und fein, daß Dir Dein GSO 90/1000 (f11,1) so viel Freude bereitet. Ich habe ein ähnliches Gerät, allerdings von Meade und nur mit 1,25"-OAZ. Das der Auszug nur die kleine Version hat, ist bei dem angedachten Zweck als Leitrohr ok (Gewicht).

Deine Empfindungen schilderst Du sehr schön und ich will Deine Eindrücke auch nicht schmälern. Einiges allerdings scheint mir möglicherweise andere Einsteiger fehlleiten zu können, daher erlaube ich mir zu einigen Punkten Differenzierungen und Relativierungen anzubringen. Vielleicht ist ja manchmal auch die Formulierung nicht so ganz glücklich...

1. Gegen Zutauen und Zufrieren von Schmidtplatten kann man Maßnahmen treffen (Taukappe u./o. Heizung)

2. Große Öffnungen sind "genauso" seeingabhängig wie kleine. Die kleinen vermögen dies jedoch nicht mehr aufzulösen. In der großen Öffnung habe ich bei gutem Seeing hochaufgelöste Bilder, in Momenten mit ruhender Luft ebenso. Beides vermag eine hinreichend kleine Apertur nicht zu bringen.

3. Zu schreiben, die beste Bildqualität auf Öffnung lieferten Refraktoren ist sehr undifferenziert. (Welcher Typ Objektiv, welche Optimierung, welche Öffnung...)

4. Ein Optiktest kann (muß nicht; kann noch weniger) aussagen, daß ein Instrument zum Testzeitpunkt (vor Transporten) zu Testbedingungen (z. B. Temperatur...) eine gewisse Abbildungsqualität zu (hoffentlich definierten) Meßkriterien erbringt. Ich finde, man muß schon einigermaßen in theoretischer Optik bewandert sein, um das bewerten zu können. Wirklich interessant ist dann, was unter realen Bedingungen am Himmel geht und besonders im Vergleich zu anderen Geräten. Ob man das alles braucht, sei dahingestellt.

5. "in weniger als einer Sekunde ausschwingen" würde ich (persönlich!) als extrem klasse bezeichnen. Ich mache "Sport" mit Dauerschwingenden Zwölfsekündern, da musste mal fokussieren!

6. Für (hochvergrößernde) Planetenbeobachtung ist Dunkeladaption HINDERLICH. Sollte man sich geblendet fühlen: a) Licht an (ggfs. mitführen), b) höher vergrößern und c) binokular beobachten, wenn man kann.

7. Bei Planetenbeobachtung ist die Lichtverschmutzung (=Flächenhelligkeit) durch Hochvergrößerung völlig unwichtig bis hochgradig marginal.

8. (Sinngemäß:) "Mit 4-mm-SPL war das Bild körnig." Was Wunder bei AP 0,36 mm! Das mag im Hochgebirge bei Top-Bedingungen mit höchsttransmissivem Equipment (APO plus Ultra-Edel-Planeten-Spezialokulare) und geschmacklicher Ausrichtung "Übervergrößerung" sinnvoll sein. Nicht aber sinnvoll unter Normalbedingungen an einem 90er Fraunhofer. Die "Körnigkeit" sind die "mouches volantes", Strukturen im Augen-Glaskörper des Beobachters. Bei solchen APs schaust Du immer: über-aufgeblasenes Objekt im Dauerwabern vor lustiger Eigenmikroskopie "Glaskörper" im Durchlicht. Wer drauf steht...

9. "Satz Super-Plössl" (sinngemäß) Mir ist zwar bekannt und bewußt, daß das Plössl-Design an f/11 Geräten klasse arbeitet, hier vermute ich aber - und daran sollten sich andere Einsteiger vielleicht eher orientieren - daß vielleicht nicht für jedes Oklar sein Einsatzzweck vor der Anschaffung definiert worden ist. Sonst wäre ja vielleicht noch mal ein anderes Design dabei. (Z. B. Barium/Zoom für Planeten, Erfle als 2" für Übersicht...)

10. Auch in der Lichtverschmutzung machen Geräte mit großer Öffnung Sinn, es kommt darauf an, was man damit machen möchte. Allein für Planeten (ernsthaft) braucht es Auflösung, also zwangsläufig Öffnung. Auch Punktquellen kommen mit mehr Öffnung besser (Doppelsterne) und Quellen an der Grenze Punkt/Fläche (KSH, OSH). Die Möglichkeit abzublenden besteht zudem. Das braucht beileibe kein GOTO.

11. Vor GOTO und auch während GOTO noch heisst die Devise "Starhopping". Ein großer Teil der Freizeitastronomie spielt sich an der Wahrnehmungsschwelle ab, da gilt es eher zu sagen: blickweise vorhanden denn: springt ins Auge...

12. Geradsichtige Fernrohre im Zenit laden zum Geliege darunter ein. Zenitspiegellose Refraktorianer gehen im wahrsten Wortsinne zu Boden. Zu kleine Stative lassen sich verlängern oder austauschen.

13. (sinngemäß) "eine Nacht, in der mir die gute optische Qualität auffiel". Klasse, m. E. DAS entscheidende Kriterium (Nutzerzufriedenheit). Welche Funktion hatte der Ronchi-Test? (Geldausgabe? Gewissensbefriedigung? Objektivisch gemeintes Zertifikat zur Wertdefinition? Anderes?)

14. "Refraktorvirus"; sinngemäß: "90/1000 besser als Vixen 114/f/8 besser als C8". Mach mal nen Thread mit dem Thema auf, nach zweitausend Postings kannst Du dann Dein Optikbuch schreiben. Es müsste natürlich genau umgekehrt sein. Vermutlich hauptsächlich Justageprobleme gepaart mit suboptimalen Bedingungen (Auskühlung etc.). Interessant ist, daß hier die Zufriedenheit mit der gesehenen (erinnerten) Abbildung in Relation gestellt wird, nicht Objektivierbares.

"Refraktorvirus":
Die Therapie ist einfach aber nicht immer schmerzfrei. Nach dem Studium der Feinheiten des Newton-Designs -besonders Justage auch am Stern, Streulichtunterdrückung und Instrumenten/Beobachter-Seeing lohnen Ausflüge auf Seiten erfolgreicher Astrofotographen. Langsam refraktorielle Observation ausschleichen, zunehmend Handlingstraining am mittleren Nicht-Gurken-Newton. Geeignete Okulare mal vorausgesetzt. Den Vogel schießt der "gemeine" Fraunhoferaner dann bei ordentlich Öffnung unter dunklem Himmel ab. (Es sei denn, ein APO-Monster reckt sich irgendwo in der Nähe. Wichtig: NIEMALS dort hingehen. Oder über die Notwendigkeit der Lebensversicherung nachdenken...) Die Schmerzen der Erkenntnis, "das hätte ich so nicht gedacht", sollten durch geeignete Rationalisierung untergebracht werden, z. B. "ein Newton geht halt nicht als Leitrohr, dafür ist der Refri da." Andererseits ist auch übertriebener Newtismus sozial nicht ungefährlich, was sagt die versammelte Mannschaft beim Abendessen, wenn der Beobachter kurz aufsteht und murmelt "schon mal rausstellen von wegen Auskühlung...".

Vielleicht hilfts einem ein bisschen, wünsche klare Nächte,

Matthias.
 
Re: Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglic

Hallo Ollie,

bist Du sicher, daß die Taukappe nur so kurz ist? Meine - allerdings halt nicht GSO sondern Meade 90/1000) ist viel länger, aus Metall und läßt sich über Filzpassung relativ schwer drehend unter leichtem Zug abziehen. "Saugende Passung sozusagen", feine Verarbeitung.

Du schreibst, der Farbfehler mache sich nicht bemerkbar. Das kann so eigentlich nicht sein. Warum: ein 90/1000-Fraunhofer Objektiv hat nun mal einen Farbfehler (blaues Beugungsscheibchen dreimal so groß wie das grüne). Am Besten mal hochvergrößernd den Mondrand zum Weltraum abfahren oder tags hochkontrastiges Detail anschauen. Wenn das immer noch nicht auftaucht, hast Du entweder zusätzlich ein Augenproblem oder zumindest einen Semi-APO.

Du schreibst, das TS SP-25-mm-Okular bringe "Farbe ins Spiel". Das darf natürlich nicht sein. Bei 40fach! Nur um sicherzugehn: war das hierzu geschaute Objekt eher horizontnah als zenitnah? (Differenzielle Refraktion der Atmosphäre: untergehende Sonne unten röter.) Unter Nutzung eines Zenitspiegels/prismas? Auch bei Drehung/Weglassen von diesem? Farbe und Orte des Auftretens der Farbe drehen mit bei Okulardrehung? So können wir mal ein bisschen Ferndiagnose machen...

Für den Preis gibt es diesen Refraktor. Besser ist, was besser passt, wenn denn auch noch der Preis passt. Ideal ist wohl, wenn man zur Gänze zufrieden ist (bleibt?)...

Weiterhin schönen Wiedereinstieg, klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht

Matthias.
 
Re: Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglic

Hi Ollie,

aha, so passt das zusammen. Ist natürlich wirklich clever, irgendwelche utopischen Montierungen "zu suggerieren"...
Naja, irgendwie muß man das Zeug ja verkaufen.
Danke für die Klarstellung.

Clear Skies
Sven
 
Re: Erfahrungsbericht mit dem GSO 90/1000 (länglic

Hallo Matthias,

tja, ich kanns nicht genau sagen, aber das Ding steht jetzt bei meiner Freundin und ich komme erst am Mittwoch wieder...zu ihr:-) Über die Konstruktion der Taukappe vermag ich nichts zu sagen, hab auch nicht vor dran rumzubasteln.

Selbstverständlich sind alle meine Angaben über meine Beobachtungen subjektiver Natur. Selbstverständlich hat jeder für sich seine eigene Wahrnehmung. Und mich hat der Farbstich eben noch nicht gestört. Ich nehme tatsächlich keinen Farbsaum z.B. am Vollmondrand wahr.

Das 25mm TS-Superplössl hat Farbe ins Spiel gebracht, wo alle anderen Okulare dies nicht tun. Auch ich denke, dass das Okular nicht in Ordnung ist, aber ich mache mich da nicht rum, weil ich die 25mm selten verwende. Ich arbeite grade meine persönlichen Brennweiten heraus.
Das das 4mm Körnig ist meinte ich tatsächlich so. Mir sind die "mouche volantes" bekannt (erschreckend vor allem im Mikroskop!!), aber ich meinte tatsächlich das Bild. Als Vergleich könnte man einen hochempfindlichen Film, der auch noch ein etwas unscharf aufgenommenes Motiv darstellt erklären. So in etwa sieht das für mich aus.
 
Re: Kommentare und Differenzierung

Hallo Matthias,

vielen Dank, ich fühle mich willkommen!:-)
Außerdem vielen Dank für deine ergänzenden "allgemeinen Berichtsbedingungen", ich denke sie sind angebracht und korrekt und natürlich sind meine Angaben immer subjektiv.

den Optiktest habe ich gemacht, da ich annahm, dass dann der Verkäufer das Gerät tatsächlich mal selbst anschaut und prüft. Wie ich las, sind Geräte dieser Preisklasse nicht mehr genau "prüfbar", weil dies zu teuer wäre und so gab ich die Euros gerne aus. Auch war mir nicht klar, ob ich innerhalb von 14 Tagen das Gerät überhaupt mal prüfen könnte.

Ja, meine Erfahrungen mit dem 114er Newton und dem C8 hatten sicherlich was mit suboptimalen Bedingungen zu tun.
Hier: http://www.ra-dec.de/bb0022.html kannst Du mal sehen, was ich damals mit dem C8 erlebt hatte. Und heute muss ich sagen, dass ich es tatsächlich bereue das C8 verkauft zu haben. Aber: ich hatte es eben nicht mehr verwendet und vor allem, wenn ich es benutzt habe, waren die Bedingungen nicht gut genug (für das C8). Und dies lies mich zu dem Schluß kommen, dass ein kleineres (aber qualitativ schon besseres) Gerät häufiger nutzbar (wie gesagt: für mich) und eben auch häufiger genutzt ist und wird.
 
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