Erste Erfahrungen AR5-Refraktor aus LXD55-Reihe

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Bernd

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Hallo Sternfreunde,

habe seit einigen Tagen eines der neuen Meade LXD55-Linsenteleskope bei mir stehen. Ich konnte durch einen Glücksfall nur den OTA ergattern, da ich das Teleskop sowieso stabiler montieren will, und ich eine für erste Testbeobachtungen ausreichende SP-DX in der Garage stehen habe.

Erster Eindruck nach dem Auspacken:
Ein überraschend großes Teleskop, auch wenn die 127mm freie Öffnung und die 1180mm Brennweite noch überschaubar klingen. So ist das Teleskop doch deutlich größer (Tubusdurchmesser + -länge) als beispielsweise ein 120/1000er Synta. Der leuchtend weisse Tubus mit 3 Innenblenden ist mit knapp 5 kg überraschend leicht und wird trotz des Hebelarms von einer Montierung des GP-Klasse gut getragen. Zwei weitere Blenden sitzen im OAZ-Rohr, das gesamte Objektiv ist ohne die anderenorts notwendigen Blendenneuanordnungen sichtbar. Ein 8x50 Sucher und zwei passende Rohrschellen waren ebenfalls dabei: beides nicht weltbewegend, aber brauchbar.

Die Mechnik hinterläst einen etwas zwiespältigen Eindruck. So konnte dem Okularauszug die Wackelei erst abgewöhnt werden, nachdem ich einige seitliche Kunststoffklemmschräubchen angebracht hatte, die dem OAZ-Rohr eine feste Führung geben. Die Madenschräubchen, die die Skywatcher-Okularauszüge haben, gibt es hier nämlich nicht. Nach Angaben von Meade wird dieser Refraktor (nicht die Spiegelteleskope) übrigends komplett in China gefertigt. Aber dafür ist das Preis-/ Leistungsverhältnis bei den LXD55 Geräten auch wirklich interessant.
Die Optikfassung ist nicht justierbar und aus Kunststoff - hat aber den Vorteil, dass das Teleskop nicht kopflastig ist und ziemlich genau in der Tubusmitte seinen Schwerpunkt hat. So gesehen kann man nach etwas Handanlegen mit der Mechanik leben, wenn denn der Rest stimmt. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Skywatcher-Teleskope hier deutlich besser verarbeitet und ausgestattet sind.

Die Optik überzeugt!
Und um es vorweg zu nehmen, die optische Leistung dieses Teleskopes ist wirklich begeisternd. Das extra- und intrafokale Sternbild zeigt perfekte Beugungsringe ohne jedwelche Unter- oder Überkorrektur. Die Farbkorrektur (zumindest bei diesem Einzelgerät) ist für 5 Zoll mit knapp F:10 perfekt und liegt fast im halbapochromatischen Bereich!
Geringe bis mittlere Vergrößerungen bis so 200-fach zeigten in den vergangenen Mond- / Saturn- / Jupiter - Nächten fast farbfehlerfreie Bilder. Am Mondrand konnten ich mit dazugerufenen Sternfreunden gegen den schwarzen Himmelshintergrund einzelne Bergspitzen und Kratererhebungen beobachten. Mit der Kombination von 4,7 mm Meade UWA und 2x Barlow erreichten wir mit unglaublicher 505-facher (Über-)Vergrößerung noch ein scharfes, sauberes Bild und konnten in Apollo-Manier (der berühmte "Bullaugen"-Effekt) über die Kraterwelt des Terminators hinweggleiten. Klar war ab 200-fach sekundäres Spektrum da, vor allem der Mondrand hatte einen winzigen, tief-lila Farbsaum und die Schatten im Terminatorbereich hatten ab dieser Vergrößerung auch einen leichten Lila-Farbstich. Das ganze jedoch um Größenordnungen weniger, als ich es beim Blick durch verschiedene 100/1000 und 120/1000-Skywatcher/Synta/Bresser-Refraktoren gesehen habe.
Um Saturn und Jupiter, war der Farbsaum überraschenderweise etwas deutlicher wie am Mondrand (vielleicht durch die unterschiedliche Helligkeitsadaption des Augens bedingt). Trotzdem war bei beiden der Anblick und die Detailfülle für ein Teleskop mit 5 Zoll Öffnung überraschend. Ob die zahlreichen Wolkenbänder auf Saturn oder die unterschiedlichen Größen und Farben der vier Galileischen Jupitermonde. Ein Blick auf Rigel zeigte den nahen, lichtschwaren Begleiter deutlich sichtbar - weit ausserhalb des (Beugungs-)Streulichtes um dieses hellen Stern. Bei Optiken mit schlechter Korrektur liegt der Begleiter gerne - fast nicht mehr zu erkennen - mitten im Streulichthof.

Selbst als eingefleischtem Newton-Freak bin ich sehr erstaunt über die Optik dieses Billigrefraktors. Mehr kann ein kurzbrennweitiges 5 Zoll FH-Objektiv sicherlich nicht leisten. Selbstverständlich ist es keine Flourit-Optik, aber in einem optisch fast gleichen 127/1140 ED von Meade habe ich schon mehr Farbsaum gesehen!

Hier noch ein Bild des Täters:
Link zur Grafik: http://www.pro-bw.de/ablage/meade.jpg

Clear skies,

Bernd
Kontakt: weisheit@pro-bw.de
 
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