Achim
Aktives Mitglied
Bericht vom 04/05.02.2005; 21.00h - 02.20h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ 6
Ort: freies Feld gut 1km außerhalb Stierhöfstetten, Steigerwald, ca 350m ÜNN
Temperatur: 22.30h -1,5 C ; 03.00h -5,5 C
Seeing: 3
Wetter: zunächst bewölkt, ab 15h Wolkenlücken, gegen 17h wolkenlos
Beobachtete Objekte:
Galaxien:
Eridanus: NGC1637, NGC1638, NGC1625, NGC1625, NGC1637, NGC1618, NGC1670
Camelopardis: NGC1560, NGC2855
Urs Major: NGC3079, NGC3073
Perseus: NGC1250, NGC1272, NGC1273, NGC1277, NGC1268, NGC1275, NGC1270, NGC1283
Coma: NGC4494, NGC4565, NGC4631, NGC4627, NGC4656, NGC4657
Leo: UGC5470
Quasar: QSO 0957+561A/B (Twin-Quasar)
Planetarische Nebel: Abell4, NGC1999, NGC2371
Gasnebel: NGC2024
Kugelsternhaufen: NGC2419
Vor 2 Wochen hatte ich eine Anfrage wegen Beobachtungsplatz bei a.de gestellt, Uwe hatte mir daraufhin einen Tipp für ein Fleckchen im Steigerwald genannt und eine Karte zugemailt. Wie sich herausstellte kannten wir uns schon vom letzten ITV. Gestern war es dann endlich wieder klar, da haben wir uns gleich verabredet.
Mit nur einem kleinen Verfahrer war ich nach 30min vor Ort auf dem für mich unbekannten Terrain, einem gepflasterten Feldweg, der in Lehmwege endet. Beim Wenden gleich ein Schrecken: ein kleiner Seitenweg, nur leicht abschüssig war so glatt, dass zurückstoßen nicht möglich war. Unter der dünn gefrorenen Oberfläche eine matschige Schicht. Schließlich konnte ich mich mit einem kleinen Kreis über die Wiese befeien – uff! Da war mir ganz schön warm geworden.
Der Platz liegt nahezu eben, von SO bis SW ein 0-Grad Horizont, sonst ganz leicht ansteigend. Richtung SO kann man etwas Streulicht vom ca. 10km Ort Scheinfeld erkennen, sonst ist es wunderbar dunkel, viel versprechend.
Etwas weiter zurück Richtung Straße habe dann aufgebaut. Uwe wollte gegen 20h kommen, es war bereits 20min darüber. Weiter 10min später taucht er auf – ich hatte also am richtigen Fleck aufgebaut. Nach etwas plaudern fixiere ich die ersten Ziele an, nach einer groben Genzgrößenabschätzung: 24 Umi (Mag 5,8) ist gut und deutlich zu halten, Uwe meint Lamda Umi (Mag6,4) blickweise zu sehen, ich bin mir da nicht sicher, Mag 6 sicherlich, vielleicht etwas besser.
Ich habe mir im Erdianus ein paar GX vorgenommen, da geht es los.
NGC1637 - GX- Eri - (mag 10,8 – 13,4 3,9 * 3,3') GH 5,8
ein breites Oval etwas unterhalb versetzt zu zwei dichten Vordergrundsternen mit ca. Mag 13 und Mag 14. Ein helleres Zentrum bis etwa 1/3 GX-Durchmesser, etwas nach S versetzt. Von diesem Spiralstrukturen ausgehend? Die Nachbereitung bestätigt dies – ja! Fast exakt 1 Grad nördlich die GX
NGC1638 - GX- Eri - (mag 12,0 – 13,1 2,3 * 1,6') GH 5,8
Längliches Oval mit hellem Zentralbereich. An dessen nördlichen Rand ein Vordergrundstern, ca. Mag 9. Nach N und NO in jeweils ca. 10 Bogenminuten Entfernung Mag 9 Lichtfünkchen. Halo läuft kontinuierlich aus.
Vor zwei Wochen hatte ich ebenfalls in dieser Region gestartet, damals war der Himmel etwas heller, so wird der Vergleich interessant:
NGC1622 - GX- Eri - (mag 12,5 – 13,4 3,7 * 0,7') GH 5,2
NGC1618 - GX- Eri - (mag 12,7 – 13,3 2,4 * 0,8') GH 5,2
NGC1625 - GX- Eri - (mag 12,3 – 12,2 2,1 * 0,5') GH 5,2
Heute viel einfacher, eine halbe Magnitude macht ganz schön viel aus. Die GX müssen nicht erarbeitet werden sondern sind gleich erkennbar. In NGC1618 ein ca. Mag8-Vordergrundstern oberhalb eines schwachen Fünkchens, ca. Mag 15. Im Unterschied zu den auf den Kanten stehenden anderen GX’en liegt NGC1625 quer im GF. Auch hier ein Stern 8. Helligkeit im Halo, der ZB recht länglich und deutlich heller, dazu 3 kleine Lichtfünkchen. Das 17er Oku (140-fach)ist für derartige GXen gut geeignet, vom Einblick sehr angenehm. Im 13er (183-fach) wird es sogar noch etwas deutlicher, Objekte dieser Ausdehnun sollte man – wenn die Helligkeit ausreicht – ruhig gut vergrößern. Mit
NGC1670 - GX- Eri - (mag 12,7 – 13,4 2,1 * 1,0’) GH 5,8
Habe ich noch eine weitere GX hier beobachtet. Auffällig ovaler ZB. Am S-Rand es Halos ein Mag 10 Stern, mehr südlich bildet eine Sternengruppe ein gleichwinkliges Dreieck.
Mein Kartenausdruck der Region ist sicherlich 2 Jahre alt, damals an den Möglichkeiten meines 8“ orientiert. Die sicherlich interessante GXen NGC1661/57/54 waren nicht vermerkt und sind mit so durch die Lappen gegangen.
Im Laufe der Nacht beobachten Uwe und ich abwechselnd bei dem jeweils anderen mit. Uwe hat einen sehr schönen 16“ Selbstbau, an dem er - wo sinnvoll - seinen Denkmeier Binoansatz verwendet. Erstmals komme ich mit einem Bino am Teleskop gut zurecht, erstmals erschließen sich mir dreidimensionale Eindrücke!
Uwe verfügt über mehr Beobachtungserfahrung als ich, ist besser vorbereitet. Ich profitiere von seiner Objektauswahl, die ich dann teilweise am 20er nachvollziehe. Ultradünne GX’en stehen auf Uwe’s Liste weit oben, da habe ich eine passende Karte dabei, mache mich auf zu
NGC1560 - GX- Cam - (mag 11,4 – 14,3 9,8 * 1,5’) GH 6,0
Nicht so einfach zu finden, die Region ist arm an helleren Sternen, Wenn der Einstieg Gamma Cam gefunden ist, geht es per Starhop ganz gut. Die GX liegt quer von NO nach SW im GF. Auf den ersten Blick nur ganz zart. Trotz Edge-on ist die Kante relativ blass. In der Südlichen Region etwas breiter. Am NW Rand ein Mag12 Vordergrundstern. Die Region insges. Sehr sternreich, viele 13.. 15er Vertreter, sicher 4 oder 5 im langgestreckten Halo, der unmerklich ausläuft. Schwer abzuschätzen, wo dieser endet.
Wir plaudern etwas über Quasare, Uwe hat gleich einen auf der Pfanne. Dank benachbarter GXen ist die Zielregion sehr leicht auffindbar. Die GX’en alleine rechtfertigen Verweilen:
NGC3079 - GX- UMa - (mag 10,9 – 13,4 8,1 * 1,3’) GH 6,0
NGC3073 - GX- UMa - (mag 13,4 – 13,7 1,2 * 1,1’) GH 6,0
Wow! Vor allem erstere ein echtes Sahnestückchen! Recht hell! Für mich ein Diskus mit Blick fast auf die Kante. Die Kante selbst in Richtung zu NGC3073 scharf abgegrenzt, entgegengesetzt (nach 0) eine leichte Auswölbung. Zwischen NGC3079 und der rundlichen NGC3073 auf halber Strecke nach S versetz ein Doppelstern mit ca. Mag 7 Gesamthelligkeit. NGC3073 mit gradueller Helligkeitszunahme zum Zentrum hin.
Nun wird es mit
QSO 0957+561A/B – Quasar – Uma – (mag 16)
Spannend! Verfolgt man die Hauptachse von NGC3079 nach Norden, ca. 10 Bogenminuten taucht eine markante Sternegruppe mit lichtschwachen Komponenten auf, die mich im ersten Moment an die Form des Herkules erinnert, der schräg auf der Seite liegt. Allesamt Sterne jenseits Mag 14,0. Innerhalb der schiefen Trapez ist eine Komponente mit Mag 15.4 noch gut direkt erkennbar, ganz klar ein weiterer Stern etwas außerhalb, im GF (Newton) exakt rechts, ca. 0,6 Bogenminuten vom Trapez. Und da gibt es noch einen Flecken, nicht so scharf abgegrenzt wie die Lichtfünkchen, etwas verwaschen. Direkt nicht zu halten, indirekt meist zu sehen. Ich meine länglich. Uwe und Ich versuchen uns abwechselnd. Ich mache eine Skizze, markiere die Ausrichtung des vermeintlich länglichen Objekts. Wir beobachten im 9er, auch im 5er bei 477-fach. Die Achslage stimmt, nur sind es zwei getrennte Lichtfleckchen, die zu einem Quasar gehören. Man sieht den Quasar doppelt, weil sein Licht auf dem Weg zur Erde durch das Gravitationsfeld einer großen lichtschwachen Vordergrundgalaxie (nicht NGC 3079!) derart abgelenkt wird, dass jenes der südlicheren Komponente B einen kleinen Umweg von etwa einem Lichtjahr macht. Die beiden Einzelbilder A und B sind sechs Bogensekunden voneinander entfernt, was wir so nicht ausmachen konnten. Dies liegt sicher an der grenzwertigen Helligkeit, aufgrund der Vergleichsterne schätze ich Mag 16,0 bis 16,3 visuell. Mit rund fünf Milliarden Lichtjahren Distanz ist der Quasar bei weitem das fernste, was ich bisher auf der Netzhaut hatte. Das Licht verließ die Quasare bevor unser Sonnensystem und die Erde (vor rund 4.6 Mrd. Jahren) entstand! Meine Informationen zum Objekt stammen von http://deepsky.astronomie.info/UMa/qso0957+561/index.de.php, dort kann man noch etwas mehr nachlesen.
Das war richtig spannend, da bin ich auf den Geschmack gekommen.
Meine eigenen Liste hat im Perseus einiges parat, doch habe ich Schwierigkeiten mit dem einstellen, die Übersichtskarte zeigt sehr wenige Sterne, den Maßstab hatte ich vergessen anzugeben. Ich konnte die Orientierung der Karte von Algol (Beta Per) einfach nicht finden. Mehr als 10min waren nötig, um ein GX-Nest aufzufinden.
NGC1272 - GX- Per - (mag 11,8 – 13,2; 2,2 * 2,0’) GH 6,0
NGC1277 - GX- Per - (mag 13,5 – 12,3; 0,8 * 0,3’) GH 6,0
NGC1275 - GX- Per - (mag 11,9 – 13,1; 2,3 * 1,6’) GH 6,0
NGC1273 - GX- Per - (mag 13,2 – 13,2; 0,9 * 0,9’) GH 6,0
NGC1268 - GX- Per - (mag 13,4 – 12,7; 0,9 * 0,6’) GH 6,0
NGC1270 - GX- Per - (mag 13,1 – 13,7; 0,9 * 0,7’) GH 6,0
Die Region ist sehr reich an Vordergrundsternen, was die Orientierung nicht vereinfacht. Am Ziel angekommen springen einen richtig die GX-Flecken an. Kurz im 26er, etwas ausführlicher im 17, am längsten im 13er. Alle 6 GX’en in einem Radius von kleiner ¼ Grad! Am deutlichsten NGC1272, fast rund mit flächiger Zentralaufhellung. Die GX-Gruppe für mich im GF von 7h nach 2h orientiert, tatsächlich von O nach W . NGC1277 und 1275 stehen einträchtig nebeneinander, der deutliche Unterschied der Gesamthelligkeit fällt wenig auf, das die kleinere NGC1277 ein helleren ovalen ZB (2,5 zu 1 elongiert) aufweist, NGC1275 das Licht auf einen ausgedehnteren Halo verwendet. Zwischen den beiden und NGC1272 zwei Vordergrundsterne Mag 12. Zwischen 1272 und 1275, etwas nach N versetzt 1273, für mich die schwerste GX der sechs. In Wahrheit sind es gar 9 GX’en, die verbliebenen 3 bei jenseits Mag 14 Gesamthelligkeit. NGC1274 davon sicher machbar, nur hatte ich mich nicht darauf fokussiert. Insgesamt eine interessante Gruppe aufgrund der Massierung, jede einzelne GX für sich unspektakulär.
Uwe bringt Abwechslung in die Beobachtung, ich merke, dass ich mich etwas einseitig mit den GX’en orientiert habe. Planetarische Nebel und Quasare können auch sehr spannend sein.
Erst in Uwes 16, dann bei mir betrachten wir
Abell 4 = PK 144-15.1 – PN – PER (mag ? 20“ * 20“’) GH 6,0
Nahe der kleinen, rundlichen GX gelegen, kann im 17 und noch besser im 13 der PN direkt gehalten werden, wenn auch relativ blass. Mit Uwes OIII wird der Kontrast deutlich besser. Beim 17er ist der Pupillenabstand groß genug, um mit Blinking zu spielen, verblüffend deutlich wird so der Unterschied. Eigentlich ganz einfach, wenn man weis wie. Ich hatte dies erst einmal bei kurzer Brennweite vergebens versucht, mit einem 1 ¼ UHC. Links im GF neben der GX zunächst ein blasser Mag 13, dann ein geschätzter Mag11 Doppelstern. Die Suche nach der kleinen edge-on-GX CGCG 539-91 in unmittelbarer Nähe hat nicht zum Erfolg geführt, wie sich nun zeigt. Wir hatten spekuliert etwas erahnen zu können, leider etwas an der falschen Stelle. Der Planetary selbst kreisrund mit gleichmäßiger Flächenhelligkeit. Auch das 9er zeigt keine Strukturen.
Wir sprechen über die Wirkung von Filtern, schweifen kurz zum Pferdekopfnebel ab, der aufgrund der schon niedrigen Position nur schwer auszumachen ist, die GH hier vielleicht noch bei Mag 5.4. Der
Flammennebel
in der Nähe dagegen kommt wunderbar im OIII.. Relativ groß, der Mittenbereich sehr unregelmäßig, deutlich dunkler, der breite Rand wir ein Flammenkranz, nicht ganz geschlossen. Mein vermeintlicher OIII vom ITV ist „nur“ ein normaler NarrowBand, das weis ich seit einer Woche. Kein Wunder dass damit mache Hoffnung in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde. Meine nächste Ausgabe ist so schon vorbestimmt.
Uwe macht mich auf ein Schätzchen, einen weiteren PN
NGC1999 - PN- ORI - (mag?) GH 5,2
Aufmerksam, den ich im 20“ dann auch betrachte. Dieser Nebel ist in Ciel nicht zu finden, obwohl die Position bei der Suche angesprungen wird, so kann ich von dort keine Daten liefern. Im Orion gelegen, ca. 1,5 Grad Südlich von M42. Sehr hell verträgt der PN hohe Vergrößerung, Über 17, 13, 9er kann mit Gewinn gesteigert werden, auch fürs 5er (477-fach) reicht die Helligkeit, das Seeing jedoch nicht. Uwe spricht von Schlüsselloch, das ist gut nachzuvollziehen, weist der Nebel doch einen markanten Dunkelbereich auf. Grob ein Dreieck bildend, die schmale Spitze etwa im Mittelpunkt des rundlichen, etwas ausgefransten Nebel, die breitere Basis zum Rand hin aber noch im hellen Halo. Zur Spitze würde der Bart eines alten Schlüssels passen, zur Basis die Achse.
Ich war recht müde, die Woche hat mehr gezehrt als gehofft, die Konzentration leidet. Auch setzt mir die Kälte etwas zu. Ich habe Handschuhe und Sturmhaube zu spät angezogen, erst nachdem ich schon ausgefroren war. Auf der Stelle laufen hilft etwas, aber nicht dauerhaft.
Beim Auffinden des Kugelsternhaufens
NGC4219 - GC- Lyx - (mag 10,4 – 14,1; 6,2 * 6,2’) GH 6,0
Stelle ich mich richtig ungeschickt an. Ich habe keine eigene Karte und schaue bei Uwe nach; auf den 15 Metern bis zum Teleskop habe ich die genauen Sterngruppen nicht mehr im Kurzzeitgedächtnis. So vergehen 10min bis ich fündig werde. Neben zwei relativ hellen Sternen Mag 7 bzw. Mag8 gelegen eigentlich gut im Sucher aufzufinden. An der richtigen Stelle reicht die Helligkeit zum Erkennen im 106mm Newtonsucher. Bei den GC handelt es sich um einen galaktischen Wanderer, einem Haufen der weit außerhalb der Aggregationsscheibe unserer Galaxie zu finden ist. Mir gelingt es nicht, den GC richtig aufzulösen, es bleibt bei grieselig im 9er Oku.
An Uwes 16“Teleskop wird noch ausgiebig
NGC2371 - PN- Gem - (mag 13,0 – 10,5; 1,2 * 0,9’) GH 6,0
NGC2372 - PN- Gem - (mag 13,0 – 12,9; 1,2 * 0,9’) GH 6,0
beobachtet. Ein bemerkenswertes Objekt, für das es zwei NGC-Nummern gibt, obschon es sich um einen Nebel handeln müsste. Wie fette Kommazeichen, das eine gespiegelt vom anderen. In Uwes 7er noch schwierig, mit meinem 5er an seinem Teleskop dann deutlich direkt zu sehen: der Zentralstern zwischen den beiden Nebelregionen. Jenes Komma mehr südlich (im Oku oben) mit etwas kräftigerem helleren Zentrum. Leicht außerhalb nach NW ein Mag 14 Vordergrundstern, der in der Folge 1. Kommazentrum, Zentralstern, 2. Kommazentrum eine kleine Linie bildet. Dank der relativ hohen Lage im Gemini hilft ruhigere Luft und dunkler Himmel bei der Beobachtung.
Ich denke schon ans abbauen, da will ich mir noch ein paar Paradeobjekte gönnen, alle samt in der Comaregion. Für die Orientierung reicht der Karkoschka, da sind diese Objekte ebenfalls verzeichnet.
NGC4494 - GX- Gom - (mag 9,8 – 12,9; 4,5 * 4,3’) GH 6,0
Noch unspektakulär, jedoch sehr hell. Eine fast kreisrunde GX mit flächigem hellem Zentralbereich. Nur gut ein Grad östlich der Hammer
NGC4565 - GX- Com - (mag 9,6 – 13,3; 14,9 * 2,0’) GH 6,0
Eine Lichtnadel, nein eher ein Balken. Groß ist diese Edge-on-GX, wie eine ganz schmale Spindel, Zentral eine kugelförmige Massierung. Das ganze über die volle Länge durch ein Staubband zerschnitten, verfasert. Knapp neben dem Zentrum östlich ein Mag13 Vorderrundstern, SW des Zentrums ca. 5’ entfernt ein weiterer ähnlich heller Vertreter. Im Halo auf ca. 50% Radius ein noch feineres Vordergrundfünkchen. Wie beschreiben? Es fällt schwer. Im 17er Nagler dehnt sich das Objekt über 70% der GF-Länge, im 13er ist es GF-sprengend, mit feinen Nebel und Lichtstrukturen. Eine echte Wonne, das weckt Lebensgeister. So gedopt wird
NGC4631 - GX- Cvn - (mag 9,2 – 13,1; 15,2 * 2,8’) GH 6,0 mit
NGC4627 - GX- Cvn - (mag 12,4 – 14,1; 2,2 * 1,7’) GH 6,0
anvisiert. Nicht weniger Fantastisch, wenn auch völlig anders. Unregelmäßig, voll von Lichtkoten und unregelmäßigen Strukturen. Zwischen NGC4631und NGC4627 ein sehr deutlicher Vordergrundstern, ca. Mag12. Was hatte ich noch im 6“ um diesen Funken kämpfen müssen. Die ca. 2zu1 elongierte Begleit-GX bildet einen 70 Grad-Winkel zusammen mit der wesentlich größeren NGC4631; diese mit ovalem deutlichen Zentralbereich und zartem Halo. Östlich des Zentrum von NGC4631, auf der breiteren Seite eine deutlich hellere Region. Ich vermutete eine eigene GX, was die Nachbereitung nicht bestätigt. Uwe hatte auf OII-Region getippt, im Filter sind wir nicht sicher, ob die Region beim Blinking deutlicher wird, vielleicht etwas, aber nicht ausgeprägt. Betrachtet wird im 17er, da passt die GX gerade so hinein.
Den Abschluss bildet für mich
NGC4656 - GX- Cvn - (mag 10,5 – 14,5; 15,3 * 2,4’) GH 6,0 mit
NGC4657 - GX- Cvn - (mag 10,6 – 10,1; 1,1 * 0,7’) GH 6,0
Wieder zwei GX, hier jedoch eine kleine helle in (oder vor) einer großen sehr blassen. Die GX wirkt wie ein Haken, nach 60% der Ausdehnung knickt der Rest um ca. 40 Grad ab.
Tatsächlich waren mir nur die relativ hellern Innenbereiche richtig bewusst geworden, die Ausdehnung ist wesentlich größer, als mir unter dem 6er Himmel aufgefallen war. Unregelmäßigkeiten und ein paar Lichtknoten, sowohl ein deutlich breiterer Halo weg vom Zentrum, das waren meine Eindrücke.
Schon am Einpacken fällt mir mein Rochi-Oku in die Finger, wir machen bei Uwe noch einen Optiktest, erst Rochi- dann Startest bevor gegen 02.30h ich als erster losfahre.
Wenn das Wetter hält, werde ich am Sonntag und/oder Montag wieder losziehen – Sternenlicht ruft!
Viele Grüße
Achim
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ 6
Ort: freies Feld gut 1km außerhalb Stierhöfstetten, Steigerwald, ca 350m ÜNN
Temperatur: 22.30h -1,5 C ; 03.00h -5,5 C
Seeing: 3
Wetter: zunächst bewölkt, ab 15h Wolkenlücken, gegen 17h wolkenlos
Beobachtete Objekte:
Galaxien:
Eridanus: NGC1637, NGC1638, NGC1625, NGC1625, NGC1637, NGC1618, NGC1670
Camelopardis: NGC1560, NGC2855
Urs Major: NGC3079, NGC3073
Perseus: NGC1250, NGC1272, NGC1273, NGC1277, NGC1268, NGC1275, NGC1270, NGC1283
Coma: NGC4494, NGC4565, NGC4631, NGC4627, NGC4656, NGC4657
Leo: UGC5470
Quasar: QSO 0957+561A/B (Twin-Quasar)
Planetarische Nebel: Abell4, NGC1999, NGC2371
Gasnebel: NGC2024
Kugelsternhaufen: NGC2419
Vor 2 Wochen hatte ich eine Anfrage wegen Beobachtungsplatz bei a.de gestellt, Uwe hatte mir daraufhin einen Tipp für ein Fleckchen im Steigerwald genannt und eine Karte zugemailt. Wie sich herausstellte kannten wir uns schon vom letzten ITV. Gestern war es dann endlich wieder klar, da haben wir uns gleich verabredet.
Mit nur einem kleinen Verfahrer war ich nach 30min vor Ort auf dem für mich unbekannten Terrain, einem gepflasterten Feldweg, der in Lehmwege endet. Beim Wenden gleich ein Schrecken: ein kleiner Seitenweg, nur leicht abschüssig war so glatt, dass zurückstoßen nicht möglich war. Unter der dünn gefrorenen Oberfläche eine matschige Schicht. Schließlich konnte ich mich mit einem kleinen Kreis über die Wiese befeien – uff! Da war mir ganz schön warm geworden.
Der Platz liegt nahezu eben, von SO bis SW ein 0-Grad Horizont, sonst ganz leicht ansteigend. Richtung SO kann man etwas Streulicht vom ca. 10km Ort Scheinfeld erkennen, sonst ist es wunderbar dunkel, viel versprechend.
Etwas weiter zurück Richtung Straße habe dann aufgebaut. Uwe wollte gegen 20h kommen, es war bereits 20min darüber. Weiter 10min später taucht er auf – ich hatte also am richtigen Fleck aufgebaut. Nach etwas plaudern fixiere ich die ersten Ziele an, nach einer groben Genzgrößenabschätzung: 24 Umi (Mag 5,8) ist gut und deutlich zu halten, Uwe meint Lamda Umi (Mag6,4) blickweise zu sehen, ich bin mir da nicht sicher, Mag 6 sicherlich, vielleicht etwas besser.
Ich habe mir im Erdianus ein paar GX vorgenommen, da geht es los.
NGC1637 - GX- Eri - (mag 10,8 – 13,4 3,9 * 3,3') GH 5,8
ein breites Oval etwas unterhalb versetzt zu zwei dichten Vordergrundsternen mit ca. Mag 13 und Mag 14. Ein helleres Zentrum bis etwa 1/3 GX-Durchmesser, etwas nach S versetzt. Von diesem Spiralstrukturen ausgehend? Die Nachbereitung bestätigt dies – ja! Fast exakt 1 Grad nördlich die GX
NGC1638 - GX- Eri - (mag 12,0 – 13,1 2,3 * 1,6') GH 5,8
Längliches Oval mit hellem Zentralbereich. An dessen nördlichen Rand ein Vordergrundstern, ca. Mag 9. Nach N und NO in jeweils ca. 10 Bogenminuten Entfernung Mag 9 Lichtfünkchen. Halo läuft kontinuierlich aus.
Vor zwei Wochen hatte ich ebenfalls in dieser Region gestartet, damals war der Himmel etwas heller, so wird der Vergleich interessant:
NGC1622 - GX- Eri - (mag 12,5 – 13,4 3,7 * 0,7') GH 5,2
NGC1618 - GX- Eri - (mag 12,7 – 13,3 2,4 * 0,8') GH 5,2
NGC1625 - GX- Eri - (mag 12,3 – 12,2 2,1 * 0,5') GH 5,2
Heute viel einfacher, eine halbe Magnitude macht ganz schön viel aus. Die GX müssen nicht erarbeitet werden sondern sind gleich erkennbar. In NGC1618 ein ca. Mag8-Vordergrundstern oberhalb eines schwachen Fünkchens, ca. Mag 15. Im Unterschied zu den auf den Kanten stehenden anderen GX’en liegt NGC1625 quer im GF. Auch hier ein Stern 8. Helligkeit im Halo, der ZB recht länglich und deutlich heller, dazu 3 kleine Lichtfünkchen. Das 17er Oku (140-fach)ist für derartige GXen gut geeignet, vom Einblick sehr angenehm. Im 13er (183-fach) wird es sogar noch etwas deutlicher, Objekte dieser Ausdehnun sollte man – wenn die Helligkeit ausreicht – ruhig gut vergrößern. Mit
NGC1670 - GX- Eri - (mag 12,7 – 13,4 2,1 * 1,0’) GH 5,8
Habe ich noch eine weitere GX hier beobachtet. Auffällig ovaler ZB. Am S-Rand es Halos ein Mag 10 Stern, mehr südlich bildet eine Sternengruppe ein gleichwinkliges Dreieck.
Mein Kartenausdruck der Region ist sicherlich 2 Jahre alt, damals an den Möglichkeiten meines 8“ orientiert. Die sicherlich interessante GXen NGC1661/57/54 waren nicht vermerkt und sind mit so durch die Lappen gegangen.
Im Laufe der Nacht beobachten Uwe und ich abwechselnd bei dem jeweils anderen mit. Uwe hat einen sehr schönen 16“ Selbstbau, an dem er - wo sinnvoll - seinen Denkmeier Binoansatz verwendet. Erstmals komme ich mit einem Bino am Teleskop gut zurecht, erstmals erschließen sich mir dreidimensionale Eindrücke!
Uwe verfügt über mehr Beobachtungserfahrung als ich, ist besser vorbereitet. Ich profitiere von seiner Objektauswahl, die ich dann teilweise am 20er nachvollziehe. Ultradünne GX’en stehen auf Uwe’s Liste weit oben, da habe ich eine passende Karte dabei, mache mich auf zu
NGC1560 - GX- Cam - (mag 11,4 – 14,3 9,8 * 1,5’) GH 6,0
Nicht so einfach zu finden, die Region ist arm an helleren Sternen, Wenn der Einstieg Gamma Cam gefunden ist, geht es per Starhop ganz gut. Die GX liegt quer von NO nach SW im GF. Auf den ersten Blick nur ganz zart. Trotz Edge-on ist die Kante relativ blass. In der Südlichen Region etwas breiter. Am NW Rand ein Mag12 Vordergrundstern. Die Region insges. Sehr sternreich, viele 13.. 15er Vertreter, sicher 4 oder 5 im langgestreckten Halo, der unmerklich ausläuft. Schwer abzuschätzen, wo dieser endet.
Wir plaudern etwas über Quasare, Uwe hat gleich einen auf der Pfanne. Dank benachbarter GXen ist die Zielregion sehr leicht auffindbar. Die GX’en alleine rechtfertigen Verweilen:
NGC3079 - GX- UMa - (mag 10,9 – 13,4 8,1 * 1,3’) GH 6,0
NGC3073 - GX- UMa - (mag 13,4 – 13,7 1,2 * 1,1’) GH 6,0
Wow! Vor allem erstere ein echtes Sahnestückchen! Recht hell! Für mich ein Diskus mit Blick fast auf die Kante. Die Kante selbst in Richtung zu NGC3073 scharf abgegrenzt, entgegengesetzt (nach 0) eine leichte Auswölbung. Zwischen NGC3079 und der rundlichen NGC3073 auf halber Strecke nach S versetz ein Doppelstern mit ca. Mag 7 Gesamthelligkeit. NGC3073 mit gradueller Helligkeitszunahme zum Zentrum hin.
Nun wird es mit
QSO 0957+561A/B – Quasar – Uma – (mag 16)
Spannend! Verfolgt man die Hauptachse von NGC3079 nach Norden, ca. 10 Bogenminuten taucht eine markante Sternegruppe mit lichtschwachen Komponenten auf, die mich im ersten Moment an die Form des Herkules erinnert, der schräg auf der Seite liegt. Allesamt Sterne jenseits Mag 14,0. Innerhalb der schiefen Trapez ist eine Komponente mit Mag 15.4 noch gut direkt erkennbar, ganz klar ein weiterer Stern etwas außerhalb, im GF (Newton) exakt rechts, ca. 0,6 Bogenminuten vom Trapez. Und da gibt es noch einen Flecken, nicht so scharf abgegrenzt wie die Lichtfünkchen, etwas verwaschen. Direkt nicht zu halten, indirekt meist zu sehen. Ich meine länglich. Uwe und Ich versuchen uns abwechselnd. Ich mache eine Skizze, markiere die Ausrichtung des vermeintlich länglichen Objekts. Wir beobachten im 9er, auch im 5er bei 477-fach. Die Achslage stimmt, nur sind es zwei getrennte Lichtfleckchen, die zu einem Quasar gehören. Man sieht den Quasar doppelt, weil sein Licht auf dem Weg zur Erde durch das Gravitationsfeld einer großen lichtschwachen Vordergrundgalaxie (nicht NGC 3079!) derart abgelenkt wird, dass jenes der südlicheren Komponente B einen kleinen Umweg von etwa einem Lichtjahr macht. Die beiden Einzelbilder A und B sind sechs Bogensekunden voneinander entfernt, was wir so nicht ausmachen konnten. Dies liegt sicher an der grenzwertigen Helligkeit, aufgrund der Vergleichsterne schätze ich Mag 16,0 bis 16,3 visuell. Mit rund fünf Milliarden Lichtjahren Distanz ist der Quasar bei weitem das fernste, was ich bisher auf der Netzhaut hatte. Das Licht verließ die Quasare bevor unser Sonnensystem und die Erde (vor rund 4.6 Mrd. Jahren) entstand! Meine Informationen zum Objekt stammen von http://deepsky.astronomie.info/UMa/qso0957+561/index.de.php, dort kann man noch etwas mehr nachlesen.
Das war richtig spannend, da bin ich auf den Geschmack gekommen.
Meine eigenen Liste hat im Perseus einiges parat, doch habe ich Schwierigkeiten mit dem einstellen, die Übersichtskarte zeigt sehr wenige Sterne, den Maßstab hatte ich vergessen anzugeben. Ich konnte die Orientierung der Karte von Algol (Beta Per) einfach nicht finden. Mehr als 10min waren nötig, um ein GX-Nest aufzufinden.
NGC1272 - GX- Per - (mag 11,8 – 13,2; 2,2 * 2,0’) GH 6,0
NGC1277 - GX- Per - (mag 13,5 – 12,3; 0,8 * 0,3’) GH 6,0
NGC1275 - GX- Per - (mag 11,9 – 13,1; 2,3 * 1,6’) GH 6,0
NGC1273 - GX- Per - (mag 13,2 – 13,2; 0,9 * 0,9’) GH 6,0
NGC1268 - GX- Per - (mag 13,4 – 12,7; 0,9 * 0,6’) GH 6,0
NGC1270 - GX- Per - (mag 13,1 – 13,7; 0,9 * 0,7’) GH 6,0
Die Region ist sehr reich an Vordergrundsternen, was die Orientierung nicht vereinfacht. Am Ziel angekommen springen einen richtig die GX-Flecken an. Kurz im 26er, etwas ausführlicher im 17, am längsten im 13er. Alle 6 GX’en in einem Radius von kleiner ¼ Grad! Am deutlichsten NGC1272, fast rund mit flächiger Zentralaufhellung. Die GX-Gruppe für mich im GF von 7h nach 2h orientiert, tatsächlich von O nach W . NGC1277 und 1275 stehen einträchtig nebeneinander, der deutliche Unterschied der Gesamthelligkeit fällt wenig auf, das die kleinere NGC1277 ein helleren ovalen ZB (2,5 zu 1 elongiert) aufweist, NGC1275 das Licht auf einen ausgedehnteren Halo verwendet. Zwischen den beiden und NGC1272 zwei Vordergrundsterne Mag 12. Zwischen 1272 und 1275, etwas nach N versetzt 1273, für mich die schwerste GX der sechs. In Wahrheit sind es gar 9 GX’en, die verbliebenen 3 bei jenseits Mag 14 Gesamthelligkeit. NGC1274 davon sicher machbar, nur hatte ich mich nicht darauf fokussiert. Insgesamt eine interessante Gruppe aufgrund der Massierung, jede einzelne GX für sich unspektakulär.
Uwe bringt Abwechslung in die Beobachtung, ich merke, dass ich mich etwas einseitig mit den GX’en orientiert habe. Planetarische Nebel und Quasare können auch sehr spannend sein.
Erst in Uwes 16, dann bei mir betrachten wir
Abell 4 = PK 144-15.1 – PN – PER (mag ? 20“ * 20“’) GH 6,0
Nahe der kleinen, rundlichen GX gelegen, kann im 17 und noch besser im 13 der PN direkt gehalten werden, wenn auch relativ blass. Mit Uwes OIII wird der Kontrast deutlich besser. Beim 17er ist der Pupillenabstand groß genug, um mit Blinking zu spielen, verblüffend deutlich wird so der Unterschied. Eigentlich ganz einfach, wenn man weis wie. Ich hatte dies erst einmal bei kurzer Brennweite vergebens versucht, mit einem 1 ¼ UHC. Links im GF neben der GX zunächst ein blasser Mag 13, dann ein geschätzter Mag11 Doppelstern. Die Suche nach der kleinen edge-on-GX CGCG 539-91 in unmittelbarer Nähe hat nicht zum Erfolg geführt, wie sich nun zeigt. Wir hatten spekuliert etwas erahnen zu können, leider etwas an der falschen Stelle. Der Planetary selbst kreisrund mit gleichmäßiger Flächenhelligkeit. Auch das 9er zeigt keine Strukturen.
Wir sprechen über die Wirkung von Filtern, schweifen kurz zum Pferdekopfnebel ab, der aufgrund der schon niedrigen Position nur schwer auszumachen ist, die GH hier vielleicht noch bei Mag 5.4. Der
Flammennebel
in der Nähe dagegen kommt wunderbar im OIII.. Relativ groß, der Mittenbereich sehr unregelmäßig, deutlich dunkler, der breite Rand wir ein Flammenkranz, nicht ganz geschlossen. Mein vermeintlicher OIII vom ITV ist „nur“ ein normaler NarrowBand, das weis ich seit einer Woche. Kein Wunder dass damit mache Hoffnung in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde. Meine nächste Ausgabe ist so schon vorbestimmt.
Uwe macht mich auf ein Schätzchen, einen weiteren PN
NGC1999 - PN- ORI - (mag?) GH 5,2
Aufmerksam, den ich im 20“ dann auch betrachte. Dieser Nebel ist in Ciel nicht zu finden, obwohl die Position bei der Suche angesprungen wird, so kann ich von dort keine Daten liefern. Im Orion gelegen, ca. 1,5 Grad Südlich von M42. Sehr hell verträgt der PN hohe Vergrößerung, Über 17, 13, 9er kann mit Gewinn gesteigert werden, auch fürs 5er (477-fach) reicht die Helligkeit, das Seeing jedoch nicht. Uwe spricht von Schlüsselloch, das ist gut nachzuvollziehen, weist der Nebel doch einen markanten Dunkelbereich auf. Grob ein Dreieck bildend, die schmale Spitze etwa im Mittelpunkt des rundlichen, etwas ausgefransten Nebel, die breitere Basis zum Rand hin aber noch im hellen Halo. Zur Spitze würde der Bart eines alten Schlüssels passen, zur Basis die Achse.
Ich war recht müde, die Woche hat mehr gezehrt als gehofft, die Konzentration leidet. Auch setzt mir die Kälte etwas zu. Ich habe Handschuhe und Sturmhaube zu spät angezogen, erst nachdem ich schon ausgefroren war. Auf der Stelle laufen hilft etwas, aber nicht dauerhaft.
Beim Auffinden des Kugelsternhaufens
NGC4219 - GC- Lyx - (mag 10,4 – 14,1; 6,2 * 6,2’) GH 6,0
Stelle ich mich richtig ungeschickt an. Ich habe keine eigene Karte und schaue bei Uwe nach; auf den 15 Metern bis zum Teleskop habe ich die genauen Sterngruppen nicht mehr im Kurzzeitgedächtnis. So vergehen 10min bis ich fündig werde. Neben zwei relativ hellen Sternen Mag 7 bzw. Mag8 gelegen eigentlich gut im Sucher aufzufinden. An der richtigen Stelle reicht die Helligkeit zum Erkennen im 106mm Newtonsucher. Bei den GC handelt es sich um einen galaktischen Wanderer, einem Haufen der weit außerhalb der Aggregationsscheibe unserer Galaxie zu finden ist. Mir gelingt es nicht, den GC richtig aufzulösen, es bleibt bei grieselig im 9er Oku.
An Uwes 16“Teleskop wird noch ausgiebig
NGC2371 - PN- Gem - (mag 13,0 – 10,5; 1,2 * 0,9’) GH 6,0
NGC2372 - PN- Gem - (mag 13,0 – 12,9; 1,2 * 0,9’) GH 6,0
beobachtet. Ein bemerkenswertes Objekt, für das es zwei NGC-Nummern gibt, obschon es sich um einen Nebel handeln müsste. Wie fette Kommazeichen, das eine gespiegelt vom anderen. In Uwes 7er noch schwierig, mit meinem 5er an seinem Teleskop dann deutlich direkt zu sehen: der Zentralstern zwischen den beiden Nebelregionen. Jenes Komma mehr südlich (im Oku oben) mit etwas kräftigerem helleren Zentrum. Leicht außerhalb nach NW ein Mag 14 Vordergrundstern, der in der Folge 1. Kommazentrum, Zentralstern, 2. Kommazentrum eine kleine Linie bildet. Dank der relativ hohen Lage im Gemini hilft ruhigere Luft und dunkler Himmel bei der Beobachtung.
Ich denke schon ans abbauen, da will ich mir noch ein paar Paradeobjekte gönnen, alle samt in der Comaregion. Für die Orientierung reicht der Karkoschka, da sind diese Objekte ebenfalls verzeichnet.
NGC4494 - GX- Gom - (mag 9,8 – 12,9; 4,5 * 4,3’) GH 6,0
Noch unspektakulär, jedoch sehr hell. Eine fast kreisrunde GX mit flächigem hellem Zentralbereich. Nur gut ein Grad östlich der Hammer
NGC4565 - GX- Com - (mag 9,6 – 13,3; 14,9 * 2,0’) GH 6,0
Eine Lichtnadel, nein eher ein Balken. Groß ist diese Edge-on-GX, wie eine ganz schmale Spindel, Zentral eine kugelförmige Massierung. Das ganze über die volle Länge durch ein Staubband zerschnitten, verfasert. Knapp neben dem Zentrum östlich ein Mag13 Vorderrundstern, SW des Zentrums ca. 5’ entfernt ein weiterer ähnlich heller Vertreter. Im Halo auf ca. 50% Radius ein noch feineres Vordergrundfünkchen. Wie beschreiben? Es fällt schwer. Im 17er Nagler dehnt sich das Objekt über 70% der GF-Länge, im 13er ist es GF-sprengend, mit feinen Nebel und Lichtstrukturen. Eine echte Wonne, das weckt Lebensgeister. So gedopt wird
NGC4631 - GX- Cvn - (mag 9,2 – 13,1; 15,2 * 2,8’) GH 6,0 mit
NGC4627 - GX- Cvn - (mag 12,4 – 14,1; 2,2 * 1,7’) GH 6,0
anvisiert. Nicht weniger Fantastisch, wenn auch völlig anders. Unregelmäßig, voll von Lichtkoten und unregelmäßigen Strukturen. Zwischen NGC4631und NGC4627 ein sehr deutlicher Vordergrundstern, ca. Mag12. Was hatte ich noch im 6“ um diesen Funken kämpfen müssen. Die ca. 2zu1 elongierte Begleit-GX bildet einen 70 Grad-Winkel zusammen mit der wesentlich größeren NGC4631; diese mit ovalem deutlichen Zentralbereich und zartem Halo. Östlich des Zentrum von NGC4631, auf der breiteren Seite eine deutlich hellere Region. Ich vermutete eine eigene GX, was die Nachbereitung nicht bestätigt. Uwe hatte auf OII-Region getippt, im Filter sind wir nicht sicher, ob die Region beim Blinking deutlicher wird, vielleicht etwas, aber nicht ausgeprägt. Betrachtet wird im 17er, da passt die GX gerade so hinein.
Den Abschluss bildet für mich
NGC4656 - GX- Cvn - (mag 10,5 – 14,5; 15,3 * 2,4’) GH 6,0 mit
NGC4657 - GX- Cvn - (mag 10,6 – 10,1; 1,1 * 0,7’) GH 6,0
Wieder zwei GX, hier jedoch eine kleine helle in (oder vor) einer großen sehr blassen. Die GX wirkt wie ein Haken, nach 60% der Ausdehnung knickt der Rest um ca. 40 Grad ab.
Tatsächlich waren mir nur die relativ hellern Innenbereiche richtig bewusst geworden, die Ausdehnung ist wesentlich größer, als mir unter dem 6er Himmel aufgefallen war. Unregelmäßigkeiten und ein paar Lichtknoten, sowohl ein deutlich breiterer Halo weg vom Zentrum, das waren meine Eindrücke.
Schon am Einpacken fällt mir mein Rochi-Oku in die Finger, wir machen bei Uwe noch einen Optiktest, erst Rochi- dann Startest bevor gegen 02.30h ich als erster losfahre.
Wenn das Wetter hält, werde ich am Sonntag und/oder Montag wieder losziehen – Sternenlicht ruft!
Viele Grüße
Achim