Ehemaliges Mitglied 77903
Hallo Sternfreunde,
ich nehme meinen Bericht über einen beobachterischen Fehlschlag zum Anlass, auf die extremen Monddeklinationen hinzuweisen, die uns in den nächsten zwei Jahren erwarten und erst nach 18,6 Jahren erneut stattfinden werden. Am 2023MAI22 wollte ich die aufgehende und zunehmende Mondsichel knapp über dem Horizont von einem hoch gelegenen Ort aus photographieren. Ich hatte die Hoffnung, dass die noch ziemlich schmale, 60 Stunden alte und 35° östlich der Sonne stehende Sichel im hellen Tageslicht mit Feldstecher und stärkerem Teleobjektiv schon irgendwie auszumachen sein werde. Daraus wurde nichts, weil es, nach Radiomeldung angeblich wegen Sahara-Staub, sehr dunstig war und ich im Feldstecher rein gar nichts sah. Nach meinen Berechnungen hatte der Mond bei Aufgang eine ekliptikale Länge von ca. 90° und eine Breite von +5°, was zu einer extremen Deklination von um die +28° führt. An meinem Wohnort hätte das einen Aufgangsazimut ausgelöst, der nur 45° vom Nordpunkt entfernt ist.
Extreme Deklinationen des Mondes treten ein, wenn der Mond A. eine Länge von 90° oder 270° hat und B. sein aufsteigender Bahnknoten bei um die 0° liegt. Unter der Bedingung B. addieren sich die 5,15° Mondbahnneigung gegen die Ekliptik gleichsinnig zu den extremen Deklinationen der Ekliptikpunkte an den genannten Stellen. Aus +/-23,5° können dann weit über +/-28° werden. Die beim Mond nicht vernachlässigbare Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe führt bei uns in Deutschland zu einer einsinnig-allgemeinen Versüdlichung der Mondorte, d.h. eine geometrische Deklination von +28° wird scheinbar um bis zu 0,5° weniger nördlich, aber im Süden kommen die -0,5° noch unten dran und wir nähern uns -29°! An der dänischen Grenze kullert der Mond dann in gerade einmal 5° oder 6° Höhe über den Südhorizont, bei mir in Bayern sind es 12°.
Die nächste extreme Monddeklination ist einige Tage nach dem Vollmond am frühen Morgen des 04. JUN 2023 zu erwarten: Bei dieser Syzygie hat der Mond eine ekliptikale Länge von 253° und alle 24 Stunden kommen gut 13° dazu. Der Mondknoten liegt bei 32° ekliptikaler Länge. Länge Mond minus Länge Knoten = Länge in der Bahn. Mond am Termin in der Ekliptik 253° und in der Bahn 221°, einen Tag später E 266° B 234°, zwei Tage E 279° B 247°, drei Tage E 293° B 261° und vier Tage später E 306° B 274°. Der Mondknoten wandert rückwärts und seine Länge beträgt Ende des Jahres nur mehr 22°; Mondlänge in der Ekliptik und in der Bahn fallen in den nächsten Monaten immer genauer ineinander. Weitere Termine, an denen die genannten Bedingungen A. und B. erfüllt sind, ziehe man sich aus seiner Planetariumssoftware.
Meine Software cartes du ciel liefert umstandslos scheinbare (auf geographischen Ort und Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe korrigierte) Mondorte und bezeichnet sie nicht einmal als solche. Die darunter liegenden geometrischen und ekliptikalen Orte suche ich vergeblich und gewinne sie nach alter Väter Art durch Vergleich mit der Sonnenlänge am Phasentermin und tägliche Interpolation. Die Länge des Knotens entnehme ich Tabellen. Die Auswirkung der Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe mache ich mir klar mit Hilfe meiner altertümlichen Excel-sheets, die ich vor Jahren einmal "programmierte". Bei diesem Geschäft musste ich die Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe händisch einarbeiten und kann mir die nötigen Schritte und ihre Folgen noch heute jederzeit ansehen.
Bis demnächst, R.M.
ich nehme meinen Bericht über einen beobachterischen Fehlschlag zum Anlass, auf die extremen Monddeklinationen hinzuweisen, die uns in den nächsten zwei Jahren erwarten und erst nach 18,6 Jahren erneut stattfinden werden. Am 2023MAI22 wollte ich die aufgehende und zunehmende Mondsichel knapp über dem Horizont von einem hoch gelegenen Ort aus photographieren. Ich hatte die Hoffnung, dass die noch ziemlich schmale, 60 Stunden alte und 35° östlich der Sonne stehende Sichel im hellen Tageslicht mit Feldstecher und stärkerem Teleobjektiv schon irgendwie auszumachen sein werde. Daraus wurde nichts, weil es, nach Radiomeldung angeblich wegen Sahara-Staub, sehr dunstig war und ich im Feldstecher rein gar nichts sah. Nach meinen Berechnungen hatte der Mond bei Aufgang eine ekliptikale Länge von ca. 90° und eine Breite von +5°, was zu einer extremen Deklination von um die +28° führt. An meinem Wohnort hätte das einen Aufgangsazimut ausgelöst, der nur 45° vom Nordpunkt entfernt ist.
Extreme Deklinationen des Mondes treten ein, wenn der Mond A. eine Länge von 90° oder 270° hat und B. sein aufsteigender Bahnknoten bei um die 0° liegt. Unter der Bedingung B. addieren sich die 5,15° Mondbahnneigung gegen die Ekliptik gleichsinnig zu den extremen Deklinationen der Ekliptikpunkte an den genannten Stellen. Aus +/-23,5° können dann weit über +/-28° werden. Die beim Mond nicht vernachlässigbare Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe führt bei uns in Deutschland zu einer einsinnig-allgemeinen Versüdlichung der Mondorte, d.h. eine geometrische Deklination von +28° wird scheinbar um bis zu 0,5° weniger nördlich, aber im Süden kommen die -0,5° noch unten dran und wir nähern uns -29°! An der dänischen Grenze kullert der Mond dann in gerade einmal 5° oder 6° Höhe über den Südhorizont, bei mir in Bayern sind es 12°.
Die nächste extreme Monddeklination ist einige Tage nach dem Vollmond am frühen Morgen des 04. JUN 2023 zu erwarten: Bei dieser Syzygie hat der Mond eine ekliptikale Länge von 253° und alle 24 Stunden kommen gut 13° dazu. Der Mondknoten liegt bei 32° ekliptikaler Länge. Länge Mond minus Länge Knoten = Länge in der Bahn. Mond am Termin in der Ekliptik 253° und in der Bahn 221°, einen Tag später E 266° B 234°, zwei Tage E 279° B 247°, drei Tage E 293° B 261° und vier Tage später E 306° B 274°. Der Mondknoten wandert rückwärts und seine Länge beträgt Ende des Jahres nur mehr 22°; Mondlänge in der Ekliptik und in der Bahn fallen in den nächsten Monaten immer genauer ineinander. Weitere Termine, an denen die genannten Bedingungen A. und B. erfüllt sind, ziehe man sich aus seiner Planetariumssoftware.
Meine Software cartes du ciel liefert umstandslos scheinbare (auf geographischen Ort und Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe korrigierte) Mondorte und bezeichnet sie nicht einmal als solche. Die darunter liegenden geometrischen und ekliptikalen Orte suche ich vergeblich und gewinne sie nach alter Väter Art durch Vergleich mit der Sonnenlänge am Phasentermin und tägliche Interpolation. Die Länge des Knotens entnehme ich Tabellen. Die Auswirkung der Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe mache ich mir klar mit Hilfe meiner altertümlichen Excel-sheets, die ich vor Jahren einmal "programmierte". Bei diesem Geschäft musste ich die Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe händisch einarbeiten und kann mir die nötigen Schritte und ihre Folgen noch heute jederzeit ansehen.
Bis demnächst, R.M.