Hallo Martin,
eigentlich ist dieser Text an alle anderen und nicht an Dich adressiert, aber ich kann leider nicht alle anderen anklicken, um eine Antwort zu schreiben. Ich hoffe aber, daß die eigentlichen Adressaten das hier lesen werden:
Martin hat 100%ig recht. Die Nicht-Berücksichtigung des Offsets in der Spinne ist völlig unkritisch, weil der entstandene Fehler beim korrekten Justieren vollständig elimiert wird. Das einzig bleibende „Problem” ist, daß der in den Hauptspiegel einfallende Strahlenkegel, die nach der Reflexion etc. zum Bildaufbau beiträgt, nicht symetrisch zur mechanischen Rohrachse verläuft. Wenn aber die freie Öffnung (ggf. auch die von im Rohr eingebauten Blenden) mindestens soviel „Luft” hat, wie der Offset hätte betragen sollen, macht das gar nichts aus und erzeugt weder Vignettierung noch Astigmatismus.
Ihr müßt Euch folgendes vorstellen: Man kann der erforderlichen Offset entweder erzeugen, indem man die Fangspiegel aus der Mitte heraus (weg vom Okular) verschiebt, oder, indem man ihn läßt, wo er ist und statt dessen das Rohr um denselben Betrag in die entgegengesetzte Richtung verkippt. Auch dann ist der Fangspiegel relativ zum Rohr wieder genau um den richtigen Offset verschoben. Wenn man jetzt aber ein mechanisches Rohr hat, das vorn ein wenig größere lichte Weite hat, so kann dieses relativ zu dem genannten verkippten Rohr wiederum bis zur vollen Nutzung des Öffnungs-Spielraums verkippt werden (nämlich so, daß es zur Verbindungslinie von Hauptspiegelmitte zu Spinnenmitte parallel ist.
Die in Martins Zeichnung gezeigte Verkleinerung des 90° Winkels (also 90° - a) hat keinerlei Astigmatismus oder sonstige Abbildungsfehler zur Folge, sondern wirkt sich ebenso unkritisch aus wie etwa ein Zenitspiegel, der z.B. statt 45° schräg nur 30° schräg stünde, um etwa eine Einblickrichtung 60° zur Teleskopachse statt der üblichen 90° zu erzielen. Die Reflexion am Hauptspiegel bleibt auch in diesem Falle exakt symmetrisch zu dessen Achse, so daß keine Asymmetriefehler entstehen; es entsteht KEIN Schiefspiegler-Effekt und somit weder Astigmatismus noch erhöhte Koma!
Übrigens gibt es auch Newtons, bei denen der Fangspiegel von Hause aus nicht in der 45°-Schräglage, sondern nach der anderen Richtung als in unserem Beispiel verkippt eingebaut wird, um den Okukareinblick weiter nach hinten und näher an die oder gar bis zur horizontalen Schwenkachse (um einen Einblickkomfort ähnlich wie bei „Nasmyth” zu erzielen) zu verlegen. Natürlich muß dann die Okularachse nicht senkrecht zur Rohrachse, sondern schräg genau in Richtung des reflektierten Strahls verlaufen, der aus der Hauptspiegelachse einfällt!
Einer von Euch hat weiter oben von Verlängerung der Brennweite geschrieben. Das ist falsch. In Martins Zeichnung sieht es zwar so aus, weil er nicht einbgezeichnet hat, daß für die andere Fangspiegelposition das Okular tiefer (= näher zum Fangspiegel) eingefahren werden muß. Aber Martin hat doch in seinem Text ausdrücklich auf diesen Sachverhalt hingewiesen! Der Hauptspiegel ändert doch nicht seine Brennweite, wenn er gegenüber dem mechanischen Rohr verkippt wird. Allerdings wird der Abstand vom Fangspiegel zum Okularauszug größer, wie Martins Zeichnung gut erkennen läßt. Dadurch wandert der Primärfokus einwärts, so das das Okular tiefer ins Teleskoprohr hineingefahren werden muß (der Okularauszug muß also ausreichend „intrafokalen Weg” zulassen.
Es bleibt am Ende nur ein ganz, ganz kleiner Unterschied, wenn man so will, ein Fehler: Aufgrund des verminderten Einfalls- und Ausfallswinkels am Fangspiegel erscheint er bei normaler Dimensionierung (nämlich lange Achse = kurze Achse mal Wurzel aus 2) nicht mehr ganz kreisförmig. Er müßte die Form einer geringfügig weniger langgestreckten Ellipse haben. Aber der Unterschied ist bei den hier auftretenden Winkeln so gering, daß das absolut keine sichtbare Auswirkung hat: Bei dem von Martin in seiner ersten Zeichnung mit „2/100 Grad” bezeichneten Winkel wäre der Einfallswinkel des Hauptstrahls auf dem Fangspiegels statt 45° nur 45° - 1/100° = 44,99° und somit das Verhältnis der langen Fangspiegelachse zur kurzen nur noch 2 · cos 44,99° = 1,41446037 statt sonst (Wurzel aus 2) = 1,41421356. Die lange Fangspiegelachse müßte also um 0,01745% kürzer sein, z.B. bei einem Fangspiegel mit 54 mm kleiner Achse statt sonst 76,36773 mm nur 76,38086 mm oder um 0,01333 mm kürzer. Sooo genau ist aber kein Fangspiegel zugeschnitten, daß das ein Rolle spielt.
Also bitte die ganze Offset-Problematik nicht überbewerten. Wenn das Teleskoprochr vorn ein paar Millimeter Spielraum für die freie Öffnung hat und Ihr immer richtig justiert, könnt Ihr sie getrost vergessen.
MfG Walter E. Schön