Fernglas 10x50 aus dem Lebensmittel-Laden

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Ber

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Vohin war ich zum Einkaufen bei einem Lebensmitteldiscounter (Fa. "Li..").
Dort sind zum wiederholten male Ferngläser im Angebot:

ein 8x20 (oder 10x20 oder x25? Habe ich mir nicht so genau gemerkt) und ein 10x50


Das Kleine Modell kann man nur als Spielzeug bezeichnen:

Der Einblick gestaltet sich schwierig da man zu nah ans Okular ran muss.
Das Sehfeld kann man nur als Tunnelblick bezeichnen, das sichtbare Bild ist extrem klein.
Meine Meinung: unbrauchbar, eigentlich nicht mal als Kinderspielzeug sinnvoll.



Das große Glas, ein 10x50, Marke 'Tronic', im Aushang als "Markenglas" bezeichnet, wird für 24,99 Eur. angeboten.
Der Grund, warum ich mir das Glas mal genauer angesehen habe war, dass im Aushang als Sehfeld 119m/1000m angegeben waren, was bei einem 10x-Modell einem absoluten Weitwinkelglas gleichkommen würde. Das machte mich dann doch etwas neugieg, da der subjektive Bildwinkel (errechnet) mit diesen Werten, so sie denn stimmen, fast 70° (68,8°) beträgt und solche Spitzenwerte sind bei 10x50 doch eher selten zu finden.
Also im Laden mal eben eins von den Gläsern gegriffen und das erste was extrem ins Auge springt ist die "angebliche" Rotvergütung der Objektivlinsen: Die Dinger sehen aus wie Spiegel mit Orange-Tönung. Man kann sich in den Objektiven wirklich spiegeln! Also statt einer Entspiegelung haben die eine Verspiegelung aufgebracht! Evtl. war das Glas (Plastik?) auch einfach nur orange eingefärbt, ich weiß es nicht. Mich erstaunt nur, dass durch sowas überhaupt noch Licht durchgeht.
Dann der Blick auf die Okulare: verdammt, die sind ja hellblau (Plastiklinsen?) eingefärbt (oder eben hellblau verspiegelt, dass weiß man nicht). Das Glas mal auf Armlänge weggehalten um die Austrittspupille zu begutachten: Das erste was ich sehe, bin ich selbst (die Okulare spiegeln genauso wunderbar wie die Objektivlinsen). Die AP kann man bei hellem Hintergrund dann zumindest erahnen. Scheint rund zu sein. Abschattungen oder andere Fehler kann ich nicht erkennen, was aber vielmehr daran liegt, das die Okular-Austritts-Linsen eben wie wahnsinnig spiegeln und man die eigentliche AP kaum erkennen kann.


Jetzt aber endlich mal zur Beschreibung meines Eindruckes bei Durchblick:

Einblick schwierig, da man auch bei diesem Modell recht nah ran muss. Aber nicht ganz so krass wie bei dem "kleinen Spielzeug" 8x20. Mit dem Einblick kann man sich noch arangieren, wenn man kein Brillenträger beim Durchsehen ist.
Ein erster Blick: So ganz Farbneutral ist das Bild nicht, die bunten Objektive und Okulare scheinen ihre Wirkung zu zeigen. Der Effekt ist aber nur ganz gering und nicht wirklich schlimm. Ein Dioptrinausgleich ist vorhanden, ansonsten Mitteltrieb. Leider etwas grob, d.h. man hat Schwierigkeiten den Fokuss zu finden. Man dreht ganz schnell über den Punkt optimaler Schärfe drüber hinweg. So ist es nicht ganz leicht die Schärfe optimal einzustellen. Na ja, mit ein wenig Übung ginge das dann sicher besser.
Nur was das Sehfeld angeht, da scheinen die sich aber extrem geeirrt zu haben. Knapp 70° subjetives Sehfeld hat dieses Glas auf keinen Fall. Nach meiner Erfahrung dürfte das Sehfeld bei knapp 60° liegen, also um eine Größenordnung niedriger als auf dem Prospekt angegeben. Auf dem Karton und auf der Anleitung (u.a. auch in chinesischen Schriftzeichen) habe ich auch nirgends eine Angabe zum Sehfeld gefunden, ich habe allerdings auch nicht sehr intensiv danach gesucht, weil nach den ersten Eindrücken mein Interesse an dem Glas schlagartig nachließ ;-).

Meine Meinung: 6.99 Eur. wären für so ein Glas angemessen, aber niemals 24,99. Finger weg davon. Das Teil ist ein extremes Beispiel, wie man ein FG NICHT baut.
Wahrscheinlich darf man bei dem Teil nicht mal von FernGLAS sprechen. Richtiger wäre vermutlich die Bezeichnung "FernPLASTIK", wegen der vermuteten Plastiklinsen, die möglicherweise sogar als Objektivlinsen verwendet wurden!

Wenn diese verdammte Rotvergütung nicht wäre, dann könnte man das Fernglas (die Objektivseite) vielleicht als Schmink- oder Rasierspiegel verwenden, weil die großen Objetkive so schön spiegeln.

Hat dieses Ding vielleicht wirklich jemand gekauft? Ein Praxisbericht wäre dann mal interessant. Ihr wisst ja: Jedes FG ist besser als gar keins. Also man sieht sicher selbst mit diesem Teil mehr als ganz ohne optische Hilfe.
 
also so kann ich das nicht stehen lassen, das Lidl Tronic 10x50 war mein erstes Astroglas und ich habe es
immerhin über ein halbes Jahr mit viel Freude benutzt, bevor ich mir noch bessere Astrogläser gekauft habe.
Allerdings hat es Lidl dieses Jahr bei uns nirgends im Angebot, sondern nur ein absolut unbrauchbares 10x8-24
Zoom und ein für Astro nur zum Basteln interessantes und für tags wegen der "Rotvergütung" unbrauchbares
10x25 (s. thread "Okular für Teleobjektiv" unter Okulare). Das 10x25 Tronic ist allerdings immer noch Klassen
besser als das 10x25 Optus bei Aldi, wo ich 3 Stück in der Hand gehabt habe, die alle unbrauchbar waren.

Wer sich für das Lidl 10x50 Tronic interessiert (und es in seiner Gegend findet) sollte auf folgendes gefaßt sein:
-durch "Rotvergütung" unbrauchbar für Tag (blaugrüne Farbverfälschung)
-unvergütete Okulare
-Objektive abgeblendet auf 40mm
-wackelige Okularbrücke (das stört eigentlich bei Nacht am meisten)
Wegen möglicher Qualitätsschwankungen (und Einblickverhalten) auf keinen Fall "blind" kaufen
und nur eines nehmen, das einen voll überzeugt!

die Vorteile sind dagegen:
- toll weites Gesichtsfeld von deutlich >60° (echt!, wahrscheinlich hast Du nicht das ganze Gesichtsfeld
gesehen, wegen dieser Eigenschaft habe ich das Glas gekauft), aber für Brillenträger ungeeignet.
- geradezu umwerfender 3D-Effekt bei Naheinstellung
- angenehm griffige Gummiarmierung, relativ leicht
- Schärfe in der Mitte befriedigend, am Rand nicht (aber durch das weite Gesichtsfeld trotzdem gute
Orientierung am Himmel)
- nachjustierbar durch 2 Schräubchen unter der Gummiarmierung

Für 25€ kenne ich echt nichts besseres! Für das 3fache (77€) gibt es das Olympus DPSR 10x50 bei
www.foto-erhardt.de, das ist wirklich auch Klassen besser. Und für wieder das 3fache (215€) das
Minolta Aktiva 10x50 oder das Nikon (kenne ich beide noch nicht).
Wer soviel investieren mag, bekommt dafür natürlich auch sicher wieder mehr. wer nur nach den
Sternhaufen im Fuhrmann sucht, die er dann mit dem Teleskop anguckt, dem reicht sicher das Olympus.

 
Re: Lidl 10x50 Tronic

Nachtrag: habe ganz vergessen: natürlich keine Plastiklinsen oder Prismen, sondern optisches Glas.

und zur "Rotvergütung": haben wir hier schon mal in einem anderen thread gehabt, bitte dort Details
nachlesen (einziger Vorteil: verringert den Farbfehler ähnlich Minusviolettfilter, aber kostet Licht)
 
Re: Lidl 10x50 Tronic

Danke für Deine Hinweise. Das Tronic ist natürlich besser als gar kein FG. Also soweit kann man es schon benutzen. Das mit der Blende wusste ich noch gar nicht. Spricht ja dann nicht unbedingt für das Glas. Aber kann es sein, dass diese Chinesen extreme Qualitätsschwankungen haben? Kommt mir ja jetzt fast so vor. Denn die extreme "Verspiegelung", die ich bei dem Glas im Laden gesehen habe, hat mir doch sehr zu denken gegeben. Noch jemand mit einem kleinen Erfahrungsbericht?
 
Hallo Ber,

die Rotverguetung hielt mich dieses Jahr davon ab, mir so ein kleines 10x25 zuzulegen. Letztes Jahr gab's schon mal
so 'ne Aktion, das war im Februar glaub' ich, da habe ich mir so eins fuer 17.90DM zugelegt. Da kann man nicht viel
erwarten, dachte ich mir, aber testen geht. Insgeheim war das Ding schon als zwei Sucher verbaut <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Aber ich muss sagen, so schlecht ist es gar nicht. Den Tunnelblick kann ich nicht nachvollziehen, mir haben die etwa
50grd (101m auf 1000m - das dieses Jahr hatte mit 96/1000 etwas weniger) ganz gut gereicht (die Okulare sind immerhin
Dreilinser, also Kellner). Die optischen Fehler hielten sich in Grenzen, sauber justiert habe ich es nie bekommen.
Die gesamte Optik war immerhin aus Glas. Die Tuben und die Triebmechanik aus Metall, die Okularfassung aus Plastik,
was auch der Schwachpunkt war. Diese Fassungen wurden mit Madenschrauben gewissermassen justierbar an den Tuben
befestigt. Ein paar mal justiert und man bekam's nicht mehr richtig fest, bzw. die Okulare fielen ab.
Der grosse Vorzug des Glases ist die Kleinheit und Leichtigkeit. Beobachten ohne Stativ ist mit einem groesseren
Fernglas schon so 'ne Sache, aber eine Weile so ein schweres Teil am Hals haengen zu haben ist auch nicht gerade
angenehm. Das kleine Ding passt problemlos und unauffaellig in irgendeine Jackentasche und schon ist man zum
spazieren gehen geruestet. Am Tage habe ich es recht gerne eingesetzt, nachts war auch einiges zu sehen.
Die Praeteritumsform ergibt sich einfach daraus, das mein Vater jetzt das Ding hat und zufrieden damit ist ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Dixon
 
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