Fernglas justieren ganz einfach

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

mohlitz

Aktives Mitglied
Die große Nachfrage hat dazu geführt, dass ich den Artikel
auch hier verfügbar mache. Bilder dazu sind auf Anfrage
bei mir erhältlich.
Schöner liest sich alles in der Ausgabe 28 von Interstellarum <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.



Ferngläser selbst repariert
Hinweise zur Reinigung und Justierung

von Dirk Mohlitz

Es begann alles recht harmlos mit dem Kauf eines fürchterlich dejustierten und zerbeulten 8×30 Feldstecher für 5,– DM. Er verstaubte zwei Jahre im Schrank, bevor ich mich endlich entschließen konnte, das „gute Stück“ doch einmal herauszukramen. Eigentlich wollte ich ihn nur ein wenig reinigen, entdeckte dabei aber jede Menge Schrauben und begann, ihn Stück für Stück auseinander zu bauen, zu reinigen, die Prismen zu justieren und ihn anschließend wieder zusammenzubauen. Dies war eine interessante Erfahrung und ich kann einem Einsteiger nur empfehlen, auch einmal ein altes, „wertloses“ Fernglas auseinander zu nehmen. Hierzu ein paar Tipps.

Optische Flächen sind sehr empfindlich. Deshalb sind Zeit, Ruhe und ein sauberer Arbeitsplatz unerlässlich. Außerdem empfiehlt es sich dringend beim Demontieren des Fernglases die einzelnen Teile sorgfältig nacheinander sortiert auf ein großes Blatt Papier zu legen und die Lage der einzelnen Teile zueinander dort ebenfalls zu notieren.

Nicht verkittete Linsen und die Prismen werden in Spülmittelwasser eingeweicht und dann mit einfachem Glasreiniger und Alkohol gesäubert. Stark verdreckte Flächen werden eingeweicht, bevor sie vorsichtig mit einem Pinsel oder weichen Lappen feucht (besser unter Wasser) abgerieben werden. Kreisförmige Bewegungen erzeugen möglicherweise durch kleine Staubkörnchen lange, kreisförmige Kratzer. Die Bewegung in nur einer Richtung, bei runden Linsen radial von der Mitte weg, ist in jedem Fall besser. Verkittete Linsen dürfen zum Einweichen nicht untergetaucht werden, da Feuchtigkeit in die Kittschicht eindringen könnte. Dafür kann man einfach nasse Haushaltstücher nehmen und sie auf die Linsen legen. Ist der grobe Dreck entfernt, reicht meist ein fusselfreier Lappen und etwas handelsüblicher Glasreiniger. In Fotogeschäften sind auch diverse Kamerapflegesprays erhältlich, welche sich teilweise sehr gut bewährt haben. Nun dürfen die Flächen natürlich nicht mehr mit bloßen Händen berührt werden. Sehr ärgerlich ist es, wenn nach erfolgreichem Zusammenbau ein schöner, großer Fingerabdruck auf einem der Prismen erscheint. Wenn man vom Objektiv aus in ein Fernglas schaut, kann man nicht nur Staub und Dreck erkennen, sondern sieht gerade bei Gebrauchtgeräten oft auch diese verräterischen Spuren, die einem zeigen, dass schon Jemand daran „herumgefummelt“ hat. Baumwollhandschuhe vermeiden aber jeden Ärger. Sofern keine Stellschrauben für die Justierung vorhanden sind, können die Prismen mit Alufolie unterlegt werden. Dann wird alles wieder zusammengebaut, geprüft, evtl. wieder auseinander gebaut und erneut leicht nachjustiert, solange bis ein akzeptables Ergebnis erreicht ist.

Einfacher geht es mit der Justierung über Schrauben. Wichtig ist, erst einmal festzustellen, welche Seite justiert werden muss. Ein Stativ ist dazu eine große Hilfe. Wenn nun die einzelnen Hälften des Fernglases um den Mitteltrieb herum verdreht werden, sollte das Bild sich nicht mitdrehen. Dafür kann eine Hauswand angepeilt werden. Sie sollte auf beiden Seiten senkrecht stehen. Ist dies nicht der Fall, sind die Prismen nicht genau winklig ausgerichtet. Sind die Bilder nur verschoben, ist es mit Hilfe der Justierschrauben sehr einfach, sie wieder deckungsgleich zu bekommen, denn durch leichtes Drehen an den Schrauben sieht man direkt, wohin das Bild wandert. Anhand der Abbildungen sieht man gut, wo sie zu finden sind. (Mit freundlicher Genehmigung von Meade) Mit kleinen Schraubenziehern kann nun das Bild so lange verstellt werden, bis es scheinbar in Ordnung ist. Die Augen werden dabei abwechselnd geschlossen. Ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht. Nach mindestens 10 Minuten Pause schaut man erneut durch das Fernglas und wird etwas nachjustieren müssen, weil die Augen nun wieder entspannt sind. Auch sollte man einige Zeit beidäugig schauen und dann den Blick ohne Fernglas schnell auf ein entferntes Objekt richten. Entsteht der Eindruck, die Augen müssten sich erst wieder etwas anpassen, wird erneut nachgestellt, bis man wirklich entspannt durchsehen kann.

Eine weitere, recht schöne Möglichkeit besteht in der Justierung über die Objektive. Dazu müssen nur vorne die Abdeckungs-Ringe abgeschraubt werden. Sieht man nun einen Ring mit Gewinde und zwei kleinen Einschnitten, kann dieser mit einem Objektivschlüssel (sehr teuer) entfernt werde. Darunter liegen zwei ineinander exzentrisch gelagerte Ringe, welche durch Verdrehen den Strahlengang wieder korrigieren. Jede Drehung erzeugt eine horizontale und vertikale Bewegung des Bildes. Erreicht man durch vorsichtiges Probieren eine Deckung der beiden Bilder, muss die Einstellung nach Montage des Gewinderinges wieder kritisch geprüft werden, da sich die Exzenterringe beim Anziehen leicht verschieben können. Ohne Stativ ist dies allerdings nur sehr schwer möglich.

Das Gehäuse wird selbstverständlich auch noch von losem Staub befreit und alle beweglichen Teile werden neu gefettet. Nun kann alles wieder montiert werden.
Nach dem Zusammenbau muss erneut geprüft werden und gegebenenfalls die Justierung wiederholt werden. Grundsätzlich ist fast jedes Fernglas anders und Justierschrauben sind gerade bei Belederungen oft nur schwer zu erkennen. Nur bei sehr alten Modellen fehlt diese Einstellmöglichkeit oft. Aber der Aufwand wird sich lohnen und man hat nachher das erste selbstjustierte Fernglas in den Händen, welches auch noch tolle Bilder liefert. Mit der Zeit traut man sich an immer teurere Geräte heran und wird so fast zum Profi. Mir macht es auch nach dem hundertsten Fernglas immer noch Spaß, „mal eben“ ein Doppelbild „wegzuschrauben“. Bei Fragen (auch zu antiken Instrumenten) stehe ich gerne zur Verfügung.



Dirk Mohlitz
Am unteren Bend 2
41516 Grevenbroich
mohlitz@t-online.de


 
Schöner Artikel! Klar, bei Stickstoff-gefüllten Gläsern geht das so natürlich nicht, die müssen zurück zum Hersteller...
Wer übrigens Justieranleitungen zum Vixen BT125 oder BT80M-A benötigt, dem kann ich weiterhelfen.

Schöne Grüße,

Stefan Korth
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben