Fernglaskauf für 600 Euro

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centre_sirius

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Hallo liebe Sterngucker,

ich möchte mir demnächst ein Fernglas kaufen und bin bereit, etwa 600 Euro (+/- 100 Euro) dafür zu investieren.
Für 700 Euro kann man ein Fujinon FMT-SX-1 16x70 oder ein Vixen Großfernglas 15x80 erwerben, für 650 Euro ein Docter Nobilem CF 10x50. Für 600 Euro bekommt man ein Miyauchi 60iB 15x60 mit 45 Grad Schrägeinblick.
Ich möchte die Astronomie weiterhin nicht zu tief betreiben, d.h. ich möchte mir kein Teleskop kaufen, sondern bei Lust und Laune (und natürlich klarem Himmel) mein Fernglas nehmen (mit Stativ, wenn nötig), in den Wald auf einen Berg gehen und ein paar Stunden den Himmel beobachten. Da ich aber kein blutiger Anfänger bin, erhoffe ich mir mit einem Großfernglas etwas mehr Einblick in das Weltall als mit einem 7x50er Zeiss Binoctem, welches ich bisher ausleihen konnte.
Bei den oben erwähnten Ferngläsern, ist das Miyauchi in seiner optischen Qualität wahrscheinlich das Bescheidenste, doch hat es den großen Vorteil des Schrägeinblicks. Im Testbericht von Christian Losch steht sogar, dass das Miyauchi 60iB dem Fujinon FMT-SX-1 16x70 und dem Vixen Großfernglas in der Schärfe überlegen ist. Stimmt ihr dem zu?
Mich würde darüber hinaus der Vergleich des Miyauchi 60iB mit dem Docter Nobilem CF 10x50 interessieren. Die Nobilem-Serie ist sicherlich besser, doch könnte ich mir vorstellen, dass ein 10x50 Nobilem nicht so gut ist wie ein 15x60 Miyauchi 60iB.
Was soll ich nun kaufen? Vielleicht gibt es auch Alternativen zum Fernglas (Spektive?), die ebenso in den Rucksack passen.

Viele Grüße aus der Carl-Zeiss Stadt Jena sendet euch Sven
 
Hallo Sven,

bitte beachte, dass für alle von Dir ectl. angestrebten Ferngläser ein Stativ nahezu obligatorisch ist. Bei den geradesichtigen Modellen wird eine wirklich gute Lösung etwas teurer...

Link zur Grafik: http://www.intercon-spacetec.de/zubehoer/images/thumbnails/fernglasstativ.jpg

Bei einem Glas mit Schrägeinblick fällt dieses Problem weg, aber die Spontaneität des Schwenks über den Himmel wird auch arg reduziert.

Gegenfrage: Was für "mehr Einblick" erwartest Du dir von den Gläsern, den Du mit einem Binoctem nicht bekommst?

Viele Grüße vom
 
Hallo Mainzelmann,

ich erhoffe mir mit einem "15x60" etwas mehr Möglichkeiten der Deep-Sky-Beobachtung, als mit einem "7x50" Binoctem (welches, wie gesagt, nicht mein Eigentum ist).
Mittlerweile bin ich von dem Miyauchi ganz begeistert, weiss aber nicht ob es ähnlich gute Qualität wie ein altes Classic Zeiss Fernglas hat.

Gruß

Sven
 
also wenn Du das Ding mit Dir dauernd rumschleppen willst, kann ich Dir eigentlich kein "Astroglas" (alles über
60mm Durchmesser und ca. 1kg Gewicht sowie Naheinstellung ab 20-40m) empfehlen. Dann wäre ein Zeiss Jena
Dekarem 10x50 in gutem Erhaltungszustand (ca. 200€ gebraucht) oder Minolta Activa 10x50 sicher das gegebene,
das geht noch gut ohne Stativ und läßt sich auch noch für andere Objekte gut benutzen.
Falls Du aber für Astro mehr sehen willst, wäre vor allem für deep sky ein 70-80er Glas (11 - 20 fach je nach Vorliebe)
die beste Wahl. Das kannst Du leider nur für Sterne benutzen. Beste Wahl qualitativ dürfte wohl Fujinon sein
(70er als 10 oder 16fach), etwas bescheidener die 80er aus China-Produktion (Danubia, Helios, Vixen etc., wobei
Vixen evtl. etwas bessere Mechanik bietet). Für den Schrägeinblick brauchst Du immer ein gutes Stativ und außerdem
finde ich da (Stativzwang!) ein 60er eigentlich total unterdimensioniert - wenn schon, dann so min. 80-120 und schau auch mal nach
dem scheinbaren Gesichtsfeld: das Zeiss Dekarem 10x50 hat fast 70° - das ist schon Panorama, während die meisten
lichtstärkeren (Austrittspupille = Vergrößerung / Öffnung = 7) nur so max. 50° haben (das 7x50 Binoctem auch).
So zum "allgemeinen Rumschleppen" ist wohl heute ein Dachkant 10x40 bis 10x50 das Optimum (bezahlbar bei Nikon,
Minox usw. - bei Leica und Zeiss >= 1000€).
 
Hi Sven,

einfach so zum Rumschleppen mit Stativ ist schon ganz scön heavy. Dann solltest Du auch au die biedstabilisierten (is) von Canon oder Fujinon denken. Die sind zwar wesentlich teuer, und schwerer als ein "normales" Fernglas, ersparen Dir aber das Stativ.
Das ein Quantensprung: Ich hätte nicht gedacht, dass ein 16 x 40 - Glas sooo viel mehr bringt als ein 10 x 50 ohne is.
Und wenn Du es gebraucht kriegen kannst, kommst Du mit dem Preis auch gerade (etwa) hin.
Stabile Grüße und
clear skes
Jorgos
 
Tja,

ich habe nochmal nachgedacht und bin jetzt der Meinung, dass ein 70er oder 80er Glas ohne Schrägeinblick verdammt teuer ist, wenn man bedenkt wie unbequem die ganze Sache beim Beobachten ist.
Es stellt sich für mich jetzt die Frage, ob ich ein Nobilem (10x50), ein gebrauchtes "Stabilisiertes" oder das Miyauchi mit Schrägeinblick nehme. Das Miyauchi 15x60 soll angeblich wunderbar gute Qualität haben und nahezu genauso gut wie das Fujinon 16x70 sein, ganz einfach deswegen, weil man viel entspannter und somit konzentrierter beobachten kann.
Für das Nobilem spricht, dass es quasi genauso gut ist, wie ein Zeiss Dachkant. Vermutlich wird man mit einem Miyauchi 15x60 trotzdem mehr sehen als mit einem 10x50 Nobilem (dieses müsste wohl auch wieder auf ein Stativ, was wiederum unbequem wäre wegen fehlendem Schrägeinblick). Liege ich mit der Annahme richtig, dann spricht wohl alles für ein Miyauchi (wie gesagt, ein 7x50 ist mir zu wenig).

Gruß

Sven

PS: Sind die alten Zeiss Classic Ferngläser mit der Nobilem Serie zu vergleichen oder sind die Nobilem Gläser besser?
 
Ich durfte das "kleine" Miyauchi mal eine Weile auf dem letzten BTM ausprobieren (das 15x60, das 22x60 konnte ich leider nicht testen, hätte mich sehr interessiert!) und war sehr angetan, sowohl von der Optik als auch vom Schrägeinblick. Der Vorteil des Schrägeinblicks ist wirklich nicht zu unterschätzen ... ich kann mir seither eigentlich nicht mehr vorstellen, dass ich mir jemals ein "stativgebundenes" geradsichtiges Astro-Fernglas kaufen würde. Ich benutze ein stabilisiertes Canon 15x45 - das ist, finde ich, die Alternative, weil es eben freihändig wirklich nutzbar ist und nebenbei aufgrund der sehr guten Optik auch noch tolle Bilder mit großem Gesichtsfeld liefert. Trotzdem soll ein Handicap nicht verschwiegen werden: Wenn die Hände frei sind und nichts "gestemmt" werden muß lässt sich mit mehr Ruhe beobachten, was wieder für das Miyauchi spricht. Andererseits: Das Canon lässt sich bei wirklich jeder Gelegenheit mal zur Hand nehmen und auch für Naturbeobachtungen am Tag hervorragend nutzen.
 
Wenn Bequemlichkeit ein Faktor ist, bekommst Du das Optimum umsonst - Hubble-Bilder übers internet
am warmen Schreibtisch mit unerreichter Auflösung und Schärfe.

Wenn Du auch mal selbst sehen willst, ob es das alles wirklich gibt ("matrix") reicht ein 10x50 Geradsichtglas,
wenn Du mehr sehen willst, wirst Du um die 70-80mm nicht herum kommen (60 reichen nicht!!! und 100 sind dann
wirklich echt zu teuer außer bei dem neuesten China Geradsichtmodell).

Aber ein 8" Newton ist natürlich mit 20cm wieder Klassen besser als jedes Fernglas und kostet als Dobson auch nicht mehr.

Gruß

PS: nach meinem Wissensstand hat Doctor für die Nobilems an den alten Zeiss Jena außer dem Preis nichts geändert.
Aber da ist Frank Schäfer der Fachmann - vielleicht doch bessere Vergütung?
 
Die Behauptung von Hanz, die Vixen Großferngläser würden in China gebaut, ist einfach falsch. Alle Vixen Großferngläser werden in Japan hergestellt und sind qualitativ besser, als die Gläser aus China, natürlich auch teurer.
Mit freundlichen Grüßen
Vehrenberg KG
 
Bei Ebay gibt es gerade aktuell ein Lichter 20x80, ein Beck Tordalk 22x80 und ein Hertel&Reuss Tordalk 22x80. Diese Gläser gehen sicher für <= 200 Euro weg. Habe selbst Beck 11x80 und Beck 22x80. Die Gläser stellen optisch (meiner Meinung nach) alles in den Schatten was an aktuellen Gläsern aus USA, Japan und China zur Zeit zu bekommen ist. Speziell mein Beck 22x80 ist in der optischen Qualität (Schärfe bis zum Rand und Vergütung!) meinem Leica Trinovid 8x50 BA, nicht nur am Himmel, gleichwertig.

Noch frohe Ostern und "gutes Wetter".
 
Re: Vixen Ferngläser aus Japan

Hallo Herr Vehrenberg,

entschuldigen Sie bitte diese begründete Annahme - nachdem Leica ja auch im Billiglohnland Portugal hergestellt
werden und nicht in Deutschland oder der Schweiz (Leica ist ja inzwischen glaub ich eidgenössisch) ist die Idee wohl
doch verständlich (Portugal ist in Europa so was wie China in Asien, technologischer Standard im Land 0 aber gut zum
nach Vorschrift in eigenen Fabriken billiger fertigen lassen). Letztendlich kommt es ja doch hauptsächlich auf die
Qualität an und den Preis - und da spielt es keine Rolle wo das Gerät gefertigt wurde sondern was es taugt. Leica viel.
(das ist bekannt und dokumentiert).
Ob Vixen mehr als die Helios und Danubia mit gleichen Daten (und vielleicht aus derselben Fabrik?) kann ich
nicht beurteilen, aber bei Intercon Spacetec, die Helios und Vixen vertreiben, ist die Beurteilung praktisch gleich
(und gegenüber Fujinon 10x70 oder 16x70 deutlich schlechter). Wenn Sie da was dagegen halten können, freuen
sich sicher alle Großfernglasfans (z.B. bessere Vergütung, Okulare, ED-Gläser, Transmission, Asphären, oder einfach
Randschärfe oder Gesichtsfeld), denn eigentlich sind die 80er Gläser mit Zentralfokus ja das was man will und nicht
die 70er mit Einzelokularfokus - bloß was für Argumente haben Sie? bekannt ist mir nur das Argument der besseren
mechanischen Stabilität (und das ist eigentlich auch schon wichtig, da ich niemand kenne, der die nach ein paar
Jahren schielenden Gläser von Helios etc wieder preisgünstig kollimiert - macht das Vixen oder ist das da einfach
unnötig?)

mit freundlichen Grüßen
 
Re: Vixen Ferngläser aus Japan

Hallo!

Ich kann als Fernglas eigentlich nur noch die bildstabilisierenden Modelle von Fujinon und von Canon empfehlen. Wobei ich Canon favorisiere.

Mit meinem 15x50 von Canon habe ich ein Glas, das optisch absolut top ist, und dank des "eingebauten Stativs" ultraportabel ist. Und man kann es auch am Tage gewinnbringend einsetzen, da hält KEIN anderes "normales" Fernglas mit.

Meins habe ich übrigens für die Hälfte des Listenpreises bei ebay ersteigert.

Gruß-
Peter
 
Re: Vixen Ferngläser aus Japan

Hallo Herr Hanz (?),
leider weiß ich nicht, ob das Ihr Nachname ist. Ich habe mich lediglich dagegen gewährt, dass die Vixen Großferngläser in einen Topf mit anderen Gläsern geschmissen werden und zudem die Behauptung aufgestellt wird, diese kämen aus China. Der beste Weg wäre doch, wir überlassen Ihnen einmal ein solches Glas probeweise und dann können Sie sich ein eigenes Urteil bilden.
Mit freundlichen Grüßen
Vehrenberg KG
H.Vehrenberg
 
Re: Vixen Ferngläser aus Japan

Hallo!

Hast Du mal die Bildqualität des Canon direkt mit einem anderen hochwertigen Glas (z.b. Zeiss) verglichen?

Ich bin nämlich seit längerer Zeit auf der Suche nach dem idealen Fernglas. Leider empfinde ich die Wackelei ohne Stativ bei 10x50 sehr störend und z.b. ein 7x40 hat mir einfach zu wenig Vergrößerung und Öffnung.
Da wäre m.M. ein stabilisiertes 15x50 das ideale Glas - wenn es denn optisch auch wirklich top ist!


Gruß Harald
 
Classic vs. Nobilem

> Sind die alten Zeiss Classic Ferngläser mit der Nobilem Serie zu vergleichen oder sind die Nobilem Gläser besser?

Vergleichbar sind sie nicht. Die Nobilem Ferngläser sind von der optischen Qualität in einer ganz anderen Liga angesiedelt. Die Nobilem Serie stammt ja ursprünglich von Carl Zeiss Jena und sie war die erste richtige Antwort auf die "Konkurrenz" aus Oberkochen. Was die Nobilem Gläser auszeichnet, ist ein deutlich höherer Kontrast und eine sehr neutrale und satte Farbwiedergabe (eben ein wirklich brillantes Bild). Erreicht wurde das durch eine optimierte Vergütung und ein neues Prismensystem. Die alten Classic Gläser (also Binoctem 7x50 und Dekarem 10x50) waren in der Mechanik zudem mit weniger Aufwand gefertigt. Bei den Nobilem Gläsern wurde ein neues Gehäuse entworfen und den Okularen hat man eine Stulpendichtung spendiert, was eine deutlich bessere Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit ermöglicht. Und letztendlich wurde der AP Abstand vergrößert, was einen komfortableren Einblick zur Folge hat. Echte Brillenträgerokulare hatten die Nobilem Gläser aber nicht, dafür war der AP Abstand doch zu kurz bemessen. Nach der Abwicklung von Carl Zeiss Jena wurde die Produktion der Nobilem Gläser von Docter-Optik Eisfeld weitergeführt. Vor einigen Jahren hat man das Gehäuse nochmal leicht überarbeitet und mit einer neuen Gummiarmierung versehen. Ansonsten sind die Docter-Optik Nobilem Gläser voll mit den alten Zeiss Jena Nobilem Gläsern vergleichbar.

Noch was zum Thema Classic: Die Bezeichnung "Classic" wurde von Docter-Optik für die alten Modelle (Binoctem, Dekarem) verwendet, bei Zeiss Jena (also Zeiss-Ost) war das weniger üblich. Dann gibt es natürlich auch noch die Zeiss ClassiC Ferngläser, damit ist die alte Dialyt Serie von Zeiss-West gemeint. Letztere spielen ebenfalls in einer anderen Liga und man sollte Classic und ClassiC sauber auseinanderhalten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />.

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Die Qual der Wahl

> Ich möchte die Astronomie weiterhin nicht zu tief betreiben, d.h. ich möchte mir kein Teleskop kaufen, sondern bei Lust und Laune (und natürlich klarem Himmel) mein Fernglas nehmen (mit Stativ, wenn nötig), in den Wald auf einen Berg gehen und ein paar Stunden den Himmel beobachten.

Hallo Sven,

mit dem Ziel und 600 Euro solltest Du Dir vielleicht noch überlegen, ob Du das Fernglas neben der Astronomie auch für andere Zwecke einsetzen willst oder ob es nur für astronomische Beobachtungen genutzt werden soll. Ein Miyauchi 15x60 kann man nur bedingt zum wandern mitnehmen oder damit Ornithologie betreiben. Ein gutes 10x50 kann man auch am Tag prima einsetzen - beim Wandern, im Urlaub, um Piepmätze zu beobachten und vieles andere mehr. So erscheint eine 600 Euro Investition in einem anderen Licht, man wird auf viele Jahre Spaß an einem guten Fernglas haben.

Die zweite Überlegung betrifft Großferngläser mit Geradeinblick. Aus meiner Sicht gehört ein Glas oberhalb (ca.) 10x50 für astronomische Verwendung auf ein Stativ. Ein 15x60 oder noch größere Kaliber kann man freihändig nicht mehr allzu sinnvoll nutzen (mal von batteriegetriebenen Ferngläsern abgesehen). So ein 15x70 oder 20x80 auf Stativ macht nur solange Freude, wie man in mittleren Höhen beobachtet oder bei hochstehenden Objekten bequem darunter liegen kann. Muß man bei der Beobachtung Astrogymnastik betreiben, so ist der Spaß an der Freude schnell verflogen. Man kann ein Großfernglas nicht so zwanglos nutzen wie ein 7x50 oder 10x50. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum manch einer sein Großfernglas wieder verkauft (die Diskussion hatten wir schon mal).

Der dritte Punkt zielt auf den Einsatzzweck (damit meine ich die Beobachtungsobjekte). Mit dem geliehenen 7x50 scheinst Du ja nicht so zufrieden zu sein. Das Glas hat aber seine Vorteile. Man kann die 7-fache Vergrößerung sehr gut auf längere Zeit freihändig nutzen und das Glas hat seine Stärken dort, wo man unter einem dunklen Himmel ausgedehnte Objekte beobachten will. Eine Wanderung durch die sommerliche Milchstraße im Hochgebirge (wenn man da schon nicht wohnt, sollte man wenigstens im Urlaub dahin fahren) ist mit dem Binoctem ein Gedicht! Der Anblick großer Milchstraßenwolken ist fantastisch und atemberaubend zugleich. Man erkennt immer neue Strukturen, die bei höherer Vergrößerung einfach nicht mehr sichtbar sind. Damit will ich sagen, daß ein 7x50 wirklich ein vorzügliches Astroglas ist, wenn man mal einen dunklen Himmel geniessen kann. Deinen Worten habe ich entnommen, daß Du Dir kein Teleskop kaufen willst. Daher würde ich mir an Deiner Stelle wirklich den Kauf des Miyauchi überlegen. Um bei den mit dem Glas erreichbaren Deep-Sky Objekten auch was sehen zu können (mal von Paradeobjekten abgesehen), würde ich gleich auf das 22x60 orientieren. Um wirklich deutlich mehr wie in einem 7x50 zu sehen, sollte man nicht mit 15-fach sondern besser gleich mit 22-fach einsteigen. Das reale Sehfeld ist dank Weitwinkelokularen beim 22x60 ja fast so groß wie beim 15x60. Damit hast Du einen ausreichenden Überblick und die höhere Vergrößerung zeigt mehr Details. Wenn die finanziellen Reserven ausreichend sind, dann wären auch beide Okularpaare eine Überlegung wert. Müßte ich mich für eins entscheiden, würde ich persönlich gleich zur höheren Vergrößerung greifen.

Was den Vergleich des kleinen Miyauchi mit einem Docter Nobilem betrifft, so bin ich mit Aussagen eher vorsichtig. Beide Gläser haben unterschiedliche Einsatzbereiche und sind so nur bedingt vergleichbar. Klar hat das Nobilem eine exzellente (und wohl auch die bessere) Optik und es hat zudem ein sehr großes Sehfeld. Will man die Leistungsfähigkeit voll nutzen (um auch wirklich zu sehen, was eine 10-fache Vergrößerung leisten kann), dann muß das Glas auf ein Stativ. Ansonsten fällt es eher in die Kategorie wie das 7x50 - als Übersichtsglas für zwanglose Wanderungen unterm Sternhimmel. Das kleine Miyauchi zielt in eine andere Richtung. Mit dem Winkeleinblick und der hohen Vergrößerung ist bequemes Beobachten erstmal richtig möglich und beim 22x60 kann man schon mal den Karkoschka zur hand nehmen und Seite für Seite abarbeiten. Die Kombination 22x60 ist sehr leistungsfähig und sollte nicht unterschätzt werden. Kann man zudem bequem vorm Fernglas hocken und den Einblick auch geniessen, so ist man in der Lage, auch an die Leistungsgrenzen der Optik gehen! Das ist ganz was anderes wie ein freihändig unter stetigem leichten Zittern "gehaltenes" 10x50 oder mit größerem Zittern "gehaltenes" 15x70. Auch ist das Miyauchi einem Großfernglas größerer Öffnung überlegen (in gewissen Grenzen natürlich), wenn wegen dem eher unbequemen Einblick bei Geradsichtmodellen ein entspannter Einblick nicht möglich ist. Klar zeigt ein 25x100 bei akzeptablem Einblick mehr wie ein 15x60 oder 22x60, aber eben nur solange, wie man keine Genickstarre bekommt.

Als Fazit würde ich daher feststellen, das Miyauchi hat deutliche Pluspunkte, wenn kein Fernrohr ins Haus steht und man trotzdem was sehen will. Ein gutes 10x50 (Docter, Zeiss oder was auch immer) ist eher ein Übersichtsglas, was bedingt freihändig genutzt werden kann, was aber neben der Astronomie auch für andere Zwecke gut zu gebrauchen ist. Aus meiner Sicht wäre das Miyauchi 22x60 mit echten Weitwinkelokularen eine sehr gute Lösung, eben wegen der höheren Vergrößerung und des komfortablen Einblicks. Die perfekte Ergänzung zum Miyauchi wäre dann ein 7x50 oder 8x40 zum zwanglosen Schwelgen in der Sternenpracht der Milchstraße! Das kleine Fernglas ist auch bestens geeignet, um sich besser zu orientieren und die vielen großen Kometen (die hoffentlich noch kommen werden) zu bestaunen. Und da Du ja aus Jena kommst, solltest Du Dir natürlich ein Zeiss Jena Glas besorgen ......

Frank.
 
Re: Die Qual der Wahl

@Harald_M:

Ich konnte die Qualität des Canon 15x50 IS nur mit einem Carl Zeiss Jena EDF 7x40 vergleichen - und der hinkt natürlich. Fakt ist aber, dass nach allem, was ich im Internet damals über das 15x50 IS gelesen habe, die opt. Qualität sehr hoch ist. Dies wird durch meinen subjektiven Eindruck voll bestätigt.

Gruß-
Peter
 
Re: Die Qual der Wahl

Den ausgiebigen (Nebeneinander-) Test mit Zeiss, Leica, Swarovski, Fujinon, Miyauchi und Canon würde ich auch gerne mal machen. Was meinst Du, wenn Du schreibst, daß der Vergleich mit dem Zeiss hinkt? Ich finde die Optik meines Canons 15x45 nämlich auch sehr gut - lediglich ein gelblicher Farbsaum am Mondrand und Farbenspiel an Jupiter finde ich störend - für diese Objekte stelle ich aber in der Regel mein Fernrohr raus. Vermutlich gibt's bei Zeiss, Leica und Konsorten überhaupt keine Farbe. Bei einem Blick durch ein 20x77 Miyauchi sah ich violette Tannenzweige (das 60er ist aber in dieser Disziplin besser).
 
Re: Die Qual der Wahl

Hallo,

mich würde auch interessieren, wie teuer ein 15x50 IS wäre, wenn es keine Bildstabilisierung hätte. Bliebe dann (preislich) ein Billig-Fernglas übrig?

Noch eine Frage zum Canon IS 15x50:
Kann man bei dem Gerät den Okularabstand variieren? Auf den Bildern sieht es so aus, als könne man das nicht.


Gruß Harald
 
Re: Die Qual der Wahl

wie teuer ein 15x50 IS wäre, wenn es keine Bildstabilisierung hätte. Bliebe dann (preislich) ein Billig-Fernglas übrig?
Das glaube ich eher nicht ... ich denke, ein "normales" Fernglas mit dieser optischen Qualität wäre eher im oberen Preissegment angesiedelt. Wieviel Geld die Stabilisierung wirklich kostet, ließe sich über solch einen Vergleich wenigstens ungefähr mal ermitteln.
Der Augenabstand lässt sich natürlich verändern: Man packt ein Okular (bzw. die Okularhalterung) und dreht es ein- oder auswärts - das andere wandert dann entsprechend mit (meines Wissens wie bei Miyauchi).


 
Re: Vixen Ferngläser zum Testen

Habe bereits ein gerade verstelltes Danubia 11x80, das ansonsten sehr gute optische Qualität hat und das ich
wohl wieder mit etwas Mühe und Sachverstand "hinbekomme". Trotzdem muß ich natürlich zugeben, daß nach weniger
als 1 Jahr (Glas war allerdings gebraucht) so eine Abweichung absolut untragbar ist (wer kann denn das
überhaupt selbst beheben? und wie gut? oder wer macht das fachmännisch und für wieviel Geld?). Gibt Vixen
dafür Garantie und stellt das Ganze kostenlos nach? Natürlich wird das Glas benutzt und nicht nur gestreichelt.

Was mir negativ aufgefallen ist, ist die Ablösung des 11x80 bei Vixen genau gleichzeitig mit der Einführung
des 12x80 bei Danubia/Helios/teleskop-service usw, - das war eigentlich auch der Grund der "Verdächtigung", daß
das alles aus einer Fabrik kommt.

Ich habe absolut nichts gegen Vixen, außer daß die "Orthos nach Abbe" keine sind und mit einem falschen
Konstruktionsbild (3+1 statt symmetric 2+2) geworben wird und daß ich bei dem 5mm die Linsenränder
selbst schwärzen mußte um die Reflektionen in Griff zu bekommen.

mit freundlichen Grüßen

Jedenfalls vielen Dank für das Angebot zum Testen - ohne das geht wirklich nichts.
 
Re: Die Qual der Wahl

@ KarstenGorkow:

Mit dem hinkenden Vergleich meinte ich natürlich, dass das Zeiss 7x40 nicht mal annähernd an das 15x50 iS heranreichen kann. Was es mit dem Hype um das EDF 7x40 auf sich hat, kann man IMHO rational sowieso nicht erklären. Das Glas färbt das Bild gnadenlos gelb ein, und im direkten Vergleich zu einem Billig-8x30 von ebay konnte ich am Sternenhimmel keinerlei Unterschied feststellen.

Aber cool aussehen tut es ja ;-)

Peter
 
Fazit

So, nun werde ich mal kurz Fazit ziehen.

Ein 7*50 hat sicherlich die vielseitigsten Möglichkeiten. Auch ein 10*50 ist noch akzeptabel, doch habe ich beim Ausprobieren auch am Tag Probleme, ein wackelfreies Bild bei 10facher Vergrößerung zu bekommen.

Es stellt sich für mich nun noch die Frage, ob man statt des Miyauchis vielleicht doch lieber zu dem Spektiv Megrez 80/480 greift.
Das Miyauchi mit 22facher Vergrößerung gefällt mir nicht: nur 12 mm Augenabstand (ich habe aber 5 Dioptrin (bin Kurzsichig und weiß nicht, ob ich das noch am Fernglas Ausgleichen kann). Außerdem ist die Randschärfe bei 22facher Vergrößerung ab 65 % des Gesichtsfeldes nicht mehr so gut.

(Vor- und Nachteile aus der Sicht eines Hobbyastronomen, der wenig Geld hat und nicht jede freie Nacht am Fernrohr verbringen möchte.)

Vorteile Miyauchi:

- preisgünstig
- kompakte Bauweise
- Schrägeinblick
- ist wohl das beste Fernglas seiner Preisklasse, dass eine komfortable Beobachtung erlaubt (d.h. Freude und Erfolg beim Beobachten ermöglicht)
- besser als ein 15*70, dass vielleicht bessere Optik hat, aber wegen fehlendem Schrägeinblick ungeeignet ist

Nachteile Miyauchi:

- nur zu astronomischen Zwecken nutzbar
- bei 22facher Vergrößerung schlechtere Randschärfe und nur 12 mm Augenabstand (diese Nachteile entfallen bei 15facher Vergrößerung)
- bietet vielleicht doch noch zu wenig Deep-Sky Möglicheiten, wenn man bedenkt, dass man es nur für Astronomie nutzen kann

Vorteile 7*50 oder 10*50:

- vielseitig Einsetzbar, d.h. man wird den Kauf nie bereuen
- sehr >>handlich<<, kein hohes Gewicht
- selbst bei späteren evtl. anspruchsvolleren Beobachtungen wird so ein Fernglas immer dabei sein

Nachteile 7*50 oder 10*50:

- für astronomische Zwecke nur zum >>Herumschweifen<< geeignet

Vorteile Megrez 80/480 (im Kontext zu Ferngläsern, subjektiv):

- bietet den tiefsten Einblick ins Weltall
- ist ähnlich kompakt, wie das Miyauchi, wenn man seine Leistung bedenkt
- ist das beste unter den kleinsten Teleskopen (wer mehr möchte, sollte dann lieber zu einem Teleskop mit großer Brennweite greifen)

Nachteile Megrez 80/480 (im Kontext zu Ferngläsern, subjektiv):

- um einiges teuerer als das Miyauchi



So, zum Schluß sind noch ein paar Fragen offen:

Ich hatte bisher die Möglichkeit das DDR Zeiss-Glas Binoctem 7*50 zu testen und war sehr zufrieden damit (mal abgesehen davon, dass mir eine 7fache Vergrößerung zu wenig ist).
Sollte das Miyauchi 15*60 in seiner optischen Qualität dem alten Binoctem nicht nachstehen, dann würde ich das Miyauchi 15*60 nehmen.
Ist die optische Qualität des Miyauchi 15*60 der optischen Qualität eines alten Zeiss Binoctem 7*50 ebenbürtig?
Zu dem Megrez steht noch die Frage des Gesamtpreises.
Was kostet ein >>komplettes<< Megrez 80/480 mit Zenitspiegel, Okular und anständigem Stativ?

Gruß

Sven
 
Re: Fazit

Hallo Sven,

Deiner Zusammenfassung stimme ich weitestgehend zu. Vergleicht man das Miyauchi mit dem Megrez oder einem ähnlichen Teleskop, so wäre noch zu ergänzen:

Miyauchi:

+ binokulares Sehen

Megrez:

+ höhere Vergrößerungen realisierbar
+ flexibler Einblick (45 oder auch 90 Grad)
+ 2" Okulare mit sehr großem Sehfeld nutzbar
+ gängiges Astrozubehör nutzbar (z.B. Okulare, Nebelfilter)

- schwerer wie das Miyauchi, auch nicht so kompakt
- monokularer Einblick (Bino-Sehen ist angenehmer)
- mit entsprechendem Zubehör wird's schnell teuer

Für beide gilt: ein gutes Fernglas (z.B. 7x50) wäre die perfekte Ergänzung (für freihändiges Beobachten, wenn's mal auf die schnelle nur eine kurze Spechtelsitzung sein soll und natürlich für Beobachtungen am Tag immer mit Gewinn nutzbar).

Zu Deinen Fragen:

> Ist die optische Qualität des Miyauchi 15*60 der optischen Qualität eines alten Zeiss Binoctem 7*50 ebenbürtig?

Kann man nicht sagen, dafür sind Öffnung und Vergrößerung zu verschieden. Beim 7x50 sind Farbfehler kein Thema, beim 15x60 sind sie's schon eher. Die Randschärfe in Relation zum scheinbaren Sehfeld dürfte im Miyauchi einen Tick besser sein. Aber wie gesagt, so ein Vergleich hinkt. Das 7x50 Binoctem ist sehr robust gebaut, bei sorgfältiger Behandlung hält das Glas ein Leben lang. Wie es diesbezüglich beim Miyauchi ausschaut, kann ich nicht sagen. Ist die Befestigung der Prismen so robust, daß auch in 20 Jahren nix passiert? Keine Ahnung.

> Was kostet ein >>komplettes<< Megrez 80/480 mit Zenitspiegel, Okular und anständigem Stativ?

Deutlich mehr wie ein Miyauchi 15x60! Der Megrez kostet mit 2" Zenitspiegel schon um die 800 Euro. Da hat man noch kein Stativ, keine Montierung und keine Okulare. Eine solide parallaktische Montierung mit Stativ wäre die Sky View und die kostet nochmal um die 200 Euro. Dann bräuchte man noch ein 2" Weitfeldokular und einen kleinen Satz Plössl Okulare für die höheren Vergrößerungen - macht wohl nochmal 200 bis 300 Euro. Damit kostet die Komplettausstattung ca. 1200 bis 1300 Euro. Kauft man das Zubehör gebraucht, dann kommt man für den Anfang vielleicht mit 1000 Euro hin. Wenn eine parallaktische Montierung nicht zwingend erforderlich ist, dann langt vielleicht auch ein gutes Fotostativ mit solidem Panoramakopf (das dürfte aber eher teurer wie die Sky View sein) oder man nimmt eine preiswerte azimutale Montierung vom Typ AZ-3 (die ist billiger aber dafür gewöhnungsbedürftig).

Dann sollte man sich überlegen, ob man unbedingt die gute und solide Mechanik des Megrez haben will. Wenn die Verarbeitung nicht ganz so solide sein muß, dann wäre der GSO 80/480 Refraktor auf Sky-View eine Alternative. Die Optik dürfte mit f/6 nicht soooooo viel schlechter sein wie die des Megrez und das komplette Gerät (Teleskop, Montierung, Stativ) ist schon für ca. 350 Euro zu haben!!! (zumindest laut TS Homepage). Das gesparte Geld kann man dann in passendes und nützliches Zubehör investieren (2" Zenitspiegel, 2" Okular, und ein paar 1,25" Okulare).

Und eine letzte Bemerkung:

> Nachteile 7*50 oder 10*50:
> - für astronomische Zwecke nur zum >>Herumschweifen<< geeignet

Das ist wohl kein Nachteil. Das haben Ferngläser mit geringer Vergrößerung nunmal so an sich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,

ich habe derzeit das FMT-SX-1 16x70 und Fujinon 7x50 FMT-SX im Test. Beide Ferngläser bestechen durch ihre Schärfe. Wenn Dir die Preisdifferenz keine Sorgen mach (325 zu 550 Euro) ist das 16*70 schon ein schönes Glas. Obwohl die AP kleiner ausfällt als beim 7*50 (4,4mm zu 7,1mm), sind aus meiner Sicht die Objekte adäquater zu beobachten. Diese Feststellung wird auch im Bericht von Alan Adler in "Astronomie heute" bestätigt. Zum 16*70 gehört aber definitiv ein Stativ. Es sind Beobachtungen auch mit freier Hand möglich aber mit sehr eingeschränkten Ergebnissen. Beim 7*50 sind Freihandbeobachtungen noch im Rahmen des möglich (Stativ ist selbstverständlich immer besser). Unter Intercon-Spacetec findest Du weitere Informationen.

NightSky - Zeitschrift von Amateuren für Amateure

Grüße, Christoph Lohuis.
 
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