Fernglasnacht bis zur Dämmerung

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Benny
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Benny

Aktives Mitglied
Guuuten Morgen,

:)

Datum: 01.August

Ort: Hochtaunus

Zeit: 0:45 Uhr bis 4:00 Uhr

Grenzgösse: zu Beginn max. 5m4 später fst. 6m2 in UMi

Wetter: zu Beginn nur Lücken und sehr cirrig, später klar

Gerät: 10x50 20x80 16" f/4,5

Um 23:30 fällt im Chat die einsame Entscheidung: Jan, Andi und Benny gehen trotz des cirrigen Himmels und der vorgerückten Stunde nochmal raus :)

Eine Stunde später stehen wir dann vorm Platz im Hochtaunus, ich bin mit Minimalausrüstung gekommen, ausser meinem Stuhl, einem Schlafsack und meinem 10x50 Fernglas habe ich nichts zu tragen, auch Jan ist "nur" mit Fernglas angereist allerdings mit dem 20x80 Triplet, Andi reisst unsere hoffnungslose Öffnungslosigkeit aber mit seinem 16" Gerät wieder raus. Der Himmel zeigt sich nicht dick aber doch flächig bewölkt mit einzelnen Lücken. Genau in diesen Lücken zu beobachten, davon ist die erste Stunde geprägt. Mit dem Fernglas keine grosse Sache, aber mit dem Dobson ist leider oft schon wieder eine Wolke vor das eben eingestellte Objekt gezogen.

Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/bb/2009/fotos/010809_3.jpg

Ich bin kein ausgesprochener Fernglasfan, hatte ich doch oft Probleme mit binokularem Sehen (aus medizinischer Sicht), aber das scheint sich durch eine neue Brille etwas verbessert zu haben, zumindest habe ich auch mit dem 10x50 Spass M101, M51 und M27 zu beobachten. In Jans 20x80 geht das natürlich vor allem da auf Stativ montiert noch eine Klasse besser. Ich schwenke noch zu diversen Objekten wie hx die auch bei 10x überaus faszinieren und auch M39 ist ein tolles Fernglasobjekt. Besonders genial, der Anblick des Sternhaufens NGC 7789 in Cassiopeia, er wirkt wie ein sehr grosser Kugelsternhaufen - nämlich unaufgelöst aber gross. Selbst der Rocking Horse Cluster NGC 6910 ist bei den mageren 10x schon erkennbar und zwar als solcher! auch NGC 7000 ist gut im Fernglas erkennbar aber die Wolken ziehen immer wieder durch und der Blick in den Zenit ist anstrenged. Dann ist erstmal für 15min alles dicht...

Und dann gegen zwo macht es plopp und die Wolken sind restlos weg! Was für ein Anblick - die Milchstrasse zieht sich von Auriga über den im Zenit stehenden Schwan bis tief in den Schützen, perfekt den Himmel überspannend, kann man sich mit blossem Auge kaum sattsehen. Jetzt hat die Stunde des 16"ers geschlagen, der Cirrusnebel zerfällt in unzählige feine Filiamente mit OIII! Ich darf Hand anlegen und schwenke auf NGC 6888 den Crescentnebel - wow! So gut habe ich ihn noch nie gesehen (abgedroschener Spruch ;) ), er sieht fast fotoähnlich aus, mit feinen Ausläufern die aus dem sichelförmigen Nebel streben. Der Ringnebel wird bis 380x hochgejagt und zeigt dabei immer noch ein tolles Bild mit schönen Details in der Ringstruktur, spasseshalber messe ich mal die Durchlaufzeit, sind etwa 30 Sekunden im Speers Waler Zoom bei 5mm, ausgesprochen entspannend :)

Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/bb/2009/fotos/010809_4.jpg

Nun rolle ich den Schlafsack aus und lasse mich gemütlich mit dem Fernglas nieder, fantastisch im Liegen die Milchstrasse zu erkunden! Nun kommen noch viel mehr Details rum, ich stöbere zunächst etwas in Cassiopeia, NGC 7789, NGC 457 ist in seiner Form schon richtig gut zu erkennen. Ab in den Schwan, der steht so zenitnah optimal für meine Liegeposition und ich wär umgefallen wenn ich nicht schon liegen würde: Der Nordamerikanebel einfach nur genial bei 10x! Als Jan mir dann das 20x80 rüberreicht brech ich vollends ab, so geil hab ich den Nordamerikanebel (obwohl gänzlich ohne Filter) noch nie beobachten können, zusammen mit dem Pelikannebel hat der Nebelkomplex eine unglaubliche Grösse und ist toll zu überblicken - mit diesem Fernglas ist es glaube ich um mich geschehen, und sei es nur für dieses eine Objekt :D NGC 7000 ist aber auch schon mit blossem Auge problemlos zu sehen. Nun sind die Plejaden dran, die bereits hoch über dem Horizont stehen, im 20x80 der schönste Anblick, ein leichter Nebelschleier ist um zwei der Sterne zu sehen. M31 und Co. sehen ebenfalls beeindruckend aus, hier punktet der 16"er aber enorm trotz kleinem Feld, die Galaxie ist gut vier Gesichtsfelder groß. Stephans Quintett muss auch dran glauben, zu Beginn mit noch nicht so doller Transparenz mit Cirren noch alles andere als einfach! Hier geht nur indirekt was, doch dann wieder ein plopp und die Transparenz wird richtig gut und plötzlich ist die Gx Gruppe problemlos zu sehen, mit der Anzahl der gesehenen Komponenten bleibe ich zurückhaltend, drei sind es in jedem Fall, wobei die grosse die auf der Linie der drei anderen steht die einfachste zu sein scheint, wir beobachten aber auch nur bei 128x.

Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/bb/2009/fotos/010809_1.jpg

Ich schwenke noch einige andere Objekte mit dem 10x50 an, darunter die drei Fuhrmannhaufen M36-M38 und auch ein Blick in die Hyaden ist immer wieder schön, der Herbst steht irgendwie schon vor der Tür ;) Es wird bereits etwas heller im Osten und die Dämmerung zieht nun langsam aus, die Milchstrasse verblasst im Osten zusehends und als eine Kirchturmuhr vier Uhr schlägt mache ich mich ans verabschieden, klemme ich meine zwo drei Sachen unter den Arm um wenigstens noch drei Stunden Schlaf zu bekommen :D

Als ich um halb fünf aussteige ist es schon merklich hell. Die Nacht war obwohl damit erstmal gar nicht zu rechnen war fantastisch und schön endlich Andi live kennengelernt zu haben (und seinen leckeren 16"er :p), hat sich also hundertprozentig gelohnt trotz der späten Stunde sich erst nach Mitternacht zu treffen und die anfänglichen Wolken auszusitzen.

Viele Grüße Benny
 
Hallo Benny,

ein sehr schöner Bericht, der Lust auf eine eigene Fernglasnacht macht. Trotz recht guter Sicht habe ich immer Probleme mit M 101, die ich auch im WO 72 Megrez bei niedriger Vergrößerung partout nur indirekt und beim "Blinken" sehen kann. Hast Du Zeichnungen von der Fernglas-Beobachtungen angefertigt?

Ich habe ein CZJ 10 x 50 Jenoptik, ein Zeiss 15x60 Classic und ein Oberwerk 20x90 (= China). Um die Gläser an die Porta zu setzen, will ich mir von geschickter Seite eine Befestigung basteln lassen, die etwas besser sein sollte, als diese überteuert angeboteten einfachen Winkel. Das Oberwerk musste ich neu justieren, die Zeiss-Gläser sind tags- und nachtüber einfach Spitze. Mich würde mal ein 'astronomischer' Vergleich bzw. Test zwischen Zeiss und Fujion interessieren.

Viele Grüße + clear skies

Ralf
 
Hallo Ralf,

nein Zeichnungen habe ich gestern keine gemacht, war wie gesagt nur mit leichtem Gepäck unterwegs aber ich sollte wirklich mal wieder was am Fernglas zeichnen es lohnt auf jeden Fall. M101 steht nun schon nicht mehr gerade hoch und da ist die Transparenz so nahe am Horizont immens wichtig sonst sieht man auch mit grösseren Teleskopen nicht mehr viel, wir hatten da wohl gestern zeitweise Glück.

Deine Gläser sind ja traumhaft, kommt die Porta denn hoch genug damit der Einblick noch bequem ist? Das 20x80 von meinem Bekannten war auf einem normalen aber sehr hochbauenden Fotostativ, das geht bis zu einer gewissen Höhe aber wird auch schnell unbequem beim Beobachten, am genialsten fand ich es freihändig aber im Liegen - nur dass man dann auf zenitnahe Beobachtungen beschränkt ist.

Viele Grüße Benny
 
Hallo Benny,

hier etwas interessantes zum Thema:
www.cloudynights.com/item.php?item_id=2009

Ja, die beiden Zeiss sind mir die liebsten Stücke. Ich setze mich beim beobachten mit einem Stuhl hinter das Stativ, das geht ganz gut. Im liegen sollte ich es mal probieren, das liest man ja auch im Klassiker von Rudolf Brandt: Himmelswunder im Feldstecher.

Viele Grüße + clear skies

Ralf
 
Hallo Ralf,

ist das 15x60 Classic das "legendäre" BGAT??? Da muß ich unbedingt mal einen Blick durchschmeißen auch auf die Gefahr hin das mein Japan-15x50 anschließend verstaubt...

Hallo Benny,

du könntest mir mal ein Stück deines Himmels leihen, schöner Bericht wie immer!

Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,

ja, das ist es. Die Seite kennst Du?

www.rzuser.uni-heidelberg.de/~c88/carl_zeiss_bino.html

Viele Gruesse

Ralf
 
Hi Benny,

na schon wieder draußen und dann gleich mit Schlafsack. Vllt wäre es für dich besser gleich in den Taunus zu ziehen?
Neulich (Freitag auf Samstag) war ich im heim. Garten spechteln. GG~4m8, leichte Zirren, gutes bis mäßiges Seeing. Die hellen Teile der Milchstraße im Schwan waren gerade noch zu erkennen.
Da habe ich mich auf die offenen Haufen im Schwan gestürzt. Wirklich schöne Sachen gebit es da, NGC6910, den rocking horse, habe ich mir auch reingezogen und nach ein duzent anderer. Ein erster Perseid war auchn dabei.
So eine Nacht im Schlafsack unter Sternen wäre auch was für mich.
In zwei Wochen geht es nach La Palma (freu) mal sehen was es da alles Neues zu sehen gibt.

Gruß
Lots
 
Hi,

Hallo Benny,

du könntest mir mal ein Stück deines Himmels leihen,

:/ Aber gerne, die Nächte um Vollmond schicke ich dir gerne zu.

na schon wieder draußen und dann gleich mit Schlafsack. Vllt wäre es für dich besser gleich in den Taunus zu ziehen?

:D Na wohne ich ja schon, sind nur 20min Fahrt zum Platz, was sicher mit einer Grund ist warum ich so oft draussen bin (zusammene mit der Tatsache dass von daheim NULL geht)... aber wenn mal wieder ein Umzug ansteht - weiss ja wo die guten Plätze sind ;)

Viel Spass auf La Palma!

CS Benny
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Benny

Ein Schöner Sternenhimmel lohnt immer zum beobachten obwohl der Mond da gewessen ist.

Schöner Schlafsack beobachtuns bericht hast hier geschrieben.

Manfred
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben