PeterSurma
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Ciao all,
in einem anderen Thread wurde implizit gerade eine - gerade für Montierungs-Selbstbauer - interessante Frage gestellt: Wenn die Alpha und Delta-Achse einer Montierung nicht exakt aufeinander senkrecht stehen welche Auswirkungen hat das ? Wie genau muss diese Orthogonalität (='Senkrechtheit') stimmen ?
Nennen wir die Abweichung von Orthogonalität mal Deltaphi (angegeben in Grad).
Sagen wir wir hätten eine deutsche Montierung und ein aussen schräges Delta-Gehäuse: z.B. Schrägheit aussen von 1mm auf eine Gehäuse-Länge von 300mm, also arctan(1mm/300mm) = 0.2 Grad. D.h. eine solches Gehäuse würde uns ein Deltaphi von (doch nur) 0.2 Grad einbringen, wenn man es ohne Korrekturen an den Flansch der Alphaachse hängt. Ein paar Gedanken dazu:
(1) Man kann sich relativ leicht klarmachen, dass mit GOTO schlechte Positionierung/Pointierung auftreten kann. Man stelle sich vor ich positioniere mit der Steuerung einmal auf der linken (ÖSTlichen) Seite der Montierung nach Süden (sagen wir mal auf den Äquator gerichtet) auf die Position Alpha=A, Delta=0°. Dann schlage ich um und positioniere dort auf der RECHTEN (WESTlichen) Seite der Montierung nach Süden auf die gleiche Position Alpha=A, Delta=0°.
Da die Delta-Achse schräg steht, schaut das Teleskop in Delta beides mal auf Delta = 0°, aber in Alpha einmal nach A+Deltaphi und einmal nach A-Deltaphi. Die Miss-Pointierung ist also 2*Deltaphi. In unserem Beispiel oben, wären das +-0.4 Grad also doch schon an die 30 Bogenminuten, meine Montierung positioniert also schlechter als einen Monddurchmesser. Das ist NICHT besonders gut !!!
(2) Probleme beim Nachführen sind normalerweise gering. Es ist aber klar, dass durch die schräge Delta-Achse jede Korrektur in Delta teilweise acuh eine Korrektur in Alpha erzeugt. D.h. es erfolgt eine Mischung der Korrekturen. Man kann sich überlegen, dass jede Pointierungs-Korrektur in Delta um den Winkel DD eine Bewegung in Alpha um den Winkel DA = DD * sin(Deltaphi) erzeugt, ohne dass man dies verhindern kann.
Allerdings sind die Probleme dennoch gering, weil die Nichtorthogonalität der Achsen meistens relativ gering ist. Sagen wir wir hätten eine Schräge des Delta-Gehäuses aussen von 1mm auf eine Gehäuse-Länge von 300mm, also arctan(1mm/300mm) = 0.2 Grad. D.h. eine solches Gehäuse würde uns ein Deltaphi von nur 0.2 Grad einbringen. Selbst eine Delta-Korrektur beim Nachführen von DD=10arcsec würde dann eine Alpha-Bewegung von nur DA = 10arcsec * sin(0.2°) = 0.03 arcsec erzeugen, was verschwindend gering ist.
Insofern sind meine Schlussfolgerungen:
(a) Geringe Nicht-Orthogonalität von Achsen ist hauptsächlich ein Problem für Goto-Positionierung, nicht für Nachführung !
(b) Bei Selbstbau von deutschen Montierungen lassen sich zueinander senkrecht
stehende Achsen meistens mit hinreichender Genauigkeit herstellen Bei anderen
Konstruktionen mag das schwieriger sein, z.B. Gabel, Hufeisenmontierung etc.
(c) Eine Unschönheit ist auch, dass man bei der Polausrichtung den Polarstern unter Umständen nie im Teleskop sehen kann, aber naja, brauchts auch nicht
unbedingt. Man kann auch ein Extra-Ausrichtfernrohr benutzen oder eben scheinern.
(d) Ausserdem kann man Deklinationen von 90°-Deltaphi effektiv mit dieser
Montierung nicht anfahren und damit auch nicht sehen !
Gibt es noch weitere unschöne Effekte, die ich eventuell übersehen habe, und die vielleicht sogar empfindlicher sind auf nicht-senkrechte Achsen (beim Scheinern wahrscheinlich, oder ?) ? Was meint Ihr ?
Schöne Grüsse,
Peter
in einem anderen Thread wurde implizit gerade eine - gerade für Montierungs-Selbstbauer - interessante Frage gestellt: Wenn die Alpha und Delta-Achse einer Montierung nicht exakt aufeinander senkrecht stehen welche Auswirkungen hat das ? Wie genau muss diese Orthogonalität (='Senkrechtheit') stimmen ?
Nennen wir die Abweichung von Orthogonalität mal Deltaphi (angegeben in Grad).
Sagen wir wir hätten eine deutsche Montierung und ein aussen schräges Delta-Gehäuse: z.B. Schrägheit aussen von 1mm auf eine Gehäuse-Länge von 300mm, also arctan(1mm/300mm) = 0.2 Grad. D.h. eine solches Gehäuse würde uns ein Deltaphi von (doch nur) 0.2 Grad einbringen, wenn man es ohne Korrekturen an den Flansch der Alphaachse hängt. Ein paar Gedanken dazu:
(1) Man kann sich relativ leicht klarmachen, dass mit GOTO schlechte Positionierung/Pointierung auftreten kann. Man stelle sich vor ich positioniere mit der Steuerung einmal auf der linken (ÖSTlichen) Seite der Montierung nach Süden (sagen wir mal auf den Äquator gerichtet) auf die Position Alpha=A, Delta=0°. Dann schlage ich um und positioniere dort auf der RECHTEN (WESTlichen) Seite der Montierung nach Süden auf die gleiche Position Alpha=A, Delta=0°.
Da die Delta-Achse schräg steht, schaut das Teleskop in Delta beides mal auf Delta = 0°, aber in Alpha einmal nach A+Deltaphi und einmal nach A-Deltaphi. Die Miss-Pointierung ist also 2*Deltaphi. In unserem Beispiel oben, wären das +-0.4 Grad also doch schon an die 30 Bogenminuten, meine Montierung positioniert also schlechter als einen Monddurchmesser. Das ist NICHT besonders gut !!!
(2) Probleme beim Nachführen sind normalerweise gering. Es ist aber klar, dass durch die schräge Delta-Achse jede Korrektur in Delta teilweise acuh eine Korrektur in Alpha erzeugt. D.h. es erfolgt eine Mischung der Korrekturen. Man kann sich überlegen, dass jede Pointierungs-Korrektur in Delta um den Winkel DD eine Bewegung in Alpha um den Winkel DA = DD * sin(Deltaphi) erzeugt, ohne dass man dies verhindern kann.
Allerdings sind die Probleme dennoch gering, weil die Nichtorthogonalität der Achsen meistens relativ gering ist. Sagen wir wir hätten eine Schräge des Delta-Gehäuses aussen von 1mm auf eine Gehäuse-Länge von 300mm, also arctan(1mm/300mm) = 0.2 Grad. D.h. eine solches Gehäuse würde uns ein Deltaphi von nur 0.2 Grad einbringen. Selbst eine Delta-Korrektur beim Nachführen von DD=10arcsec würde dann eine Alpha-Bewegung von nur DA = 10arcsec * sin(0.2°) = 0.03 arcsec erzeugen, was verschwindend gering ist.
Insofern sind meine Schlussfolgerungen:
(a) Geringe Nicht-Orthogonalität von Achsen ist hauptsächlich ein Problem für Goto-Positionierung, nicht für Nachführung !
(b) Bei Selbstbau von deutschen Montierungen lassen sich zueinander senkrecht
stehende Achsen meistens mit hinreichender Genauigkeit herstellen Bei anderen
Konstruktionen mag das schwieriger sein, z.B. Gabel, Hufeisenmontierung etc.
(c) Eine Unschönheit ist auch, dass man bei der Polausrichtung den Polarstern unter Umständen nie im Teleskop sehen kann, aber naja, brauchts auch nicht
unbedingt. Man kann auch ein Extra-Ausrichtfernrohr benutzen oder eben scheinern.
(d) Ausserdem kann man Deklinationen von 90°-Deltaphi effektiv mit dieser
Montierung nicht anfahren und damit auch nicht sehen !
Gibt es noch weitere unschöne Effekte, die ich eventuell übersehen habe, und die vielleicht sogar empfindlicher sind auf nicht-senkrechte Achsen (beim Scheinern wahrscheinlich, oder ?) ? Was meint Ihr ?
Schöne Grüsse,
Peter
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