Rudi
Mitglied
Moin, Moin,
Das Wettrennen, das sich gestern auf Jupiter abspielte, konnte sich locker mit einem Schumirennen messen lassen. Ich stand ab halb acht auf der Tribüne, die Situation stellte sich folgendermaßen dar:
Das Racing fand im Äquatorbereich des Planeten statt, auf einer hellen, leicht getönten Rennstrecke. Als Streckenbegrenzung haben sich die beiden dunklen Wolkenbänder, je eins auf jeder Seite, ideal bewährt. Bereits ziemlich nahe am Rand war Europa gerade dabei, die Strecke freizumachen (Anmerkung eines AmateurAstronomen: seinen Durchgang vor Jupiter zu beenden). Ziemlich genau in der Mitte von Jupiter waren am Start: Kallisto auf der Pole Position, und auf dem zweiten Platz mit deutlichen Abstand dahinter der Schatten von Europa. Der war höchstens nur halb so groß wie Kallisto, ob da alles mit rechten Dingen zuging? Nun, das Team um Europa hatte keine Einwände, auch wegen des großen Abstand am Start, und so konnte das Rennen durchgeführt werden.
Der Start wurde eingeleitet durch den Abgang von Europa. Das allein war schon sehr sehenswert, normalerweise sind die Monde beim Durchgang kaum zu erkennen, wenn sie allerdings sich dem Rand von Jupiter nähern, werden sie als helle Pünktchen sichtbar, da Jupiter am Rand dunkler ist. Wieder eine große Ausnahme ist Kallisto, mit seiner geringen Albedo erscheint er vor Jupiter genau so dunkel, als wär ein großer Mondschatten, da kann man sich leicht täuschen lassen, hat man keine Daten zur Hand. Kallistodurchgänge kommen nicht allzuhäufig vor.
Nun zurück zum Rennen, 19Uhr 42, Europa verläßt die Strecke (AAA: trennt sich von Jupiter), die Ampel gehen aus, es geht los. Rauch stieg auf (AAA: Wolken zogen durch), lange Zeit sah es aus, als ob Europa's Schatten nicht hinterherkam, das Rennen schien bereits zu Beginn gelaufen zu sein, ein Start-Ziel-Sieg??. Kaum jemand setzte auf den wutzeligen Schatten von Europa. Aber Spannung kam auf, der Abstand wurde weniger und weniger, war er deswegen leichter und schneller, weil er weniger Sprit getankt hatte, reicht der Sprit dann auch?? Die Hälfte der Strecke war bereits geschafft und Europa's Schatten war bereits dicht hinter Kallisto. Er fuhr immer ein klein wenig in Fahrtrichtung links von Kallisto's Idealspur, man dachte schon, er will links antäuschen und rechts überholen, aber es kam anders. Kurz nach halb neun klebte Europa's Schatten wie eine Beule an Kallisto, beide waren nicht mehr zu trennen. Diese entscheidende Rennphase war schwierig zu beobachten, lange Zeit sah es aus, als ob beide gemeinsam durch's Ziel gehen, unter den Zuschauern machte sich Unmut breit, die Stimmung sank. Man dachte schon daran, das Reglement zu ändern, um mehr Action zu bekommen, da passierte es: Europa's Schatten hatte sich an Kallisto versteckt vorbeigemogelt, zunächst zeigte Kallisto die Beule linksvorne, 20 Minuten nach dem Beginn des 'Schmusekurs' war Europa's Schatten wieder getrennt zu sehen. ER WAR VORNE!!! Die Menge tobte. Die Uhr zeigte 20:52.
Jetzt war es ein leichtes für Europa's Schatten das Rennen zu gewinnen. Die Beobachtung allerdings wurde schwieriger, es ging einen Steilhang hinab (AAA: Jupiter ist rund, am Rand sieht man halt schräg auf die Oberfläche). 21Uhr18: Europa's Schatten ging als erster durchs Ziel und verschwand von der Rennstrecke ins schwarze All. Europa selber hatte bereits gebührenden Abstand zum Planeten.
Aber Kallisto hatte noch einen großen Auftritt:
Er mußte sich beeilen, ein großer Sturm nahte (AAA: GRF tauchte auf der anderen Seite auf). Ich wollte noch unbedingt miterleben, wie der dunkle Kallisto plötzlich hell wird, wenn er Jupiter verläßt, die anderen Monde erscheinen ja schon vor Ende des Durchgangs hell. Kallisto dagegen war ganz cool, er blieb absolut dunkel bis zum bitteren Ende. Um 21:28 hatte ich ihn zuletzt als leichte Kerbe in Jupiter's Planetenscheibchen erkennen können. Dann war er weg, nix mehr zu sehen. Zwei Minuten später zeigte sich an der Stelle, wo Kallisto rauswanderte eine helle Beule, JAAA, da ist er ja. Nach 5 Minuten löste er sich vom Planeten und zog unbekümmtert weiter. Zu diesen Zeitpunkt, also etwas nach halb zehn Uhr, zeigten sich die Monde völlig undemokratisch alle auf einer Seite und was noch schöner war: der Reihe von Jupiter ausgehend wurden sie immer heller: Zunächst Kallisto, dann Europa, dann Io und zuletzt weit draußen Ganymed.
Ehrlich gesagt, ich hätte dieses Erlebnis NIE gegen ein F1-Rennen tauschen mögen. Auch wenn der Ausgang vorher klar war, dieses kosmische Erlebnis kann mir niemand nehmen, hier gewinnt man immer. Hätte nie gedacht, über 2 Stunden nur ein einzelnes Objekt zu verfolgen (außer einen kleinen Abstecher zu Saturn), aber es war toll.
Schönen Sonntag wünscht
Rudi
P.S.
Tribünenplatz: Niederbayern
Optische Hilfsmittel: 10" Dobson, Okular: 4mm Radian
Das Wettrennen, das sich gestern auf Jupiter abspielte, konnte sich locker mit einem Schumirennen messen lassen. Ich stand ab halb acht auf der Tribüne, die Situation stellte sich folgendermaßen dar:
Das Racing fand im Äquatorbereich des Planeten statt, auf einer hellen, leicht getönten Rennstrecke. Als Streckenbegrenzung haben sich die beiden dunklen Wolkenbänder, je eins auf jeder Seite, ideal bewährt. Bereits ziemlich nahe am Rand war Europa gerade dabei, die Strecke freizumachen (Anmerkung eines AmateurAstronomen: seinen Durchgang vor Jupiter zu beenden). Ziemlich genau in der Mitte von Jupiter waren am Start: Kallisto auf der Pole Position, und auf dem zweiten Platz mit deutlichen Abstand dahinter der Schatten von Europa. Der war höchstens nur halb so groß wie Kallisto, ob da alles mit rechten Dingen zuging? Nun, das Team um Europa hatte keine Einwände, auch wegen des großen Abstand am Start, und so konnte das Rennen durchgeführt werden.
Der Start wurde eingeleitet durch den Abgang von Europa. Das allein war schon sehr sehenswert, normalerweise sind die Monde beim Durchgang kaum zu erkennen, wenn sie allerdings sich dem Rand von Jupiter nähern, werden sie als helle Pünktchen sichtbar, da Jupiter am Rand dunkler ist. Wieder eine große Ausnahme ist Kallisto, mit seiner geringen Albedo erscheint er vor Jupiter genau so dunkel, als wär ein großer Mondschatten, da kann man sich leicht täuschen lassen, hat man keine Daten zur Hand. Kallistodurchgänge kommen nicht allzuhäufig vor.
Nun zurück zum Rennen, 19Uhr 42, Europa verläßt die Strecke (AAA: trennt sich von Jupiter), die Ampel gehen aus, es geht los. Rauch stieg auf (AAA: Wolken zogen durch), lange Zeit sah es aus, als ob Europa's Schatten nicht hinterherkam, das Rennen schien bereits zu Beginn gelaufen zu sein, ein Start-Ziel-Sieg??. Kaum jemand setzte auf den wutzeligen Schatten von Europa. Aber Spannung kam auf, der Abstand wurde weniger und weniger, war er deswegen leichter und schneller, weil er weniger Sprit getankt hatte, reicht der Sprit dann auch?? Die Hälfte der Strecke war bereits geschafft und Europa's Schatten war bereits dicht hinter Kallisto. Er fuhr immer ein klein wenig in Fahrtrichtung links von Kallisto's Idealspur, man dachte schon, er will links antäuschen und rechts überholen, aber es kam anders. Kurz nach halb neun klebte Europa's Schatten wie eine Beule an Kallisto, beide waren nicht mehr zu trennen. Diese entscheidende Rennphase war schwierig zu beobachten, lange Zeit sah es aus, als ob beide gemeinsam durch's Ziel gehen, unter den Zuschauern machte sich Unmut breit, die Stimmung sank. Man dachte schon daran, das Reglement zu ändern, um mehr Action zu bekommen, da passierte es: Europa's Schatten hatte sich an Kallisto versteckt vorbeigemogelt, zunächst zeigte Kallisto die Beule linksvorne, 20 Minuten nach dem Beginn des 'Schmusekurs' war Europa's Schatten wieder getrennt zu sehen. ER WAR VORNE!!! Die Menge tobte. Die Uhr zeigte 20:52.
Jetzt war es ein leichtes für Europa's Schatten das Rennen zu gewinnen. Die Beobachtung allerdings wurde schwieriger, es ging einen Steilhang hinab (AAA: Jupiter ist rund, am Rand sieht man halt schräg auf die Oberfläche). 21Uhr18: Europa's Schatten ging als erster durchs Ziel und verschwand von der Rennstrecke ins schwarze All. Europa selber hatte bereits gebührenden Abstand zum Planeten.
Aber Kallisto hatte noch einen großen Auftritt:
Er mußte sich beeilen, ein großer Sturm nahte (AAA: GRF tauchte auf der anderen Seite auf). Ich wollte noch unbedingt miterleben, wie der dunkle Kallisto plötzlich hell wird, wenn er Jupiter verläßt, die anderen Monde erscheinen ja schon vor Ende des Durchgangs hell. Kallisto dagegen war ganz cool, er blieb absolut dunkel bis zum bitteren Ende. Um 21:28 hatte ich ihn zuletzt als leichte Kerbe in Jupiter's Planetenscheibchen erkennen können. Dann war er weg, nix mehr zu sehen. Zwei Minuten später zeigte sich an der Stelle, wo Kallisto rauswanderte eine helle Beule, JAAA, da ist er ja. Nach 5 Minuten löste er sich vom Planeten und zog unbekümmtert weiter. Zu diesen Zeitpunkt, also etwas nach halb zehn Uhr, zeigten sich die Monde völlig undemokratisch alle auf einer Seite und was noch schöner war: der Reihe von Jupiter ausgehend wurden sie immer heller: Zunächst Kallisto, dann Europa, dann Io und zuletzt weit draußen Ganymed.
Ehrlich gesagt, ich hätte dieses Erlebnis NIE gegen ein F1-Rennen tauschen mögen. Auch wenn der Ausgang vorher klar war, dieses kosmische Erlebnis kann mir niemand nehmen, hier gewinnt man immer. Hätte nie gedacht, über 2 Stunden nur ein einzelnes Objekt zu verfolgen (außer einen kleinen Abstecher zu Saturn), aber es war toll.
Schönen Sonntag wünscht
Rudi
P.S.
Tribünenplatz: Niederbayern
Optische Hilfsmittel: 10" Dobson, Okular: 4mm Radian