Frage: Vorteile Fernglas gegenüber Fernrohr?

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berchtold

Neues Mitglied
Hallo

Ich habe mich bei diesem Board angemeldet in der Hoffnung, Antworten auf ein paar sachbezogene Fragen zu erhalten. Leider werde ich - vorläufig zumindest - wahrscheinlich nur wenige konstruktive Infos für andere beisteuern können, da ich in Bezug auf die Astronomie zwar Interesse, aber noch keine Erfahrung habe.

Zunächst hätte ich eine Frage, die sich auf Ferngläser bezieht, und zwar ist es so, dass ich - auch mit aufgesetzter Brille - mit dem linken Auge unscharf sehe, weil ich dort eine Hornhautverkrümmung habe. Mit dem rechten Auge sehe ich gut. Es hätte für mich deshalb keinen Sinn gehabt, als Einstieg in die Himmelsbeobachtung ein Fernglas zu kaufen (d.h. Geld auszugeben für ein nutzloses Auge). Stattdessen habe ich mir ein "Danubia 25x30 B Fernrohr" zugelegt, das erstens nicht teuer war, zweitens sehr leicht ist und drittens, da ausziehbar, gut in der Hosentasche mitgeführt werden kann. Dieses Fernrohr ist auch geeignet, um auf Spaziergängen und Fahrradtouren Tiere, Strassenschilder etc. besser zu sehen.

Dennoch frage ich mich - rein aus Interesse, ändern kann ich's ja nicht - was ich mit meiner "Einäugigkeit" verpasse. Den Postings in diesem Forum entnehme ich, dass Menschen mit zwei guten Augen eher ein Fernglas mit zehnfacher Vergrösserung kaufen als ein genauso leichtes und klein zu transportierendes Fernrohr mit mehr als zwanzigfacher Vergrösserung.

Ich stelle mir vor, dass Faktoren wie das weitere Sichtfeld und Dreidimensionalität eine Rolle spielen. Ist das richtig? Meine Freundin, die auf beiden Augen sehr gut sieht, empfindet es auch grundsätzlich als unangenehm, dass man beim Fernrohr mit nur einem Auge blicken muss (ich hingegen nicht - möglicherweise deshalb, weil ich in gewissem Sinn mein ganzes Leben nur mit einem Auge sehen konnte).

Was sind also die wesentlichen Gründe, weshalb bei Vergrösserungen um die 10x bis 20x Ferngläser oft bevorzugt werden? Was ändert sich für euch, wenn ihr durch ein Fernglas schaut und dann ein Auge zudrückt?

Berchtold
 
Hallo Berchtold,

herzlich willkommen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Meine Antwort, weshalb ich parallel zum Teleskop immer Ferngläser (mit und ohne Stativ etc.) benutze:

- immer zur Hand
- riesiges Gesichtsfeld, das zum Spazierengehen am Sternenhimmel einlädt
- beidäugiges - damit entspanntes - Sehen => größere Wahrnehmung

Schon mit einem Glas mit 50 mm Öffnung sammelt man für seine Augen rund 100 Mal mehr Photonen als man mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Daher sind Ferngläser auch so perfekt dazu geeignet, den Sternenhimmel kennenzulernen. Ich selbst habe - ehe ich ein wirklich brauchbares Teleskop hatte - lange Zeit nur mit Fernglas beobachtet und nutze meine Gläser heute immer neben dem Teleskop. Deiner Freundin geht es wie wohl vielen: Mit einem Auge ist das Beobachten unangenehm und da man verkrampft ist, sinkt auch die Wahrnehmung massiv.

Übrigens: Teleskope und Ferngläser miteinander vergleichen ist meiner ANsicht nach gar nicht sinnvoll, weil beide Gerätgruppen völlig unterschiedliche Bereiche und Bedürfnisse abdecken. Aber: Wer mit Fernglasbeobachtungen einmal Feuer gefangen hat, der wird sicher bald ganz von selbst Lust auf mehr, sprich ein Teleskop, bekommen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Viele Grüße

Serenitatis
 
Hallo Berchthold,
willkommen hier.
Mein Vorredner hat es schon sehr gut getroffen.
Die meisten nutzen wohl beides.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: zwei Augen sehen mehr als eins - schließe ich ein Auge am Fernglas, dann wird das beobachtete Objekt kleiner und dunkler.
Für Übersichtsbeobachtungen also idealerweise mit dem Fernglas (bis ca. 8x noch per Hand, 10x und mehr nur mit Stativ wg. ruhigem Bild) und wenn man dann höher vergrößern möchte geht's ans Fernrohr. Auch am Fernrohr ist übrigens beidäugiges Sehen möglich mit einem Binoular-Ansatz und zwei gleichen Okularen, aber dafür muß man schon ganz ordentlich in den Geldbeutel fassen, wenn das vernünftig sein soll.
Gruß Ralf
 
Hallo Serenitatis, hallo Ralf,

Vielen Dank für eure Antworten. Manchmal wünsche ich, ich könnte einfach für ein paar Minuten mal mit beiden Augen scharf sehen - auch wenn dazu eine Brille nötig wäre -, aber dann sag ich mir auch, lieber nur mit einem Auge als mit gar keinem.

Berchtold
 
Hallo Berchthold,
wenn Du nicht mit beiden Augen sehen kannst, geht Dir natürlich ein wesentlicher Vorteil der Fernglasbeobachtung verloren. Aber ich denke, dass auch bei Beobachtung mit einem Auge ein Fernglas durchaus noch Sinn macht. Ein Feldstecher zeigt Dir ebend ein großes Gesichtsfeld und ist - wie schon erwähnt - schnell einsatzbereit.
Bei eBay werden manchmal auch ältere monokulare (einäugige) Ferngläser angeboten. Ob Jetzt noch neue monokulare Ferngläser angeboten werden weiß ich nicht, vielleicht könnte dazu aber jemand mit entsprechender Marktübersicht Auskunft geben. Ich hatte in meiner Anfanfangszeit mal ein monokulares 10x50-Glas von Zeiss Jena (das war billiger als ein binokulares, dieses konnte ich mir nicht leisten). Ich erinnere mich, dass ich mit diesem Glas sehr viel und sehr gern beobachtet habe. Jedenfalls wird Dir das Fernglas mehr zeigen, als Dein Danubia 25x30. Dieses hat ein relativ kleines Gesichtsfeld - für Detailbeobachtungen ist die Vergrößerung nicht hoch genug und die Öffnung ist zu klein. Zur Fernglasbeobachtung generell hat Frank Schäfer auf seiner Homepage einen sehr interessanten Artikel geschrieben:
http://212.80.228.216/sites/f.schaefer/default_start.htm
(da auf Astronomie klicken, dort findest Du den Beitrag "Ferngläser für die Himmelsbeobachtung" sowie weitere Informationen zu Ferngläsern - allerdings nur Binokulare)

Frank

www.stern-freund.de
 
Hallo Berchtold!

Ich bin, was die Hornhautverkrümmung angeht, ein leie. Siehst du im Normalen Alltag, wenn du mit beiden Augen durch die Brille siehst verschwommen, oder gleicht das Gehirn ein wenig das schlechte Auge im Bezug zum Guten Auge aus, so das Du halbwegs scharf siehst.
Wie verhält sich das jetzt, wenn du mit Brille durch das Fernglas siehst, verschlächtert sich dadurch die unschärfe durch die Vergrößerung?

Viele Grüße
Rainer
 
Hallo Frank

Vielen Dank für die Hinweise und für den Link.

Hallo Rainer

Ich habe mir heute - zum ersten Mal eigentlich - näher angeschaut, was mir ein Augenarzt vor Jahren mal auf eine Brillenverordnung geschrieben hat. Dort steht "links Amblyopie ex Anisometropie".

Wenn ich die Infos, die mir Google geliefert hat, richtig verstanden habe, dann ist nicht mein linkes Auge das Problem - das ist anscheinend funktional genauso in Ordnung wie mein rechtes -, sondern das Problem liegt darin, dass meine Augen unterschiedliche "Brechwerte" aufweisen. Das Bildverarbeitungssytem meines Gehirns musste sich früh für das eine oder andere Auge als massgebliche Datenquelle entscheiden, andernfalls ich die Welt als Doppelbild wahrgenommen hätte. Es hat sich offensichtlich für das rechte Auge entschieden.

Das ist alles völlig neu für mich und wird wohl Anlass zu einem Besuch beim Augenarzt sein. Ich habe da ein paar Fragen, die ich zunächst einmal beantwortet haben möchte.

Berchtold
 
Hallo Berchtold,
Amblyopie ist zu Deutsch Schwachsichtigkeit, kann wohl verschiedene Ursachen haben, bei Dir offenbar starker Unterschied in der Brechkraft, bei manchen Schielen, aber es kann wohl auch sein, dass das Auge schielt, weil es nicht richtig sieht. Jedenfalls ist das Ende vom Lied, dass vom Gehirn gerade die Stelle des besten Sehens, der gelbe Fleck, ausgeblendet wird. Du hast auf dem Auge wahrscheinlich das normale Gesichtsfeld, aber nur sehr schlechtes Detailsehen. Wenn es erstmal so weit ist, kann man das Problem auch durch Korrektur des zugrundeliegenden optischen Fehlers nicht mehr beheben. Die Kinder, die mit diesen typischen Augenklappen herumlaufen, werden praktisch gezwungen, mit dem schwachsichtigen Auge zu sehen, wodurch das Problem wegtrainiert werden kann, aber nur, wenn es vor dem Schulalter gemacht wird.
Das war bei mir nicht der Fall, so wie offenbar bei Dir. Mein Auge ist optisch gesehen allerdings weitgehend oK (köntte wohl am Schielen gelegen haben, aber vielleicht auch nicht).
Wenn Du nun das optische Problem Deines Auges durch Brille (oder durch den Dioptrienausgleich des Okulars, da gibt es allerdings gewisse Grenzen) korrigierst, dann sollte das kranke Auge gar nicht so übel sein, denn der Sternfreund benutzt ja nicht selten das indirekte Sehen, und genau das kann Dein Auge "schlechtes" Auge genauso gut wie ein gesundes - vorausgesetzt die Optik lässt sich korrigieren.
Ich selber benutze jedenfalls gerne ein binokulares Glas, und zwar ohne Brille, obwohl mein rechtes Auge Visus 0,1 hat, das heisst, Buchstaben müssen 10x so gross sein wie normal, damit ich sie lesen kann. Ich muss mir immer etwas Mühe machen, das schlechte Auge scharf zu fokussieren, aber es geht und bringt was.
Du siehst also, Astronomie ist eigentlich das ideale Hobby für Leute mit Amblyopie.
Gruss
Carsten
 
Hab noch vergessen: Anisometropie lässt sich am besten mit Kontaktlinsen korrigieren, weil man da wohl nicht wie bei der Brille zwar scharfe, aber unterschiedlich große Bilder erhält. Ob das nun bei Dir Sinn hat, musst Du wohl wirklich mal mit einem Augenarzt besprechen, denn ich bin Kardiologe...
Gruss
Carsten
 
Hallo Carsten,

Deine optische Situation ist für mich schwer nachvollziehbar, aber ich kann zumindest folgendes zum Thema sagen:
Mein Vater war auf einem Auge aufgrund einer Kriegsverletzung fast blind und hat trotzdem noch genügend wahrgenommen, um zumindest "Gleichgewichtsinformationen" und einige "Abstandsinformationen" über dieses Auge zu bekommen.
Ich denke, Du solltest auf keinen Fall theoretisch vorgehen, sondern unbedingt bei Bekannten durch verschiedene Ferngläser sehen - ich denke, so wie Du Dein Problem geschildert hast, könnte ein Fernglas immer noch besser sein als ein einäugiges "Monokular" - falls nicht, kann ich Dir empfehlen, mal bei e-bay nach "Carl Zeiss Jena" Monokularen zu schauen, werden immer wieder recht preisgünstig angeboten (weniger als halber Preis des Fernglases).
Was zum Beispiel für mich schon für ein Fernglas spricht, ist die optimale "Griffigkeit" mit 2 Händen. Zudem sind die meisten "Fernrohre" (Spektive? bei Fernrohren siehst Du alles auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt) nicht mit Weitwinkelokularen ausgestattet und haben höhere Vergrößerungen, die freihändig nicht mehr zu verwenden sind.
Probier's aus - es gibt da viel zu entdecken!

Gruß
 
Schon mit einem Glas mit 50 mm Öffnung sammelt man für seine Augen rund 100 Mal mehr Photonen als man mit bloßem Auge wahrnehmen kann.

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/blush.gif" alt="" />

Was ich dort gestern schrieb, ist Kokolores, wie man im Ruhrpott zu sagen pflegt: Im Unterschied zum bloßen Auge ist es rund 50 Mal mehr Licht, das man seinem Auge mit einem 50 mm-Glas zuführt. 100 Mal mehr gibt es erst mit einem 70 mm-Glas...

Gruß

Serenitatis
 
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