> Ist es immer im August so dass der Mond unglaublich tief steht? Und dann langsam
> im Lauf des Jahres wieder höherklettert?
Fast; normalerweise ist es im Juni so. Und er klettert im Verlauf des
Monats wieder höher <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Um ein bisschen auszuholen: die Sonne läuft ja einmal im Jahr rund um den
ganzen Fixsternhimmel; die Bahn, auf der sie sich dabei (scheinbar) zwischen
den Sternen bewegt, ist die Ekliptik. Die Ekliptik wiederum ist gegen den
Himmeläquator um 23.4° geneigt, so dass sich die Sonne ein halbes Jahr lang
auf der Südhälfte des Himmels befindet (Herbst, Winter) und ein halbes Jahr
auf der Nordhälfte (Frühling, Sommer). Das ganze Auf und Ab wiederholt sich
im jährlichen Rhythmus.
Die Bahn, auf der der Mond vor dem Fixsternhintergrund dahinläuft, ist fast
mit der Ekliptik identisch (nur um gut 5° gegen diese geneigt). Allerdings
umkreist der Mond die Erde einmal im Monat und braucht daher nur einen Monat,
um seine Bahn einmal zu durchlaufen. Da seine Bahn mit der der Sonne praktisch
identisch ist, vollführt er auch dasselbe Auf und Ab: wenn er den nördlichen
Teil seiner Bahn durchläuft, steht er auf der Nordhälfte des Himmels, wenn
er den südlichen Teil durchläuft, auf der Südhälfte. Nur passiert das eben
beim Mond einmal im Monat statt einmal im Jahr.
Jeden Monat steht der Mond also einmal so weit nördlich wie die Sonne im Hoch-
sommer, und einmal steht er so weit südlich wie die Sonne im tiefsten Winter.
Nur die Mondphasen, zu denen dies geschieht, verschieben sich. Der Voll-
mond steht der Sonne am Himmel gegenüber; wenn sich die Sonne auf dem nördlichsten
Punkt der Ekliptik befindet (Sonnwende im Juni), steht der Vollmond auf deren
südlichsten Punkt, also sehr 'tief'. Bis zum nächsten Halbmond (letztes Viertel)
ist er dann zum Himmelsäquator hochgewandert, bei Neumond steht er weit nörd-
lich (fällt dort aber kaum auf), und beim ersten Viertel steht er wieder auf
dem Himmelsaäquator, um bis zum nächsten Vollmond wieder in den Südhimmel zu
tauchen.
Zur Wintersonnwende ist es anders herum: die Sonne steht jetzt im südlichsten
Teil der Ekliptik, der Vollmond folglich im nördlichsten Teil. Der Neumond
steht jetzt genau so tief wie im Sommer der Vollmond, nur bemerkt ihn dabei
kaum jemand.
In den Zeiten dazwischen fällt die tiefste bzw. höchste Stellung auf andere
Mondphasen und ist daher wenig auffällig.
Fazit: der Mond steht jeden Monat einmal besonders 'tief' und einmal besonders
'hoch'. Man beachtet ihn aber fast nur bei Vollmond, und der Vollmond fällt im
Winter mit der hohen Stellung und im Sommer mit der tiefen Stellung zusammen.
Dazu kommt noch etwas anderes: die Mondbahn ist um 5° gegen die Ekliptik
geneigt, und diese ist wiederum um 23° gegen den Himmelsäquator geneigt.
Infolge einer Präzessionsbewegung der Mondbahn wandern deren Schnittpunkte
mit der Ekliptik einmal in 18.6 Jahren um die ganze Ekliptik. Je nach Stellung
von Mondbahn und Ekliptik zueinander addiert sich die Neigung der Mondbahn
zu der der Ekliptik (Mondbahn ist um 28° gegen Himmelsäquator geneigt) oder
sie subtrahiert sich (Mondbahn ist um 18° gegen Äquator geneigt). Wenn die
Mondbahn besonders stark gegen den Äquator geneigt ist, steht der Mond an
den Extrempunkten seiner Bahn auch besonders weit nördlich bzw. südlich.
Im Jahre 2006 wird wieder eine solche Stellung besonders starker Neigung
erreicht sein, und dem einigermaßen aufmerksamen Beobachter fällt jetzt schon
auf, dass der Vollmond im Winter 'ungewöhnlich hoch' und im Sommer 'ungewöhn-
lich tief' steht. Das wird im übernächsten Jahr den Höhepunkt erreichen und
dann langsam wieder abklingen, um sich 18.6 Jahre später zu wiederholen.
Tschau,
Thomas