Re: Tubusseeing???
Hallo Andreas,
ich hoffe Du nimmst mir meinen Einwurf nicht uebel. Natuerlich ist die
Sache schon wieder (meine Schuld) meilenweit Off-Topik, aber warum soll man
sich nicht mal uebers Seeing unterhalten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> .
Ein paar Gedanken zu deiner Antwort:
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Der Temperaturunterschied macht erst mal gar kein schlechtes Seeing,
nur die sich turbulent bewegende Luft!
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Das sehe ich allerdings anders. Selbst wenn Du durch einen stationaeren laminaren
Thermikschlauch mit 1gC Temperaturunterschied von 30cm Laenge durchschaust, dann verschiebt
das die Wellenfront um ca 0.6 Lambda (wenn ich mich jetzt auf die Schnelle nicht irre)
verglichen mit dem Licht, dass neben dem Schlauch laeuft.
Nehmen wir mal 0.5 Lambda, dass kann man noch im einigermassen schnell rechnen.
Stuende sowas z.B. halb vor dem Spiegel (z.B. Koerperwaerme des Dobsbeobachters verdeckt
die halbe Oeffnung), dann folgt daraus ein rms Wert von 0.25 Lambda. Das hiesse fuer einen
Super - Spiegelchen mit einem Strehl von 1.0, dass dieser bis auf 0.08 Strehl abstuerzt.
Das ist bitter und das sieht man dann in der Tat.
Jetzt behaupte ich aber keineswegs, dass so ein Katastrophenszenario oefter
eintraete oder gar die Regel waere. Ganz im Gegenteil - ich weiss wirklich nicht,
wie die tatsaechlichen Einfluesse real da draussen zu bewerten sind.
Mich stoert einfach, dass Du die Faktoren in und rund um's Rohr im Vergleich
zum atmosphaerischen Seeing um einem Faktor 1:10000 ratzfatz als unwichtig abhakst,
ohne das wirklich schluessig zu belegen.
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Und die Luft bewegt sich in jeder Schicht der Atmosphäre heftiger und
turbulenter, als in einem geschlossenen Tubus.
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Ja das mag schon sein, allerdings auch in wesentlich groesseren Dimensionen und wie ist das
zu bewerten?
Was ist denn deiner Meinung nach optisch schlimmer:
- eine Thermikblase von 10cm Durchmesser mit 100mbar niedigerem Druck und hoehrer Temperatur
mit 5m/s Steiggeschwindigkeit.
- eine Thermikblase von 1 m Durchmesser mit 100mbar niedigerem Druck und hoehrer Temperatur
mit 1m/s Steiggeschwindigkeit.
- eine Thermikblase von 100 m Durchmesser mit 100mbar niedigerem Druck und hoehrer Temperatur
mit 0.25m/s Steiggeschwindigkeit.
Ich hab' keine Ahnung.
Natuerlich ist auch Turbulenz ein grosses Problem, das will ich ja ueberhaupt
nicht bestreiten. Aber mir faellt es sehr schwer die Wirkung quantitativ abzuschaetzen
und mit anderen Faktoren zu vergleichen.
Ich habe mal versucht mich in eine Publikation zum Thema Seeing und dessen
Auswirkung auf die Abbildung (Speckles) einzulesen (der verflossenen Ullrich Henneke hatte
das mal gepostet). Nach drei Seiten war meine Geduld alle, nach vier mein Mathe
und die Geschichte hatte noch zwanzig Seiten in Petto...
Mein lieber Schwan, das vorgeschlagene Modell war aber alles andere als ohne!
Und deshalb (siehe auch meine Antwort an Tom) denke ich man darf in Sachen Seeing
eben nicht so ratschpeng Schnellschluesse ziehen. Das gibt dann nur wieder Legenden
Nahrung, die ebenso unbelegbar wie beinahe unwiderlegbar sind und die sich dann ewig
halten.
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Der Gradient von 2° erscheint
mir doch sehr hoch, bei dieser marginalen Ursache der zweifelhaften IR
Reflexion des Erdbodens. Da könnte man ja fast eine Wärmepumpe anschließen.
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Ueber 2gC kann man sicher trefflich streiten. Das mir allerdings IR bedingt
immer die Schmidtplatte zuerst zutaut und nicht die Tubusunterseite ist allerdings
keineswegs zweifelhaft. Strahlungsverluste rund um's Teleskop sind ein Problem.
Als z.B. der Martin damals seine ersten Temperaturmessungen vorgestellt hat, war
ich genauso skeptisch wie Du. Inzwischen sehe ich die Sache wesentlich
unvoreingenommener, siehe z.B. Kurts Messungen hier:
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=2065
und schau mal was die Spiegelrueckseite da noch nach Stunden so treibt.
Trotzdem hast Du vollkommen Recht:
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Was ist denn z.B. wenn der Erdboden WÄRMER als die Luft ist? Soll ja im Sommer
auch mal vorkommen. Ist das Rohr dann von unten wärmer, weil der Boden IR Stahlung
abgibt? Bei welcher Boden/Luft Temperaturdifferenz wird ein Gleichgewicht erreicht?
Bei welchem Rohrdurchmesser?
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Auch nach x-Messnaechten blickt der Kurt noch nicht voellig durch. Es sind zu viele
Variablen im Spiel. Aber Tendenzen - manche naheliegend, andere eher ueberraschend -
kann man durchaus schon ausmachen. Und die kann man durchaus baulich umsetzen und
empirisch gesehen hilft's anscheined schon. Karsten z.B. scheint sich nach der
Umruestung seines Dobs durch den Kurt ja tatsaechlich mit weniger Wabbelnaechten
zu plagen. Ich werde mir das gelegentlich mal angucken. Da gibt's sicher noch ein
paar Tricks die Sinn machen und die man sich abgucken kann ...
Uff, was fuer ein Seromon.
Jetzt aber erst mal gut...
Gruss,
Mario