Gibt es alternativen zur Pechhaut ?

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Raimund_Hilz

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Hallo Spiegelschleifer und Polierer,

ich bin gerade dabei, für meinen ersten selbstgeschliffenen 8" Spiegel die Pechhaut zum polieren anzufertigen und bin Gott sei Dank für die Erledigung dieser Arbeiten außer Haus gegangen, um die Wohnung nicht in Mitleidenschaft zu ziehen.

Es hat auch alles soweit ganz gut geklappt nur ist das schon eine ganz schön brösselige Arbeit, bis die übergelaufenen Pechreste wieder vom Spiegel und von dem Tool entfernt sind.
Jeder dieser Minibrössel pappt bei Raumtemperatur aber wirklich überall an.
Wenn so ein kleines Pechstück auf den Teppich fällt ist selbiger kaum noch zu reinigen, daher gefällt mir diese Sache nicht so gut.

Nun meine eigentliche Frage, hat schon mal jemand Versuche mit alternativen Materialien gemacht ?

Ich denke da entweder an die Erstellung einer Polierform mit Epoxydharz oder sogar mit Silikon.
Epoxydharz hätte sogar auch ein minimales Fliesverhalten nach dem Aushärten, solange es nicht getempert wird, außerdem gibt es da verschiedene Typen.
Ein nacharbeiten der Oberfläche ist ebenfalls ohne große Probleme möglich, meiner Meinung nach sollte das eigentlich funktionieren.

Silikon könnte auch gehen, aber mit dem Nacharbeiten dürfte es hier Probleme geben, ein abtragen von Material wird kaum möglich sein.

Sollte irgend jemand schon mal Versuche in diesen Richtungen gemacht haben,
währe ich an den damit erzielten Ergebnisse sehr interessiert.

Schönen Gruß und CS

Raimund

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Raimund,

es gibt durchaus alternative Materialien. Jedoch habe ich noch nie etwas von Silikon oder Epoxiharz gehört. Wenn ich mir das überlege kann das damit eigentlich auch nicht funktionieren. Eigeltlich ist es weniger das Poliermittel als der sog. Poliermittelträger welcher die Polierwirkung hat. Um gut polieren zu können muß ein Poliermittelträger bestimmte Eigenschaften haben. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist, daß sich Poliermittelträger mit Poliermittel vollsaugen müssen - jedoch nicht zu viel und nicht zu wenig. Silikon wird dies sicher nicht tun und bei Epoxi-Harz bezweifle ich das auch, wobei ich da sicher nicht alle Kunstharze in diese Richtung kenne.

Die in der Optik üblichen Poliermittelträger sind:
1. Das gute alte Polierpech. Wie es sich zusammensetzt und so weiter kann man ausführlich auf Astrooptik.de.vu nachlesen.
2. Filz poliert schnell aus kann aber nicht auf hochgenaue Flächenformen polieren - also bestenfalls auf 1-2 Lambda Oberflächenabweichung.
3. Polyurethanfolie kann erfolgreich bis etwa Lambda 5tel Oberfläche in der Serie und besser in der Einzelfertigung genutzt werden. Jedoch ist es bei solchen Genauigkeiten erforderlich die Folie mit einem Diamantwerkzeug abzurichten und einzuschleifen. Diese Folien gibt es mit verschiedenenen Eigenschaften, also z.B. verschieden hart. 4. Desmopanfolien - damit habe ich noch nicht gearbeitet, soll aber auch nicht so der Hit sein was die Passe angeht
5. Poliertuche, also Stoffe die zum Teil aus Naturfastern oder auch ganz aus Kunstfasern bestehen. Auch damit habe ich keine Erfahrung - sind aber ähnlich wie Filz nur für grobe Passen zu gebrauchen.
6. Spezielle Kunststoffolien für das Überpolieren

Hier ein kleines Bildchen auf dem verschiedene alternative Poliermittelträger abgebildet sind (konnte jetzt auf die Schnelle im Netz kein besseres finden) Link zur Grafik: http://www.universalphotonics.com/up_images/7.GIF

Also es gibt eine ganze Menge alternativen um das Glas blank zu bekommen - aber kein Poliermittelträger kommt an eine derart glatte und gleichmäßige Oberfläche wie das gute alte Polierpech - auch die Passe kann nur mit Pech ganz genau gehalten werden.

Ich arbeite gerne mit härterem Pech - Bei Zimmertemperatur kann man in das kaum den Fingernagel eindrücken. Dies poliert zwar langsamer und es ist ein bißchen schwieriger es an den Spiegel anzupassen jedoch kabe ich kaum Probleme mit der "Sauerei". Wenn's mal bricht habe ich feste Brösel die man gleich wegkehren oder zur Not auch saugen kann. Pech ist in Benzin löslich - so bekommt man auch Tische wieder sauber.

Viele Grüße
Raphael
 
Da war doch irgendwo ... Moment ... Seite ... ach hier:

aus Rohr: Das Fernrohr für jedermann (1964) S. 39:


"b) Wachspolitur auf Bienenwaben-Blättern. Der Erfinder dieser verhältnismäßig neuen Methode is einer der größten Spiegelschleifer der Neuzeit, A.W.Everest, dem die Kunst des modernen Spiegelschliffs viel zu verdanken hat. [...] - Everest klebt auf die vorgewärmte Schleifschale mit etwas warmem Pech ein Blatt Bienenwachs, wie sie die Bienenzüchter ihren Bienen zum Wabenbau in die Bienenstöcke hängen. Das Wachsblatt trägt bereits die sechseckigen Facetten-Böden der zukünftigen Zellen eingepreßt. Man beschickt das aufgeklebte Blatt mit Polierrot und poliert wie üblich. Die mit diesem Verfahren erreichte Politur ist gut, vor allem rasch und sicher. Everest selber aber schreibt, daß sie für höchste Ansprüche dennoch nicht an die eigentliche Pech-Politur heranreiche, die wir nachstehend [...]."

Ich habs selber nie ausprobiert aber es scheint mir bezüglich Beschaffung/Preis/Handhabung doch eine würdige Alternative für einen Erstschliff.
Die Bienenwachsblätter sind übrigens dieselben, die man zum Selbstdrehen von Kerzen nimmt und in jedem besseren Wachs/Kerzen-Geschäft oder beim Imker Deiner Wahl erhältlich.

richy
 
Pechhaut mal anders ?

Hallo Raphael,

vielen Dank für Deine hilfreiche Information, es geht also nur oder doch am besten mit dem Pech, zumindest für die genaue Politur zum Finish.

Nachdem mir mein Spiegel nun doch noch beim Pressen an das Pech geklebt ist und ich es nur noch mit etwas Gewalt trennen konnte ( Spiegel ist noch ganz ! freu !! ) werde ich nun die Prozedur noch mal machen und etwas mehr aufpassen.

Bei der Ansicht der oben gezeigten verschiedenen Polierkörper ist mir gerade folgender Gedanke gekommen, wie ich die Pechhaut alternativ aufbringen könnte:

Anstelle von einem ganzen Guss sollte es doch möglich sein, einige kleine runde Scheiben mit einem Durchmesser von ca. 20mm zu gießen.
Zum Beispiel ganz einfach mit einem alten Löffel jeweils einen voll mit Pech auf ein Backpapier oder eine Trennfolie gießen. ( Fast wie beim Plätzchenbacken )
Die Herstellung einer kleinen Metallform dafür währe jedoch auch kein Problem.

Diese Scheiben könnten dann in leicht angewärmten Zustand unter einer kleinen Presse auf exakt die selbe Dicke gepresst werden, im warmen Zustand entstehen keine Scharfen Kanten und es kann nichts bröseln. ( Auch Schraubstock mit Distanzhaltern würde gehen )

Diese Scheibchen dann in den Spiegel legen, darunter ebenfalls Folie, das Tool soweit erhitzen das es das Pech ganz leicht anlösen kann um eine Haftung zu erzielen, aufsetzen und mit Gewicht beschweren.
Ich könnte mir vorstellen, das mit dieser Methode ohne großen Aufwand und innerhalb kürzester Zeit Poliertools ohne Sauerei angefertigt werden könnten.
Ich werde auf jeden Fall mal in den nächsten Tage einige Versuche in dieser Richtung unternehmen.

Ein weiterer Vorteil bei dieser Methode währe, das sich das ritzen der Pechhaut ebenfalls von selbst erledigt da die Polierfläche ja schon segmentiert ist.

Es würde mich mal interessieren, was andere Spiegelschleifer zu dieser alternativen Methode sagen, es müsste doch zu machen sein ?


Schönen Gruß und CS Raimund
 
Re: Pechhaut mal anders ?

Hallo Raphael,

> vielen Dank für Deine hilfreiche Information, es geht also nur oder doch am besten mit dem Pech, zumindest für die genaue Politur zum Finish.

Ja, würde ich sagen! Und ob das mit dem Bienenwachs so eine gute Idee ist ... *malzweifel*

> Nachdem mir mein Spiegel nun doch noch beim Pressen an das Pech geklebt ist und ich es nur noch mit etwas Gewalt trennen konnte ( Spiegel ist noch ganz ! freu !! ) werde ich nun die Prozedur noch mal machen und etwas mehr aufpassen.

Die Pechhaut nichtmehr ganz? Mir ist das bisher auch nur bei kleinen Teilen passiert (D: 110mm) aber da ging das mit Einlegen in warmes Wasser und Warten bis das sich zwischen die Pechhaut und den Spiegel gezogen hat ganz gut auseinander. Zur Not könnte man das auch mit Spühlmittel im Wasser versuchen, da müßte das noch besser gehen. Man kann auch versuchen den Spiegel zu erwärmen, und die Pechschale kalt zu lassen. Durch den Temperaturunterschied geht's wieder auseinander. So mach ich das jedenfalls beim Schleifen.

> Es würde mich mal interessieren, was andere Spiegelschleifer zu dieser alternativen Methode sagen, es müsste doch zu machen sein ?

Sicher! Das machen auch viele und da glaube ich gibts auch fertige Gußvorlagen. Ich selber habe das noch nicht gemacht, aber da wirst Du noch viele gute Tips bekommen - auch wenn Du mal die Suche hier im Forum bemühst - oder auch mal in's Archive schauen, da müßte schon ettliches geschrieben stehen.

Viel Glück und Erfolg mit Deinem Pech!
Raphael
 
Re: Pechhaut mal anders ?

Hallo Raimund,

vorneweg eine Frage: was genau für ein Pech verwendest denn Du? (Der Unterschied zwischen einem 23er zum 28er Schwarzpech ist deutlich zu merken.)

Unheimlich wichtig für den Poliererfolg ist eine absolut gut anliegende Pechhaut, die etwas Platz haben muß (Kanäle oder Riefen) um sich der Spiegelform auch weiter ideal anzupassen.

Fürs Anpassen eminent wichtig ist die Beschaffenheit des Pechs UND die Raumtemperatur. Ich habe die Tage erst wieder die Erfahrung gemacht, daß 2 Grad höhere Temperatur den Unterschied zwischen gezieltem Parabolisieren und unkontroliertem Herumpolieren ausmachen.

Zum Pechhautgießen: es muß nicht eine Sauerei geben. Mittlerweile reicht mir ein großes Blatt Zeitungspapier als Unterlage. Das Pech wird auf dem Küchenofen geschmolzen, gleich danneben die Pechhaut gegossen. Ich beklebe den Spiegel seitlich mit Malerkreppband mit überstehenden Rand, das verhindert das Überlaufen bis zu einem gewissen Grad, außerdem wird der Spiegel seitlich nicht eingesaut. Für die Pechhaut gibt es sicherlich hunderte leicht variierender Methoden, Du findest sicherlich die für dich am besten geeignete.

Beste Grüße

Achim
... der heute nach dem 14er nun auch den 12 1/2er fertig parabolisiert hat!
 
Re: Pechhaut mal anders ?

Hallo Achim,

das verwendete Pech ist meines Wissens vom Typ 28.
Den Spiegelrand habe ich mit Packband etwas nach oben überstehend beklebt, um das überlaufen des Pechs zu begrenzen, allerdings habe ich evtl. etwas zu viel reingeschüttet, den es lief doch darüber hinaus.
Die Pechschicht sollte ca. 5mm dick werden, ist das schon zuviel ?

Ich werde heute die Prozedur noch mal wiederholen und hoffe, das es dann klappt.




Schönen Gruß und CS Raimund
 
Re: Pechhaut mal anders ?

Hi Raimund,

5mm sind mehr als notwendig, schaden dürfte es auf der anderen Seite nicht. Ich gieße mir 3mm-Pechhäute. Um auch die 3mm zu erzielen lege ich am Spiegelrand an 3 Punkten kleine Distantzstücke unter. Dafür verwende ich mit Spülmittel benetzte kleine Holzstückchen. Sollte das Pech beim Toolauflegen noch etwas zu weich sein "säuft" dieses dann nicht weiter ab.

Gutes Gelingen

Achim

p.s. Vor dem Gießen berechne ich den Pechbedarf (Volumen) und schmelze nicht allzuviel mehr.
 
Hallo Raimund,

seit einiger Zeit verwende ich eine Gießmatte aus Silikon. Sie wird auf den Spiegel gelegt, das Pech draufgegossen und das Tool aufgesetzt. Nachdem das Pech fest geworden ist löst man es aus der Form, trimmt den Rand und setzt es auf den mit Poliermittel benetzten Spiegel. Pressen. Fertig.
Ok, dezeit werden die Facetten etwa 6 mm hoch, offensichtlich etwas viel. Vielleicht sollte ich die nächste Version flacher machen.
Ein Bild davon findest du
hier.

Die Bienenwachsmethode habe ich mal an einem 93 mm Spiegel ausprobiert, geht schnell, ist aber kein Ersatz für Pech. siehe dazu auch
Bienenwachs

Die Sache mit den einzelnen Tropfen auf dem Tool habe ich auch schon gesehen, nur finde ich gerade die URL nicht. Der Kollege tropf mit dem Löffel das Pech direkt auf das Tool und presst mit dem mit Poliermittel benetzten Spiegel. Keine Sauerei. Das mit dem Gießen in Förmchen erinnert mich an den Vorschlag von Texereau in seinem Buch: Streifen gießen, in Stücke schneiden und auf das Tool bringen. Habe ich ausprobiert, splittert genauso wie alles andere.

Viel Erfolg bei deinem Spiegel. Gruß,
Chris
 
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