Glaspilz am Zeiss Meniscas 150

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WUNNI

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Hallo!
Der Thead Pilzkur für Reducer hat mich aufgeschreckt: Wie geht es eigentlich meinen Zeiss Meniscas 150?
Den habe ich vor fast 30 Jahren dem bekannten DDR-Raumfahrt-Autor Heinz Mielke abgekauft und viel verwendet. Seit ich eine Station im Garten habe, ist der "nur" noch das mobile Teleskop, noch so ein Kellerkind.
Er liegt zwar im Keller, aber belüftet und trocken in seiner Kiste. Nur im Sommer bei schwülwarmer Luft ist die Luftfeuchtigkeit hoch, aber stets nur für kurze Zeit.
Heute habe ich nun das schrecklich schwere Gerät aus der Kiste gewuchtet, in mein Keller-Labor gelegt, mit LED-Strahler angestrahlt und mit dicker Brille beäugt. Um überhaupt an die Mensicuslinse ranzukommen, musste ich die lange Taukappe abschrauben, ein lächerlich kompliziert gebautes Teil. Für die vier Befestigungsschrauben waren 8 Gewindebohrungen vorhanden - da hatte man sich wohl mal verbohrt?!

Frontlinse.jpg


Achherrjeh!
Wo kommen denn die vielen weißen Krümel her?

Mit Isopropanol und Dest-Wasser 1:1 bin ich der Vorderseite der Meniscuslinse zu Leibe gerückt. Die weißen Krümel blieben, manche hatten auch so komische Fransen - Glaspilz! :mad:
Sie gingen nicht weg - alles innen!! Na toll, dann kann ich das ehemals wertvolle Gerät ja in die Tonne hauen...

Was solls, also Fassung demontieren (man sieht eine der Schrauben) und innen putzen. Da ich die Linse nicht aus der Fassung nehmen wollte, brauchte ich mehrere Versuche, um "streifenfreien Glanz" zu erreichen. Zum Glück blieben vom Glaspilz nur zwei, drei winzige Pünktchen <1 mm übrig. Die habe ich dann noch mit 80%-igem Isopropanol ein paar Mal betupft, damit die Pilze absterben.

Rätselhaft: Im Tubus sah es verheerend dreckig aus! Auch der Hauptspiegel war mistig, ebenfalls mit Glaspilz im Frühstadium. Ich habe also die Meniskuslinse ein- und den Hauptspiegelträger ausgebaut.
So sah es im Tubus aus:

Tubus-Dreck.jpg


Die Innenbeschichtung ist nicht einmal deckend und so rauh, dass ich sie nicht richtig putzen konnte. Im Vordergrund die Schubstange, die die Mensikuslinse zum Fokussieren verschiebt. Was wie Fingerabdrücke aussieht, sind Pilz-Herde! Die Stange und auch das Blendenrohr waren dreckig. Das war kein angelöster Lack, das war fettiger Schmutz. Unglaublich! In einem Zeiss-Teleskop, das ich als Erster aufgeschraubt habe! Und der Dreck war dann der Pilz-Nährboden... Mutmaßlich breitete sich durch diese Sporen der Pilz aus.
Ich konnte keine Quelle für die hellen Krümel im Tubus finden. Sah wie Krümel aus Magnesiumoxid aus, aber da war nichts an blühendem Leichtmetall zu finden...

Ich habe den Tubus und das Blendenrohr bestmöglich geputzt. Beim Spiegel war schnell klar, dass ich den zum Putzen komplett ausbauen muss, d. h. raus aus der Fassung. Auch auf dem Spiegel zeigten sich noch sehr kleine Pilznester. Deshalb ging der Spiegel baden:

HS-Badekur.jpg


Wieder Isopropanol plus Destwasser 1:1 und damit immer wieder abgespült. Zum Ende habe ich ihn mit reinem Destwasser abgespült und sehr vorsichtig abgetupft.
Auch am Spiegel habe ich die zwei sichtbaren Pilzstellen (unter 1mm groß) mit 80%-igem Isopropanol abgetupft, um den Pilz zu killen.

Im Ergebnis ist der Spiegel wieder ganz passabel. Der Glaspilz war noch so im Anfangsstadium, dass keine Degradation der Abbildung erfolgt sein sollte. Die fast 50 Jahre alte Verspiegelung ist noch leidlich OK.
Uff! Glück gehabt...

Hier die Hauptspiegelaufnahme: Der Spiegel liegt dann flach auf den kleinen roten Plastikplättchen. Er bekommt einen Käfig übergesteckt, der am Rand den Spiegel fixiert. Das Blendenrohr hat ein Gewinde. Da kommt eine Rändelmutter drauf, die mit ihrem Kragen (fast?) bis auf den Spiegel reicht. Der Kragen ist blankes Metall; ich habe erstmal Velours draufgeklebt, damit es den Spiegel nicht zerkratzen kann...! Justiert wird dann, indem die ganze graue Grundplatte über Zug-/Druckschrauben verstellt wird. Die habe ich natürlich nicht angefasst...

Spiegelhalter.jpg


Der Flansch am Tubus, auf den diese Halterung befestigt wird, war etwas flugrostig. Erstens war also doch Feuchtigkeit im Spiel, wahrscheinlich durch Hineinbringen des kalten Teleskopes in den Keller. Und zweitens ist der Flansch nicht gegen Rost geschützt; kaum zu glauben. Ein Teleskop muss doch etwas Feuchtigkeit abkönnen!
Dieses Teleskop ist rundherum derartig geschlossen, dass Feuchtigkeit nur rein, aber kaum wieder raus kommt. Ich muss eine Silicagel-Patrone bauen, die ins Teleskop schiebe wie einen Tampon, damit der Glaspilz nicht zurückkommt.
Da hat nicht nur das Glas einen Pilz bekommen, auch der Ruhm von Zeiss hat ein paar fette Kratzer abgekriegt...

Mensiscus und Hauptspiegel hatte ich sorgfältig markiert, um sie ohne Verdrehung zusammenzubauen. Ich hoffe, nicht justieren zu müssen - das könnte ich nicht wirklich selbst.
Mal sehen, der Test am Himmel steht aus.
Ich habe nicht viele Fotos gemacht, da ich damit zu tun hatte, alles wieder gut zusammen zu bekommen. Ihr könnt euch vorstellen, dass mein Deo bei dieser Aktion alles geben musste, denn wohl war mir nicht dabei, dieses Teleskop zu zerlegen und mit der Optik zu jonglieren... Aber ich hatte keine Wahl.

Mein Erlebnis zeigt einmal mehr, wie heimtückisch Glaspilz ist. Da sich jedes benutzte Teleskop notwendigerweise Feuchtigkeit einfängt, liegt es am Hersteller, damit umzugehen. Das Zeiss-Meniscas 150 kann damit nicht umgehen, das ist schade...
Denn zum Lüften mal den Hauptspiegel auszubauen, ist echt keine Lösung. Und Durchzug ist weder mit dem Meniscas noch einem SCT usw. möglich.
Fazit: Immer wieder kontrollieren. Pilz im Anfangsstadium bekommt man in den Griff.

CS, Niko
 
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Hallo Pilzfeinde,

nachdem ich in fast allen Teleskopen so etwas gefunden habe...
AS80_1200-Tubus.jpg

war ich bedient. :mad::poop:
Zum Glück war der Pilz vor allem auf den Tubus-Innenwänden, kaum auf der Optik. Alles sorgfältig reinigen ist das eine, wie aber eine erneute Ausbreitung verhindern?
Da hilft nur trocken halten!
Interessant: NUR Blech-Tuben ohne Lüftungsmöglichkeit waren betroffen. Zwei Teleskope mit Hartpapier-Tubus hatten keinen Fungus. Hat Hartpapier eine gewisse Wasserdampf-Durchlässigkeit?

Mit dem Schlachtruf "Kampf dem Fungus!" ging ich shoppen:
Silica-Eimer.jpg

Viel hilft viel... ;) Kilo-Preis inkl. Lieferung unter 10€. (Die orange Farbe ist ein Signalstoff. Bei Sättigung des Silicagels mit Feuchtigkeit kippt die Farbe nach grün und man muss das Gel im Backofen bei gut 100°C trocknen.)
Da wir auch noch Alu-Koffer mit geerbten Büchern trocken halten wollen, werde ich den Eimer schon leer bekommen...

Silicagel hat den Vorteil, dass es nicht extrem trocken macht. Weniger als 30% rel. LF sollen vermieden werden, liest man. Hmm..: Im Winter herrschen im Zimmer oft trocknere Bedingungen. Und was machen die Leute in La Silla und Paranal, mit oft einstelligen Feuchtegraden?
Egal, ich möchte die rel. Luftfeuchte unter 70% halten. Billige elektronische Feuchtemessgeräte sind bestellt. Sie sind billiger als Messstreifen für Luftfeuchte, verkehrte Welt...

Da ich das Silicagel nicht lose in die Teleskope schütten wollte, habe ich kleine, preiswerte Baumwolltaschen mit Reißverschluss gekauft, in die ich das Zeugs reinschütten kann:
Silicagel-Bag.jpg

Reißverschluss zu, Silicagel bleibt drin und bekommt dennoch die Feuchtigkeit zu fassen.
Die Taschen sind flach, so dass sie eine hinreichend große Fläche haben und das Silicagel nicht zu dick liegt.
Je nach trocken zu haltendem Volumen habe ich 250 g bis 2 x 400 g in die Fernrohrkiste gepackt.

Es versteht sich, dass ich die Kisten vorher sehr gründlich gereinigt habe. Ich habe dazu ca. 5% Borax in Wasser gelöst und mit dieser Lösung die Kisten gründlichst feucht ausgewischt. Borax ist nicht giftiger als Kochsalz und gast nicht aus, wirkt aber langanhaltend fungizid.

Und nun bekamen alle Kistenbewohner eine Packung verpasst:
Astrokam-Silica.jpg

Die Beutel passen sogar zur Teleskop-Lackierung...
Wichtig dabei: Vorn und hinten Deckel ab, sonst sperrt man vorhandene Feuchte im Gerät ein.

Selbst mein 130er Newton bekam sein Silicagel weg:
Newton-Silica.jpg

Die Klebestreifen klemme ich mit dem Deckel ein, so dass ich vor dem Bewegen des Teleskops gewarnt bin und hoffentlich (!) zuerst den Beutel rausnehme.

Im Kalender habe ich mir in einem Monat einen Termin eingetragen, an dem ich das Silicagel und die Feuchte anschauen werde. An den richtigen Prüf- und Wartungszyklus muss ich mich nun rantasten. Ich werde berichten!

Gruß,
Niko
 
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Hallo Niko,

oje, sieht übel aus. Krümel und Pilze. Kommen die Krümel irgendwie von Spinnen und anderen kleinen Tierchen?
Vielleicht rächen sich ja diese Schätzchen dafür, das sie ewig lange Zeiten im Keller ihr Dasein fristen müssen.
Ich habe mir vorgenommen meine Lagerware im Sommer ab und an mal im Sonnenlicht durchzuheizen.
Wünsch dir viel Erfolg als Pilzkiller.

Gruß Thomas
 
Hallo,
kurzer Zwischenbericht:
In den Holzkisten hat sich die Luftfeuchte von 65% (Keller) auf knapp über 40% verringert. Damit ist man tief im grünen Bereich.
(Grüner Bereich: 30%..70% relative Luftfeuchte. 65% sind noch OK; aber es muss auch mal viel mehr gewesen sein.)
Offen ist noch die Frage, wie oft man das Silicagel auswechseln bzw. regenerieren muss.

Gruß, Niko
 
Hallo Niko,
ich würde grundsätzlich keine Teleskope im Keller lagern.
Alleine das Gfred mit Silicagel und Luftfeuchtigkeitsmessung und am Ende vielleicht doch wieder Schimmel?
Ohne das ich jetzt deinen Keller kenne, die Luftfeuchtigkeit steigt über die Sommermonate deutlich an und Holz und Kartons sind nun mal die idealen Nährböden für Pilze.
Aber ich bin gespannt auf deine Langzeiterfahrungen.
PS: Was mir jemand mal erzählt hat, dass Klimaanlagen den Prozess der Kondensierung noch verstärken können?
Die kalte Luft sinkt ab in den Keller und die warme feuchte Luft kann den Wasserdampf dann nicht mehr halten.
Es kommt zur Übersättigung und der Wasserdampf kondensiert.
Die Formel wäre dann vielleicht so: Kalter Keller + warme feuchte Sommerluft = kondensiertes Wasser + schlechter Luftaustausch = Pilze
LG
 
N'Abend,
die Kritik an Zeiss finde ich übertrieben. Hier ist doch ganz eindeutig der Nutzer schuld => Lagerung im Keller, Nichtinaugenscheinnahme über Jahre, Glaspilznester in anderen Geräten. Außerdem ist das Teil 50 Jahre alt, da darf es wohl Altersspuren geben. Man schaue sich 50 Jahre alte Hifi Geräte an, da müssen auch Lötstellen, Elkos, Soffitten usw. angegangen werden.
Grüße
Andreas
 
ich würde grundsätzlich keine Teleskope im Keller lagern.
Hallo Quanten,
im Interesse des familiären Friedens stehen sie halt nicht in der Wohnstube....
Kalter Keller + warme feuchte Sommerluft = kondensiertes Wasser + schlechter Luftaustausch = Pilze
Genau. Der Winter ist nicht das Problem. Außer, man trägt das vom Tau nasse Teleskop in den Keller, in seine Kiste und Deckel zu. So doof war ich nicht. Aber die Sommer-Feuchte habe ich unterschätzt.

die Kritik an Zeiss finde ich übertrieben.
Zeiss wird immer so perfekt dargestellt. Aber die kochten auch nur mit Wasser. Ich habe fast dreißig Berufsjahre mit Wartung und Reparatur an Zeiss Astrotechnik zugebracht, da maße ich mir so ein Urteil an.
Wenn blanke Stahlteile im Teleskop rosten, ist das aus meiner Sicht Pfusch, weil man sowas galvanisieren müsste. Denn, wie gesagt, ein Teleskop muss mal feucht werden können. Rost ist viel schneller als Pilz.
Hier ist doch ganz eindeutig der Nutzer schuld
Stimmt. Habe auch was gelernt.

Gruß,
Niko
 
Erstmal toi toi toi, das der Schaden sich in Grenzen hält!

Mein Gerödel steht auch in einem Kellerraum. Den halte ich mittels elektrischem Entfeuchter so auf 65% Luftfeuchte.
„Nachtfeuchte“ Ausrüstung und Koffer werden mindestens 24 Stunden offen gelagert damit alles gut abtrocknen kann. Seit knapp zwölf Jahren fahre ich damit gut. Die Stromkosten liegen bei ca 60-80€ im Jahr.

Viele Grüße,

Stephan
 
Hallo,

Mit einem Entfeuchter einen kleinen Raum zu trocknen, ist sicherlich sinnvoller. Aber so einen Raum habe ich zurzeit nicht. Der Keller ist immerhin so trocken, dass ungeschützter Stahl keinen Flugrost ansetzt.
Ich probiere zurzeit aus, ob und wie man mit Silicagel Optiken effektiv trockenhalten kann. Für alle, die es ggf. nachmachen wollen, hier ein
Update
- Newton Tubus, geschlossene Fassung. 250g Silicalgel im Tubus, vor der Spinne. Nach drei Wochen noch immer 33% rel. Feuchte. Das Silicagel hält wohl mehrere Monate.
- Kleine Zeiss-Holzkiste: 250 g Silicagel hatten nach 3 Wochen schon 25% seines Trockengewichts an Wasser aufgenommen. RF war auf 60% gestiegen. Silicagel getauscht.
- Große Holzkiste: 3 Beutel á 400 g Silicagel haben nach 3 Wochen ca. 20% seines Trockengewichts an Wasser aufgenommen. Silicagel-Perlen sind blau mit orangenem Schimmer. RF auf 55% gestiegen. Silicagel vorsorglich getauscht.

Und sonst so:
- Holzkisten innen trocken zu halten ist "suboptimal", da man erstens das Holz der Kiste mit trocknet und zweitens Feuchte von außen nachkommt.
- Das wöchentliche Kontrollieren der Feuchtemesser ist wie das wöchentliche Aufziehen meiner Wanduhren... man bekommt das hin.
- Das feuchte Silicagel sammle ich, bis sich das Trocknen im Backofen lohnt.
- Wenn das Silicagel feucht wird, steigt die Relative Feuchte nur langsam. Es gibt kein schlagartiges Ansteigen, jedenfalls nicht in dem Bereich bis 70% RF.
- Am Effektivsten ist es, das Silicagel im Tubus zu platzieren und die Deckel drauf zu setzen. Man muss nur sicherstellen, dass die Luft im Tubus nicht zu trocken wird (<30%). Kann man über die Menge des Silicagels steuern.

Gruß, Niko
 
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