Hallo,
der Rechner ist interessant, die Diskussionen über die Korrelation von SQM und NELM (naked eye limiting magnitude) sind schon alt, aber m.M. nach wird der dominierende Einfluß der Sehschärfe des Beobachters weitgehend nicht anerkannt.
Ein alternativer Rechner, der die Sehschärfe als Einfluß berücksichtigt, ist
hier zu finden und basiert auf der Arbeit von B. Schaefer, die auch in den Literaturhinweisen zu dem von Mike genannten Rechner genannt ist. Bei Schaefer / im Programm von Paul Rodman ist das der "Snellen" Parameter, benannt nach einem niederländischen Augenarzt.
In interstellarum berichtete Jürgen Kemmerer über Nachtmyopie und seine eigenen Erfahrungen. Auch einer meiner Sternfreunde berichtete, dass er mit einer neuen Brille seine NELM um ca. eine ganze Magnitude verbessern konnte. Wenn das mal nix is!
Für mich sind solche Modelle oder Rechner zwar schön, aber wenn man mal an den Parametern spielt (mit Rodmans Programm kann man sich die Variationsergebnisse sogar grafisch zeigen lassen), merkt man schnell, dass
der Parameter schlechthin die Sehschärfe ist. Natürlich spielen die anderen Faktoren eine Rolle, aber sie sind manchmal fuzzy: wann ist ein Spiegel gering, normal oder stark verschmutzt? Oder die Erfahrung: ich bin erfahren, aber meine unerfahreneren Augen waren besser!
Wenn nun die Sehschärfe der entscheidende Faktor ist, sieht man leicht ein, warum die Wahrnehmung verschiedener Beobachter im Teleskop viel weniger abweicht als deren NELM Schätzungen. Jeder stellt perfekt scharf und dann spielt der Sehschärfeeinfluß kaum noch eine Rolle. Diese Erklärung genügt mir, um mich nicht mehr über die teilweise erheblichen Schätzunterschiede zu wundern.
Wie ihr vielleicht wisst, entwickle ich E&T und dabei kommt es ja ganz wesentlich auf das Thema "Hintergrundhelligkeit" an. Wenn man mit SQM messen kann, besteht Vergleichbarkeit, aber nicht jeder hat ein SQM. Solange die Dinger nicht verschenkt werden, wird das so bleiben. Daher haben wir im Zug des Projektes
OpenAstronomyLog (ein XML Standard zum Austausch von Beobachtungen zwischen Programmen und Webanwendungen) folgendes beschlossen: wir verwenden eine von Bradley Schaefer angegebene Korrelation zwischen Hintergrundhelligkeit und NELM. Das ist die Eichkurve des normalsichtigen Beobachters (was immer "normal" dabei bedeuten mag). Ein Beobachter schätzt nun unter verschieden dunklem Himmel die GG und mißt mit dem (vieleicht nur geliehenen) SQM. Zu diesen Datenpunkten berechnet man dann mit der Methode der kleinsten Fehlerquadrate einen Offset zu Schaefers Standardkurve. Mit Kenntnis dieses Wertes (der Ausdruck der Sehschärfe des Individuums ist) kann man dann von einer GG schätzung dieses Beobachters auch ohne Kenntnis von SQM-Werten auf die Himmelshelligkeit rückrechnen. Das ist für diejenigen Leute interessant, die nicht permanent ein SQM zur Verfügung haben, aber dennoch ihre Beobachtungen mit denen anderer Beobachter vergleichen möchten.
Natürlich ist es besonders interessant für Sammlungen von Beobachtungen im Internet wie z.B.
DeepSkyLog . Diese Webanwendung wird derzeit für den Import und Export von Beobachtungen nach OAL-Schema vorbereitet. Die belgischen Entwickler hoffen, damit in ein paar Monaten produktiv gehen zu können. Es ist geplant, die in der deutschen Deep Sky Liste gesammelten Beobachtungen (sofern die Urheber ihre Zustimmung erteilen) in Deepskylog.org aufzunehmen. Aber das ist nun wieder eine ganz andere Geschichte, über die zu gegebener Zeit zu berichten sein wird.
Die Ermittlung des Offset per Ausgleichsrechnung habe ich prototypisch schon in E&T eingebaut. Da der individuelle Offset des Beobachters nun sowohl in der Datenbank gespeichert als auch beim Austausch von Beobachtungen mittels XML mitgegeben wird, hoffen wir (=das internationale OpenAstronomyLog Team) nun, dass wir damit eine bessere Vergleichbarkeit von Beobachtungen hinkriegen. Bei E&T will ich diesen Ansatz jedenfalls konsequent durchziehen und auch zur Berechnung der Kontrastreserve strikt auf Schaefers Kurve setzen. Bei den GGen die ich typischerweise antreffe (5m8 - 6m3) besteht kein merklicher Unterschied. Unter hellerem Himmel ist E&T nach bisheriger Berechnungsweise aber offenbar ein wenig zu pessimistisch.
Halten wir fest: die Vergleichbarkeit von GG Schätzungen lässt sich deutlich verbessern, wenn die Beobachter ihren individuellen Offset zur Standard-Sehschärfe ermitteln. Das kann man bald mit der Demoversion von E&T machen oder man bastelt sich ein kleines Excelblatt dafür. Als Ausgangspunkt könnt ihr auf der
Dateien-Seite von OpenAstronomyLog die Tabelle "BSB to fst correlation model comparison.xls" verwenden. Die "Schraube" zu Drehen ist die Zelle
Ich bin bald im Urlaub ohne Internet und werde daher erst mal nicht antworten. Schade, die Diskussion mit euch wäre sicher spannend! Vielleicht klinkt sich Dirk Lehmann ein, er weiß Bescheid.
Viele Grüße,
Tom