Großfernglas vs. Bino?

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fuetti

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Hallo,

kann mir jemand erklären, warum man ein schweres Großfernglas kaufen soll? Der Grund doppelte Optiken (Fernglas) vor die Augen zu halten ist doch der Tiefeneindruck ("3D"), der durch die Parallaxe entsteht, und das bei gleichzeitiger Vergrößerung und Helligkeitssteigerung. Das macht aber nur terrestrisch einen Sinn, da Himmelsobjekte für den geringen Abstand zu weit für 3D entfernt sind.

Bei kleinen Optiken sind Ferngläser natürlich günstiger aufgrund des großen Marktes (Jagd, Natur, Militär...), jedoch bei größeren Optiken verstehe ich nicht, warum man ein Fernglas (mehrere kg und >1000Euro) kaufen sollte und nicht eher einen kleinen Refraktor oder vielleicht ein Teleobjektiv und ein Bino.

Was meint Ihr dazu? Habe ich da etwas übersehen?

Danke schon mal für euren Beitrag,

Claus
 
Hallo Claus,

ein Binoansatz an einem großen Teleskop ist schön und ich beobachte gern damit. Mond, Planeten, aber auch hellere Deep Sky Objekte.

Aber es gibt zwei deutliche Einschränkungen:
a) Das Licht wird auf 2 Augen aufgeteilt, zusätzlich schluckt der Strahlenteiler auch noch etwas Licht. Am Ende kommt bei einem Auge etwa 40% des Lichtes an, bei gegebener Austrittspupille.
b) Ein Binoansatz hat nur ein begrenztes Bildfeld, damit kann ich nicht bis zur maximal möglichen Austrittspupille hoch gehen, kostet also wieder Helligkeit. Bei einem günstigen Bino (Baader, William Optics, Skywatcher, ...) komme ich bis etwa 3mm Ap, mit einem Großfeldbino, etwa von Siebert sollte noch etwas mehr gehen.

Beide Einschränkungen werden durch Feldstecher oder Doppelfernrohre umgangen: Da hat jedes Auge ein eigenes Fernrohr. Aber natürlich mit einigen Nachteilen: Kosten, Gewicht, Probleme bei der Kollimation.

Damit bleibt im bezahlbaren Bereich bis 100mm, ca 40x, ein Binokular ungeschlagen. Für größere Öffnungen und Vergrößerungen ist mit Beschränkung auf höhere Flächenhelligkeiten der Objekte ein Binoansatz die einfachere und billigere Lösung. Oder halt monokular schauen, die langbrennweitigen Ultraweitwinkel Okulare sind für Binobeobachtung sowieso zu dick.

CS
Arnold
 
Zitat von Arnold3:
... mit einem Großfeldbino, etwa von Siebert sollte noch etwas mehr gehen ...

Leider ist das keine realistische Perspektive. Harrie Siebert bietet zwar theoretisch schon seit vielen Jahren Binokularansätze für 2" Okulare an, er liefert aber nicht. Ich habe sowas schon vor über fünf Jahren bei ihm bestellt und ihn zwei Jahre lang wiederholt erinnert, aber es kam nichts ...

Insofern gibt es also defacto keine kommerziell verfügbaren 2" Binokularansätze. Ultimatives Richfield mit zwei Augen an 2" Okularen erfordert deshalb in der Regel einen Doppelrefraktor mit einem geeigneten System von Umlenkspiegeln am Okularende. Sowas kann man für gutes Geld entweder komplett erwerben oder aus Komponenten selbst zusammenstellen.

Die allgemeinen Vor- und Nachteile von Doppeloptiken und Binokularansätzen wurden ja von Arnold bereits aufgezählt. Das sehe ich genauso. Oberhalb von 2x4" werden Doppeloptiken zunehmend unpraktisch. Dann muss man sich entweder mit den Einschränkungen von Binokularansätzen abfinden, oder eben monokular arbeiten.

Meine fünf Cent dazu.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo Peter,

wieder was dazugelernt! War schon am Überlegen, ob ich mir so einen 2" Ansatz für den 16" Dobson anlachen soll, hab aber keine Reviews zu dem neuen gefunden. Wenn Harry wirklich nicht liefern kann, spar ich mir eine Menge Geld. Wenns soweit ist werd ich es trotzdem versuchen, mit seinem OCA bin ich sehr zufrieden.

CS
Arnold
 
Hallo allerseits,

nur mal am Rande erwähnt: was mir häufig gehörig auf den Wecker geht, ist das Unwort "Bino".

Einmal wird darunter, wie in diesem Thread hier, Bino-Viewer = Binokularansatz verstanden. Und dann wird darunter Binokular = Fernglas = Doppelrefraktor verstanden, wie in dem vorangehenden Thread unter dem Titel "Bino vs. Newton".

Und da es dann unweigerlich immer wieder zu Systemvergleichen kommt, ist erst mal eine heillose Verwirrung programmiert. Und das alles nur, weil die Leute meinen, im technischen Sprachgebrauch entweder alles akronymisieren oder auf höchstens zwei Silben reduzieren zu müssen, um "professionell" zu erscheinen.

Sorry, aber das Schlagwort "Bino" ist leider doppelt belegt und deshalb höchst verwirrend. Wobei der Ursprung der Verwirrung wohl aus der bequemen Verkürzung von bino-viewer zu bino herrührt, was sich im Englischen jedoch immer noch von binocular (Fernglas) unterscheidet.

Ein Rat, der aller Voraussicht nach für die Katz sein wird, aber es muss mal gesagt werden:

Zur Vermeidung von programmierten Missverständnissen sollte man das Wort Bino-Viewer oder Binokularansatz nicht zu Bino abkürzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter





 
@P_E_T_E_R

Zwar kann man aus dem Beiträgen immer ablesen, was wirklich gemeint ist, aber eine saubere Worttrennung wäre sicherlich willkommen.


@fuetti

Ein Refraktor + Binoansatz + zwei Okulare im Vergleich zu einem Großfernglas hat auch seinen Preis. Vor allem, wenn die Refraktor/Binoansatz/Okular-Kombi auch noch hochwertig sein soll.

Für mich persönlich fängt ein Großfernglas etwa bei 2 x 70mm Öffnung an. Da kommt preislich keine Refraktorkombi als Binolösung mit.

Und bei mehr als 2 x 100mm ist es einfach nur eine Frage des persönlichen Geschmacks und des eigenen Geldbeutels, ob man noch in einen Doppelrefraktor oder in ein einzelnes Teleskop investieren möchte. Diese Frage muss jeder für sich selbst klären.

Für mich persönlich gibt es keine Alternative zu einem Groß-Bino oder Doppel-Refraktor. Erstens wollte ich nie wieder einäugig den Nachthimmel betrachten, denn ein entspanntes zweiäugiges Sehen, ist für mich durch nichts zu ersetzen! Auch nicht mit einer vielfachen einäugigen Öffnung!!! Und zweitens ist ein hochwertiges Großfernglas oder ein Doppelrefraktor mit APO-Linsen ein schönes Stück Technik, an der man immer seine Freude und auch seinen Nutzen haben kann.


Nochmal etwas zum einäugigem vs. zweiäugigem Sehen:
Ich finde, ein optisches Instrument hat sich an den Menschen anzupassen und nicht der Mensch an ein Instrument! Bei einem Fernrohr habe ich immer das Gefühl, ich müsste mich anpassen ... und das kann doch wohl nicht im Sinne des Erfinders sein? ;) Es sei denn, wir wären alle Zyklopen. :biggrin:

Grüße, Amin
 
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Zitat von Amin:
Und bei mehr als 2 x 100mm ist es einfach nur eine Frage des persönlichen Geschmacks und des eigenen Geldbeutels, ob man noch in einen Doppelrefraktor oder in ein einzelnes Teleskop investieren möchte. Diese Frage muss jeder für sich selbst klären.

Hallo Amin,

der persönliche Geschmack und vor allem der Geldbeutel spielen sicher eine prominente Rolle, es gibt aber auch ganz objektive Gesichtspunkte, welche den Einsatz von Doppeloptiken einerseits und Binokularansätzen andererseits operativ einschränken.

So ist z.B. eine parallaktische Montierung für eine Doppeloptik ausgesprochen unpraktisch, weil die Orientierung der Okulare dann je nach Himmelsrichtung akrobatische Halsverdrehungen erfordert. Mit einem Binokularansatz gibt es so ein Problem nicht, weil der immer in eine vernünftige Orientierung gedreht werden kann.

Nun wirst Du sagen, das ficht Dich nicht an, weil Du Deine Doppelrohroptik (vermutlich) azimutal montiert hast. Ok, aber es ist eine objektive Einschränkung, die man bedenken sollte.

Ein Gegenbeispiel ist die Verwendung von 2" Okularen. Hier liegt die Doppelrohroptik klar vorne, wenn sie denn mit hinreichend großen Umlenkspiegeln ausgestattet ist. Denn sowas gibt es defacto nicht bei Binokularansätzen. Auf das Trauerspiel mit Siebert habe ich ja schon hingewiesen.

Es gibt also durchaus auch objektive Einschränkungen auf beiden Seiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Zitat von P_E_T_E_R:
So ist z.B. eine parallaktische Montierung für eine Doppeloptik ausgesprochen unpraktisch, weil die Orientierung der Okulare dann je nach Himmelsrichtung akrobatische Halsverdrehungen erfordert.

:D
Hallo Peter, Du hast ja eine eigenartige Interpretation meines Beitrags. Dein Einwand in allen Ehren, aber ein Großfernglas oder Doppelrefraktor hat noch nie eine parallaktische Montierung benötigt. Es wäre ja auch ein ausgesprochener Murks. Wenn man für soetwas eine elektrische Nachführung braucht, muss eben eine Goto-Gabelmontierung her. Das Fernrohr mit Binoansatz kann da natürlich weiterhin mit einer parallaktischen Montierung betrieben werden. Aber ob der Verzicht einer parallaktischen Mont. für ein Doppel-Fernrohr so ein Nachteil sein soll, weiß ich nicht? Zumindest sehe ich hier keinen.


Der 2" Binoansatz wurde ja schon vor einigen Jahren beworben. Scheinbar ist das wohl sehr schwierig und teuer, soetwas in Top-Qualität herzustellen. Sonst hätte vielleicht auch Televue so ein Teil längst gebracht.

Grüße, Amin
 
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