Here comes the sun

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas piscus
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piscus

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Datum Mi 07.05.2003
Beginn 07:00 MESZ
Ende 12:40 MESZ
Ort Balkonien KS (51°16'30" / 9°27'54")

Wetter: Himmel klar, später wenige niedrige Wolken aufziehend.

Teleskop Newton 150/1000
Objektive 20mm WA/LER, 10mm UW/LER, 6mm LV
Filter Mond und Skyglow
Kamera Canon EOS 500

Nach dem gestern völlig bedeckten Himmel läßt der Wetterbericht Hoffnung aufkeimen. Diesmal übertrifft er sich: Morgens um 6:30 ist der Himmel klar! Selten verfliegt die Müdigkeit so schnell wie heute. Das Teleskop ist schnell aufgebaut; die Fotoausrüstung (Canon, 500mm- Spiegelobjektiv und diverse Zwischenringe bzw. Adapter) liegen bereit. Das Sucherfernrohr wird abmontiert (!), das Teleskop auf der Terrasse grob "eingenordet" und der Eigenbau- Sonnenfilter aufgesteckt. Von einem Test abgesehen ist das meine erste Sonnenbeobachtung mit dieser Ausrüstung. Die Sonne wird eingefangen und die Motornachführung eingeschaltet.

Den ersten Kontakt verpasse ich noch; den Merkur erblicke ich gegen 7:12:15. (Das könnte etwa mit dem Zeitpunkt des zweiten Kontaktes zusammenfallen.) Am Sonnenrand wabert ein kleiner schwarzer Klecks. Später wird er ruhiger und verwandelt sich in einen schönen scharf umrissenen kreisrunden Fleck, den man sich mit etwas Phantasie geradezu plastisch vor der Sonne im Raum schwebend vorstellen kann.

Die ersten Fotos schieße ich per Okularprojektion. Dabei merke ich, daß der seitliche Lichteinfall doch erheblich ist (ich habe wieder das Fotostativ aufgebaut und damit die Kamera vor das Okular plaziert). Also suche ich mir eiligst eine schwarze Mütze und verdecke den Spalt so gut es geht. Danach schraube ich die Kamera auf den Okularauszug und mache die nächsten Bilder fokal.

Nachdem ich eine Weile beobachtet habe, frühstücke ich erst einmal. Der Himmel ist klar; ich verpasse jetzt nichts. Nach dem Frühstück bastele ich mit aus schwarzem Scherenschnittpapier zwei Röhren, die ineinandergeschoben einen guten Lichtschutz ergeben. Künftig werde ich nur noch mit Okularprojektion fotografieren. Zwischendrin muß der Film gewechselt werden; der Rossmann HR 200 ist zu Ende, und hinein kommt ein Kodacolor VR 200 plus.

Um den Hochgenuß noch zu steigern, suche ich mir die "Abbey Road" heraus und spiele die zweite Seite ab. George Harrison begrüßt mich mit "Her comes the sun".

Immer wieder beobachte ich den Merkur, wie er sich vom Rand wegbewegt. Ein riesiger Sonnenfleck befindet sich ziemlich in der Mitte der Sonne, ein weiterer winziger nordöstlich der Mitte. Am äußersten Südwestrand sind zwei große Sonnenfleckengruppen gerade noch sichtbar.

Ich probiere die verschiedenen Okulare aus. Der beste Anblick bietet ich mit dem 20mm LER. Der Blick durch das 9mm UW ist etwas schwierig; die Sonne paßt zwar gerade hinein (Gesichtsfeld = 0,62°), aber das Auge hat Mühe, den Überblick zu behalten und irrt hin und her. Mit dem 6mm LV kann man zwar für kurze Momente Einzelheiten der Sonnenflecken sehen, aber bei dieser Vergrößerung flimmert es doch schon zu sehr.

Der Merkur kommt gut voran; er hat schon die Hälfte seines Weges über die Sonnenscheibe zurückgelegt. Am Himmel bilden sich aus der aufsteigenden Feuchtigkeit Wölkchen, die aber ungefährlich sind, denn sie lösen sich teilweise wieder auf oder ziehen rasch weiter.

Es werden abwechselnd der Skyglow- und der Monfilter hineingeschraubt, auch beide übereinander. Ich kann aber keinen Vorteil erkennen; ohne Filter empfinde ich den Anblick farblich am angenehmnsten. Also beobachte ich wieder "pur" mit dem 20mm- Okular.

Merkur befindet sich jetzt eindeutig auf dem Weg zum nordwestlichen Sonnenrand. Die Kamera wird wieder hervorgeholt und aufgebaut. Dazwischen immer wieder Beobachtung der Szenerie. Ich überlege, wie ich die letzten Minuten des Transits nutzen werde: beobachten oder fotografieren? Der Entschluß steht fest: Zum Zeitpunkt des dritten Kontakts will ich noch einmal fotografieren, und den vierten Kontakt werde ich mit dem Auge am Okular "klebend" erleben.

So geschieht es auch. Allerdings schiebt sich gerade jetzt eine größere Wolke vor die Sonne. Der Ärger hält sich aber in Grenzen, denn die Sonne lugt immer wieder hervor. Der dritte Kontakt ereignet sich gegen 12:28. Die Fotos sind geschossen, Stativ und Kamera werden rasch beiseite gestellt, und die letzten Minuten verfolge ich, wie sich Merkur verabschiedet. Gegen 12:32:10 kann ich ihn nicht mehr wahrnehmen - der vierte Kontakt ist da. Ein letzten Blick noch auf die Sonne, und zufrieden baue ich die Ausrüstung wieder ab. Eine noch dickere Wolke hat sich offenbar so lange zurückgehalten; jetzt hält sie nichts mehr - und die Sonne ist verdeckt. Ich baue zufrieden meine Ausrüstung ab.
 
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