(Re
Vorüberlegungen Dobson f/x
Hallo Benny,
nur mal so als Frage: warum möchtest Du keinen f/6-Dob?
Sofern Du nicht aufwendig motorisieren willst oder gar
parallaktisch montieren, ist mit Langzeit-Foto (dem Hauptgrund
für f/4-f/5) eh nichts drin. Solltest Du fokal
langzeitfotographisch arbeiten wollen, ist das natürlich was
anderes und auch eine ganz ganz andere Preisliga. Da machen
die dann nötigen gut arbeitenden Okulare gar nicht mehr so
viel aus.
f/6 hätte (gegenüber f/4-f/5) folgende Vorteile:
- Obstruktion geringer (mehr Kontrastdurchmesser, besser bei Hochvergrößerung)
- Okulare performieren besser (als bei f/4-f/5, eigentlich alle)
- kostengünstigere Okulare performieren schon gut
- Anforderungen an die Flächengenauigkeiten sind etwas geringer (als f/4-f/5)
- etwas leichter zu justieren, etwas justierunempfindlicher (als f/4-f/5)
Für rein visuell genutzte Newtons wird f/4-f/5 eigentlich nur gewählt,
wenn durch die Hebelmomente (und Windanfälligkeit) auf einer
gegebenen Montierung f/6 nicht mehr geht oder bei
Riesendobsons (ab 14"), wenn man eine Leiter sparen möchte.
Mit f/6 erreichst Du gegenüber f/4 mit mehr Auswahl an
Okularen auf dem Markt die Hoch- und Höchstvergrößerung, f/6
läßt bei 2"-OAZ (haben eigentlich ab 8" alle Geräte) auch
volles Feld zu. Ein f/4er wird hier durch die AP begrenzt.
Beispielüberschlagsrechnung: f/6er mit 42er Oku: 7mm AP,
volles Feld. f/4er mit 28er Oku (viel teurer, wenn noch
randscharf): ebenfalls 7er AP, volles Feld. Da die
Teleskopbrennweite bei gleicher Öffnung wegen dem
unterschiedlichem f/x anders ist, ist die Vergrößerung und
auch das im Okular sichtbare wahre Feld tatsächlich gleich!
Für Hochvergrößerung: f/6er: 4-3,5mm Okulare(viele Angebote),
f/5er: 3,3-2,9 mm (weniger Auswahl, kostenintensiv), f/4er:
2,7-2,3 mm (kaum Auswahl, kostenintensiv). Für sehr schnelle
Teleskope (f/4) werden am Newton auch teilweise visuell
extra Komakorrektoren verwendet (die eigentlich für Foto
gedacht sind). Auch die öffnungsbezogene Vergrößerung ist
durch die (evtl. teure) Anpassung der Okularbrennweite
unabhängig vom f/x gleich hoch. Allerdings ist ein f/6er
etwas "schärfer" und heller als ein f/5er oder gar f/4er
(Kontrastdurchmesser, siehe oben bei Karsten; Abschattung
geht marginal auf die Lichtmenge).
Die fälschlich undifferenzierte Einschätzung, ein
10-12"-Dobson solle als richtiger visueller Lichteimer für
Deepsky gern f/4 haben, ist irrig. Die Okulare sind teurer,
die Justage ist wesentlich diffiziler und die AP begrenzt
die Lichtmenge auf dasselbe Maß wie bei einem f/5er oder
f/6er mit den dazu passenden Okularen. Durch die höhere
Obstruktion kommt eigentlich sogar noch (unwesentlich)
weniger Lichtstrom pro Flächeneinheit in der AP an.
So sind durchaus 8"-f/6-8, 10"-f/6, 12"-f/6-5 ganz hervorragende visuelle Dobsons.
Ich finde, es kommt vor allem auf die Verfügbarkeit von
Okularen und den AP-Bereich an. Visuell zählt da ein gut
erreichbarer riesiger Bereich für Allroundigkeit. Fokal
langzeitfotographisch (wie gesagt wegen steifem Stativ,
kostentintensiver Montierung, Steuerung, Energieversorgung,
Leitrohr plus Doppelfadenkreuz bzw. Guiding eine ganz ganz
andere Preis- und Schwierigkeitsliga) kann ein Newton kaum
schnell genug sein (dann wohl mit Komakorrektor), häufig
will man dann sehr gute Ausleuchtung (visuell eher nicht so
besonders wichtig) und hat daher dann "riesige" Fangspiegel.
Das macht aber bei Langzeitfoto nichts, wird halt länger
belichtet. Und ein f/6er braucht schon 36:16=2,25mal so
lange wie ein f/4er für dieselbe Lichtmenge auf dem
fotographischen Sensor.
Da das Auge aber nur kurz "belichtet", ist hier der
AP-Bereich entscheidend. Und da kommt ein f/6er mit 2"-OAZ
überall hin.
Langzeitfoto und Visuell haben da also gänzlich andere
Anforderungen an ein Gerät.
Soweit schon mal zu Vorüberlegungen bzgl. des Dobsons, die
ja vielleicht eine gewisse Rolle spielen bei der Anschaffung
von auch für den ED80 nutzbarem Equipment. Ob für f/6 oder
f/7,5 ist für ein Okular halt eher ähnlich, f/5 ist schon
eine ganz andere Nummer (auch im Preise!).
Klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.