Himmelsbeobachtung vor der Haustür

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Hyperianer

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Endlich war es soweit! Nach gefühlt 1 Monat Schlechtwetter endlich wieder ein Lichtblick. Gestern konnte ich die erste vernünftige Nacht seit langem nutzen und habe doch so einige schöne Objekte beobachten können. Deswegen habe ich mich dazu entschieden jetzt meinen ersten Beobachtungsbericht zu verfassen. Ich gehöre noch eher zu den Anfängern, sodass meine Objektwahl wahrscheinlich für die Profis unter euch eventuell nicht interessant erscheinen wird.
OK, so viel dazu. Hier ist nun der Bericht:

Allgemeine Daten:

24.11.13 (18.00 - 22.30 Uhr)
Himmelsbedingungen: Bortle 4
Seeing: befriedigend bis gut
Temperatur: -5°C

Okulare: 25mm Plössl, 10mm Ortho, 5mm Planetary

Es war an diesem Abend sternenklar, so wie man es eigentlich selten gewohnt ist. Ich habe am Nachmittag noch für die Schule gelernt, hatte aber schon den Drang nach draußen auf den Hof zu gehen. Und so ging ich voller Vorfreude schnell raus, als ich alles für die Schule fertig gemacht habe.
Draußen war es bitterkalt, die Luft schien aber angenehm trocken zu sein. Die Sterne funkelten schon hell am Himmel, es war ruhig, man konnte sich von dem Alltag wunderbar entspannen, herrlich!
Das Teleskop war schnell aufgebaut und wurde am Vormittag schon von mir justiert. Ich stülpte meine selbstgebastelten Taukappen über Tubus und Sucher, stellte mein Beobachtunstisch hin, legte mein Okularkoffer und Karkoschka dadrauf und dann stand der Himmelsbeobachtung nichts mehr im Weg!

Ich fing an mich erstmal ein bisschen aufzuwärmen. Zuerst beobachtete ich die beiden Sterne, die als M40 bezeichnet werden.
Eigentlich unspektakulär, aber irgendwie haben diese beiden Sterne etwas besonderes an sich, ich weiß nur nicht was es ist.

Ich schwenkte zu Neptun, nach kurzer Zeit war er sicher auszumachen. Bei 120x ein winziges, bläuliches Scheibchen. Bei 240x sicher als Planet auszumachen. Sieht irgendwie aus wie ein kleine, blaue Perle mitten im Sterngetummel. Ein schöner Anblick!
Monde konnte ich aber keine erkennen.

Weiter ging es zu dem großen Sternhaufen NGC 752. War sehr leicht zwischen Andromeda und Dreieck zu finden. Im Sucher ein wirklich sehr schöner Anblick, bei 48x aber schon nicht mehr ganz so schön. Ist wohl eher etwas für das Fernglas.

Da ich mich schon bei Andromeda befand, suchte ich die Galaxie NGC 891. Und nach kurzer Zeit war sie auch schon gefunden. Eine wunderschöne Galaxie! Bei 48x war sie direkt leicht zu sichten. Die Kantenlage der Galaxie war nicht zu übersehen, sie wirkte deutlich gestreckt, aber auch nicht übersimensioniert. Nach einiger Zeit konnte ich indirekt andeutungsweise das Staubband der Galaxie erkennen, sehr schön. 120x waren zwar auch gewinnbringend einzusetzen, doch empfand ich das Einblickverhalten des Orthos als höchst unangenehm, sodass ich wieder zum 25mm Plössl wechselte. Ich werde das Okular bald durch ein besseres ersetzen.

Als nächstes bewegte ich das Teleskop zu der elliptischen Galaxie NGC 1023 im Perseus. Sehr hell und deutlich zu sehen, doch waren wie zu erwarten keine Strukturen sichtbar.

Ich blieb im Perseus und schaute mir den Emissionsnebel NGC 1491 an. Er war schnell im 25mm Plössl auszumachen und wirkte dort relativ hell und diffus. Das 10mm Ortho zeigte da ein schöneres Bild, schließlich war es ein eher kleines Objekt. Es wirkte schon etwas anstrukturiert, kleine Helligkeitsunterschiede waren auszumachen. Eigentlich sehr schön anzuschauen dieses kleine Wölkchen. Ich würde es für mich als lohnend bezeichnen.

So allmählich zeigte sich immer deutlicher das Sternbild Fuhrmann und der Stier. Ich ergriff die Gelegenheit und schaute mir dort ein paar schöne Objekte an.
Ich fing an mit den Sternhaufen M36, M37 und M38.
M 36 war wirklich lohnend, ebenso M38, wirklich schöne Sternhaufen, die interessante Sternanordnungen zeigten. Beobachte ich gerne nochmal. Aber der Anblick von M37 hat mich beinahe vom Stuhl gehauen! Ich habe noch nie so einen imposanten Sternhaufen gesehen, ich hörte mich selber "boahh" sagen. Wow, was für ein tolles Objekt! So viele Sterne auf einmal sieht man nicht alle Tage.

Danach folgte eine Beobachtung eines heiß ersehnten Objekts im Sternbild Stier, M1. M1 ist ein heller Supernovaüberrest, der ohne weiteres leicht im 8" gesehen werden kann. Bei 48x wirkte der Nebel deutlich anstrukturiert. 120x Vergrößerung änderte daran nicht viel. Ich war begeistert wie hell dieses Objekt ist, demnächst werde ich das Objekt wahrscheinlich noch öfters beobachten.

Da Pegasus sich nun langsam gen Süden bewegte, war es an der Zeit dort noch ein paar Beobachtungen zu machen.
Ich fing an mit M15. Bei 240x ein Wahnsinnsanblick! So viele Sterne, so hell, spinnenartig angeordnet, man hätte durchdrehen können. KS sind immer tolle Objekte.

Aber ich wollte mich auch an etwas schwierigeren Objekten probieren und schaute mir die schöne Galaxie NGC 7331 an.
Sie wirkte sehr diffus, aber bei genauerem Hinsehen waren doch kleine Helligkeitsunterschiede festzustellen. Etwas Struktur deutete sich an, auf Stephan's Quintett achtete ich allerdings nicht. Das werde ich bei der nächsten Gelegenheit nochmal nachholen. NGC 7331 schaue ich mir auch demnächst nochmal an, sie erscheint mir doch ziemlich hell, etwas mehr Struktur müsste eigentlich drin sein. Vielleicht habe ich nicht genau hingeguckt.

Da ich gerade schon bei einer Galaxie war, fand ich es nicht schlecht mir eine weitere helle Galaxie anzuschauen. Meine Wahl fiel auf M77. Diese Galxie ist eigentlich nicht zu übersehen trotz ihrer eher hohen Entfernung zu uns. Sie wirkte hell und kompakt mit einer Art Lichtsaum. Schwierig zu beschreiben. Sie wirkte irgendwie anders als die anderen Galaxien. Werde ich mir bei der nächsten Angelegenheit nochmal anschauen.

Als ich mir diese Galaxie anschaute, fiel mir noch eine andere ein, die ich auch schon seit längerer Zeit beobachten wollte, M74. So machte ich mich auf die Suche (war aber keine Suche, da sofort im Blickfeld gehabt). Eigentlich auch nicht zu übersehen, erfordert aber sehr guten Himmel, sie wirkte ziemlich diffus aber hell. Ich muss aber dazu sagen, dass der Himmel in diesem Gebiet etwas aufgehellt war.

Mir gingen an diesem Abend so viele Galaxien im Kopf, da musste ich auch wieder einmal etwas anderes Beobachten. Der kleine Gasnebel NGC 1931 schien das richtige Objekt dafür zu sein.
Bei 240x am schönsten, hell und auffällig. Merke ich mir für die nächsten Male. Irgendwas schien mir in diesem Nebel verborgen zu sein. Vielleicht war es auch nur Einbildung.

Um 22.15 Uhr musste ich Schluss machen, schließlich schreibe ich am nächsten Tag Klausur. 15min reichten noch um vier Klassiker von mir zu betrachten: M31, M33 und NGC 869 und 884.

Bei M31 war indirekt ein Staubband erkennbar, die Ausdehnung war gewaltig.
M33 nicht minder spektakulär, 2 Spiralarme und NGC 604 waren nach kurzer Zeit erkennbar.
NGC 869 und 884 - ein Genuss, mehr kann ich dazu nicht sagen, wirklich schön anzusehen die vielen Sterne.
Dann baute ich ab und dachte über die vielen neuen Eindrücke in dieser Nacht nach.
Übrigens habe ich auch mindestens 5 Sternschnuppen gesehen.
Diese Nacht war einfach toll, so wie man sie sich erhofft.
Zum Schluss schrieb ich noch meine Beobachtungen nieder und ging ins Bett. Ich wusste es wird ein erholsamer Schlaf.

So, das war mein erster Beobachtungsbericht, ich hoffe es hat euch gefallen. Und dass ihr beim Lesen durchgehalten habt. :)

Viele Grüße und CS

Igor











 
Hallo Igor,

jetzt bin ich auch über deinen Bericht gestolpert :) Sehr beeindruckend, was du wie gesehen hast. Vermutlich dürften auch deine jungen Augen noch viel Potenzial für schwache Objekte und Details bereithalten!

Interessant auch deine Objektauswahl. Neptun habe ich z.B. noch nicht gesehen :blush: Sollte ich mal nachholen. Auch sehr schön, dass du das Staubband in NGC891 angedeutet gesehen hast. Vielleicht hilft ein moderates Weitwinkelokular im Bereich 12-15mm. Da kommt für meine Augen die Galaxie schön zur Geltung bei gutem Kontrast zum Hintergrund.

Den Emissionsnebel NGC1491 hatte ich zwar schon gesehen, aber nie richtig auf Details geachtet. Muss ich auch mal nachholen, wenn mir irgendwann mal die Galaxien ausgehen :biggrin:

Da kann ich nur unseren Uwe zitieren: Bleib dran, am Okular! Du wirst sicher noch manche Überraschung erleben :)

Grüße,
Robert
 
Hallo Igor,

das geht mir jetzt wie Robert, habe Deinen Bericht nochnicht gesehen und erst jetzt gelesen. Ein schöner Einstand!

Die Objektwahl ist doch super! Eine Mischung von Objekten genau nach meinem Geschmack. Einfachere Objekte und schwierigere sowie verschiedene Objektklassen. Sogar mir noch unbekannte waren dabei. Z.B. den Nebel Im Fuhrmann - der schaut super aus, habe ich noch nie besucht - Danke für den Tip! Im Inneren hat der einen Sternhaufen, ggf. hast Du das gesehen...

Sehr gut, weiter so!

CS
Norman
 
Hi Igor, die Offenen Sternhaufen im Fuhrmann liebe ich auch und bin jedesmal auf´s neue sehr angetan, ich fühle total mit!!! Freue mich, dass die auch bei Dir so reinhauen.
Befinde mich selbst grad in irdischem Nebel, wenn das andere Wesen von irgendwo oben sehen, sollte man sich fragen, ob die sich auch über so einen Fleck freuen können?

Gruss von Anette
 
Hallo Robert, Norman und Anette,

es freut mich, dass mein Bericht euch gefallen hat. Wobei ich finde, dass die Qualität des Berichtes nicht annähernd an eure rankommt. :)
Eure Berichte habe ich mir auch durchgelesen und ich war wirklich überwältigt, wie viel Mühe ihr euch gegeben habt. Es waren allesamt sehr gute Berichte. Das verdient großen Respekt!

@Robert: Vielen Dank für deine netten Worte! Ich werde mich in Zukunft nach so einem Weitwinkelokular mal umsehen. Kommt ja immer auf die Kosten an. Dachte da an das 13mm Vixen LVW oder besser das TV Nagler 12mm T4, obwohl das eigentlich viel zu teuer für mich ist.
P.S.: Ich habe tatsächlich noch nie den Mars beobachtet. :blush:

@Norman: Schön, dass es dir gefallen hat, aber wenn ich deine Berichte lese, dann wirkt mein Erstbericht doch reichlich schlecht dagegen.
Zu dem Nebel: Auf den Sternhaufen habe ich ehrlich gesagt nicht so geachtet, aber ja, in dem Nebel habe ich etwas "Sternenhaufenähnliches" sehen können. Da werde ich mich demnächst mal drauf konzentrieren.

@Anette: Ja, die Sternhaufen im Fuhrmann sind wirklich der Wahnsinn, sofern der Himmel schön dunkel ist.
Das tut mir Leid, dass bei dir die Bedingungen momentan nicht so gut sind. Jetzt wirst du bestimmt neidisch sein, aber ich habe jetzt den 2. Tag mit sehr klarem Himmel. Allerdings stört der Mond sehr. :(

Ich freue mich jedenfalls schon auf meine nächsten Beobachtungen. Diesmal mit Speers Zoom, welches mich bei der Abbildung von kompakten Galaxien und PN´s sehr überzeugt hat.

Viele Grüße und CS

Igor
 
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