Hoch im Norden

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kapees

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03.05.2014, zwischen 22.30 und 23.50 Uhr
Grenzgröße um 5.5m
Temp. 5°C leicht fallend
Ort: bei Modautal-Brandau, Odenwald-Bergstraße

Nach der Generalüberholung durfte der 10“ f/5 Newton wieder einmal ran, wenn auch nur zum Feintuning.
Für die Pflicht zunächst ein Stern, der nicht so schnell wegläuft – Polaris. Und wenn wir schon mal dabei sind: kaum ein anderer Stern dürfte so oft anvisiert, aber so selten wirklich beobachtet werden. Schade, denn es ist ein hübscher visueller Doppelstern mit einem physischen Begleiter, der zwar satte sieben Klassen schwächer erscheint, allerdings auch einen Abstand von etwa 20“ einhält und bei gut 40x problemlos erkannt werden kann. Im direkten Vergleich hat Polaris einen leicht elfenbeinfarbenen Anstrich, der Begleiter leuchten in reinem Weiß.

Und wenn wir schon einmal in der Nordpolarregion sind, auch die Kür im hohen Norden:

Zuerst noch ein Doppelstern für kleine Röhren, aber wie nennen wir ihn? Im Karkoschka ist er als „78 Cam“ aufgeführt, aber mit dem verschämten Hinweis, er werde nicht überall so genannt. Wohl wahr, als 78 in Cam ist er sonst eigentlich nirgends verzeichnet, und im Skyatlas steht da die Nummer 32. Die 32 ist allerdings keine Flamsteed-Nummer, sondern eine Hevelius-Nummer, Fl 32 Cam liegt ganz woanders. Eindeutig ist die Nummer in F.G.W. Struves Doppelsternkatalog: Sigma 1694. Zu finden ist er als Sternchen von knapp fünfter Größe, wenn man ausgehend von Delta und Epsilon UMi nach Westen, also präzedierend, ein rechtwinkliges, etwa gleichschenkliges Dreieck bildet. Unser Doppel bildet darin das nordwestliche Eck. Struve 1694 besteht aus zwei weißen Sternchen von 5mag und gut 6mag, beide in reinem Weiß und knapp 20“ getrennt. Die Zwillinge sind übrigens nur scheinbare: Struve 1694B, der schwächere, steht uns fast 100 Lj näher.

Ein kleines Stückchen weiter, und eigentlich nur als Anhaltspunkt für die Suche gedacht: die eigentliche Überraschung der Nacht: HR 4639 oder auch SAO 1991 und 1995 zeigt sich als ein Mehrfachsystem, dessen zwei sichtbare Komponenten eine perfekte Kopie des populären Beta Cyg (Albireo) abgeben, sieht man von der geringeren Helligkeit ab. The Sky belehrt mich später über Details: Spektralklassen K 5 und B 9, Helligkeiten 6m und 8,25m. Der Doppelstern sollte gerade für kleinere Optiken zu den attraktivsten Erscheinungen seiner Art gehören; dabei ist er ganzjährig bei hoher nördlicher Deklination zu finden. Die genauen Koordinaten: 12h11m / +81°38‘. Kaum zu glauben, dass Karkoschka, Skyatlas und selbst die Tabellen im akribischen Night Sky Observer’s Guide ihn nicht kennen.

Ziel und Härtetest, etwa auf halbem Weg zwischen den beiden Binaries war ein planetarischer Nebel, ebenfalls weit abgelegen von den üblichen Pfaden: IC 3568 (bei 12h33m / +82°28‘); eigentlich nicht schwer zu sehen, aber sehr schwer zu identifizieren. Das Feld zwischen den beiden Doppelsternen hat nur wenige Anhaltspunkte für die Suche, und bei schwacher Vergrößerung ist der Nebel selbst nur ein Pünktchen von 11 bis 12m. Selbst wenn man das Feld einigermaßen sicher drin hat, hilft das „Blinken“ mit einem UHC-Filter hier nicht: das ohnehin spärliche Sternenfeld wird zwar schwächer, das winzige Nebelchen allerdings auch. Erst das Vergrößern bis auf 104x zeigt an einem der Kandidaten eine Reaktion: es ist das Objekt, das auf genaues Fokussieren nicht wie Sterne reagiert, sondern diffus bleibt. Bei dieser Vergrößerung löst sich von dem diffusen Fleck auch ein schwacher Stern von etwa 12m ab. 156x, Geduld und eine ruhige Hand beim Dobsen holen dann aus dem Nebelchen noch etwas mehr heraus. Ein kreisrundes Fleckchen von etwa 10 bis 15“ mit einem feinen, etwas erhellten Rand ringsum – und das war’s. Na, gesehen haben sollte man es halt mal.

Das HST kann das natürlich besser. Da zeigt sich der junge Nebel von seiner erfrischenden Seite: http://annesastronomynews.com/photo-gallery-ii/nebulae-clouds/the-lemon-slice-nebula-ic-3568/

Tja, und dann machte der Himmel den Vorhang leider wieder zu…
 
Hallo Klaus,
das sind ein paar prima Tipps, auch für den Fernstecher!

Ich hätte für den Doppelstern Struve 1694 noch ein paar Identifier anzubieten: HD 112028 / HD 112014 bzw. HR 4893 / HR 4892. Oder HIP 62572 / HIP 62561. Im WDS (Washington Double Star) - Katalog trägt er die Bezeichnung STF 1694 AB. Der Partner von HR 4639 alias HD 105943 hat auch noch die Henry Draper Bezeichnung HD 106037. Im WDS heißt das System SHJ 136 AB wobei SHJ für die "Entdecker" J. South und J. Herschel steht.

Ich finde, der WDS ist eine prima Referenz. Aber jetzt bin ich schon ganz wuschig im Kopf vor lauter Identifizierern. ;)

Thomas
 
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