baldzuhn
Aktives Mitglied
Hallo Freunde (+Freundinnen) der Nacht.
Obwohl nichts Besonderes, wollte ich trotzdem ein Erfolgeerlebnis loswerden. Dies ist ein BB von
Zeit: 22.3.2003
Ort: 20 km ausserhalb von Greifswald
Teleskop: 10" Astrocom-Newton auf Dobs f/6.4
Zum "Warmsehen" erstmal die Paradeobjekte: der Double-Cluster; funkelnd und leuchtend. Jetzt fällt mir auf, wie klar der Himmel heut Nacht wird.
Der Orionnebel: voller Strukturen und Details. Nicht nur der Rand fällt auf, sondern heute ist auch die Fläche deutlich "gefüllt" und beleuchtet.
Seit sage und schreibe 5 Jahren bin ich nun auf der "Jagd" nach dem Supernova-Überrest IC 443 in den Zwillingen. Neidvoll konnte ich immer nur die Photos in verschiedenen Büchern bewundern, visuell lief aber gar nichts. Trotz hartnäckiger Versuche, jedes Jahr aufs Neue, war einfach nichts zu sehen. Letzten Samstag dann, bei leichten Minustemperaturen, ein kristallklare Nacht mit bester Durchsicht (bis 6 mag mindestens).
Und da war er dann: beim ersten Anlauf nur ein Hauch bei indirektem Sehen und An-dem-Rohr-wackeln, nach 30 Sekunden alles weg. Also 2 Minuten Pause eingelegt und dann wieder versucht. Und wieder war da was, diesmal etwas deutlicher. Nachdem ich dieses Spiel etwa 10 mal wiederholt hatte, hatte sich auch der Eindruck "eingeprägt", offensichtlich war in der "Hardware", sprich den Nervenbahnen, der Eindruck "eingebrannt", die entsprechenden Synapsen trainiert. Und jetzt war IC443 richtig zu sehen; ein Kreis-Sektor mit nahezu 60 Grad wie eine ziemlich krumme Banane, nur etwas dicker, etwa 0.5 Grad lang, zwischen Eta und Mue Gemini.Sogar in radialer Richtung waren 2 Filamente angedeutet.
Es lohnt sich also doch! Immer wieder versuchen, auch nach Jahren. Es kann sich lohnen.
Aufgeputscht durch diesen Jagderfolg kam natürlich gleich der Übermut: der Pferdekopf! Wider besseren Wissens also zu Orion runtergeschwenkt. Aber vermutlich stand Orion zu dieser Uhrzeit schon zu tief über dem Horizont. Ausser einer undeutlichen Hell-Dunkel-Barriere nix.
"Wenns dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis", hatte meine Oma immer gesagt. Und wie recht sie hatte....
Also mussten noch ein paar leichtere Objekte "dran glauben":
- NGC2174, nicht weit von IC443: wunderschön, fast kreisförmig mit fast 1 Grad Durchmesser, zentriert um einen "Zentralstern". Hab in meinen Unterlagen nichts darüber gefunden. Könnte das ein Lindström-Sphäre sein?
- Der Hubble-Nebel: Zeichnungen von vor 5 Jahren sehen definitiv anders aus, inzwischen ist der kleine kometenförmige Reflexionsnebel deutlich schräg in seinem Schweif angeschnitten. Also lohnt sich auch die Zeichen-Disziplin über die Jahre.
- Der Crab-Nebel deutlich nierenförmig, aber ohne Details.
- Die Rosette: wunderschön im "Entlangfahren" bei 40X, deutlich hellere und dunklere, breitere und schmalere Filamente
- Der Christbaum: etwas unzeitgemäss bereits, aber in optimaler Himmelstellung. Nur vom Elefantenrüssel war noch nie was zu sehen. Eine weitere Herausforderung an die Zukunft.
- Zum Schluss Saturn: die Cassini-Teilung wie mit Tusche ringsum gezogen, von Encke ein Hauch zu ahnen.
- Um der Dunkeladaption jetzt endlich ganz den Garaus zu machen Jupiter: jede Menge Details und Flecke, die Zeichnung dauert immerhin 20 Minuten bis alles drauf ist. Aber die Blenderei geht mir auf die Nerven. Und überhaupt wollte ich schon immer wissen, wie wohl die Bildqualität mit dem Astronomik-UHC Filter leidet. Also Filter auf das Meade-UWA 4.7 mm und auf Jupiter gehalten. Die Bildhelligkeit ist jetzt wesentlich besser zu ertragen, Jupiter in grün ist zwar etwas ungewohnt, aber: alle Details sind weiter da, keinerlei Einbussen bei der Bildqualität.
Dann allerdings begannen die Minusgrade ihren Tribut zu fordern: Zeit für die Heimfahrt. Zur Feier von IC443 beschloss ich spontan auf der Heimfahrt, mir später exakt 1.25 Liter heissen Pfefferminztee zu gönnen. Ein Viertelliter zum Trinken, ein ganzer Liter um die durchgefrorenen Füsse reinzutunken......
Euch allen ebenfalls viiiiiele Erfolgserlebnisse, auch, und gerade nach unzähligen Fehlschlägen beim einen oder anderen Objekt,
Jürgen.
Obwohl nichts Besonderes, wollte ich trotzdem ein Erfolgeerlebnis loswerden. Dies ist ein BB von
Zeit: 22.3.2003
Ort: 20 km ausserhalb von Greifswald
Teleskop: 10" Astrocom-Newton auf Dobs f/6.4
Zum "Warmsehen" erstmal die Paradeobjekte: der Double-Cluster; funkelnd und leuchtend. Jetzt fällt mir auf, wie klar der Himmel heut Nacht wird.
Der Orionnebel: voller Strukturen und Details. Nicht nur der Rand fällt auf, sondern heute ist auch die Fläche deutlich "gefüllt" und beleuchtet.
Seit sage und schreibe 5 Jahren bin ich nun auf der "Jagd" nach dem Supernova-Überrest IC 443 in den Zwillingen. Neidvoll konnte ich immer nur die Photos in verschiedenen Büchern bewundern, visuell lief aber gar nichts. Trotz hartnäckiger Versuche, jedes Jahr aufs Neue, war einfach nichts zu sehen. Letzten Samstag dann, bei leichten Minustemperaturen, ein kristallklare Nacht mit bester Durchsicht (bis 6 mag mindestens).
Und da war er dann: beim ersten Anlauf nur ein Hauch bei indirektem Sehen und An-dem-Rohr-wackeln, nach 30 Sekunden alles weg. Also 2 Minuten Pause eingelegt und dann wieder versucht. Und wieder war da was, diesmal etwas deutlicher. Nachdem ich dieses Spiel etwa 10 mal wiederholt hatte, hatte sich auch der Eindruck "eingeprägt", offensichtlich war in der "Hardware", sprich den Nervenbahnen, der Eindruck "eingebrannt", die entsprechenden Synapsen trainiert. Und jetzt war IC443 richtig zu sehen; ein Kreis-Sektor mit nahezu 60 Grad wie eine ziemlich krumme Banane, nur etwas dicker, etwa 0.5 Grad lang, zwischen Eta und Mue Gemini.Sogar in radialer Richtung waren 2 Filamente angedeutet.
Es lohnt sich also doch! Immer wieder versuchen, auch nach Jahren. Es kann sich lohnen.
Aufgeputscht durch diesen Jagderfolg kam natürlich gleich der Übermut: der Pferdekopf! Wider besseren Wissens also zu Orion runtergeschwenkt. Aber vermutlich stand Orion zu dieser Uhrzeit schon zu tief über dem Horizont. Ausser einer undeutlichen Hell-Dunkel-Barriere nix.
"Wenns dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis", hatte meine Oma immer gesagt. Und wie recht sie hatte....
Also mussten noch ein paar leichtere Objekte "dran glauben":
- NGC2174, nicht weit von IC443: wunderschön, fast kreisförmig mit fast 1 Grad Durchmesser, zentriert um einen "Zentralstern". Hab in meinen Unterlagen nichts darüber gefunden. Könnte das ein Lindström-Sphäre sein?
- Der Hubble-Nebel: Zeichnungen von vor 5 Jahren sehen definitiv anders aus, inzwischen ist der kleine kometenförmige Reflexionsnebel deutlich schräg in seinem Schweif angeschnitten. Also lohnt sich auch die Zeichen-Disziplin über die Jahre.
- Der Crab-Nebel deutlich nierenförmig, aber ohne Details.
- Die Rosette: wunderschön im "Entlangfahren" bei 40X, deutlich hellere und dunklere, breitere und schmalere Filamente
- Der Christbaum: etwas unzeitgemäss bereits, aber in optimaler Himmelstellung. Nur vom Elefantenrüssel war noch nie was zu sehen. Eine weitere Herausforderung an die Zukunft.
- Zum Schluss Saturn: die Cassini-Teilung wie mit Tusche ringsum gezogen, von Encke ein Hauch zu ahnen.
- Um der Dunkeladaption jetzt endlich ganz den Garaus zu machen Jupiter: jede Menge Details und Flecke, die Zeichnung dauert immerhin 20 Minuten bis alles drauf ist. Aber die Blenderei geht mir auf die Nerven. Und überhaupt wollte ich schon immer wissen, wie wohl die Bildqualität mit dem Astronomik-UHC Filter leidet. Also Filter auf das Meade-UWA 4.7 mm und auf Jupiter gehalten. Die Bildhelligkeit ist jetzt wesentlich besser zu ertragen, Jupiter in grün ist zwar etwas ungewohnt, aber: alle Details sind weiter da, keinerlei Einbussen bei der Bildqualität.
Dann allerdings begannen die Minusgrade ihren Tribut zu fordern: Zeit für die Heimfahrt. Zur Feier von IC443 beschloss ich spontan auf der Heimfahrt, mir später exakt 1.25 Liter heissen Pfefferminztee zu gönnen. Ein Viertelliter zum Trinken, ein ganzer Liter um die durchgefrorenen Füsse reinzutunken......
Euch allen ebenfalls viiiiiele Erfolgserlebnisse, auch, und gerade nach unzähligen Fehlschlägen beim einen oder anderen Objekt,
Jürgen.